21.04.2020

Ölpreis unter null Dollar: Fear and Loathing in Kushing, Oklahoma

Der Ölmarkt ist unter Druck. Die Speicher sind fast voll. Jetzt sind einige Trader am US-Markt in Panik geraten - und der Preis zwischenzeitlich ins Negative gesunken. Wie konnte das passieren?
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Corona und der Ölpreis - erklärt von Geld-Experte Niko Jilch
(c) Georg Schober / Adobe Stock / Corona Borealis

„Es ist mehr ein Finanzen-Ding als ein Öl-Ding“, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag Abend zur außergewöhnlichen Lage am Ölmarkt. Da war der Preis für US-Öl gerade zum ersten mal in der Geschichte in den negativen Bereich gefallen. Eins muss man Trump lassen: Er versteht es, komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten zu erklären. So einfach, dass er dabei einfältig wirken kann. Aber an sich hat Trump recht: Es ist ein Finanzen-Ding, das wir da sehen.

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Was am Ende des montäglichen Handelstags im US-Ölmarkt geschehen ist, wurde natürlich von der Corona-Krise ausgelöst. Die Welt steht still. Buchstäblich. In den USA, wo viele Menschen mit dicken Autos lange Strecken fahren, sind die Folgen besonders drastisch. Unter normalen Umständen verbraucht ein Amerikaner im Schnitt etwas mehr als doppelt so viel Öl pro Jahr wie ein Österreicher. Aber durch die Krise ist die Nachfrage um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Und noch ist kein Ende der Krise in Sicht.

Welcome to Kushing, Oklahoma

Anders als etwa beim Gold und anderen Rohstoffen, gibt es beim Öl nicht EINEN Preis, sondern mehrere. Die wichtigsten sind WTI (US-Öl) und Brent (Europa-Öl sozusagen). Brent zeigte sich vom kurzzeitig negativen Ölpreis unbeeindruckt. Einen drastischen Fall der Preise an den Tankstellen dürfen wir uns also nicht erhoffen.

Öl wird (wie andere Rohstoffe) über Terminkontrakte gehandelt. Die erleichtern Produzenten und Marktteilnehmern die Planung. Man kann sie auch zur Absicherung einsetzten (Hedge) oder zur puren Spekulation. Wer am Stichtag so einen Future hält, bekommt das Öl ausgeliefert. So ein Ölfass kann man sich aber schlecht in den Keller stellen. Auslieferung heißt, dass es in die vorhandenen Speicher kommt, für die der neue Besitzer dann zahlen muss. Wegen Corona ist die Ölnachfrage aktuell im Keller und die Speicher sind schon sehr voll. Der verbliebene Speicherplatz ist sehr teuer.

WTI-Öl hat aber eine Eigenheit: Die Auslieferung ist sehr unflexibel. Sie findet immer in der Stadt Kushing, Oklahoma, statt. Dort enden die Pipelines. Und dort kann ich mir Storage für mein Öl mieten, wenn ich will. Aber das Öl aus dem fraglichen Terminkontrakt wird erst irgendwann im Mai geliefert. Und Kushing ist schon jetzt mehr als 70 Prozent voll. Aktuell kostet die Lagerung ca. zehn Dollar pro Fass pro Monat – und die Kosten steigen weiter.

Physisches Öl war billiger als Papieröl an den Börsen

Am 21.4. laufen die Mai-Kontrakte ab. Wer dann einen hält, bekommt das Öl. Aber wohin damit? Die meisten wollten nie Öl haben, sondern hatten andere Gründe, den Kontrakt zu kaufen. Normalerweise ist es kein Problem, einen Abnehmer zu finden. Aber normal ist derzeit wenig. Das ist es, was Trump mit „Finanzen-Ding“ gemeint hat. Die Händler sind aus einem bestimmten Kontrakt geflüchtet, der auf einen Schlag wertlos wurde.

Bei Gold kommt es vor, dass Papiergold billiger ist als physisches Gold. Im Ölmarkt war physisches Öl jetzt einige Zeit billiger als Papieröl. Am 20.4. sind die beiden Märkte zusammengeknallt.

Weltweit sind die Ölspeicher fast voll

Jetzt blicken alle wieder auf den Kontrakt für Juli. Aktuell geht der Markt noch davon aus, dass sich die Lage bis dahin bessert. Sollte sie das nicht tun, könnte sich das Spektakel wiederholen. Zumal der US-Markt für WTI, das aus Texas und Oklahoma kommt, „von der Außenwelt ziemlich abgeschlossen ist“, wie „Die Presse“ schreibt. Der negative Ölpreis ist also einer WTI-Eigenheit geschuldet. Die europäische Brent-Sorte ist bei der Auslieferung und Lagerung deutlich flexibler, weshalb die Lage hier bisher relativ ruhig ist. Aber die Ölspeicher haben sich in den vergangenen Wochen überall gefüllt.

Nicht nur Kushing ist fast voll. Auch Angola, Brasilien und Nigeria melden, dass ihre Lagerkapazitäten binnen Tagen voll sein werden. Rund 160 Mio. Barrel stehen inzwischen in teuer gemieteten Öltankern in Häfen herum – und auch die Staaten füllen ihre Reserven bis zum Rand. Trump sagte, er wolle noch weiter 75 Mio. Barrel für die US-Reserven kaufen.

Russland und Saudi Arabien haben den Öl-Preiskampf ausgerufen

Hintergrund für den Verfall des Ölpreises ist neben dem Nachfrageschock durch Corona auch die Idee Russlands und Saudi-Arabiens, ausgerechnet jetzt einen Preiskampf auszurufen – statt den Preis durch koordinierte Produktionseinschränkungen zu stützen. Die beiden Ölstaaten, die sehr billig produzieren können, setzen Trump so direkt unter Druck, denn der US-Schieferölsektor hat deutlich höhere Kosten pro Fass.

Trump konnte Riad und Moskau zuletzt doch zu Produktionskürzungen überreden. Aber die sollen erst im Mai starten und ob sie umgesetzt werden, sehen wir dann erst. In jedem Fall ist der Zusammenbruch der Nachfrage so gewaltig, dass wir kaum mit rasch steigenden Ölpreisen rechnen können. Dafür bräuchte es wohl Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung. Bis dahin dürften zumindest die Preise an den Tankstellen fallen – aber nur langsam, denn die Betreiber haben sicher keine Eile, die Ersparnis an die Kunden weiterzugeben.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von derbrutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.


Über den Autor

Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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AI Summaries

Ölpreis unter null Dollar: Fear and Loathing in Kushing, Oklahoma

  • „Es ist mehr ein Finanzen-Ding als ein Öl-Ding“, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag Abend zur außergewöhnlichen Lage am Ölmarkt.
  • Da war der Preis für US-Öl gerade zum ersten mal in der Geschichte in den negativen Bereich gefallen.
  • Was am Ende des montäglichen Handelstags im US-Ölmarkt geschehen ist, wurde natürlich von der Corona-Krise ausgelöst.
  • Anders als etwa beim Gold und anderen Rohstoffen, gibt es beim Öl nicht EINEN Preis, sondern mehrere. Die wichtigsten sind WTI (US-Öl) und Brent (Europa-Öl sozusagen).
  • Brent zeigte sich vom kurzzeitig negativen Ölpreis unbeeindruckt. Einen drastischen Fall der Preise an den Tankstellen dürfen wir uns also nicht erhoffen.

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  • „Es ist mehr ein Finanzen-Ding als ein Öl-Ding“, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag Abend zur außergewöhnlichen Lage am Ölmarkt.
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