15.06.2022

Latido: Warum die Expansion in Europa für E-Health-Startups schwer ist

Das österreichische Startup Latido hat bereits vor der Corona-Pandemie gegründet und hat durch die erhöhte Nachfrage an digitalen Lösungen im Gesundheitswesen während der Pandemie profitiert. Den Wandel hin zu mehr Digitalisierung im Healthcare-Bereich wollen sie auch zukünftig mit ihrer Software vorantreiben.
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Founder und CEO von Latido, Stefan Speiser im brutkasten-Interview © brutkasten
Founder und CEO von Latido, Stefan Speiser im brutkasten-Interview © brutkasten

Das Wiener HealthTech-Startup Latido möchte die Digitalisierung des österreichischen Gesundheitssystems voranbringen. Dafür hat es eine Software entwickelt, die die Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen erleichtert, indem Arbeitsprozesse digitalisiert werden. Im brutkasten-Interview erklärt Gründer und CEO Stefan Speiser, welche Herausforderungen dem Unternehmen nach der Pandemie bevorstehen, welche Expansionsziele anstehen und wie sie ihre Plattform bald verdreifachen möchten.

Mit dem Firmennamen “Latido” (spanisch: Herzschlag) möchte sich das Startup von anderen Firmennamen aus der Branche abheben. Doch nicht nur der Name, auch der Fokus ihres Produkts sei im Vergleich zur Konkurrenz anders, da bei ihrem SaaS-Geschäftsmodell anstelle der Patient:innen die Ärzt:innen als Keyplayer agieren. Der Vorteil hier: Für eine funktionierende Kommunikation, müssen Patient:innen nicht erst Dokumente aus der jeweiligen Praxis anfordern, da die Kommunikation vom Arzt bzw. der Ärztin ausgeht. Bisherige Lösungen seien laut Speiser eher lokal installiert gewesen, Latido habe sich dazu entschieden, den Schritt in die Cloud zu gehen.

Eine sichere Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen

“Um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben muss man zunächst die Ärzt:innen abholen. Wir wollen Ärzt:innen eine möglichst gute Lösung für die Verwaltung ihrer Praxis geben und dann im nächsten Schritt die Patient:innen einbeziehen. Über unsere Software mit Zwei-Faktor-Authentifizierung kann dann eine sichere Kommunikation gewährleistet werden”, erklärt Speiser im Interview. Es handelt sich hier also um einen Service, den Ärzt:innen anbieten und dementsprechend von dieser Seite finanziert werde. Patient:innen sollen auch zukünftig nicht für das Produkt zahlen müssen. Stattdessen könne man sich als weitere Monetarisierungsmöglichkeiten vorstellen, die Zusammenarbeit mit weiteren Privatversicherungen auszubauen.

Beim Service handele es sich laut Speiser um ein umfangreiches System, das von der Online-Terminvereinbarung, über die Patient:innenkartei bis hin zur Honorarnote sämtliche Schritte abdecken soll. Im ersten Schritt habe man sich zunächst an Wahlärzt:innen und Privatärzt:innen gewandt.

Die Folgen der Corona-Pandemie

In der Pandemie habe sich die Nachfrage bei Latido sehr gut entwickelt, der CEO erkennt allerdings auch, dass der Peak bereits etwas abgeflacht sei. Dennoch sehe er großes Potential im Bereich der Telemedizin bzw. Telekonsultationen. Dass der Trend nach der Pandemie bleiben wird, sieht er ebenfalls optimistisch. Zwar seien die Fallzahlen in Österreich noch relativ gering, bei Latido habe man aber die Erfahrung gemacht, dass Patient:innen nach der ersten Nutzung einer Telekonsultation sehr zufrieden sind. “Es muss erstmal in den Umlauf gebracht werden”, meint Speiser.

Expansion in andere Länder bleibt schwierig

Das Startup, dessen Software aktuell von über 1000 Ärzt:innen in Österreich genutzt werde, sieht eine Skalierung über Österreichs Grenzen hinaus als schwierig an. Der Founder erklärt im brutkasten-Gespräch, dass eine europäische Expansions vorerst nicht geplant sei, was an einem grundsätzlichen Problem in den Bereichen Healthcare und E-Health liege. Hier sei es erfahrungsgemäß schwierig, Modelle zu finden, die europaweit skalierbar sind, da es sowohl durch unterschiedliche Sprachen, als auch durch länderspezifische regulatorische Rahmenbedingungen kompliziert ist, eine solche Software anzupassen. Zunächst stehe also die Kund:innengewinnung innerhalb Österreichs im Fokus der Wachsstumsstrategie.

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„Walter“ kann Ziegel mit einem Gewicht von bis zu 52 kg heben © PORR/Jan Hrdý

Der Bauriese Porr testet auf einer Baustelle in Tschechien, wie weit sich das Mauern automatisieren lässt. Beim Wohnbauprojekt Kladno Living, rund 25 Kilometer westlich von Prag, setzt ein Roboter mit der Bezeichnung WLTR, intern „Walter“ genannt, tragende Wände und Wohnungstrennwände aus plangeschliffenen Akustikziegeln. Das Projekt umfasst fünf Gebäude mit 371 Wohnungen samt Garagenplätzen.

Im Testbetrieb hat das Unternehmen die Maschine bereits seit 2025. Sie hebt Ziegel mit einem Gewicht von bis zu 52 Kilogramm und positioniert sie laut Aussendung millimetergenau auf Basis des digitalen Projektmodells. Zwei Personen bedienen den 2,5 Tonnen schweren Roboter, der auf eine Reichweite von 3,5 Metern kommt und mit 1,5 kW auskommt. Die angegebene Produktivität liegt bei 7,5 Quadratmetern pro Stunde, maximal sind zehn möglich.

Planung ab Tag eins

Entscheidend war aus Sicht des Konzerns, dass „Walter“ schon zu Projektstart eingeplant wurde. Robotik auf der Baustelle verlange eine enge Abstimmung zwischen Planung, Statik, Auftraggeber und Baustellenteam, dazu eine eigene Logistik und ausreichend Bewegungsfläche. Die aktuelle Gerätegeneration schafft nach Angaben des Unternehmens nicht nur lange gerade Wände, sondern auch Ecken und Wandöffnungen.

Der Roboter mauert auf der Baustelle des Projekts Kladno Living in Tschechien © PORR/Jan Hrdý

„Bauen ist und bleibt ein People Business. Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu ersetzen, sondern unseren Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand zu geben, die ihnen die besonders schweren Arbeiten erleichtern“, sagt Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. Der Roboter arbeite unter Aufsicht geschulter Fachkräfte, der größte Nutzen liege im Übernehmen der körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten.

Zentrale Robotik-Einheit

Koordiniert werden Automatisierungsprojekte gruppenweit über das Team Construction Automation & Robotics (CAR), das robotergestütztes Mauern neben BIM, digitalem Baumanagement und datenbasierten Lösungen verantwortet. Jeder Anwendungsfall entstehe aus einem konkreten Bedarf der Baustelle. Die Erfahrungen aus Kladno sollen in weitere Projekte einfließen, kündigt Dušan Čížek, Geschäftsführer von Porr Tschechien & Slowakei, an. Neu ist die Stoßrichtung nicht: Im brutkasten-Interview „Irgendwann wird der Kranfahrer eine IT-Fachkraft sein“ argumentierte Strauss bereits, dass Robotik das Berufsbild am Bau verschiebt, statt es abzuschaffen.

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