23.09.2019

Reverse Pitch vor der Wahl: Das bieten Österreichs Parteien der Startup-Szene

Im Vorfeld der Nationalratswahl 2019 haben Vertreter der österreichischen Parteien vor der Startup-Community ihre Maßnahmen für das Ökosystem gepitched. Die wichtigsten Punkte werden hier zusammengefasst - als kleine Entscheidungshilfe für die Wahl.
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(c) Stefan Mey

Im Vorfeld der österreichischen Nationalratswahl haben diverse Vertreter der Startup-Szene ihre Forderungen an die Politik artikuliert. Doch wie wollen Österreichs Parteien die heimischen Gründer nach der Wahl wirklich unterstützen? Genau dieser Frage widmete der brutkasten vergangene Woche gemeinsam mit Own Austria, B&M TRICON und weXelerate eine eigene Veranstaltung.

Beim „Reverse Pitch“ im Wiener weXelerate pitchten Vertreter der österreichischen Parteien jeweils für fünf Minuten ihre Startup-Programme vor über 140 Gästen und stellten sich anschließend den Fragen der Jury, bestehend aus den Veranstaltern sowie Vertretern von UNIQA Ventures und Austrian Startups.

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Inhaltlich mussten sich die Politiker auf Digitalisierung, Innovation und Forschung konzentrieren – also auf die Rahmenbedingungen für Startups. Themen wie der Wahlkampf (Ibiza, Schreddern, Parteispenden,…), Migration oder der Brexit waren tabu. Zudem galt eine weitere wichtige Pitch-Regel: Rede über dich selbst und nicht über die anderen.

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Andreas Ottenschläger (ÖVP), Sonja Hammerschmid (SPÖ), Yannick Shetty (NEOS), Thomas Nasswetter (JETZT) sowie Sabine Jungwirth (Die Grünen) stellten sich dieser Herausforderung, Gerhard Deimek als Vertreter der FPÖ musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

Die Grünen

Für Sabine Jungwirth (Grüne Wirtschaft) steht die Vision der nachhaltigen Wirtschaft im Vordergrund. Wichtig ist den Grünen dabei, die Chancen der Digitalisierung zu nützen, globalen Wohlstand zu unterstützen und die Wirtschaft effizienter – und somit ressourcenschonender – zu machen.

Dafür braucht es diverse Maßnahmen und rechtliche Rahmenbedingungen – insbesondere für Startups, da diese teilweise in einer Sondersituation sind. Jungwirth betont dabei drei Themen.

Erstens das Thema Rot-Weiß-Rot-Karte: Diese ist laut Jungwirth „ein einziges Ärgernis“ und hilft nicht dabei, die benötigten Fachkräfte ins Land zu bringen. Bezüglich der Anforderungen bei Fachkräften aus dem Ausland sollten laut Jungwirth die Vorgaben der Kollektivverträge ausreichen. Das Ersatzkräfteverfahren bedeutet laut Jungwirth nur Bürokratie, hier zweifelt sie auch – besonders bei Mangelberufen – die  Sinnhaftigkeit an. Auch sieht sie es als problematisch, dass es schwierig ist, ohne universitären Abschluss einen Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt zu bekommen. Es muss laut Jungwirth somit viel geändert werden, damit man Fachkräfte rasch ins Land holen kann.

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Das zweite Thema: Sandboxes. Das vielzitierte Thema der Sandboxes betrifft laut Jungwirth nicht nur Startups, sondern auch viele andere Unternehmen. Als wichtiges Thema nennt sie auch die Gewerbeordnung: Diese verhindere nur den Eintritt neuer Marktteilnehmer und müsse daher „entrümpelt “ werden. Künftig sollen nur jene Branchen darunter fallen, bei denen es um „Schutz von Leib, Leben und Gesundheit“ geht.

Last, but not least: Rechtsform Neu. Jungwirth plädiert für einen Wegfall der Notariatspflicht, der Pflicht zum Firmenbucheintrag und der Berichtspflichten. Dies erzeuge viel Bürokratie und hohe Kosten.

Neos

Yannick Shetty betont, dass die Neos sich in den vergangene Monaten mit vielen Startups unterhalten haben und dass sich dabei immer die gleiche Kernaussage herauskristallisierte: „Wenn wir heute wieder gründen würden, dann würden wir nicht in Österreich gründen.“ Auch er greift drei Themen heraus, mit denen sich die Situation nach Ansicht der Neos verbessern kann.

Erstens: Die radikale Senkung der Lohnnebenkosten. Bei einem Bruttolohn von 2000 Euro verdient man in Österreich rund 1400 Euro netto. Für den Arbeitgeber entstehen durch den Dienstgeberanteil dabei aber Kosten in Höhe von rund 2600 Euro. Die Lohnnebenkosten sollen daher gesenkt werden. Shetty plädiert für die Abschaffung der U-Bahn-Steuer, der Kommunalsteuer und der Kammerumlage 2, sowie der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern.

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Zweitens: Neue Rechtsformen. Mit neuen Rechtsformen soll Österreich als Standort für ausländische Investoren und für ausländische Gründer attraktiver gemacht werden. Geplant ist eine „GmbH Zero“ mit einem Stammkapital von null Euro, durch die eine GmbH in zwei Tagen gegründet werden kann, anstatt wie derzeit durchschnittlich in 20 Tagen. Auch eine „AG Light“ soll eingeführt werden, da diese als Marke attraktiver ist als eine GmbH. Die AG Light hat im Modell der Neos ein Stammkapital von 20.000 Euro, sie soll bis zu einer gewissen Bilanzsumme nicht aufsichtsratspflichtig sein. Die „EU Limited“ als gemeinsame europäische Rechtsform soll ein Handeln in Europa erleichtern.

Drittens sind Fachkräfte für die Neos ein wichtiges Thema. Auch Shetty bezeichnet die Regelung der Rot-Weiß-Rot-Karte als „katastrophal“. Derzeit muss man als Gründer „innovative Konzepte haben, die man in Österreich verwirklichen will“, wenn man über den Aufenthaltstitel der Rot-Weiß-Rot-Karte nach Österreich kommen will. Seit Beginn der Rot-Weiß-Rot-Karte haben von dieser Möglichkeit nur drei Personen Gebraucht gemacht. Das Konzept der Neos sieht ein modernes Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild vor – inklusive eines Punktesystems, mit dem man unbürokratisch nach Österreich einwandern kann.

Liste Jetzt

Der dreifache Unternehmensgründer Thomas Nasswetter präsentierte die Konzepte der Liste Jetzt für die österreichische Startup-Szene. Als erstes wichtiges Thema nennt er die Forschung: Die Liste Jetzt möchte das Forschungsbudget verdoppeln und einen Schwerpunkt in der Grundlagenforschung setzen, da diese den Kontext schafft, um auch langfristig wirtschaftlich bestehen zu können. Dies soll finanziert werden, indem auf die geplante Verringerung der KöSt verzichtet wird und dafür das Geld in die Forschung investiert wird.

Weiters liegt ein Schwerpunkt bei der betrieblichen Innovation und Forschung. Die Liste Jetzt würde dieses Thema gerne mit jenem des Klimaschutzes verbinden. Als Beispiel nennt er, dass bei der Solarthermie „billige Kollektoren aus China“ gefördert werden, anstatt Hightech-Produkte, die einen deutlich höheren Ertrag über ihre Lebensdauer bringen. Dies müsse sich ändern.

In Sachen Digitalisierung betont er, dass die „digitalen Supermächte“ allesamt in den Vereinigten Staaten, Russland und Asien sitzen. Hier könnte Europa durch Open-Source-Ansätze wettbewerbsfähiger werden. Im Förderungswesen sieht er die Haftungsübernahmen bei Startups als „nicht die richtigen Instrumente“, weil „die Grundlagen für diese Haftungsübernahmen fehlen“. Startup-Förderungen sollte daher mehr in Richtung Klimaschutz, Landwirtschaft, Biotechnologie und Verkehr gedacht werden.

Abschließend plädiert Nasswetter gegenüber der Startupszene auch für „nachhaltiges Wachstum“, anstatt sich auf kurzfristige Profite zu fokussieren.

SPÖ

Sonja Hammerschmid beobachtet, dass sich in den vergangenen 20 Jahren zwar viel getan hat, Österreich aber noch immer nicht das größte Gründerland ist. Als zentrale Stellschraube sieht sie die Unternehmens- und Gründungskultur in Österreich, inklusive der Risikobereitschaft. Das wesentliche Thema lautet dabei: Bildung. Also Schulen, in denen nicht nur Entrepreneurship Education und Financial Literacy auf dem Lehrplan stehen, sondern auch Kreativität und Neugier, sowie die Verbindung all dieser Themen. Diese Schulen sollen projektorientiert und themenspezifisch unterrichten. Nur so, sagt Hammerschmid, wird es Gründerinnnen und Gründer geben, die all diese Themen auch zusammen überdenken können. Auch digitale Kompetenzen, sowie der Frauenanteil in naturwissenschaftlichen Fächern sind wichtige Themen.

Hammerschmid verweist weiter darauf, dass Österreichs Universitäten seit vielen Jahren an massiver Unterfinanzierung leiden und das Thema Entrepreneurship dort nicht abgekommen ist. Es braucht laut Hammerschmid daher Ziel- und Leistungsvereinbarungen in den Universitäten, die eben dieses Thema fördern, sowie einen Forschungsfonds, der entsprechend ausgestattet ist. Auch muss es in den Lebensläufen der Wissenschaftler Anerkennung finden, wenn diese ein Unternehmen gegründet haben.

Zum Thema Gründen per se betont Hammerschmid, dass die Startups der verschiedenen Branchen unterschiedliche Förderungen benötigen – eine LifeScience-Unternehmen hat zum Beispiel andere Anforderungen als ein Startup, das eine App entwickelt. Gerade in der frühen Phase gehe es darum, Unternehmen auf den Weg zu bringen durch Zuschussinstrumente, Seed Financing und Mezzanine-Kapital. Zugleich betont sie, dass es ein Finanzministerium braucht, welches das Risiko mit trägt: „Die Förderagenturen haben wunderbare Instrumente, aber sie sind nicht autonom bei der Ausformung. Zudem hinterlegt das Finanzministerium Ausfallsquoten, die völlig unrealistisch sind, wenn man die Themn Startups, Innovation und Technologie ernst nimmt“, sagt Hammerschmid.

Abschließend spricht auch sie sich für Maßnahmen der Entbürokratisierung und bei der Rot-Weiß-Rot-Karte aus.

ÖVP

Andreas Ottenschläger kommt aus der Immobilienwirtschaft und vergleicht das Startup-Ökosystem daher mit einem Hausbau: Das Fundament für gute Rahmenbedingungen ist das Thema Bildung. Hier braucht es Experten aus der Praxis, die Kinder für diese Themen begeistern und sie über Projekte an das Thema Unternehmertum heranführen. Zudem braucht es eine Begeisterung für die MINT-Fächer, bei denen es massive Nachwuchssorgen gibt.

Das zweite Thema ist die Gründung per se. Hier betont Ottenschläger, dass bereits viele Maßnahmen gesetzt wurden – zum Beispiel die E-Gründung. Zweifelsohne sei hier aber noch Luft nach oben.

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Der dritte Punkt wird nach der Gründung relevant: Die Finanzierung. In den ersten Runden sei man in Österreich bei der Finanzierung gut aufgestellt, bei der Midterm-Finanzierung wird die Luft jedoch wieder dünner. Ottenschläger spricht sich daher für eine steuerliche Begünstigung jener aus, die Risikokapital zur Verfügung stellen – dies sei der nachhaltigere Weg, als „immer irgendwelche Förderungen zu erfinden“.

Stichwort Fachkräfte: Auch Ottenschläger sieht bei der Rot-Weiß-Rot-Karte Nachholbedarf. Zum Beispiel bezweifelt auch er die Sinnhaftigkeit der Akademikerquote bei der Rot-Weiß-Rot-Karte, bei dem Thema Mindestgehalt müsse man auch eine etwaige Gewinnbeteiligung mit berücksichtigen.

A propos: Generell spricht sich die ÖVP für Freibeträge bei der Mitarbeiterbeteiligung aus. Weiters wichtig: Rechtssicherheit für Unternehmer und eine weitere Steuerentlastung.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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