18.09.2017

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

Bei TechCrunch Disrupt sprachen zwei erfolgreiche Krypto-Founder und ein Krypto-Investor darüber, was einen guten ICO ausmacht.
/artikel/icos-ist-der-token-ueberhaupt-notwendig
(c) Dominik Perlaki: Panel zu ICOs

„Mit Venture Capital wird disruptive Technologie finanziert. Doch ICOs disrupten Venture Capital.“ – So beschreibt Dan Morehead von Pantera Capital seine Situation als VC im Kryptobereich. Bereits seit fünf Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema. Mit ihm am Panel bei der TechCrunch Disrupt in San Francisco sitzen OmiseGO-Founder Jun Hasegawa und Bancor Protocol-Founder Eyal Hertzog. Ersterer stellte bei seinem ICO rund 20 Millionen US-Dollar in Ether auf. OmiseGO ist momentan auf Platz 11 der Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung. Hertzog kam bei seinem ICO gar auf 150 Millionen US-Dollar Gegenwert.

+++ TechCrunch Disrupt SF: Startup-Messe mit Konzepten statt Show +++

Lösung eines konkreten Problems

Gemeinsam haben die beiden Founder, dass sie mit ihren Tokens und ihren Blockchain-Applikationen ein konkretes Problem lösen wollen. OmiseGo will den Austausch „jeglicher Werte“ möglich machen. Zunächst wird über die Ethereum-Blockchain-Applikation der nahtlose Peer-toPeer-Austausch von Kryptowährungen und klassische Währungen ermöglicht. Das Ziel von Bancor Protocol ist es, andere Tokens liquide, das heißt käuflich bzw. verkäuflich, zu halten. Denn genau die Liquidität könne bei Kryptowährungen schnell verloren gehen, sagt Founder Hertzog. Dazu ermöglich Bancor das Halten einer Reserve, die auch die Stabilität und Vorhersehbarkeit der Tokens erhöht, die das Protokoll nutzen. Bei Bancor spricht man dabei von „Smart Tokens“.

Token muss eigenen Zweck erfüllen

Das Konzept hinter dem Token ist für Krypto-Investor Morehead das Non-Plus-Ultra bei einem ICO. „Die Frage ist: Ist der Token überhaupt notwendig?“, sagt er. Denn wenn es nur darum ginge, Geld aufzustellen, sei der ausgegebene Coin ersetzbar. „Wenn der Token keinen eigenen Zweck erfüllt, ist seine Wertentwicklung komplett unvorhersehbar“, erklärt Morehead. Er investiere nur, wenn er an das Projekt dahinter und den Nutzen des Token glaube. Vom Glauben an das Konzept sei auch die Frage abhängig, ob er Coins hält oder verkauft.

Redaktionstipps

Viel Vorarbeit bis zum Whitepaper

Diese Einschätzung vor dem ICO zu treffen sei eine Herausforderung: „Es ist für einen Investor noch schwerer abzuschätzen, als zur Dotcom-Zeit. Damals hatte man zumindest einen Dummy, jetzt ist es überhaupt nur ein Whitepaper“. Man müsse die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs anhand weniger bekannter Parameter einschätzen. Hertzog hakt ein: „Bei uns habe zehn Leute bereits ein Jahr vor dem ICO am Produkt gearbeitet und wir hatten einen funktionierenden Prototypen.“ Auch Hasegawa gibt zu bedenken, dass bei einem seriösen Token Sale eben doch schon deutlich mehr Vorarbeit da ist.

Das Volumen ist entscheidend

Einig ist man sich im Panel darüber, dass bei ICOs neben dem Nutzen des Coins auch das verkaufte Volumen der neuen Währung wohl überlegt sein muss. „Ich wollte bei unserem Token Sale nur soviel Geld aufstellen, wie wir tatsächlich gebraucht haben“, erzählt Hasegawa. Er hätte auch auf das zehnfache Kapital, also rund 200 Millionen US-Dollar kommen können. Wichtiger als das erzielte Volumen sei für ihn ohnehin die Verbreitung seines Tokens: „Weil der Coin selber ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäfts ist, mussten wir ihn an so viele Menschen wie möglich bringen“.

Funding für ein Ökosystem

In diesem Ziel der Verbreitung sieht Hertzog einen revolutionären Aspekt der Krypto-Ökonomie im Allgemeinen und von ICOs im Speziellen: „Erstmals in der Geschichte ist es so, dass Kapital nicht nur für profitorientierte Unternehmen, sondern für Ökosysteme aufgestellt wird.“ Er spielt auf Ethereum an, hinter dem eine Foundation steht und das mit seiner Blockchain eine Plattform für eine Vielzahl an Applikationen bietet, die teilweise ebenfalls nicht per se profitorientiert sind. Auch Hasegawa ist von der revolutionären Wirkung der Blockchain-Technologie überzeugt: „Das Ethereum-Netzwerk verändert, wie Menschen Werte an sich wahrnehmen“.

+++ Altrichter: “ICOs werden noch viel bedeutsamer werden” +++

Deine ungelesenen Artikel:
02.06.2026

Paketabgabe: „Wir brauchen weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung“

Die von der Bundesregierung geplante Paketabgabe trifft bei heimischen Startups und Scaleups auf breite Ablehnung. Kritisiert wird dabei nicht das Ziel, sondern die Umsetzung. Wir haben uns umgehört.
/artikel/paketabgabe-wir-brauchen-weniger-symbolpolitik-und-mehr-intelligente-steuerung
02.06.2026

Paketabgabe: „Wir brauchen weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung“

Die von der Bundesregierung geplante Paketabgabe trifft bei heimischen Startups und Scaleups auf breite Ablehnung. Kritisiert wird dabei nicht das Ziel, sondern die Umsetzung. Wir haben uns umgehört.
/artikel/paketabgabe-wir-brauchen-weniger-symbolpolitik-und-mehr-intelligente-steuerung
Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash
Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash

Bereits seit der Veröffentlichung des Ministerialentwurfs zu einer neuen Paketsteuer im Mai trifft diese in der öffentlichen Diskussion auf Kritik. Vorgesehen ist eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket, die ab dem 1. Oktober 2026 von großen Online-Handelsplattformen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen Euro eingehoben werden soll. Nachdem das vorparlamentarische Begutachtungsverfahren zum Gesetzesentwurf am 26. Mai 2026 offiziell geendet hat, geht die Vorlage im nächsten Schritt in die Debatte und finale Abstimmung im Nationalrat.

Mit den prognostizierten Einnahmen von jährlich rund 280 Millionen Euro will die Bundesregierung die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel teilweise gegenfinanzieren. Zudem wolle man den lokalen stationären Handel gegenüber den internationalen E-Commerce-Riesen stärken, so die Argumentation. Und auch der Umweltschutzaspekt wird seitens der Regierung ins Treffen geführt. Diese Begründung lassen viele Kritiker:innen aber nicht gelten.

Dobrocka: „wird nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben“

Auch unter Gründer:innen heimischer Startups und Scaleups im Logistik-Bereich, die für brutkasten erreichbar waren, herrscht breite Ablehnung gegenüber der Paketabgabe. Dabei ist es nicht die Zielsetzung, die kritisiert wird. „Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert über Maßnahmen zu diskutieren, die den österreichischen Markt vor einer Flut an ausländischen Sendungen schützen und österreichische Unternehmer stärken. Aber diese Maßnahme tut das nicht“, meint etwa Petra Dobrocka, Co-Founderin und CCO des Wiener Logistik-Scaleups byrd. „Selbst wenn ein heimischer Händler die Ware in Österreich verpackt und mit der österreichischen Post an einen österreichischen Kunden schickt: Sobald der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon läuft, greift die Steuer.“ Die Maßnahme werde letztlich „nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben.“

Braith: „Emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen“

Ähnlich argumentiert auch Storebox-Co-Founder und CEO Johannes Braith. Er führt zusätzlich eine ökologische Perspektive ins Treffen. „Wir brauchen aus meiner Sicht weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung. Wenn Politik Lenkungswirkung ernst meint, dann sollte sie emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen und nicht pauschal jede Form des Versandhandels verteuern“, so der Gründer. Das Gesetz unterscheide nämlich zu wenig zwischen emissionsintensiven und emissionsarmen Zustellmodellen. Klassische Haustürzustellung sei ineffizient und verursache Retourenverkehr und Parkdruck, meint Braith und führt Click-&-Collect-Modelle mit gebündelter Anlieferung ins Treffen, wie sie auch sein Unternehmen umsetzt.

Weiß: EU-Regelung statt „Alleingang“

Georg Weiß, Co-Founder und CEO des Wiener Logistik-Scaleups Quivo, würde in dem Zusammenhang lieber eine europäische Lösung sehen. „Auf EU-Ebene gibt es ja auch Vorschläge, etwa Zölle für Kleinpakete unter 150 Euro einzuführen, um den europäischen Markt vor Billigprodukten zu schützen. Das halte ich für die sinnvollere Maßnahme, als aus Österreich heraus einen Alleingang zu machen und eine Zwei-Euro-Paketgebühr einzuführen“, so der Gründer gegenüber brutkasten.

AustrianStartups: Nachteile für Startups und Scaleups befürchtet

Kritik an der Paketsteuer kommt auch von AustrianStartups. „Wer Österreich als Innovationsstandort stärken will, kann nicht gleichzeitig die Vertriebskanäle innovativer Unternehmen im E-Commerce belasten. In der aktuellen Form würde der Entwurf vor allem Startups, Scaleups und KMUs treffen, die über Plattformen verkaufen oder aus Österreich versenden“, meint man dort. Auch befürchtet man potenzielle Probleme für Scaleups in der Branche, weil ein gleitender Übergang bei der Umsatzschwelle fehle: „Für Scaleups, die gerade die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, bedeutet das einen abrupten Kostenschock in genau der Phase, in der sie skalieren wollen.“

Kaminski: „Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll“

Zudem hebt AustrianStartups eine besondere Problematik im Secondhand- und Refurbishment-Bereich hervor und zitiert dazu refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski: „Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering. So eine Abgabe kann nicht einfach weitergegeben werden. Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht. Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Falls die Abgabe kommt, braucht es zwingend eine Ausnahmeregelung für Secondhand und Refurbished.“

AustrianStartups forderte daher bereits im Mai „eine Rücknahme des Entwurfs in seiner aktuellen Form“. Sollte dies nicht passieren jedenfalls aber eine „Prüfung eines EU-weiten Rahmens statt eines österreichischen Alleingangs“ und eine Ausnahmeregelung für Secondhand, Refurbished und Reuse.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ICOs: „Ist der Token überhaupt notwendig?“