04.02.2025
FINANZIERUNG

Wohnio: Wiener PropTech holt sechsstelliges Investment – PlanRadar-Gründer steigt ein

Warum sich namhafte Investor:innen am Startup beteiligen und wie genau Wohnio durch intelligente Heizungsoptimierung hohe Einsparungen erzielt, haben wir im Gespräch mit Wohnio-Gründer Kevin Bauer erfahren.
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Ein Teil des Teams von Wohnio | (c) Wohnio

Die steigenden Energiekosten und der Klimawandel üben großen Druck auf die Immobilienbranche aus. Im mehrgeschossigen Wohnbau sind Einsparpotenziale besonders hoch, da laut Branchenexperten 80 Prozent der Bestandsgebäude bis zu 30 Prozent mehr Energie verbrauchen, als eigentlich nötig wäre. Hier setzt das Wiener Startup Wohnio an: Durch die intelligente Steuerung und Überwachung von Heizungsanlagen sollen Wohnhäuser nachhaltiger und gleichzeitig wirtschaftlicher werden.

Wohnio schließt Finanzierungsrunde ab

Für das weitere Wachstum hat sich das Unternehmen nun ein sechsstelliges Investment von renommierten Business Angels – darunter Stefan Speiser (Latido-Gründer), Domagoj Dolinsek (PlanRadar-Gründer), Sebastian Scholda (Weilburg Ventures), Peter Steinberger (PSPDFKit-Gründer) und Gerhard Kornfeld (Kornfeld Industries) – gesichert. Zudem erhält Wohnio auch Fördermittel von FFG und AWS.

Mit dem frischen Kapital und den Fördermitteln in Höhe eines siebenstelligen Betrags will Wohnio zügig wachsen. Im Gespräch mit brutkasten schildert Kevin Bauer, wie der Kontakt zu Planradar-Gründer Dolinsek zustande kam: „Ich kenne Domagoj Dolinsek schon ziemlich lang. Ich war früher bei Siemens und habe dort eine Geschäftslinie zum Thema digitale Zwillinge aufgebaut. In der Real-Estate-PropTech-Szene kennt jeder jeden, und wir sind immer in Kontakt geblieben.“

Dass Wohnio zusätzlich Fördermittel von FFG und AWS einwerben konnte, sei für die Entwicklung der Hardware-Prototypen wesentlich gewesen. „Das war wichtig, weil wir da sehr hardware-lastig sind. Die ganzen Prototypen, die wir gebaut haben, haben in Summe etwa 100.000 Euro gekostet. Da war klar, dass wir Forschungsförderung brauchen. In Kombination mit unseren Pilotkunden war das dann überzeugend“, sagt Bauer.

Heizungsoptimierung durch KI und IoT

Wohnio versteht sich als One-Stop-Shop für die intelligente Heizungsoptimierung. Das Startup sorgt für einen automatischen hydraulischen Abgleich und misst permanent Energie- und Wärmeströme in den unterschiedlichen Teilen des Gebäudes. Dadurch kann das System den Bedarf dort reduzieren, wo er temporär nicht vorhanden ist.

Foto: Wohnio

Laut Bauer steckt darin die zentrale Einsparung: „Was wir machen, ist: Wir bauen intelligente Regler und Sensoren im Heizsystem ein – mit dem Ziel, dass es überall gleich warm wird. Wenn das ganze Gebäude gleichmäßig beheizt wird, können wir die Vorlauftemperatur reduzieren und damit massiv Energie sparen.“

Die dazu notwendigen Ventile und Sensoren stammen nicht aus eigener Produktion, sondern sind gängige Standardgeräte. Wohnio kombiniert diese Hardware jedoch in eine selbst entwickelte Software mit KI-Optimierung. Die gesammelten Daten werden in der Cloud ausgewertet, um Muster zu erkennen, die Heizkurve laufend zu optimieren und Schwachstellen frühzeitig zu beheben.

Keine Umbaumaßnahmen in den Wohnungen nötig

Ein wesentlicher Vorteil für Eigentümer:innen und Genossenschaften liege darin, dass keine Eingriffe in den Wohnungen selbst erforderlich sind. Bisher waren derartige Sanierungen oft problematisch, weil man in jedem einzelnen Haushalt Renovierungsarbeiten durchführen musste. Bei Wohnio spielt sich die Umrüstung vor allem in der Heizzentrale sowie an den zentralen Strangleitungen ab. „Die Mieter kriegen eigentlich gar nichts mit“, so Bauer.

Wohnio plant größere Präsenz am europäischen Markt

Mit der gesicherten Finanzierung will Wohnio seine Technologie nicht nur österreichweit, sondern auch international ausrollen. Der Markt ist laut dem Gründer groß: In vielen europäischen Ländern stecke der mehrgeschossige Wohnbau noch immer in alten Strukturen fest, wodurch die Heizkosten hoch sind und CO2-Emissionen unnötig in die Höhe schnellen.

Die ersten Schritte in Richtung Skalierung hat das Startup bereits gemacht. Mehrere große Wohnbaugenossenschaften in Österreich setzen Wohnio in über 1.000 Wohnungen ein. Laut Bauer könne man dank der Digitalisierung die Installationen reibungslos sogar während der Heizperiode durchführen.

Noch spielt sich ein Großteil der Aktivitäten in Österreich ab, doch bis 2027 sollen bereits 100.000 Wohnungen mit Wohnios Technologie versorgt sein – so zumindest der ambitionierte Plan des Wiener Startups.


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(v. l.) AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter, BrightFlare-CEO Markus Seme, GMAR-Präsidentin Ulrike Haslauer, DCCS-Geschäftsführer Thomas Edlinger, Joanneum Research-Geschäftsführer Heinz Mayer und AT Styria-Geschäftsführer Helmut Röck © Lukas Elsneg

Der Cluster AT Styria (Plattform Automatisierungstechnik Steiermark), ein branchenübergreifendes Netzwerk von 120 Unternehmen, die in der Automatisierungstechnik tätig sind, hat bei den „European Robotics and Automation Talks“ in Graz seinen Plan für eine Robotik-Testregion vorgestellt. Dort soll die nächste Robotergeneration unter realen Produktionsbedingungen bis zur industriellen Einsatzreife entwickelt werden.

Ziel: Industrielle Einsatzreife

Mit an Bord sind unter anderem Joanneum Research, TU Graz, FH Campus 02, Magna Steyr, der KI-Softwareanbieter DCCS und der Security-Spezialist BrightFlare. Über die „Area Süd“ werden Kärntner Partner eingebunden. Dazu kommen das slowenische Netzwerk SRIP Factories of the Future, das italienische DITEDI, mit dem im Juli 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde, sowie Bayern Innovativ.

Aus Sicht von AT-Styria-Vorsitzendem Herbert Ritter, der auch Vizepräsident der WKO Steiermark ist, wird KI-gestützte Robotik zur zentralen Standortfrage. „Wir wollen Kooperationen erzeugen, als Enabler wirken und dafür sorgen, dass neue Technologien schneller in den Betrieben ankommen“, sagt er.

18 Millionen Euro aus Horizon Europe

Das Konsortium bewirbt sich um das einzige europaweite Leitprojekt, das Horizon Europe für die industrielle Integration KI-gestützter Robotik vorsieht. Horizon Europe ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union und läuft von 2021 bis 2027. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro ist es eines der größten Förderprogramme dieser Art weltweit. Gefördert werden Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten.

Die Ausschreibung öffnet im November 2026, dafür stehen rund 18 Millionen Euro bereit. Der Antrag soll im Frühjahr 2027 eingereicht werden, die Förderentscheidung fällt im Sommer. Bei einer Zusage könnte das Projekt 2028 starten.

Drei Pilotprojekte als Rückgrat

Geplant sind drei industrielle Pilotprojekte. Im ersten arbeiten humanoide Roboter an mehreren Arbeitsplätzen einer Fertigung, bedienen Maschinen und wechseln Werkstücke. Der zweite Pilot widmet sich der innerbetrieblichen Logistik mit autonomen mobilen Robotern. Im dritten übernehmen KI-Systeme Aufgaben in Qualitätskontrolle, Inspektion und Instandhaltung.

Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, erklärt das Ziel: „Jeder Pilot setzt bei einem konkreten Engpass im Betrieb an. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz: Welche Taktzeit erreicht das System, wie zuverlässig arbeitet es, welchen Integrationsaufwand verursacht es und wann rechnet sich die Investition? Genau diese Antworten brauchen Unternehmen, bevor sie eine neue Technologie in größerem Maßstab einsetzen.“

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