Alexander Pröll (ÖVP) ist in der neuen Bundesregierung als Staatssekretär für die Digitalisierungsagenden zuständig. Im brutkasten-Talk im Hof8 am Rande einer Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für digitale Medizin spricht er über seine Ziele und Prioritäten, über die Zukunft von Europa als Technologie-Standort und über die von ihm erwarteten Auswirkungen im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Um diese Themen geht es im Videotalk:
Digitalisierung als Standortfaktor
- Zentrale Bedeutung: Staatssekretär Pröll betont, dass Digitalisierung ein entscheidender Hebel für wirtschaftlichen Wohlstand ist.
- Studienergebnis: Er verweist auf Berechnungen, wonach eine breite Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Österreich bis zu 18 Prozent mehr Wertschöpfung und 37.000 neue Arbeitsplätze bringen könnte.
- DESI-Index: Österreich liegt derzeit auf Platz 9; Pröll setzt sich zum Ziel, in den nächsten fünf Jahren zu den Top 3 Ländern in Europa aufzusteigen.
Prioritäten in der Digitalisierung
- Digitale Kompetenzen: Pröll stellt klar, dass nicht nur IT-Fachkräfte, sondern alle Bevölkerungsgruppen fit für die digitale Transformation gemacht werden müssen. Workshops und Weiterbildungsinitiativen sollen deshalb weiter ausgebaut werden.
- E-Government und ID Austria: Bereits 3,6 Millionen Menschen nutzen laut Pröll die ID Austria. Er strebt an, bis 2030 alle BürgerInnen dafür zu gewinnen, um digitale Verwaltungswege zum Standard zu machen und so Effizienz für BürgerInnen und Unternehmen zu steigern.
- KI als zentrale Disruption: Pröll nennt KI die „größte technologische Umwälzung unserer Zeit“ und betont, dass Politik und Gesellschaft gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen müssen, um das Potenzial zu nutzen und gleichzeitig Vertrauen in die Technologie zu stärken.
Geopolitischer Kontext und internationale Wettbewerbsfähigkeit
- USA und China: Pröll verweist auf große geopolitische Veränderungen, darunter Strafzölle und eine teils ablehnende Haltung der US-Regierung gegenüber Wissenschaft, was für Europa aber auch Chancen eröffnen könnte (z. B. Rückkehr von Forschungskapazitäten).
- Europäische Rolle: Da Europa mehr Einwohner als die USA hat, sieht Pröll die Möglichkeit, sich als starker Akteur zu positionieren. Wichtig sei jedoch, gemeinsame Interessen zu bündeln, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Regulierung (EU-AI-Act) und Ausblick
- Balance zwischen Chancen und Risiken: Pröll befürwortet einen Rechtsrahmen für KI, um Risiken zu managen, betont jedoch, dass dieser nicht innovationshemmend wirken dürfe.
- Künftige Entwicklungen: Er verweist auf den rasanten technologischen Wandel (Beispiel Smartphones seit 2007) und hält es für offen, wie schnell KI zu einem allgemeinen, menschenähnlichen Leistungsniveau gelangen könnte. Ziel sei es, Österreich durch verlässliche Rahmenbedingungen auf diese Entwicklung vorzubereiten.