21.03.2025
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Diese österreichischen Startups wollen den Tourismus verändern

Ob virtuelle Kurztrips, nachhaltige Wohnkonzepte oder digitale Erlebniswege – diese heimischen Startups mischen den Tourismus auf.
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Diese Startups wollen den Tourismus verändern
Einige von vielen Startup-Gründungsteams, die in der Tourismusbranche operieren: like2camp, Talentlobby, Tripmakery und MATR | Fotos: like2camp, talentlobby.de, Tripmakery, MATR

Der Tourismus befindet sich im Wandel. Klimabewusstsein, digitale Erlebnisse und veränderte Reisetrends fordern neue, kreative Lösungen – und genau hier kommen Startups ins Spiel. Sie setzen vermehrt auf Technologien wie Virtual Reality, nachhaltige Unterkünfte oder personalisierte Reiseangebote. Wir haben spannende österreichische Startups aus dem Tourismusbereich zusammengestellt, die zeigen, wie die Zukunft des Reisens aussehen könnte.


Chatlyn

Das Chatlyn-Gründer Team Nicolas Vorsteher, Matthias Haubner und Michael Urbanek (c) brutkasten

Ein KI-gestütztes Tool für die Kundenkommunikation, das verschiedene Messaging-Dienste wie WhatsApp und den Instagram-Chat bündelt und zusätzliche Features bietet – diese Lösung könnte wohl in einigen Branchen nützlich sein. Das Wiener Startup Chatlyn hat sich aber auf Hotels als Kunden spezialisiert. Sie sollen damit die Customer Journey verbessern und gleichzeitig den eigenen Arbeitsaufwand reduzieren. Damit ist das Unternehmen unter anderem im Nahen Osten bereits erfolgreich.

Nicolas Vorsteher, der das Startup 2022 gemeinsam mit Matthias Haubner und Michael Urbanek gegründet hat, ist ein bekanntes Gesicht in der heimischen Startup-Szene. 2017 verkaufte er sein HR-Startup prescreen an Xing und verblieb danach noch mehrere Jahre im Unternehmen. Über Chatlyn sagte er in der brutkasten-Serie “Das Leben nach dem Exit”: “Dieses Mal wollen wir etwas Größeres erreichen.”

Crqlar

Das Crqular-Gründungsteam | Foto: Crqlar

Wer sich hierzulande mit Hotellerie beschäftigt, landet schnell in Tirol. Mit rund 22.000 Beherbergungsbetrieben, davon 906 Vier- bzw. Fünf-Stern-Hotels (2024, Statistik Austria), steht das Bundesland innerhalb Österreichs quantitativ einsam an der Spitze. Kein Wunder also, dass die Hauptstadt Innsbruck auch ein beliebter Gründungsort für Startups aus der Branche ist.

2022 gründeten Angel Ferrufino, Fabian Rauch, Dijana Keri und Dejan Keri dort das Unternehmen Crqlar. Die Business-Intelligence- und Customer-Relationship-Management-Plattform des Startups richtet sich an Luxus-Hotels und führt Daten aus unterschiedlichen gängigen Software-Lösungen zusammen, um personalisierte Gäste-Profile zu erstellen, die im Service genutzt werden können. Damit wolle man “Gästedaten in personalisierte Gästeerlebnisse in Luxushotels umwandeln”, so Gründer Ferrufino anlässlich eines Investments 2023 gegenüber brutkasten.

Dayholi

Die Eröffnung des Biotherm-Domes am Flughafen Wien. Foto: (c) Dayholi/Harald Klemm
Die Eröffnung des Biotherm-Domes am Flughafen Wien | Foto: Dayholi/Harald Klemm

Kurzurlaub machen, ohne wegfahren zu müssen? Diese Idee finden wohl viele toll. Fjolla Holzleithner hat mit ihrem Startup Dayholi eine innovative Lösung geschaffen, die solche Kurztrips möglich macht – und zwar virtuell. Herzstück des Unternehmens ist ein patentierter VR-Dome, der Nutzer:innen ganz ohne Kofferpacken auf Reisen in digitale Traumwelten entführt.

Der Name „Dayholi“ spielt auf das Konzept eines kurzen, erholsamen „Urlaubs“ im virtuellen Raum an. Hauptsächlich wird der Dome an Firmen vermietet und kam bereits am Wiener Flughafen zum Einsatz, wo Besucher:innen und Reisende die Gelegenheit hatten, exotische Destinationen virtuell zu erkunden – brutkasten berichtete.

Emma Wanderer

Das Startup Emma Wanderer bietet eine Plattform für Workspitality Solutions, die Vermittlungs-, Beratungs- und Produktangebote miteinander verbindet. Konkret verfolgt das Startup das Ziel, ortsunabhängiges Arbeiten zu fördern. Emma Wanderer unterstützt Unternehmen dabei, geeignete Locations für Remote Work zu finden oder Workations in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Im Jahr 2024 durchlebte das Wiener Workation-Startup eine turbulente Phase. Nach der Eröffnung eines 18.000 Quadratmeter großen Workation-Campus mit 50 Tiny Homes im steirischen Hieflau im August 2023 – für dessen Bau rund sieben Millionen Euro investiert wurden – meldete das Unternehmen im Januar 2024 Konkurs an.

Acht Monate später kehrten zwei der Gründer:innen zurück und starteten die Plattform für Workspitality Solutions neu. Mittlerweile führt Co-Founderin Julia Trummer das Startup alleine.

Jack-in 

Das Startup Jack-in aus Oberösterreich bietet eine Gesamtlösung für den kontaktlosen Zutritt. 2021 wurde es von Willi Sickinger, Hannes Kriegner, Johann Dämon-Pflaum und Bernhard Obernberger gegründet. Ihre Produkte sollen Hotels in mehreren Bereichen unterstützen. Neben einer Verwaltungssoftware für Buchungen hat Jack-in ein System entwickelt, mit denen Gäste ohne App online Türen öffnen können. Zum Portfolio des Unternehmens zählt außerdem ein Self-Check-in-Terminal, das Zahlungen abwickelt und Meldescheine ausstellen kann. Mittlerweile hat das Unternehmen Kund:innen in Deutschland und in Österreich.

Kamuh

Das kamuh-Team | Foto: kamuh

Simone Jutte hat mit ihrem Salzburger Startup kamuh eine innovative Web-App für private Ferienvermieter:innen entwickelt – brutkasten berichtete. Dabei handelt es sich um eine Plattform, in der sämtliche Buchungen von verschiedenen Portalen in einem Kalender synchronisiert werden. Darüber hinaus können Gästenachrichten und Rechnungen zentral verwaltet werden.

Vor Kurzem wurde kamuh von der Initiative Change Tourism Austria, einem Projekt der Österreich Werbung, ausgewählt, um sich auf der ITB in Berlin – einer der wichtigsten Messen der globalen Tourismusbranche – einem internationalen Publikum vorzustellen.

Liabs Platzl

In der Nähe von touristischen Orten eine Unterkunft in der Natur zu finden, wird aufgrund wachsender Nachfrage immer schwieriger. Vor diesem Problem standen auch Manuela Matschy-Kreisel, Alexander Matschy sowie Birgit und Jürgen Hennerbichler. Gemeinsam haben sie sich dazu entschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Ihre Idee: smarte Tinyhomes mit Baustoffen aus der Region herstellen. Sie sollen komfortabel, aber abgeschieden sein.

Das Konzept optimierten die Gründer:innen im Tourismusinkubator des Landes Oberösterreich. Im Juni 2024 wurde das Unternehmen gegründet – in den kommenden Monaten sollen die ersten Unterkünfte im Mühlviertel zur Verfügung stehen.

like2camp

like2 camp vermittelt Camping-Stellplätze | Foto: like2camp

like2camp mit Sitz in Anif hat sich im Tourismus auf die Vermittlung naturnaher Stellplätze für Camping-Begeisterte spezialisiert. Das Gründerduo Verena Sowa und Matthias Haunholder arbeitet laut eigenen Angaben daran, gemeinsam mit touristischen Anbietern und Gemeinden ein legales und ganzheitliches Konzept für “spontanreisende Camper:innen” zu schaffen. Über ihre Plattform können Vermieter:innen Stellplätze inserieren – like2camp bekommt dafür eine Provision. Das 2023 gegründete Startup konnte vergangenen Mai eine mittlere fünfstellige Finanzierungsrunde abschließen – brutkasten berichtete.

Majourny

Der Gedanke an Urlaub löst bei vielen Menschen große Freude aus. Der Gedanke, ihn zu planen, dagegen eher weniger. Um sich die Nerven zu sparen und die Zeit für den tatsächlichen Urlaub zu nutzen, haben Fabian Pischinger und Severin Bergsmann einen AI-Reiseplaner entwickelt: Majourny. 

In der App können Nutzer:innen ihr Reiseziel und ihre Interessen angeben. Als Antwort bekommen sie Empfehlungen für Hotels, Restaurants und Aktivitäten. Zusätzlich können sich Reisende über die App verbinden. Auch auf Nachhaltigkeitsaspekte achtet der AI-Reiseplaner: Abgesehen von der Wahl der Transportmittel bekommen User:innen Tipps, um sich in der jeweiligen Kultur respektvoll zu verhalten. Das im März 2024 gegründete Startup konnte sich vor Kurzem auf der ITB Berlin vorstellen – einer der wichtigsten Messen der Tourismusbranche.

MATR

Verena Judmayer und Michaela Stephen, die Founderinnen von MATR
Michaela Stephen und Verena Judmayer, die Founderinnen von MATR | Foto: MATR

Jedes Jahr landen in Europa Millionen von Matratzen auf Deponien – ein enormes Umweltproblem, dem sich Verena Judmayer und Michaela Stephen angenommen haben. Mit ihrem Wiener Startup MATR, das früher unter dem Namen Sleepify bekannt war, setzen sie auf eine nachhaltige Alternative für die Hotelbranche. Ihr Konzept kombiniert hochwertige Matratzen mit einem zirkulären Service-Modell, das Ressourcen schont und Abfall reduziert. Seit 2022 erhält MATR wiederholt Unterstützung von Greiner Innoventures und konnte bereits zahlreiche Hotels für seine umweltfreundliche Lösung gewinnen.

Neednect

NeedNect, Hotelbrnache, Profil erstellen
Ines Ganner, Co-Founderin von NeedNect | Foto: Daniel Waschnig

Das Kärntner Startup NeedNect Solutions hat eine Plattform entwickelt, die Hotels und Gäste nach der Buchung miteinander vernetzt. Der Sinn dahinter: Gäste sollen ihren Aufenthalt individuell anpassen können – und Hotelpersonal vorab wissen, ob diese möglicherweise größere Bademantel brauchen, morgens die Zeitung lesen wollen oder Allergien haben. Dafür legen die Reisenden bei NeedNect ein Profil an, das sie dann immer wieder für Buchungen nutzen können. Das Tool funktioniert für Buchungen, die über die Plattform gemacht wurden, kann aber auch im Nachhinein mit Buchungen verbunden werden.  

Das Startup wurde 2019 von Ines Ganner, Fabio Wilhelmer und Raphael Duhs gegründet. 2022 wurde es im Rahmen der Startup Nights 2022 zum “Travel Startup of the Year” gekürt. In der Führungsebene sind mittlerweile nur noch Ganner und Wilhelmer. Mit ihrem Konzept möchten sie zusätzlich Daten für Hotels liefern und durch festgehaltene Präferenzen gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen.

Ontours

Die Ontours-Gründer Oliver Tazl (l.) und Paul Kalcher (r.) beim Launch-Event in Porto | (c) Alexandre Perreira
Die Ontours-Gründer Oliver Tazl (l.) und Paul Kalcher (r.) beim Launch-Event in Porto | Foto: Alexandre Perreira

Das Grazer Startup Ontours wurde 2022 von Oliver Tazl und Paul Kalcher gegründet. Die beiden haben eine App entwickelt, die es ermöglicht, Städte auf innovative Weise zu entdecken – brutkasten berichtete. Anstatt traditioneller Hop-on-Hop-off-Bustouren können Nutzer:innen mit Ontours reguläre Straßenbahnlinien nutzen, um Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Die App bietet Audio-Guides entlang dieser Linien, sodass Fahrgäste selbst entscheiden können, welchen Routen sie folgen, wo sie aussteigen und zu welchen Orten sie mehr Informationen erhalten möchten. 

Seit Sommer 2023 bietet Ontours Touren in Graz und Wien an. Mittlerweile operiert das Startup auch in Budapest und Porto. Für 2025 geplant sind Amsterdam und München. Der Verkauf erfolgt dabei direkt an die Kund:innen: Reisende können sich Tagespässe für die App holen.

Staymate

Das Startup Staymate hat sein Business 2018 ursprünglich mit einem auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Concierge-Bot gestartet. Den gibt es noch immer. Mittlerweile bietet das Unternehmen allerdings eine All-in-Lösung für Hotels – und Hotelgäste. In einer App werden Services wie Buchungsmanager, Reiseführer und digitale Türöffnung vereint. Das von Bruno Tunjic, Misha Moellner und Thomas Reiter gegründete Startup ist mittlerweile in sechs Ländern aktiv.

Talentlobby

 Gründer-Team von Talentlobby: Philipp Habring und Paul Hagler
Gründer-Team von Talentlobby: Philipp Habring und Paul Hagler | Foto: talentlobby.de

​Talentlobby ist ein Salzburger Startup, das sich auf KI-gestützte Recruiting-Lösungen für die Hotel- und Gastronomiebranche spezialisiert hat. Durch den Einsatz von Social-Media-Recruiting-Strategien unterstützt Talentlobby Hotels und Restaurants dabei, schnell passende Fachkräfte zu finden. 

Im Jahr 2023 erhielten die Founder Philipp Habring und Paul Hagler eine sechsstellige Investition von der deutschen Venture-Capital-Gesellschaft allygatr, um die Expansion nach Deutschland voranzutreiben – brutkasten berichtete. Zudem fusionierte Talentlobby im Oktober 2024 mit dem Berliner Unternehmen Searchtalent zur Search & Talent Holding, um gemeinsam innovative digitale Lösungen für die Rekrutierung in der DACH-Region anzubieten – brutkasten berichtete.

Thrillectric

Das Startup wurde bereits 2022 gegründet, das Produkt befindet sich allerdings noch in der Entwicklung. Die Idee: e-ski, mit denen man Wasserskifahren kann. Den Freizeitsport sollen Interessierte dann ganz ohne Motorboote oder Liftanlagen ausüben können. Das soll nicht nur Unterhaltung bieten, sondern auch umweltschonender sein als die bisherigen Optionen. In die e-ski will das Team rund um Lorenz Peter auch eine Kommunikationssoftware integrieren.

Das Startup nimmt derzeit am Tourismusinkubator vom Land Oberösterreich teil. Das heißt, es wird vom Wirtschafts- und Tourismusressort des Landes Oberösterreich, der Standortagentur Business Upper Austria, Oberösterreich Tourismus GmbH und der tech2b Inkubator GmbH zwölf Monate lang gefördert, beraten und begleitet.

TourRadar 

TourRadar CEO Travis Pittman
TourRadar CEO Travis Pittman | Foto: Zsolt Marton

​TourRadar ist ein Wiener TravelTech-Scaleup, das 2010 von den australischen Brüdern Travis und Shawn Pittman gegründet wurde. Das Unternehmen betreibt eine Online-Plattform, die es Reisenden ermöglicht, mehrtägige Touren zu vergleichen und zu buchen. 

Schon in seiner Series-A-Finanzierungsrunde hat das Startup sechs Millionen US-Dollar eingesammelt. In einer Series-C-Finanzierungsrunde zwei Jahre später sicherte sich TourRadar 50 Millionen US-Dollar, unter dem Lead der Silicon-Valley-Wachstumskapitalgesellschaft TCV, die zuvor in Unternehmen wie Expedia und Airbnb investiert hatte – brutkasten berichtete.

In Österreich operiert es allerdings erst seit 2020. Zuvor hatte sich das Unternehmen auf die Märkte USA, Kanada, Australien und UK fokussiert. Mittlerweile können User:innen Reisen auf der ganzen Welt über die Plattform buchen.

Trailpulse 

Das Linzer Startup Trailpulse wurde im Juli 2024 von Sebastian Hochgatterer gegründet. Trailpulse hat eine Zählmatte mit Sensoren entwickelt, die Fußgänger:innen und Radfahrer:innen erfasst. Die Zählmatten können auf Trails platziert werden, um zu erheben, wie viele Menschen die Wege passieren. Die Daten werden dann automatisch an ein Dashboard gesendet. Die Besucherstrommessung hilft vor allem Tourismusverbänden und Waldbesitzer:innen. Dass Überlastungen so früh erkannt werden, soll auch die Natur schützen.

Traivelling

Das Wiener Startup Traivelling, gegründet von Elias Bohun, hat sich zum Ziel gesetzt, das Buchen von internationalen Zugreisen so einfach wie Flugbuchungen zu gestalten. Im Mai 2023 nahm das Unternehmen an der grünen Finanzierungsmesse „The Green 100“ teil und konnte durch ein Crowdfunding für Gemeinwohl innerhalb von nur 20 Tagen 200.000 Euro an Investitionskapital sichern.

Mit diesen Mitteln wurden drei Programmierer:innen eingestellt, die an der Entwicklung einer Buchungsplattform arbeiten. Der Launch dieser Plattform ist für 2025 geplant und soll es ermöglichen, komplexe Zugreisen über mehrere Ländergrenzen hinweg effizient und benutzerfreundlich zu buchen. Bis zur Einführung der Plattform pausiert Traivelling die Annahme individueller Buchungsanfragen, um alle Ressourcen auf die Fertigstellung zu konzentrieren.

Tripmakery

Die Tripmakery-Gründer Ajmal Said (links) und Robert Sasse | Foto: Tripmakery

Wer schon einmal versucht hat, eine Unterkunft für alle Arbeitskolleg:innen oder eine ganze Schulklasse zu finden, musste vermutlich viel Zeit und Geduld mitbringen. Genau dafür hat das Startup von Robert Sasse und Ajmal Said eine Lösung entwickelt: Tripmakery hat sich seit der Gründung 2016 auf die Buchung von Gruppenunterkünften spezialisiert. 

Die Online-Plattform bietet Zugriff auf über 65.000 Unterkünfte in Europa, darunter Hotels, Gästehäuser und Hostels. Tripmakery richtet sich an verschiedene Gruppen wie Unternehmen, Schulen, oder Freund:innen, die Reisen mit fünf oder mehr Personen planen. 
Im August 2023 erhielt das Unternehmen eine siebenstellige Investition, um sein Wachstum voranzutreiben und seine Präsenz außerhalb des DACH-Raums (Deutschland, Österreich, Schweiz) auszubauen – brutkasten berichtete. Mittlerweile sind mehrere Investor:innen an dem Startup beteiligt.

Wohnwagon

Wohnwagon
Wohnwagon-Gründerteam Theresa Mai und Christian Frantal | Foto: Wohnwagon

Das niederösterreichische Startup Wohnwagon, gegründet von Theresa Mai und Christian Frantal, kombiniert innovativen Tourismus mit Nachhaltigkeit und autarkem Wohnen. Die Mission des Gründungsteams: ressourcenschonende Wohnkonzepte zu entwickeln, die nicht nur Privatpersonen, sondern auch die Tourismusbranche ansprechen. 

Wohnwagon hat bereits über 150 Projekte realisiert, darunter autarke Minihäuser, die als nachhaltige Unterkünfte für Hotel- und Ferienanlagen genutzt werden. Um das Wachstum weiter voranzutreiben, hat Wohnwagon kürzlich ein Investment von Epoona und der Raiffeisen Beteiligungsholding erhalten – brutkasten berichtete. Mit dem Finanzierungspaket will das Startup seine Expansion vorantreiben.

Wunderweg

Das Innsbrucker Startup Wunderweg bietet eine App-Lösung für Tourismusgebiete, die digitale Erlebniswege bereitstellen möchten. Nutzer:innen der App können aus verschiedenen Themenwegen wählen und werden mittels GPS-Tracking in Echtzeit durch die Routen geführt, wobei sie Stationen freischalten und Punkte sammeln können. An den einzelnen Stationen sehen die User:innen beispielsweise animierte Videos oder interaktive Spiele. 

Die Founder Simon Rahm und Matthias Triendl konzentrieren sich mit ihrem Business auf  zielgruppenorientierte Vermarktung von Themenwegen. Die App soll Anbieter:innen zusätzlich datenbasierte Einblicke liefern. Zudem will Wunderweg Nachhaltigkeit fördern, indem es bauliche Eingriffe in die Natur minimiert.

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X-Faktor: Warum Liquidation Preference bei einem Millionen-Exit zum Albtraum werden kann

Ein Exit in Millionenhöhe – und trotzdem bleibt für die Gründer:innen kaum etwas übrig. Schuld daran können sogenannte Liquidation Preferences sein, die darüber entscheiden, wer beim Verkauf eines Startups bevorzugt wird. Rechtsanwalt Manuel Mofidian ordnet ein.
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Liquid Preference, Mofidian
© Armin Hubner/Canva - Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Für viele Gründer:innen sind 40-Stunden-Wochen ein Fremdwort und freie Wochenenden ein ferner Wunsch – sie opfern unzählige Arbeitsstunden und verzichten auf Gehalt, um ihr Startup aufzubauen. Doch am Ende dieses jahrelangen harten Einsatzes bleibt selbst bei einem vermeintlich erfolgreichen Millionen-Exit in manchen Fällen kaum etwas übrig. Der Grund kann in einer unscheinbaren Klausel des Beteiligungsvertrags liegen; einer Sonderregel für die Verteilung des Exit-Erlöses. Räumt man etwa späteren Investoren eine „Liquidation Preference“ ein, bedienen sich diese beim Verkauf zuerst. Die Realität sieht dann wie folgt aus: Während die Branche gratuliert, können die Gründer:innen und frühe Kapitalgeber trotz fließender Millionen fast leer ausgehen.

So ein Fall sorgte jüngst für Aufsehen, als Martin Granig, Gründer der Spar-App monkee.rocks, von einem Bekannten berichtete, der einen 15-Millionen-Exit hingelegt hatte. Der Founder meinte nach Glückwünschen bloß, der Exit hätte massiver sein müssen, „damit sich was ausgeht“ – hier hatte die Liquidation Preference gegriffen.

Was ist eine Liquidationspräferenz?

Die historischen Wurzeln der Liquidationspräferenz reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als US-Eisenbahngesellschaften und Banken Vorzugsaktien nutzten. In den 1950er- bis 1970er-Jahren adaptierte die VC-Branche das Modell und machte es im Silicon Valley zum Standard. Doch obwohl die Klausel omnipräsent ist, sorgt sie bis heute für Missverständnisse.

Der Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian bringt es auf den Punkt: „Eine Liquidationspräferenz ist kein gesetzlich definierter Begriff, sondern eine Klausel in einem Beteiligungsvertrag, die man im Einzelfall auslegen muss, aber häufig einem gewissen spezialisierten Marktstandard entspricht.“ Verankert wird sie in der Praxis meist im sogenannten Shareholders Agreement (kurz SHA, deutsch: Gesellschaftervereinbarung). Es geht dabei nicht um die prozentuelle Beteiligung an einem Startup, sondern um die harte Reihenfolge bei der Verteilung von echten Einnahmen (Proceeds) nach einem bestimmten Trigger-Event – im Normalfall dem Exit.

„Vereinfacht gesagt ist die Liquidationspräferenz eine vertraglich vereinbarte Erlösvorzugs-Regelung. Im Normalfall wird ein Verkaufserlös entsprechend den Beteiligungsquoten (pro rata) verteilt; das entspricht auch der gesetzlichen Grundregel. Für den Exit-Fall soll jedoch eine Sonderregel geschaffen werden; mit mitunter überraschendem Ergebnis: Wer etwa 20 Prozent der Anteile hält, aber 70 Millionen Euro investiert hat, kann bei einem Verkaufserlös von 70 Millionen Euro den gesamten Erlös erhalten – und das dank einer Liquidationspräferenz“, so Mofidian.

„Erst wenn die jeweilige Liquidationspräferenz erfüllt wurde, kommt die nächste liquidationspräferierte Gruppe zum Zug; sind alle Liquidationspräferenzen bedient, wird der Rest pro rata verteilt“, erklärt der Wirtschaftsanwalt das sogenannte „Wasserfallprinzip“. Reicht das Geld bei einem mittelgroßen oder kleinen Exit nicht aus, könnten all jene, die ganz unten im Wasserfall stehen, leer ausgehen.

„Ein Startup durchläuft typischerweise gewisse Phasen“, erläutert Mofidian. „So lassen sich die Investorengruppen ganz gut typisieren: Häufig startet man mit ersten Investoren, Business Angels, Family and Friends, teilweise noch Convertibles. Hier herrscht oft noch eine andere Logik als bei späteren Investmentrunden, wo beispielsweise VC-Fonds einsteigen. In diesen späteren Runden, den ‚Series‘, mit professionelleren neuen Investoren verschieben sich regelmäßig die Kräfteverhältnisse, was zu einer Anpassung der Verträge und der damit verbundenen Rechte führt.“

Das Multiple (X-Faktor) als wichtiger Hebel

Bevor man sich jedoch in rechtliche Details und konkrete Definitionen vertieft, muss man bei Liquidation Preference einen wichtigen Hebel verstehen: das Multiple (oder den X-Faktor). Diese Zahl legt fest, wie viel von seinem ursprünglichen Investment der Geldgeber beim Exit vorrangig – also vor der allgemeinen Verteilung nach Beteiligungsquoten – beanspruchen kann.

Das „1×-Multiple“ findet sich so häufig in den Verträgen, dass man dieses fast schon als Branchenstandard bezeichnen könnte. Das bedeutet: Der Investor holt sich zunächst exakt jene Summe zurück, die er in das Startup gesteckt hat. Komplex wird es, wenn Investoren in schwierigen Marktphasen höhere Multiples durchsetzen. Liegt der Faktor bei 1,5×, 2× oder gar 3×, bedeutet das, dass der Investor vorab – also vor der Verteilung nach Prozenten – ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals fordern kann. „Der Faktor hat mit der Beteiligungsquote nichts zu tun: Auch wer nur ein Prozent hält, kann eine fünffache Liquidationspräferenz vereinbart haben“, erklärt Mofidian. Hat ein VC-Fonds also beispielsweise zehn Millionen Euro bei einem 2×-Multiple investiert, zieht er beim Exit sofort 20 Millionen Euro als Liquidationspräferenz ab, bevor der nächste Gesellschafter auch nur einen Cent sieht. Das schmälert den Erlös für Gründer:innen und frühe Investor:innen – mitunter auch für andere, im Rang nachstehende Investorengruppen – dramatisch.

Participating vs. non-participating

Wenn der Faktor (das Multiple) bzw. damit verbunden die Höhe geklärt ist, regeln weitere Zusätze, wie genau ein Investor am restlichen Erlös beteiligt wird.

So gilt „non-participating“ als die üblichste Variante. Der Investor hat hierbei ein Wahlrecht: Er erhält entweder vorab seine Präferenz, also zum Beispiel sein 1×-Investment, zurück, oder er verzichtet auf diesen Vorabzug und nimmt stattdessen seine reguläre prozentuale Quote am gesamten Erlös. Demgegenüber steht „participating“: Diese investorenfreundliche Variante bezeichnet Mofidian als „Eierlegende Wollmilchsau“ – der Geldgeber bekommt zuerst sein Investment als garantierte Risikoprämie vorab ausbezahlt und partizipiert danach zusätzlich noch entsprechend seiner prozentualen Quote am verbleibenden Erlös-Topf; er wird also faktisch doppelt bedient.

Rangordnung – „Senior“ und „Pari passu“

Aus Sicht eines Investors spielt es zudem eine große Rolle, in welchem Rang seine Liquidationspräferenz eingeordnet wird. „Die Ränge drücken das Rangverhältnis der Liquidationspräferenzen zueinander aus. Nach dem Wasserfallprinzip wird grundsätzlich jeder vorrangige Rang vollständig bedient, bevor Erlöse an den nachfolgenden Rang verteilt werden“, erklärt Mofidian. „Reicht der Erlös auf einem Rang nicht, um alle dort angesiedelten Präferenzansprüche voll zu bedienen, wird typischerweise pro rata verteilt – meist im Verhältnis der jeweiligen Präferenzansprüche. Der genaue Schlüssel ist aber Vertragssache.“

Wird der Liquidationspräferenz eines Investors ein „Senior“-Rang eingeräumt, bedeutet das Vorrang gegenüber den zu diesem Zeitpunkt bestehenden bzw. den vertraglich bezeichneten Liquidationspräferenzen. „‚Senior‘ ist eine relative Rangangabe – man ist immer gegenüber jemandem vorrangig. Soll der oberste Rang gemeint sein, spricht man etwa von ‚most senior‘ oder ‚senior to all other liquidation preferences‘. Maßgeblich ist am Ende ohnehin die Verteilungsreihenfolge der Waterfall-Klausel selbst“, so der Anwalt. Vor später geschaffenen „noch vorrangigeren“ Rängen könne man sich durch einen Zustimmungsvorbehalt schützen; das könne allerdings künftige Finanzierungsrunden erschweren und sei auch unüblich.

Mofidian weiter: „Investor:innen vereinbaren häufig, dass ihre Liquidationspräferenz ‚pari passu‘ mit den Liquidationspräferenzen anderer Investor:innen oder Anteilsklassen rangiert – die betreffenden Präferenzen sind dann gleichrangig, keine wird vor der anderen bedient. Innerhalb derselben Anteilsklasse ist eine ausdrückliche Pari-passu-Regelung häufig nur deklaratorisch, sofern für alle Anteile dieselben Präferenzrechte gelten; sie kann jedoch in einigen Konstellationen auch klarstellende Bedeutung haben. Eine wesentliche Bedeutung entfaltet sie zwischen unterschiedlichen Anteilsklassen oder Finanzierungsrunden: Man kann etwa festlegen, dass die Liquidationspräferenzen einer Series A und einer Series B trotz unterschiedlicher Anteilsklassen auf demselben Rang stehen. ‚Pari passu‘ beschreibt also nicht die Anteilsklasse als solche, sondern das Rangverhältnis der jeweiligen Präferenzen“. Gleichrangigkeit bedeutet dabei nicht zwingend, dass auch die Höhe der Präferenzansprüche, die Multiplikatoren oder die sonstigen Investorenrechte identisch sind.

Die Rangordnung führt in der Praxis oft zu sogenannten Stacked Preferences (gestapelten Präferenzen). Faktisch gesehen kommt es dabei meist zum Prinzip „Last in, first out“: Der späteste Geldgeber (z. B. der Lead-Investor der Series C) sichert sich meist den höchsten Rang und holt sich beim Exit (nach Rückführung von Fremdkapital) als Allererster sein Geld aus dem Topf. Ist seine Präferenz bedient, darf sich die vorherige Series B aus dem verbleibenden Rest bedienen; und so weiter bis hinunter zur Series A. Häufig warten am Ende der Nahrungskette die frühen Seed-Investoren sowie Gründer:innen und Mitarbeiter:innen mit ESOP-Anteilen – ist der Exit-Erlös nicht hoch genug, ist der Topf leer, bevor sie erreicht werden.

„Eine der Schwierigkeiten bei Liquidation Preferences ist die Unschärfe der Begrifflichkeiten“, betont Mofidian an dieser Stelle und erklärt, warum es zu Streitereien unter den Beteiligten kommen könnte. Ein typischer Konfliktherd können Triggerdefinitionen sein: Was ist ein Exit? In einem „frühen“ Vertrag kann ein Exit anders definiert sein als im späteren Beteiligungsvertrag. Dazu kommen Side Letters bzw. in Investitionsdokumenten enthaltene Rechte, bei denen Widersprüche auftreten können. Liquidationspräferenzen können ein sinnvolles Instrument der Risikoverteilung sein – aber es kann zu unangenehmen Überraschungen kommen, weil die Beteiligten nicht jedes Szenario durchdenken und durchrechnen.

Die Schicksalsgemeinschaft der Frühphase

Oliver Holle, CEO des Seed-VCs Speedinvest, sieht die Debatte vor allem für die Frühphase pragmatisch: Dank klarer Standards (1×, non-participating) bilden frühe Kapitalgeber und Gründer:innen hier eine Schicksalsgemeinschaft im Sinne von „engsten Verbündeten“. Dramatisch wird es jedoch bei Wertberichtigungen in späten Runden, wenn sich die Ansprüche durch viel frisches Kapital massiv aufsummieren – die bereits erwähnten Stacked Preferences. Wie das in der Praxis aussieht, veranschaulicht Holle am E-Scooter-Anbieter Tier, dessen Preference-Stack nach mehreren Runden und Mergern auf fast eine Milliarde Euro angewachsen ist: „Das sind sie jetzt doch nicht mehr wert. Das heißt, wir haben das wahrscheinlich schon lange auf null abgeschrieben, und die Gründer auch, weil wir da kein Geld rausholen werden, auch wenn diese Firma für fünf-, sechs- oder siebenhundert Millionen Euro verkauft wird. Das ist also eine Realität, die wir absolut durchlebt haben.“ Und damit ist Speedinvest nicht allein.

Konflikte, Statistiken und eine mögliche Zukunft

Was konkrete Statistiken angeht, gibt es im DACH-Raum kaum belastbare öffentliche Marktdaten. Mofidians subjektiver Praxisbeobachtung nach kommen Liquidationspräferenzen jedoch in fast jedem Deal vor, sind ein von Investoren erwarteter Standard und in ihrer Grundform kaum wegzuverhandeln.

Aufgrund globaler Krisen brauchten viele Startups zuletzt jedoch Bridge-Finanzierungen. Um ihre Bewertungen hochzuhalten („Vanity Valuation“), akzeptierten Gründer:innen oft harte Konditionen. Mofidian kann sich vorstellen, dass es in Zukunft aufgrund dieser Dynamik zu Konflikten kommen könnte: „Aufgrund von Brückenfinanzierungen könnten Liquidationspräferenzen wahrscheinlich jetzt relevanter werden, weil wir jetzt einige Senior-Investoren sehen, die zu sehr guten Terms eingestiegen sind, darunter auch Verkaufsrechte. Wenn du in den letzten Jahren investiert hast, und das zu einer vermeintlich guten Bewertung, mit starken Terms, und dir viele Rechte geholt hast, jetzt aber daran zweifelst, dass eine neue Runde zu einer höheren Bewertung realistisch ist, dann pushst du möglicherweise in den Exit. Und das machst du wahrscheinlich nur, weil du eine Liquidationspräferenz, vielleicht sogar mit einem ‚Über-Eins-Faktor‘, hast“, zeichnet Mofidian eine mögliche Zukunft für die heimische Szene. „Ich kann mir vorstellen, dass die Logik, die Liquidationspräferenzen und anderen damit funktionell verbundenen Terms zugrunde liegt, dazu führt, dass der eine oder andere Investor sagt: ‚Ich nutze jetzt meine vertraglichen Möglichkeiten, dränge auf den Exit und hole mir lieber mein Investment 1,5-fach plus ein bisschen extra vom verbleibenden Erlöstopf. Das macht mehr Sinn, als nur darauf zu hoffen, dass es noch eine Runde zu einer viel höheren Bewertung gibt – und selbst wenn sich das so großartig entwickelt, was nicht sicher ist, steht der nächste Investor vermutlich nach dem Last-in-first-out-Prinzip mit seiner Präferenz wieder vor mir.‘“

Der Anwalt ergänzt: „‚Drängen‘ heißt in diesem Kontext: Wenn dieser Investor – etwa in Kombination mit anderen Investoren – starke Drag-Along-Rechte hat, kann er den Verkauf auch gegen den Willen der Founder rechtlich erzwingen.“ Dies gelte selbst dann, wenn die Founder die Bewertung als zu niedrig empfänden und aufgrund der Liquidation Preference leer ausgingen.

Trotz dieser Konsequenzen betont Mofidian nachdrücklich, dass man das Thema auch aus der Investorenperspektive betrachten muss: Die Liquidationspräferenz sei per se nichts Böses und in der Praxis völlig in Ordnung, wenn man sie korrekt verwendet. „Man muss diese Klauseln verstehen, durchrechnen und verschiedene Szenarien durchspielen, damit böse Überraschungen ausbleiben“, sagt der Jurist.

Secondaries als mögliches Instrument

Für Gründer gilt laut dem Experten eine wichtige Regel: Man sollte sich niemals nur auf eine möglichst hohe Firmenbewertung fixieren, wenn die Vorzugsrechte der Investoren im Gegenzug gefährlich stark ausgeprägt sind. Mofidian rät, das Term-Sheet stets als bewegliches Gesamtsystem zu betrachten.

Anstatt Deals aus reiner Angst vor einem Null-Ausstieg kategorisch platzen zu lassen, empfiehlt der Anwalt, allenfalls ungünstigere Liquidationspräferenzen durch andere Mechanismen auszugleichen. Dazu zählen klug verhandelte Drag-Along- und Tag-Along-Rechte. Wenn der Druck allerdings über die Jahre extrem hoch wird, seien Secondaries ein mögliches Tool: Durch den vorzeitigen Verkauf eines kleinen Teils der eigenen Anteile an spätere Investoren könnten Gründer bereits auf dem Weg zum Exit etwas Geld auf dem Privatkonto sichern.

„Das ist jedoch nicht gern gesehen und auch in Österreich oder im DACH-Raum relativ unüblich, aber es passiert“, sagt Mofidian. „Nach ein paar Jahren Arbeit kann man in so einem Fall sagen: ‚Ich habe eine ordentliche Netto-Summe auf meinem Konto. Das erlaubt mir zumindest, mit freiem Kopf weiter an meiner Vision zu bauen.‘“

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