Das Wiener EdTech-Scale-up GoStudent hat in den vergangenen zwei Jahren eine Transformation durchlaufen: Das Unternehmen zog sich aus mehreren Märkten zurück, baute rund 80 Prozent der Stellen ab und ergänzte sein Online-Angebot um Präsenzangebote. Für 2024 meldete GoStudent einen Umsatz von 160 Mio. Euro. Bereinigt um die einmaligen Kosten durch den Rückzug aus mehreren Ländern verzeichnete das Unternehmen 2024 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 14 Mio. Euro; unbereinigt ergab sich ein Verlust von 4 Mio. Euro.
Im brutkasten-Talk spricht GoStudent-Mitgründer und -CEO Felix Ohswald über die Geschäftszahlen, den umfassenden Umbau des Unternehmens und seine Learnings aus den vergangenen beiden Jahren. Er gibt Tipps für andere Gründer:innen in schwierigen Phasen und Einblicke in seine Entscheidungsprozesse. Außerdem spricht er über die Zukunftspläne von GoStudent und erläutert, wie er die Rolle von künstlicher Intelligenz sieht.
Um diese Themen geht es im Videotalk:
Turnaround & Kennzahlen 2024
- Ohswald beziffert das Geschäftsjahr 2024 mit einem EBITDA von knapp 18 Mio. € und Umsätzen von knapp 170 Mio. €.
- Ohswald hält fest, dass GoStudent im März 2024 den Break-even auf EBITDA- und Cash-Basis erreicht hat, nachdem das Unternehmen seit 2022 das EBITDA um über 200 Mio. € gedreht hat.
- Ohswald erläutert, dass bereinigte Kennzahlen Restrukturierungseffekte aus Personalanpassungen und Marktschließungen ausklammern, die künftig wegfallen.
Strategiewechsel & Unit Economics
- Ohswald beschreibt, dass acht von zehn Familien heute Präsenznachhilfe bevorzugen und dass GoStudent deshalb konsequent in das Standortgeschäft gegangen ist.
- Ohswald erklärt, dass die Kundengewinnung über physische Standorte rund zehnmal günstiger ist als über reine Online-Kanäle.
- Ohswald beziffert die EBIT-Marge an Standorten mit etwa 50 Prozent, stellt die Online-Marge von 20–25 Prozent gegenüber und betont, dass Online dennoch ein zentraler Wachstumstreiber bleibt.
Netzwerk, Umsatzquellen & Steuerung
- Ohswald berichtet, dass GoStudent heute über 1.000 Standorte betreibt, teils selbst und teils mit Franchise-Partnern.
- Ohswald erläutert, dass die Umsätze aus Standorten, 1:1-Online-Unterricht, einem Marktplatz für Lehrkräfte sowie Schullösungen stammen.
- Ohswald erklärt, dass die österreichische GoStudent GmbH als Holding fungiert und die Steuerung intern nach Umsatzkanälen mit klarer Ergebnisverantwortung erfolgt.
Finanzierung & Expansion
- Ohswald erinnert daran, dass GoStudent 2020–2022 rund 600 Mio. € aufgenommen hat und 2023 zusätzlich ein Wandeldarlehen sowie Fremdkapital arrangiert hat.
- Ohswald skizziert, dass das Netzwerk in den nächsten zwei bis vier Jahren auf 3.000–5.000 Standorte wachsen soll, was in Europa 0,5–1,0 Mrd. € Umsatz ermöglichen würde.
- Ohswald erklärt, dass die Expansion aus Cashflow und Franchise finanziert wird und dass eine mit Investoren vereinbarte M&A-Facility sowie punktuelle Equity-Runden für Akquisitionen und Investor-Liquidität zur Verfügung stehen.
KI-Einsatz & Marktbild
- Ohswald schätzt ein, dass Software und Content zunehmend zur Commodity werden und dass letztlich die Wirtschaftlichkeit der Akquisitionskanäle über den Erfolg entscheidet.
- Ohswald beschreibt, dass KI-Lösungen Lehrkräften die Erstellung von Aufgaben und Prüfungen erleichtern und Schüler:innen bei der Vorbereitung unterstützen.
- Ohswald ergänzt, dass GoStudent eigene KI-Funktionen über die bestehenden Vertriebswege monetarisiert.
Learnings, Führung & Vision
- Ohswald bekräftigt die langfristige Vision, die „number one global school“ aufzubauen und perspektivisch in Europa eine EBIT-Größenordnung bis hin zur Milliarde Euro zu erreichen.
- Ohswald betont, dass harte Maßnahmen wie Personalabbau nicht delegiert werden sollten und dass die Führung den Fokus auf die wesentlichen GuV-Hebel legen muss.
- Ohswald erklärt, dass er Entscheidungen im Sparring mit seinem Mitgründer trifft, am Ende aber häufig seinem Bauchgefühl vertraut, das sich in der Vergangenheit als belastbar erwiesen hat.








