08.08.2025
RIGHT TO REPAIR

refurbed-Gründer Kaminski: „Richtlinie stärkt natürlich auch unser Geschäftsmodell“

Die "Right-to-Repair"-Richtlinie der EU wird in etwas weniger als einem Jahr wirksam. Beim Wiener Scaleup refurbed begrüßt man das aus mehreren Gründen.
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Kilian Kaminski | (c) refurbed
Kilian Kaminski | Foto: refurbed

Konsument:innen sollen gekaufte Produkte einfacher, günstiger und länger reparieren (lassen) können – das ist die Zielsetzung der „Right to Repair“-Richtlinie der EU. Im Sommer 2024 begann für die EU-Mitgliedstaaten die zweijährige Frist zur Umsetzung in nationales Recht – im Juli 2026 muss diese abgeschlossen sein.

Die Right-to-Repair-Richtlinie verpflichtet Hersteller u. a. dazu, Ersatzteile und Reparaturinformationen bereitzustellen und den Zugang zu diesen Informationen für Verbraucher:innen, unabhängige Reparaturbetriebe und Händler:innen zu unterstützen sowie Reparaturen zu angemessenen Preisen anzubieten. Derzeit umfasst die Richtlinie jene Produkte, die bereits unter die bestehende Ökodesign-Verordnung fallen, etwa Smartphones, Tablets, Waschmaschinen, Trockner, Kühlschränke oder Fernseher. Weitere Produktgruppen sollen sukzessive folgen.

refurbed engagiert sich mit Lobbying im politischen Prozess

Von Beginn an engagierte sich auch das Wiener Scaleup refurbed, das über mehrere Wege aktiv Umwelt-Lobbying betreibt (brutkasten berichtete), im politischen Prozess. Gemeinsam mit Partnern wie der European Refurbishment Association (EUREFAS) habe man etwa durch Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen, Teilnahme an Expert:innenveranstaltungen und Gesprächen mit Entscheidungsträger:innen Einfluss genommen, heißt es von refurbed.

Refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski sieht die Richtlinie entsprechend positiv: „Die große Neuerung ist, dass Konsument:innen erstmals ein festgeschriebenes Recht auf Reparatur haben – und zwar über die Produktlebensdauer hinaus.“ Für Hersteller heiße das: Ihre Produkte müssen künftig besser reparierbar sein, so der Gründer. Er gibt einen Einblick: „In Österreich fanden bereits erste Konsultationen mit Akteuren aus dem Reparatursektor statt. Unternehmen analysieren, wie sie die neuen Vorgaben erfüllen können.“

Refurbishment „leichter, schneller und günstiger“

Refurbed erwartet sich aber natürlich auch geschäftliche Vorteile aus der Umsetzung der Richtlinie. „Die Zielsetzung der Richtlinie stärkt natürlich auch unser Geschäftsmodell, weil sie Geräte reparierbarer und wiederverwendbarer macht – beides ist essenziell für hochwertige Refurbishment-Prozesse. Und sie verbessert im Idealfall und bei konsequenter Umsetzung die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Reparaturinformationen und Sichtbarkeit von unabhängiger Reparatur“, so Kaminski. Letztlich werde Refurbishment „leichter, schneller und günstiger“ werden, was sowohl die Branche als auch die zirkuläre Wirtschaft stärke.

Refurbed hat in diesem Jahr bereits mehrfach Schlagzeilen gemacht. Nachdem im Februar ein größerer Stellenabbau durchgeführt werden musste, konnten im April zwei Milliarden Euro Außenumsatz verkündet werden. Im Juni schließlich gab das Scaleup bekannt, die Profitabilität erreicht zu haben.

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KI-Agenten werden in Firmen immer mehr verwendet. | Symbolbild (c) Envato

Die aktuelle internationale Studie „State of AI 2026“ von McKinsey zeigt, dass immer mehr Unternehmen KI im beruflichen Alltag einsetzen. Dafür wurden 1.719 Personen in 97 Ländern befragt. Fast neun von zehn Teilnehmer:innen nutzen KI regelmäßig in mindestens einer Geschäftsfunktion. Auffällig ist der rasante Aufstieg der agentenbasierten KI (Agentic AI). Vor allem Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar treiben diese Entwicklung voran. 40 Prozent dieser Konzerne skalieren KI-Agenten bereits, im Vorjahr waren es noch 27 Prozent. Bei kleineren Unternehmen blieb dieser Anteil hingegen mit 22 Prozent nahezu unverändert.

Besonders Software-Programmieragenten verändern die IT-Budgets und Beschaffungsstrategien nachhaltig. Fast ein Drittel der befragten Organisationen (32 Prozent) gibt an, sich gegen den Kauf von externen Softwareprodukten oder -funktionen entschieden zu haben. Der Grund: Sie können diese Funktionalitäten nun mithilfe von Programmieragenten intern selbst entwickeln. Technologie-, Gesundheits- und Beratungsunternehmen sind hierbei die Vorreiter.

Finanzieller Erfolg gering, aber Mitarbeiter:innen profitieren

Trotz der tieferen Durchdringung und der neuen Möglichkeiten bei der Softwareentwicklung spiegelt sich der KI-Boom noch nicht überall im unternehmensweiten finanziellen Erfolg wider. Der Anteil der Unternehmen, die einen positiven Beitrag der KI zum operativen Gewinn (EBIT) verzeichnen, liegt unverändert bei 37 Prozent.

Gleichzeitig profitieren die Mitarbeiter:innen auf individueller Ebene: 80 Prozent der Befragten berichten, dass KI ihre persönliche Produktivität verbessert hat, und 50 Prozent treffen dank der Technologie laut eigenen Angaben bessere Entscheidungen am Arbeitsplatz. Ein Problem beim Einsatz hochentwickelter KI-Modelle sind allerdings die Betriebskosten. Rund 20 Prozent der Organisationen geben an, dass ihre Nutzung dadurch eingeschränkt ist. Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft hoch: 60 Prozent der Befragten erwarten, dass ihr Unternehmen die Ausgaben für Künstliche Intelligenz im kommenden Jahr weiter steigern wird.

Jobabbau rückt in den Fokus

Die Erwartungen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Belegschaft verändern sich ebenfalls. Aktuell gehen 39 Prozent der Befragten davon aus, dass der KI-Einsatz im kommenden Jahr zu einem Rückgang der Gesamtbeschäftigung in ihrer Organisation führen wird. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 32 Prozent. Tatsächlich blieben die realen Auswirkungen bisher deutlich hinter den Prognosen zurück. Nur 14 Prozent berichten von einem tatsächlichen, durch KI bedingten Personalabbau in den letzten zwölf Monaten. Eine Mehrheit von 66 Prozent verzeichnete in diesem Zeitraum keine oder kaum Veränderungen bei der Mitarbeiter:innenzahl.

KI-High-Performer

Die Studie beleuchtet auch eine kleine Gruppe sogenannter „KI-High-Performer“, die etwa sechs Prozent der Befragten ausmachen. Diese Unternehmen verzeichnen signifikante finanzielle Erfolge und setzen die Technologie anders ein. Sie nutzen KI nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern gezielt für Wachstum und Innovation. Zudem gestalten sie ihre Arbeitsabläufe grundlegend um, anstatt KI lediglich in bestehende Prozesse zu integrieren. Diese strategische Herangehensweise könnte für andere Organisationen wegweisend sein, um den Sprung von individueller Produktivität zu echtem wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

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