15.01.2025
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Diese heimischen Startups und Scaleups setzen auf Profi-Sportler:innen

Listicle. Es lebe der Sport! Und deren Sponsor:innen. Welche Startups und Scaleups auf Sport-Marketing setzen und welche Teams, Turniere und Athlet:innen dabei unterstützt werden.
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v.l.o.n.r.u.: Mirjam Puchner (c) waterdrop | Alexander Zverev (c) Bitpanda | Jonathan Tah (c) Neoh | Dominik Thiem (c) Bitpanda | Gregor Schlierenzauer (c) Manfred Werner | Novak Djokovic (c) waterdrop | Cameron Norrie, Taylor Fritz, Elina Svitolina, Hubert Hurkacz, Sebastian Korda, Andrey Rublev (c) waterdrop

Sie ist nahezu unschlagbar. Die Liebe von Sportfans zu Lieblingsmannschaft und -Athlet:innen. Von einer derart starken „Kundenbindung“ träumen viele Unternehmen. Als logischer Schritt für mehr Aufmerksamkeit und eine engagierte Zielgruppe versuchen sich einige heimische Startups und Scaleups im Sport-Sponsoring.

Profi-Sportler:innen mit Effekt

Sei es als Partner internationaler Meisterschaften oder als Sponsor einzelner Athlet:innen – viele Unternehmen wissen, was sie tun müssen, um ihr Image mit den Erfolgen von Profi-Sportler:innen aufzupolieren.

Basierend auf eigener Berichterstattung hat brutkasten nachfolgend heimische Startups und Scaleups aufgelistet, die auf Profi-Sport in ihrem (Marketing-)Portfolio setzen. Die Tendenz: Krypto-, FinTech- und Microdrink-Scaleups fühlen sich im Sportler-Umfeld wohl am wohlsten. Wenn auch der Frauenanteil an gesponserten Athlet:innen vergleichsweise gering ausfällt.


Bitpanda

Bitpanda ist nicht nur Österreichs am höchsten bewertetes Scaleup, sondern mittlerweile auch jenes, das sich am stärksten im Sport-Sponsoring engagiert. Dabei ist die Geschichte des Krypto-Brokers als Sportsponsor eine vergleichsweise kurze.

Anfänge im Rugby

In seinen Sport-Sponsoring-Anfängen pflegte Bitpanda eine Partnerschaft mit der Italian Rugby Federation – wie der Broker im April 2022 auf seinem Blog berichtete. Zum damaligen Zeitpunkt sollte die Partnerschaft bis Ende 2023 verlängert werden.

Im Zuge dessen agierte das Unicorn als Trikotsponsor der Männer-, Frauen- und U20-Nationalmannschaften sowie nach eigenen Angaben als “der erste Titelsponsor in der Geschichte der Serie-A-Frauen” des Sports.

FC Bayern München

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass das Wiener Unicorn seine erste Werbepartnerschaft mit einem Fußballclub verkündete – und die hatte es gleich in sich: Deutschlands Fußball-Rekordmeister FC Bayern München.

v.l.n.r.: Michael Diederich (CFO der FC Bayern München AG), Jan-Christian Dreesen (CEO der FC Bayern München AG), Eric Demuth (Co-Founder und CEO von Bitpanda), Lukas Enzersdorfer-Konrad (Deputy CEO von Bitpanda) und Andreas Jung (Marketing-Vorstand der FC Bayern München AG) | (c) HBI

Seitdem sollten viele folgen. Unter der Ägide der wenige Tage nach der Bayern-München-Partnerschaft vorgestellten Commercial Manager Maik Brodowski und Martin Beranek schloss Bitpanda vergangenes Jahr einen Sport-Sponsoringvertrag nach dem anderen.

AC Milan und Paris Saint-Germain

Das Bitpanda-Portfolio an Verträgen mit europäischen Spitzenfußballklubs wuchs mittlerweile auf drei an. Nach Bayern München im Jänner 2024 folgten die italienische Nummer drei nach Meistertiteln bzw. Nummer eins nach Champions-League-Titeln, AC Milan, im August 2024 und der französische Rekordmeister Paris Saint-Germain vor wenigen Tagen im Jänner 2025.

Bitpanda mit CEO Eric Demuth (Mitte) wurde neuer Sponsor des AC Milan (c) Bitpanda

Thiem, Zverev und Wawrinka

Doch auch im Tennis hat sich Bitpanda im Laufe des vergangenen Jahres ein Portfolio an Werbeverträgen aufgebaut. Auf den Schweizer Grand-Slam-Sieger Stanislas Wawrinka im Mai 2024 folgte der deutsche Tennis-Star Alexander Zverev im November.

Tennis-Profi Alexander Zverev (c) Bitpanda

Dazwischen – im August – nahm Bitpanda den heimischen Tennis-Star Dominic Thiem knapp vor seinem Karriereende unter Vertrag, um dieses dann mit einem gigantischen Plakat am Wiener Stephansdom zu würdigen. Zudem sponserte der Krypto-Broker im Laufe des Jahres mehrere ATP-Turniere.

Dominic Thiem und Eric Demuth vor dem Stephansdom (c) Bitpanda

Rugby, NFL und Streaming

Und das war nicht alles. Im Juli 2024 verkündete Bitpanda einen Vertrag mit dem französischen Rugby-Star Antoine Dupont. Im September wurde man offizieller Partner der US-American-Football-Liga NFL und verkündete wenige Tage später eine Kooperation mit dem Sport-Streamer DAZN.


waterdrop

Eine ähnliche Schiene fährt das Wiener Microdrink-Scaleup waterdrop. Wenn auch das Scaleup schon etwas vor Bitpanda den Schritt zum Sport-Sponsoring wagte.

Djokovic als Botschafter und Investor

Novak Djokovic ist eine unverkennbare Größe im internationalen Tennissport – und scheint im Wiener Scaleup waterdrop Potenzial zu sehen: So beteiligte sich der Tennis-Star im Jänner 2023 am Microdrink-Unternehmen. Damals sprach waterdrop von einem Investment in Höhe von “mehreren Millionen Euro”. Außerdem wird Djokovic seither als “globaler Markenbotschafter” eingesetzt.

Novak Djokovic wurde Waterdrop-Ambassador und Investor (c) waterdrop

Neben Djokovic, der im April des Vorjahres zum ältesten Tennisspieler mit ATP-Weltranglisten-Führung gekürt wurde, unterhält waterdrop auch Partnerschaften zu anderen Tennis-Stars. Die beiden Tennis-Profis Danielle Collins und Taylor Fritz, beide aus den USA, wurden im Juli 2022 als die ersten “waterdrop athletes” verkündet.

Im April 2024 holte das Microdrink-Unternehmen neue Tennis-Profis als Markenbotschafter:innen an Bord. Konkret: Andrey Rublev, Elina Svitolina, Hubert Hurkacz, Sebastian Korda und Cameron Norrie.

(v.l.n.r.) Cameron Norrie, Taylor Fritz, Elina Svitolina, Hubert Hurkacz, Sebastian Korda, Andrey Rublev (c) Waterdrop

ATP und Tennisplatz am Time Square

Im Februar 2023, kurz nach dem Einstieg Djokovics, wurde das Wiener Scaleup zum globalen Partner der Tennis-ATP-Turniere. Man sprach von einer “Hydrations- und Gold Partnerschaft“, im Zuge derer sich ATP und waterdrop für “eine nachhaltige Flüssigkeitsversorgung während der ATP Tour einsetzen” wollen.

Im August 2023 erregte waterdrop erneut Aufmerksamkeit im Rahmen einer außergewöhnlichen Marketingaktion: Das Scaleup baute einen Tennisplatz am Times Square im New Yorker Stadtteil Manhattan auf. Das Event sollte waterdrops Ernennung zum offiziellen Partner der ATP-Tour 2023 markieren. Auch Djokovic war als Markenbotschafter vor Ort.

Der Tennisstar Djokovic war für Waterdrop am Tennisplatz am Times Square (c) Waterdrop

„Official Bottle“ Partner der Australian Open

ATP-Partner war es schon, nun fehlte dem Wiener Scaleup der zweite große Brocken in der globalen Tennis-Turnier-Reihe: Die Grand-Slam-Turniere. Im Oktober 2024 tätigte waterdrop seinen ersten Schritt in Richtung Grand Slam und wurde Partner der Australian Open, die aktuell in Melbourne stattfinden. Man sprach von einer mehrjährigen Partnerschaft. Namentlich ist man als “Official Bottle”-Partner mit dabei.

Ski-Athletin Mirjam Puchner

Waterdrop hat sich mittlerweile ein Standing im Tennis-Sport erarbeitet. Einen kleinen Ausreißer gibt es allerdings: 2022 trat der Microdrink-Experte in den Ski-Sport und holte sich die heimische Ski-Athletin Mirjam Puchner als Markenbotschafterin. Zur Saison 2023/2024 verkündete waterdrop, als CO2-Kompensator seiner Botschafterin wirken zu wollen. Dafür unterstützte das Scaleup die Realisierung zweier Umweltprojekte.

Alpine Skiläuferin Mirjam Puchner (c) waterdrop

Neoh

Als Hersteller zuckerfreier Schokoriegel in diversen Geschmacksrichtungen ist das Wiener FoodTech Neoh ein naheliegender Sponsor all jener, die im Rahmen intensiver sportlicher Aktivität auf ihren Zuckerkonsum achten.

Dieser Mission hat sich das Startup schon recht früh angenommen: Im Juni 2020 vermeldete Neoh, dass der deutsche Fußballl-Nationalspieler Jonathan Tah mit einem sechsstelligen Betrag beim Startup eingestiegen und zudem als Testimonial ernannt worden sei. Im selben August stieß der damals als “zweitfittester Mann der Welt” betitelte Crossfit-Profi Noah Ohlsen als Investor und Testimonial hinzu. 

Neun Monate später trat der Mountainbiker Fabio Wimber als Markenbotschafter von Neoh auf – damals auch in einer Fernsehwerbung. Ein weiteres Monat später kam der Tennis-Star Dominic Thiem hinzu, der auch eine Unternehmensbeteiligung erwarb. 

Zwei Jahre später, im Oktober 2023, wagte Neoh den Schritt zum Vereinssponsor des SC Austria Lustenau. Das Logo des Startups schaffte es damit nicht nur auf die Brust des Sportclubs, sondern das Startup betreut im Rahmen der Zusammenarbeit auch das Blutglukose-Tracking der Vorarlberger Fußballprofis.

(v.l.n.r.): Vincent Baur (Geschäftsführer bei Austria Lustenau), Manuel Zeller (Gründer und Geschäftsführer von Neoh), Patrick Schuchter (Marketingvorstand bei Austria Lustenau) (c) Neoh

Krypto- & FinTech-Startups sponsern gerne – Graz ist Hotspot

Wie die obigen Zeilen verraten, hat der heimische Krypto-Broker Bitpanda zahlreiche Partnerschaften mit Profi-Sportler:innen abgeschlossen. Doch nicht nur das in Wien gegründete Unicorn sponsert Athlet:innen. Auch die Salzburger Bitcoin-Handelsplattform 21bitcoin ging im vergangenen Juli eine Partnerschaft mit dem FC Red Bull Salzburg.

Stephan Reiter, Managing Director FC Red Bull Salzburg, Daniel Winklhammer, CEO 21bitcoin (c) 13pm e.U.

Daneben ist auch das mittlerweile im Unternehmen Altify aufgegangene Krypto-Startup Coinpanion im Sport-Sponsoring aktiv gewesen: Es war 2022 der “offizielle Krypto-Asset-Manager“ des Bundesligisten SK Sturm Graz. Außerdem tritt das Online-Pfandleihe-Startup cashy als Sponsor des Grazer Fußballklubs GAK auf. Mittlerweile zählt die steirische Landeshauptstadt sogar drei Sport-Sponsor-Größen: Seit Februar 2024 agiert auch das Grazer-Bitcoin-Startup Coinfinity als Partner des niederösterreichischen FC Flyeralarm Admira.

Nicht nur als Testimonial, sondern auch als Investor holte sich das Wiener FinTech-Startup froots einen ehemaligen Profi-Sportler Bord: Den Ex-Skispringer und zweifachen Gewinner der Vierschanzentournee Gregor Schlierenzauer.

froots-Gründer David Mayer-Heinisch & Gregor Schlierenzauer (c) froots
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Bits & Pretzels Mitgründer und Managing Director Bernd Storm van's Gravesande © Bits & Pretzels

Weißwurst zum Frühstück, Brezn zur Beteiligungsverhandlung: Wenn München jedes Jahr im Herbst zur Wiesn bläst, verwandelt sich ein Teil der Stadt gleichzeitig in die größte Gründerbühne Europas. Seit 2014 zählt die Bits & Pretzels zu den wichtigsten Innovationsevents des Kontinents. Größen wie Barack Obama oder Arnold Schwarzenegger haben in München bereits ihre Weisheiten mit dem Publikum geteilt. Bei der dreitägigen Konferenz geht es aber nicht nur um Inspiration, sondern vor allem um Austausch und potenzielle Kundengewinnung. Genau darin sieht Bits-&-Pretzels-Mitgründer und Managing Director Bernd Storm van’s Gravesande eine relevante Alternative zur klassischen Kapitalaufnahme über VCs.


brutkasten: Die polarisierende These, mit der wir heute starten: VCs sind out, Corporates sind in. Wie kommst du dazu?

Bernd Storm van’s Gravesande: Ich möchte die zentrale und wichtige Rolle von VCs damit überhaupt nicht kleinreden – ohne Venture Capital gäbe es das ganze Startup-Ökosystem nicht, das muss uns klar sein. Aber die Überspitzung dient natürlich auch dazu, dass wir erkennen: Für viele Startups – nicht für alle – gibt es Alternativen. Nämlich, dass ein Ankerkunde manchmal passender ist als ein Ankerinvestor. Da muss man immer definieren: für wen, für welches Startup, in welcher Phase.

Aber ein Ankerkunde kann sehr wertvoll sein. Nehmen wir ein Beispiel, das gerade in aller Munde ist: Defense. Wir haben die Helsings, die Quantum Systems und so weiter. Das ist eine spezielle Branche, aber das Muster dahinter erkennen wir auch in anderen Branchen. Bei all diesen hast du nicht nur reine VCs, sondern etwa mit der Bundeswehr oder mit internationalen Staaten ganz konkrete Kunden, mit denen du nicht nur über potenzielle Umsätze sprichst, sondern über ganz konkrete.

Wenn du als Startup schon zahlende Kunden mitbringen kannst, ist das so viel mehr wert als jede Powerpoint oder Marktanalyse. Das ist der eigentliche Proof. Du hast einen Ankerkunden und das ist sehr viel wert, auch für künftige Partner- und Kundenbeziehungen oder spätere Finanzierungsrunden.

Ist das eine Entwicklung, die du erst in letzter Zeit beobachtest, oder war das eigentlich immer schon so?

Die Rahmenbedingungen haben sich verändert, es geht verstärkt in diese Richtung. Vor vier, fünf Jahren war Kapital sehr günstig, Venture Capital war auch leichter in höheren Bewertungsrunden aufzunehmen. Da war es nicht so zwingend notwendig, zähe Corporate Deals einzugehen. Diese Rahmenbedingungen haben sich geändert.

Gleichzeitig haben sich aus meiner Sicht auch die Corporates selbst entwickelt. Vor zehn Jahren war es fancy, Acceleratoren und Innovation Labs zu haben, Innovationsprogramme – ein bisschen Schaufensterdekoration. Daraus ist inzwischen ein existenzieller Druck geworden, vor allem im Bereich KI. Die Corporates sehen die Innovation von Startups nicht mehr als Nice-to-have, sondern stehen so stark unter Druck, dass sie darauf angewiesen sind und überlegen müssen, wie sie diese intern nutzen können. Das sind die zwei Hauptfaktoren, die sich geändert haben: die Rahmenbedingungen für die Kapitalaufnahme und die Dringlichkeit der Corporates, externe Innovation aufzunehmen oder mit Startups zusammenzuarbeiten.

Bei der Bits & Pretzels haben wir ja nicht nur Investoren und Kunden, sondern auch 500 CIOs, weil wir verstehen, dass diese künftige Kunden- oder Entwicklungsbeziehung in unserer Wirtschaft notwendig sein wird – wir reden über Europa, über Deutschland. Das ist keine temporäre Reaktion, nach dem Motto: Weil Kapital teurer ist, machen wir eben was anderes. Es geht klar in die Richtung, dass man idealerweise sehr früh im Rahmen der Produktentwicklung gemeinsam mit Ankerkunden erste Umsätze generiert und am Markt Fortschritte erzielt.

Gibt es Red Flags, bei denen du sagen würdest: Finger weg von dieser Corporate-Venturing-Beziehung?

Red Flag ist ein hartes Wort, aber vorsichtig wäre ich bei Innovationslaboren. Ich würde jedem empfehlen, direkt zum Bereichsleiter oder zur Bereichsleiterin mit Umsatz- und Kostenverantwortung zu gehen, weil man dann bei den Entscheider ist. Ich würde mich nur eng committen, wenn man einen Kontakt auf Vorstands- oder Bereichsvorstandsebene hat – einen C-Level-Sponsor, weil man sonst nicht alle Türen öffnen kann.

Man muss sich vor Augen halten: Wenn du ein Corporate als Kunden siehst, ist das ein toller Proof, aber auch ein Riesen-Pain. Ein häufiges Problem, ein Stolperstein, ist die Geschwindigkeit. Wenn ich als kleiner Gründer an einen DAX-Konzern herantrete, bin ich startklar, ich fange morgen mit der Entwicklung an. Aber die brauchen so viele Abstimmungen – Rechtsabteilungen, Bereichsleiter, Einkaufsprozesse, Integrationsschnittstellen, IT-Implementierungsbudgets. Das dauert. Das muss man als Gründer wissen, das geht nicht von heute auf morgen. Was ich aus eigener Erfahrung und von vielen anderen auf der Bits & Pretzels gehört habe, nenne ich „Pilotitis“: Lass uns mal einen kostenlosen Proof of Concept machen und dann weitersehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht das nie in den Echtbetrieb, das ist die falsche Herangehensweise.

Beim Thema Kundenrisiko: Wenn Corporates Exklusivität wollen, dann höchstens temporär, sechs, zwölf Monate, aber bitte nicht 24 Monate – sonst bist du gefangen und kannst nur hoffen, dass sie dir Folgeprojekte geben. Ein weiteres mögliches Warnsignal: Wenn sich der Einkaufsprozess so in die Länge zieht, dass etwa ein Betriebsrat zustimmen muss, sollte man sich fragen, ob das trotzdem der richtige Kunde ist – als Gründer hat man ja ohnehin schon Zeitdruck, etwas FOMO und ein bisschen Paranoia.

Wo passen die VCs in diesem Bild trotzdem noch rein? Wo macht es weiterhin mehr Sinn, auf VC zu setzen statt auf Corporates als Pilotkunden?

Grundsätzlich immer, wenn man ein skalierbares Tech-Business-Modell hat. Ich sage nur, dass VC nicht mehr die einzige Option ist. Die Anzahl der Finanzierungsrunden geht runter, die Anzahl der Gründungen geht hoch – also müssen sich Gründer zwangsläufig überlegen, wo sie außer von VCs Geld herbekommen. Umsatz ist das neue Risikokapital, plakativ gesagt. Das kann für viele funktionieren, weil nicht alle von Milliardenrunden wie bei Helsing oder von den gerade raisenden Health-Tech-Companies gesegnet sind. Wir reden auch über den Mittelstand der Gründungen, der ebenfalls Umsatz braucht – und kein VC-Geld zu bekommen heißt nicht automatisch, keinen Erfolg am Markt zu haben. Viele bekommen keinen VC. Und ich plädiere dafür, zu überlegen, dass Umsatz auch gutes, für viele sogar das passende Kapital sein kann.

Auf der Bits & Pretzels findet auch heuer wieder der CIO AI Summit statt, den ich intern kuratiere und hoste. Da kommen 500 CIOs aus dem deutschen Mittelstand, aus der deutschen Industrie und von Großunternehmen zusammen, tauschen sich zunächst untereinander aus, und dann öffnen wir den Raum, damit jeder Gründer und jede Gründerin mit ihnen in Kontakt treten kann. Genau das sind mögliche Kontaktpunkte, um Ankerkunden zu gewinnen – und auch für jedes österreichische Startup, das den deutschen Markt als relevant erachtet, eine sehr effiziente Möglichkeit, Industriekontakte zu knüpfen.

Wenn wir schon bei der Bits & Pretzels sind: Wie ist es euch eigentlich gelungen, Steven Bartlett heuer als Speaker zu gewinnen und auf welche Highlights darf man sich sonst noch freuen?

Beharrlichkeit. Es ist nicht das erste und nicht das zweite Mal, dass wir angefragt haben, das erste Mal ungefähr 2024. Wir haben als Veranstalter den Luxus, aber auch die Bürde, zu überlegen, wer passt, wer motiviert, wer inspiriert, wer den Leuten Energie im Raum gibt und die Gespräche entfacht. Und da waren wir uns immer einig, dass Steven Bartlett ein toller Mensch ist – selbst Gründer, und durch seine Empathie in seinen Interviews betont er immer wieder genau diesen menschlichen Aspekt hinter dem Unternehmen, hinter der Gründung. Das passt sehr gut zu unserem heurigen Motto „Human After All“. Dazu kommt seine enorme Expertise: Er ist ein sehr guter Speaker, ein bisschen Celebrity, aber eben auch ein fantastischer Fachexperte, der die Leute begeistern kann – und das wollen wir. Also leider keine wahnsinnige Story von einem zufälligen Treffen beim Kaffee in London, sondern schlicht Hartnäckigkeit, bis er endlich Zeit hatte.

Ein bisschen in dieselbe Richtung geht auch Trevor Noah, den wir ebenfalls dabei haben: Auch er ist Unternehmer, hat für Microsoft eine KI-Serie gemacht, ist also vom Fach. Ich glaube, solche Personen können unsere Themen nochmal ganz anders beleuchten, aus einer anderen Perspektive, und die Leute begeistern. Ein bisschen Out-of-the-box-Denken eben – deshalb holen wir sie.


Die Bits & Pretzels 2026 findet heuer von 28. bis 30. September 2026 wieder in München statt.

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