22.06.2020

Zwei Krisen mit einer Klappe

Um in der Coronavirus-bedingten Wirtschaftskrise die Konjunktur anzukurbeln, sind massive Investitionen notwendig. Können damit Klima- und Biodiversitätskrise gleich mitgelöst werden?
/artikel/coronakrise-klimakrise-biodiversitaetskrise-konjunkturpaket
Coronakrise, Klimakrise oder Flüchtlingskrise - was nehmen die Österreicher als größte Bedrohung wahr?
(c) Adobe Stock - diy13

200 Milliarden Euro – das ist laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die jährlich benötigte Investitionssumme in der EU, um die Ziele des Pariser Abkommens gegen die Klimakrise zu erreichen. Noch deutlich höher, aber in der gleichen Größenordnung, liegt eine andere Zahl: 6,1 Prozent und damit einen  hohen dreistelligen Milliarden Euro-Betrag, soll der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in der EU laut Prognosen dieses Jahr aufgrund der Coronakrise ausmachen.

+++ Mehr zum Thema Nachhaltigkeit +++ 

Dass es umfassende Konjunkturpakete geben wird, um die europäischen (und weltweiten) Volkswirtschaften nach der Coronavirus-Pandemie wiederanzukurbeln, steht außer Frage. Wie diese im Detail aussehen, wird gerade beschlossen. Für viele ist nun klar: Der Wiederaufbau nach Corona soll „grün“ sein. Es geht darum, gleichsam zwei Krisen – die Coronakrise und die Biodiversitäts- und Klimakrise – mit einer Klappe zu schlagen. Es ist ein Ziel, das auch von der österreichischen Bundesregierung zumindest im Ansatz kommuniziert wurde.

„Kurve abflachen“ auch bei der Biodiversitäts- und Klimakrise

Markus Linder: Gründer des Wiener Scaleups Zoovu plan mit Nachhaltigkeitsapp den nächsten Coup
(c) Haris Dervisevic / der brutkasten: Markus Linder

Dabei können freilich mit keinem noch so hohen Geldbetrag die Probleme einfach aus der Welt gekauft werden. „Es geht auch in der Biodiversitäts und Klimakrise, wie zu Beginn der Coronavirus-Pandemie, darum, die Kurve abzuflachen. Wir werden es nicht mehr komplett verhindern können, aber wir können die Situation bewältigbar machen“, meint der Wiener Unternehmer Markus Linder. Mit der Produktberatungs-Software seines ersten Startups Zoovu gelang ihm der internationale Durchbruch. Man gewann Kunden wie Amazon und Microsoft, die ihren Kunden wiederum mit der B2B-Software-Lösung die Konsumentscheidungen erleichterten. Mit seinem neuen Startup Inoqo bleibt Linder beim Thema Konsumentscheidungen – aber ganz im Sinne des Kampfs gegen die Biodiversitäts- und Klimakrise. Die derzeit noch in Entwicklung befindliche App des Startups soll Usern die Auswirkungen ihres Kaufverhaltens aufzeigen und vergleichbar machen.

Konsum als Knackpunkt

Dabei dürfte es genau das Thema Konsum sein, an dem sich nun besonders stark zeigen wird, ob der ins Auge gefasste „grüne Wiederaufbau“ nach der Coronakrise eine realistische Perspektive, oder doch nur eine leere Worthülse ist. Denn ein typisches Ziel von Konjunkturpaketen, wie sie derzeit ausgearbeitet werden, ist die Ankurbelung des privaten Konsums. Der steht aber angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise mehr denn je zur Diskussion. Sei es Ressourcenverbrauch und Ökosystemzerstörung wie Regenwaldabholzung in der Produktion, CO2-Ausstoß durch globale Lieferketten im Transport oder Umweltverschmutzung durch Müllaufkommen in der Entsorgung – der Konsum trägt in vielen Bereichen massiv zur Verschärfung der Umweltkrise bei.

Doing Circular: Sören Lex
(c) Doing Circular: Sören Lex

„Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Begriff der ‚Glokalisierung‘ der zurzeit wieder verstärkt zu lesen ist“, sagt Sören Lex. Er setzt dieses Prinzip, also die Verbindung von globalem und lokalem Denken und Handeln, mit seinem Unternehmen Doing Circular und dem Produkt Plasticpreneur um. Mit den Maschinen-Sets des GreenTech-Startups, bestehend aus einem Kunststoff-Shredder, und einem Extruder oder einer Spritzgussmaschine, kann Plastikrecycling im kleinen Maßstab erfolgen. Das soll es etwa Menschen in Entwicklungsländern ermöglichen, sich mit der schier unerschöpflichen Ressource Plastikmüll ein kleines lokales Business aufzubauen. In der Coronavirus-Pandemie, können mit den Geräten etwa „Face Shields“ lokal aus Abfällen hergestellt werden.

Lex glaubt generell, dass sich das Konsumverhalten der Menschen ändern muss, um die Biodiversitäts- und Klimakrise zu überwinden. „Sowohl Wirtschaft als auch Wachstum müssen anders und neu gedacht werden“, sagt er. Doch wie? Während im öffentlichen Diskurs in den vergangenen Jahrzehnten oft das Prinzip des Wachstums an sich infrage gestellt wurde, sieht Markus Linder darin „per se kein Problem, solange es nachhaltig ist“. Eine prosperierende Wirtschaft sei auch innerhalb der „planetary boundaries“ möglich. „Man kann im Monat 200 Euro dafür ausgeben, mehrmals mit seinen Freunden Steak aus argentinischem Rindfleisch essen zu gehen und man kann dasselbe Geld auch in einem edlen veganen Restaurant für regionales Essen aus biologischer Landwirtschaft ausgeben“, sagt Linder.

Exportierte Probleme

Wie dieses „grüne Wachstum“ aussehen sollte, bringt Philipp Stangl, Gründer des FoodTech-Startups Rebel Meat auf eine Formel: „Wir brauchen endlich das langbeschworene ‚De-Coupling‘, also Wirtschaftswachstum ohne Wachstum des Ressourceneinsatzes beziehungsweise der Emissionen“. In diesem Zusammenhang hat Stangl, dessen Unternehmen mit „Hybrid-Fleisch“ aus 50 Prozent Rindfleisch und 50 Prozent Pilzen und Getreide den Fleischkonsum der Konsumenten reduzieren will, auch klare politische Vorstellungen: „Die wahren Kosten von Produkten müssen eingepreist werden. Da geht es zum Beispiel um die Auslagerung von Umwelt- oder Sozialproblemen ins Ausland durch den Import von unsauber hergestellten Produkten. Außerdem braucht es eine deutlich höhere Besteuerung von ’schädlichen‘ Produkten und dafür eine Entlastung von umweltfreundlichen Produkten, etwa über eine CO2-Steuer oder eine Umsatzsteuererleichterung für Bio-Lebensmittel“.

© Wolfgang Haidinger: Rebel Meat CEO Philipp Stangl

Doch der Gründer sieht nicht die Politik allein in der Verantwortung. Im Gegenteil: „Aktuell gibt es bei der Lösung der Klimakrise noch ein starkes top-down-Denken und die Verantwortung des Einzelnen wird unterschätzt. Ich denke aber, dass sich das in Zukunft ändern wird – das muss es auch“, sagt Stangl. Viele Startups würden daher auf bottom-up-Modelle setzen und „kleine Dinge“ adressieren. Generell sieht der Gründer GreenTech-Startups in Österreich aber noch nicht dort, wo sie seiner Meinung nach sein sollten: „Sie führen noch ein Schattendasein neben den digitalen Startups, gewinnen aber definitiv an Aufmerksamkeit und Wichtigkeit. Sie kommen auch langsam aus dem rein universitären Umfeld hinaus in ein breiteres Spektrum, und können so immer mehr Talente und unterschiedliche Profile ansprechen und gewinnen“.

Auch Sören Lex ist bei dieser Frage optimistisch, ortet jedoch Verbesserungsbedarf: „GreenTech ist ein Thema, das stark im Kommen ist, vor allem, weil Österreich hier technologisch in einigen Bereichen sehr weit vorne ist. Wo es aber sicher einiges an Aufholbedarf gibt ist Unterstützung dabei, diese heimischen GreenTech-Lösungen in die globalen Märkte zu bringen und das Land so stärker zu positionieren“. Auch hier ist also – bis zu einem gewissen Grad – die Politik am Zug.

Politik: Aus der Coronakrise für die Biodiversitäts- und Klimakrise lernen

Für ihr Vorgehen in der Biodiversitäts- und Klimakrise könne diese viel aus der Coronakrise lernen, meint Markus Linder: „Ein klares Learning für die Politik ist: Sie kann sehr einschneidende Maßnahmen ergreifen, wenn es wirklich erforderlich ist und es die Menschen verstehen“. Dabei sei eine Strategie zu beobachten gewesen, die sich bewährt habe: „Es wurden zunächst Ideen lanciert, dann die Stimmung in der Bevölkerung gecheckt und die Maßnahmen dann auf Basis dieses Stimmungsbilds umgesetzt oder auch nicht. Schön zu sehen war das etwa beim Vorstoß, die Stopp Corona-App verpflichtend zu machen, der ins Spiel gebracht und dann sehr schnell wieder zurückgenommen wurde“, so Linder. Gerade langfristig könne die Politik nur Maßnahmen umsetzen, die von der Bevölkerung mitgetragen würden. „Sonst besteht die Gefahr, dass die in Sachen Umweltpolitik progressive Regierung abgewählt wird und es sogar einen Schwenk in die Gegenrichtung gibt, wie von Obama zu Trump“, meint der Unternehmer. Es gelte „als Konsumenten, Unternehmer und Arbeitnehmer“ voranzugehen, um der Politik den Mut zu geben, „Dinge zu tun, die erforderlich sind“.

Auch in dieser bottom-up-Perspektive könne man aus der Coronakrise viel für die Klima- und Biodiversitätskrise lernen, meint Philipp Stangl: „Den Leuten muss ihre individuelle Verantwortung, wie jetzt damit, nicht mehr Hände zu schütteln, klargemacht werden. Und sie müssen verstehen, dass es zur Bewältigung der Krise durchaus auch Einschränkungen des bisherigen Lebens, wie jetzt das Social Distancing, geben muss“. Und Markus Linder führt aus: „Viele haben die Erfahrung gemacht, dass der Ausfall des täglichen Konsumrauschs eigentlich nicht so schlimm ist“. Man könne auch ein glückliches Leben haben, ohne „zweimal die Woche Fashion-Shopping oder ständig Nahrungsmittel-Angebote vom anderen Ende der Welt“ zu haben.

„Es muss nicht alles Instagram-tauglich sein“

Wovon Linder sich am meisten wünscht, dass es „möglichst viele Menschen mitnehmen“: „Es muss nicht alles Instagram-tauglich sein. Man kann sich auch darüber definieren, einen positiven Beitrag zu leisten“. Für Sören Lex wiederum bestätigt das größte Learning aus der Coronakrise seinen Ansatz der „Glokalisierung“: „Man hat gesehen, wie schnell ein global funktionierendes und verflechtetes Wirtschaftssystem in kürzester Zeit ins Wanken geraten ist. Zur Bewältigung sind regionale und lokale Lösungsansetze und Wege notwendig. Und das gilt auch in der Klima- und Biodiversitätskrise“.

Doch wie stehen nun die Chancen, dass mit der Bewältigung der durch Corona ausgelösten Wirtschaftskrise ein Schub in Richtung Nachhaltigkeit und GreenTech passiert? Zumindest in Österreich gibt es klare Willensbekundungen und Signale seitens der Regierung. Drei Säulen wurden für das in Ausarbeitung befindliche Konjunkturpaket definiert. Eine davon ist „Investitionen in Ökologisierung und Regionalisierung“. Dazu Vizekanzler Werner Kogler: „Wir werden uns auf moderne Technologien konzentrieren, die in der Lage sind, mehrere Krisen gleichzeitig lösen zu können. Das hat sowohl mit Umweltschutz als auch mit Digitalisierung zu tun. Zudem soll ein Schwerpunkt auf Regionalisierung gelegt werden“.

Umwelt- und Innovationsministerin Leonore Gewessler traf sich noch vor einem Gespräch mit Vertretern heimscher Leitbetriebe zum Konjunkturpaket mit Aktivisten von Fridays for Future, um deren Input einzuholen. Aus dem Corporate-Bereich kamen ebenfalls schon positive Signale. So sagte etwa Wien Energie-Chef Michael Strebl kürzlich, man wolle sich mit Investitionen in Erneuerbare Energien und E-Mobility „aus der Krise hinausinvestieren“ – in beiden Bereichen arbeitet der Konzern übrigens mit Startups zusammen. 200 Millionen Euro sollen allein noch dieses Jahr fließen, bis 2030 sollen es mehr als eine Milliarde werden, so Strebl.

Die zwei anderen Säulen des Konjunkturpakets

Doch all diese Investitionen sind eben nur ein Teil, nur eine Säule des Konjunkturpakets. Wie gut es gelingt, die zwei Krisen mit einer Klappe zu schlagen, wird von den Auswirkungen der anderen beiden Säulen abhängig sein: „Entlastung der arbeitenden Menschen“ und „Entlastung der Wirtschaft“. Sprich: Es wird eine Steuerreform geben und die hat – wie oben beschrieben – die Ankurbelung von privatem Konsum und betrieblichen Investitionen zu Ziel. Und hier sind eben, auch wenn die Politik mit Gesetzen Einfluss nehmen kann, wieder alle Menschen – ob Unternehmer oder Arbeitnehmer – individuell in der Pflicht. Startups wie Inoqo, Doing Circular und Rebel Meat zeigen jedenfalls Wege auf, wie jeder sich daran beteiligen kann, auch in der Biodiversitäts- und Klimakrise „die Kurve abzuflachen“. Letztendlich ist eines klar: Wie auch in der Coronakrise kommt aus der Wissenschaft eine klare Vorgabe – es führt kein Weg an einer Verhaltensänderung vorbei, wenn die Situation nicht zur absoluten Katastrophe werden soll.


⇒ Inoqo

⇒ Doing Circular

⇒ Rebel Meat


Dieser Beitrag erschien in gedruckter Form im brutkasten Magazin #10 „Re-Startup nach der Coronakrise“


Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
27.07.2026

Vom Web3-Pionier zum KI-Unternehmer: Wie Ed Prinz KI-Agenten in die KMU bringt

Ed Prinz kennt man in der Wiener Web3-Szene seit Jahren. Jetzt hat der Gründer mit der Plattform bitpull.ai einen neuen Fokus: KI-Agenten, die für Klein- und Mittelbetriebe ans Telefon gehen. Als Mentor an seiner Seite: Inode-Mitgründer Peter Augustin. brutkasten hat die beiden am Business Angel Summit in Kitzbühel getroffen.
/artikel/vom-web3-pionier-zum-ki-unternehmer-wie-ed-prinz-ki-agenten-in-die-kmu-bringt
27.07.2026

Vom Web3-Pionier zum KI-Unternehmer: Wie Ed Prinz KI-Agenten in die KMU bringt

Ed Prinz kennt man in der Wiener Web3-Szene seit Jahren. Jetzt hat der Gründer mit der Plattform bitpull.ai einen neuen Fokus: KI-Agenten, die für Klein- und Mittelbetriebe ans Telefon gehen. Als Mentor an seiner Seite: Inode-Mitgründer Peter Augustin. brutkasten hat die beiden am Business Angel Summit in Kitzbühel getroffen.
/artikel/vom-web3-pionier-zum-ki-unternehmer-wie-ed-prinz-ki-agenten-in-die-kmu-bringt
Ed Prinz | Foto: Ed Prinz / Hintergrund Canva

Wer in den vergangenen Jahren auf Wiener Blockchain-Events unterwegs war, ist an Ed Prinz kaum vorbeigekommen. Seit fast acht Jahren gestaltet er die Blockchain- und Web3-Landschaft als Berater, Projektleiter und Organisator. Neben der Umsetzung zahlreicher Education-Events, Workshops und Meetups verantwortete er unter anderem die Vienna Blockchain Week und unterstützte Unternehmen bei der Entwicklung von Blockchain-Projekten. „Nur wenn man darüber spricht, nimmt man den Menschen die Ängste“, sagt Prinz über seine Motivation, Wissen zu vermitteln und die Community zusammenzubringen. Mit seinem Unternehmen neob hat der Wiener Gründer nun allerdings ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das mit Token und Settlement Layern nur noch die technologische DNA teilt: Agentic AI.

Der Umweg über das Weinviertel

Der Einstieg in das Thema erfolgte über den Kryptomarkt. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte Prinz zunächst moonlytics.ai, ein KI-basiertes Portfolio-Management-System für Crypto Asset Manager. Daraus entstand später moonboard.ai, eine Analyseplattform für Krypto-Investoren, die mithilfe mehrerer KI-Agenten Social Media, Markt- und Liquiditätsdaten sowie Nachrichten auswertet und daraus verschiedene Scoring-Modelle für die Identifikation aussichtsreicher Krypto-Assets berechnet.

Die eigentliche Wendung brachte dann eine Anfrage aus dem Freundeskreis: Ein befreundeter Winzer aus dem Weinviertel wollte einen Webshop. Das neob-Team baute den Shop und setzte obendrauf, was es ohnehin schon konnte: einen KI-Agenten. So entstand der „AI Sommelier“ von stich.wine, ein Assistent, der Kund:innen im Webshop berät, Weine empfiehlt und bis zum Kaufabschluss begleitet. Mit dem Projekt wollte man auch international sichtbar werden, etwa auf der Weinmesse ProWein in Düsseldorf und beim Meininger Award.

Der Zeitpunkt war günstig, wie Prinz einräumt: Die Weinbranche steckt angesichts sinkenden Konsums in den USA und Europa in einer Krise. Eine innovative Lösung, die neue Kaufanreize schafft, sei entsprechend gut angekommen.

In wenigen Minuten zum eigenen KI-Agenten

Aus dem Proof of Concept ist eine Plattform geworden: bitpull.ai. Unternehmen erstellen dort laut Prinz in wenigen Minuten einen eigenen KI-Agenten und passen ihn auf ihren Use Case an, ganz ohne Programmierkenntnisse. Danach ist der Agent überall dort im Einsatz, wo Kunden anklopfen: auf der Website, am Telefon mit eigener Rufnummer, auf WhatsApp und Telegram bis hin zur E-Mail. Er beantwortet wiederkehrende Anfragen, bucht Termine oder leitet an die richtige Stelle weiter: rund um die Uhr, in über 90 Sprachen und, wie Prinz betont, „immer freundlich und geduldig“.

Die Zielgruppe sind vor allem KMU: der Friseursalon, die Kfz-Werkstatt, die Tierarztpraxis, das Hotel. Beim Vertrieb setzt Prinz auf den denkbar direktesten Weg: Er spricht Unternehmer:innen an, denen er ohnehin begegnet, und zeigt ihnen eine Live-Demo. „Die meisten verstehen sofort, worum es geht, und haben selbst gleich wieder hundert neue Ideen“, erzählt der Gründer. Ergänzt wird der persönliche Verkauf durch Vertriebspartner, die mit Provisionen zwischen 15 und 30 Prozent beteiligt sind, sowie Affiliate-Programme. In einem nächsten Schritt sollen Kaltakquise und Meta Ads dazukommen.

Am Markt ist neob damit freilich nicht allein: Voice- und Agenten-Lösungen für KMU sind derzeit eines der am dichtesten besetzten Felder im AI-Bereich. Prinz reklamiert für bitpull.ai dennoch ein Alleinstellungsmerkmal: Man sei aktuell einer der wenigen Anbieter, der Agenten-Erstellung samt Knowledge Base über mehrere Kanäle in wenigen Minuten ermögliche, bei einer Marge von 90 Prozent, so seine Darstellung.

Bootstrapped, mit Mentor an der Seite

Finanziert ist das alles bislang aus eigener Tasche. „Ich war schon lange in der Berufswelt tätig und hab mir ein kleines Pölsterchen zur Seite gelegt“, sagt Prinz. Externe Investoren gibt es keine, und aktuell auch keinen akuten Bedarf: Das nächste Etappenziel für 2026 sind 100 zahlende Kunden, danach soll die Marke von 1.000 Kunden fallen.

Begleitet wird Prinz dabei von einem prominenten Mentor: Peter Augustin, einer der Internet-Pioniere des Landes. Augustin gründete 1996 gemeinsam mit Michael Gredenberg den Internetprovider Inode, der aus kleinsten Anfängen zum größten privaten Provider Österreichs heranwuchs und Ende 2005 für einen kolportierten dreistelligen Millionenbetrag an UPC verkauft wurde. Zuletzt war Augustin vor allem als Web3-Investor aktiv, unter anderem gemeinsam mit dem von David Teufel aufgesetzten Fonds Tigris Web3.

Die ersten vier Jahre führten Gredenberg und Augustin Inode komplett zu zweit, ohne Mitarbeiter. „Da kriegst du einfach die besten Learnings“, erinnert sich Augustin: „Du hast deine Technik, du hast dein Produkt und du verkaufst.“ Das Projekt von Prinz erinnere ihn stark an die eigene Anfangszeit im Internet-Boom: „Du hast kein Branchenlimit. Du kannst es einem Anwalt verkaufen, einem Arzt, einer Autowerkstatt, einem Architekten.“ Der Bedarf sei damals wie heute praktisch zu hundert Prozent vorhanden gewesen, man habe nur den Markt einfangen müssen: „Genau in der Phase sind wir jetzt.“

Investiert ist Augustin bei neob übrigens nicht, wie beide betonen. Die Beziehung sei freundschaftlich, Augustin coacht. Perspektivisch sieht er sich aber durchaus auf der Investorenseite, „wenn es eines Tages dazu kommen sollte“. Momentan sei das schlicht nicht notwendig: „Das Produkt verkauft sich von selber.“

Die wichtigste Lektion aus dem Mentoring? Für Prinz ist es der Fokus auf den Vertrieb: Wer Product-Market-Fit finden wolle, müsse in erster Linie lernen, das eigene Produkt selbst zu verkaufen, und über das direkte Kundenfeedback prüfen, ob es überhaupt ein konkretes Problem löst.

AI Act als Pflichtprogramm, Krypto als Geduldsspiel

Beim Thema Regulierung gibt sich Prinz gelassen: Dieses sei von Anfang an mitgedacht worden. Die Transparenzpflichten des EU AI Acts (Art. 50) setze die Plattform standardmäßig um: Anrufer wie Website-Besucher werden zu Beginn jeder Interaktion darauf hingewiesen, dass sie mit einem KI-System sprechen, im Gespräch selbst ebenso wie in schriftlicher Form. Auch beim Datenschutz orientiert sich bitpull.ai an europäischen Standards: Die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform auf Servern in der EU, Auftragsverarbeitungsverträge stellt das Unternehmen seinen Kunden standardmäßig bereit. Eine Übergabe an einen menschlichen Mitarbeiter bleibt (je nach Konfiguration) jederzeit möglich.

Und die alte Heimat Krypto? Dort sieht Prinz ein gespaltenes Bild: Auf institutioneller Seite gebe es dank Regulierung immer mehr Adoption, auf der Retail-Seite komme davon derzeit wenig an. Es fehle schlicht an sinnvollen Produkten mit guter Usability, und „es hat ziemlich oft verbrannte Erde gegeben, weil viele sehr viel Geld verloren haben“.

Vorerst gehört die Aufmerksamkeit des Gründers also den Agenten. Aktuell ist neob bewusst breit aufgestellt, um herauszufinden, welche Branche und welche Nische am besten funktioniert. Danach, so der Plan, geht es spitz hinein.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Zwei Krisen mit einer Klappe