11.04.2022

„Höhle der Löwen“: Kofler in Rage wegen Unterhosen-Strahlungs-Startup

Diese Folge der "Höhle der Löwen" hatte ein Startup zu bieten, das Werkzeuge verleiht und ein weiteres, dessen Ursprung mit einem Brand zu tun hatte. Zudem gab es erneut Aufregung um Gründer, die mit ihrem Kleidungsstück gegen Strahlung vorgehen möchten, während ein weiterer Founder mehr Kapital erhielt, als er eigentlich wollte.
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(c) RTL / Bernd-Michael Maurer - Dieses Stück Kleidung, das Nico Rosberg zur Schau trug, sorgte für Aufregung im Studio.

Die ersten in der Höhle der Löwen waren Richard Getz und Constantin Ricken. Sie haben mit Silverton eine Unterhose entwickelt, die den Intimbereich vor Strahlung schützen soll.

„Heute sind wir durch Smartphones, Laptops, WiFi-Router und viele andere elektronische Geräte praktisch rund um die Uhr von elektromagnetischen Strahlungen umgeben“, erklärte Ricken in der Show. „In den letzten Jahren zeigen immer mehr Studien, dass sich das negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. Angefangen bei der Libido, Erektionsstörungen, Energielosigkeit bis hin zum Kraftverlust beim Training durch zu wenig Testosteron. Immer mehr Paare haben auch Schwierigkeiten, Kinder zu bekommen, da sich die durchschnittliche Spermienanzahl des Mannes in den letzten vier Jahrzehnten nahezu halbiert hat.“

Silberfäden in der Short

Er und sein „Partner in Pants“ Getz waren daher auf der Suche nach einer Lösung, die simpel wie funktional sei. Da sie nicht fündig wurden, haben sie mit Silverton etwas Eigenes entwickelt.

Ricken dazu: „Auf der Innenseite befindet sich ein Material aus positiv geladenen Silberfäden. Diese erzeugen ein leitfähiges Feld, welches nachgewiesenermaßen 99,9 Prozent der elektromagnetischen Strahlung abhält.“ Das Angebot der Gründer lautete: 120.000 Euro und 15 Prozent der Firmenanteile.

Kofler legt los: „Ausgemachter Blödsinn“

Nach dem Pitch wurde Nico Rosberg zum Unterhosenmodel, meinte Silverton wäre etwas eng rund um die Oberschenkel, ansonsten aber weich. Anschließend erwischte Georg Kofler die Gründer kalt und machte sie sprachlos. Er wollte zu einer ihrer Behauptungen, genaue Zahlen wissen. Getz und Ricken hatten nämlich wiederholt erklärt, dass eine Bestrahlung, wie vom Handy ausgehend, den Testosteron-Level im Körper um mehr als die Hälfte halbiere.

(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Richard Getz (l.) und Constantin Ricken präsentierten die strahlungsresistente Boxershort Silverton.

Nachdem von den Gründern keine Antwort und nur Ratlosigkeit auf seine Frage gekommen war, erklärte Kofler, dass er die meisten Studien dieser Art für „Hokus Pokus“ halte. Und nannte sie „ausgemachten Blödsinn“.

Formel 1 Weltmeister kennt keine Fakten, aber Beweise…

Wie auch im Vorjahr bei Kopha, einem Papier für Hauswände, das 5G abwehren soll, zeigte sich Formel 1 Weltmeister Rosberg erneut als “ true believer“ solcher „Radiation-Theorien“ und nannte sie relevant. Er behauptete, dass es keine 100-prozentigen Fakten, aber immer mehr Beweise gebe, dass gewisse Strahlung nicht gut für den Menschen sei.

Dem wiederum entgegnete Kofler, dass hunderte von Gesundheitsbehörden sich weltweit mit dem Thema genau beschäftigen und eine Dosierung dieser Strahlung niemals zulassen würden, wäre sie gesundheitsgefährdend. Da säßen Tausende von Wissenschaftler am Thema, bevor eine 5G-Frequenz genehmigt werde. Zudem sei Testosteron von vielen Faktoren abhängig. Etwa Ernährung, Zustand oder Alter. Und die Behauptung der Gründer, dass mit ihrer Unterhose das Testosteronniveau nicht beschädigt werden kann, wäre eine steile These, so der Südtiroler.

Rosberg anfällig für „Strahlungsgefahr“

Glagau und Ralf Dümmel meinten zudem, dass eine derartige Werbung – Schutz vor Strahlung – gar nicht erlaubt sei. Auch für Dagmar Wöhrl war die Nachweisbarkeit der Behauptungen von den Gründern nicht gegeben.

Daraufhin wollte Rosberg, der sich anfällig auf Strahlungsthematiken zeigte, von den Gründern genau wissen, welche Studie die relevanteste wäre. Getz und Ricken konnten jedoch nur das Gesagte wiederholen, nicht aber den Namen der Studie noch des forschenden Institutes nennen, das die Erkenntnisse herausgebracht habe. Zum Schluss gab es keinen Deal für Silverton.

Vom Varieté und Zirkus zur Löwenhöhle

Die nächste, die sich in die „Höhle der Löwen“ wagte, war Sandra Fischer. Nach ihrer dreijährigen kaufmännischen Ausbildung hat die 35-Jährige in verschiedenen Jobs in Hotels, auf dem Bauernhof, bis hin zur Webdesign-Agentur und NGOs gearbeitet. Als Varietékünstlerin und Kinder-Trainerin hat sie außerdem in einem Zirkus gelebt, eine Ausbildung zur Bäuerin in einem Kloster absolviert und schließlich Wirtschaft studiert.

Shea Yeah, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer – Sandra Fischer hatte ihre Idee zu Shea Yeah in Ghana.

Zu ihrer eigenen Marke Shea Yeah ist die Schweizerin durch einen heftigen Sonnenbrand im Urlaub in Ghana gekommen: „Zur Linderung haben mir die Frauen vor Ort unraffinierte Sheabutter gegeben. Für mich und meinen Sonnenbrand bescherte diese Pflanzenbutter Wunder. Ich war so begeistert, dass ich einen riesigen Klumpen Sheabutter im Koffer mit nach Hause nahm, damit zu experimentieren begann und meine bestehenden Naturkosmetik-Rezepturen ergänzte“, erklärte sie den Löwen.

Shea Yeah mit schweizer Kräutern

Fischer mischte schweizer Kräuter und kaltgepresste Öle mit der Sheabutter und aus dieser Kombination entstand Shea Yeah. Aktuell umfasst das Sortiment zehn Produkte – von Balsamen, Bodybutter bis hin zu Body Scrubs.

„Sie sind multifunktional und für alle Hauttypen geeignet. Das Besondere an den Produkten ist, dass sie komplett ohne Wasser hergestellt sind. Dadurch hochkonzentriert und sehr ergiebig, frei von Emulgatoren und Konservierungsstoffen“, so die Gründerin weiter. Um ihr Produkt auch außerhalb der Schweiz zu vertreiben und weiter wachsen zu können, benötigte Fischer 110.000 Euro und bot dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile.

Zwei Angebote für Fischer

Nachdem drei Löwen abgesprungen waren, offerierte Dümmel 110.000 Euro, aber für 25 Prozent. Judith Williams trat in Konkurrenz zu ihrem Kollegen und bot die gleiche Summe für 40 Prozent. Sie meinte, das Produktkonzept sei noch nicht ausgereift. Die Gründerin führte dann einen Gegenvorschlag ins Feld und wollte von der Löwin wissen, ob sie mit 30 Prozent zufrieden wäre.

Williams kam ihr entgegen und sagte, sie wäre mit 35 Prozent einverstanden. Am Ende nahm Fischer aber Dümmel ins Boot. Deal für Shea Yeah.

Audory in der „Höhle der Löwen“

Der nächste, der sich in die „Höhle der Löwen wagte, war audory-Gründer Max Rose. „Ich möchte Autoren in das 21. Jahrhundert bringen“, lautete sein Ziel. Konkret hat er eine Plattform für interaktive Hörbücher erschaffen.

„Bei unseren Hörbüchern entscheidet der Nutzer, wie die Geschichte weitergeht. Er kann aktiv in das Spielgeschehen eingreifen und so den Verlauf der Handlung ändern“, konkretisierte Rose.

Nach wenigen Minuten der Geschichte bekommen die Nutzer:innen eine erste Frage gestellt und je nachdem, für welche Antwort sie sich entscheiden, geht es entsprechend weiter. Dafür braucht es die audory-App, in der Hörer:innen eine Auswahl von interaktiven Hörbüchern aus den Genres wie Krimi, Thriller, Fantasy oder Liebe bereitsteht.

audory, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer – Max Rose hat mit audory eine Plattform für interaktive Hörbücher erschaffen.

Neben den Standardinformationen für Hörbücher (Titel, Länge und eine kurze Inhaltsangabe) sind eine Altersempfehlung sowie die Anzahl der Entscheidungen, die im Verlauf der Geschichte getroffen werden können, zu finden.

70 Prozent für Autoren und Autorinnen

„Das Besondere an audory: Nachdem ich ein Hörbuch zu Ende gehört habe, kann ich es mit verschiedensten Handlungssträngen immer wieder neu anhören“, so Rose weiter. Den Autor:innen stellt der Gründer seine eigens geschriebene Software kostenlos zur Verfügung, mit der sie ihren Entscheidungsbaum entwickeln und die einzelnen Handlungsstränge eintragen können. Jene erhalten 70 Prozent der Einnahmen.

Zudem können professionelle Sprecher:innen aus der audory-Datenbank gebucht werden oder die Autor:innen vertonen ihre Hörbücher selbst. Besonders im Bereich Marketing und Vertrieb suchte Rose Unterstützung. Für ein Investment von 120.000 Euro bot der 23-Jährige 15 Prozent seiner Firmenanteile an.

Der Gründer war nicht bloß souverän bei seinem Pitch, sondern triumphierte vor den Löwen. Dümmel und Williams ärgerten sich, dass audory nicht ihr Bereich sei. Carsten Maschmeyer sagte darauf, dass Invetsoren die Nadel im Heuhaufen suchen, und dass Rose diese Nadel wäre. Er und Kofler, der ebenfalls vor Begeisterung strotzte, boten 150.000 Euro für 30 Prozent.

Dann pitchten die Juroren der „Höhle der Löwen“

Glagau folgte mit 120.000 für 15 Prozent, um es seinen Vorgängern schwerer zu machen. Danach kam es zur Diskussion zwischen den beiden bietenden Parteien, wer der bessere Partner für die Marketing-Pläne des Gründers wäre. Jener hatte vor, sich in Zukunft auf Influncer zu stürzen, die Geschichten selber schreiben und ihre Gefolgschaft mitnehmen könnten.

Daraufhin warb Maschmeyer für die Social Media-Power von Kofler und erhöhte das Doppel-Angebot auf 200.000 für 20 Prozent. Was eine höhere Bewertung darstellte, als der Gründer im Sinn hatte. Dies führte zum Deal für audory.

Ein Quartett, das verleiht

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren Jan Gerlach, Christian Lehmann, Mario Drelas und Krispin Schulz. Gemeinsam haben sie toolbot entwickelt – eine automatisierte Verleihstation für Elektrowerkzeuge für alle und rund um die Uhr.

toolbot
RTL / Bernd-Michael Maurer -Krispin Schulz, Mario Drelas, Christian Lehmann und Jan Gerlach präsentierten den Löwen mit toolbot eine Verleihstation für Elektrowerkzeuge.

Die Idee dazu hatte der Industriedesigner Gerlach. Für den Ausbau seines Berliner Studios benötigte er kurzfristig eine Stichsäge. Doch das Ausleihen des Werkzeugs zeigte sich aufwändiger sowie zeit- und kostenintensiver als gedacht und schließlich entschied sich der 39-Jährige zum Kauf eines Billigprodukts.

Nachhaltigkeit im Sinn

„Dabei ist es viel besser, Werkzeug zu leihen als es zu besitzen. Dann hätte man eine größere Auswahl und eine bessere Qualität, als man sich allein leisten könnte zu kaufen oder zu verstauen. Viel nachhaltiger ist es außerdem auch, denn teilen sich 100 Menschen ein Werkzeug, lassen sich 99 Prozent der Emissionen und der Ressourcen sparen“, sagt er.

Und fuhr mit der Beschreibung der Problematik fort: „Leihen ist heute noch teuer. Für eine Tagesleihgebühr bei konventionellen Verleihern kann man ein Billigwerkzeug kaufen, das aber oft nichts taugt und schnell kaputt ist. Die Verleihstationen sind meist weit entfernt am Stadtrand, Öffnungszeiten sind beschränkt und es ist alles sehr umständlich.“

Mit der Verleihstation toolbot präsentierte das Gründerteam den Löwen ihre Lösung: Über die toolboot-Website können sich registrierte User das gewünschte Werkzeug reservieren und an der gewünschten toolbot-Station abholen. Neben dem Werkzeug sind in dem Koffer auch Akkus und Ladegeräte enthalten.

Damit bei der Rückgabe des Koffers auch die Vollständigkeit schnell und einfach gecheckt werden kann, haben die Gründer einen elektronischen Kofferdeckel entwickelt, der durch einen Scan erkennt, ob alle Teile im Koffer komplett sind. Der Leihbetrag wird als Stunden- oder Tagestarif berechnet.

Um den Werkzeugverleihroboter toolbot in ganz Deutschland aufzustellen, benötigten die vier Cottbuser 500.000 Euro und boten dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile ihres Unternehmens thingk.systems an.

Nach der Demonstration, wie man Werkzeuge ausleiht, stiegen alle Löwen aus, da die Bewertung zu hoch war, die Gründer keinen ausgereiften „Business Plan“ vorweisen konnten und die Produktionskosten pro Box um die 24.000 Euro betrugen. Kein Deal für toolbot.

Die Abführpflaume zu Gast in der „Höhle der Löwen“

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“ bildet das Mutter-Sohn-Gespann Kerstin Hansen und Louis Lowe. Beide haben den Investor:innen ihr Produkt laxplum mitgebracht, eine fermentierte grüne Pflaume, die beim Abführen helfen soll.

Als passionierte Fastenwanderer wissen beide um die Wichtigkeit der Darmentleerung vor einer anstehenden Tour. Die bekannten, eher unangenehmen, Methoden seien die Einnahme von Glaubersalz oder Einläufe.

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RTL / Bernd-Michael Maurer – Kerstin Hansen und Louis Lowe mit ihrer laxplum-Abführ-Pflaume.

„Wir haben uns auf die Suche nach einer Alternative gemacht und haben in Südostasien eine Pflaumensorte gefunden, die, wenn sie fermentiert ist, auf natürliche Weise abführend wirken soll“, erkläre Hansen. „Nebenbei ist die Pflaumensorte bekannt dafür, dort seit Jahrhunderten bei Darmproblemen zu helfen.“

Alte chinesische Tradition

Nach der Ernte wird diese bestimmte Pflaume nach jahrhundertealter chinesischer Tradition fünf Monate lang mit Milchsäurebakterien fermentiert und anschließend getrocknet. Dabei entstehen Enzyme und Mikroorganismen, die eine positive Wirkung auf die Darmflora haben können. Zusätzlich erhält die Pflaume des Gespanns eine Ummantelung aus bestimmten Kräutern und Tees, die ihr eine anti-oxidative und Darm-stimulierende Wirkung verleihen sollen.

Doch nicht nur für Fasten-Fans soll laut Gründer-Duo laxplum geeignet sein. „Allein in Deutschland leiden ca. 20 Prozent der Menschen unter Verstopfung, und wir entdeckten, dass gerade für diese Menschen unsere Pflaumen fantastisch sind.“

In Hamburg führen beide ein Einzelhandels-Fachgeschäft, in dem sie verschiedene fermentierte Produkte sowie Kurse und Seminare zu dem Thema anbieten. Die Forderung: 75.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Mut musste erst gefunden werden

Als es zur Verkostung kommen sollte, zögerten die Löwen, bis auf Nils Glagau, der sich angetan vom Geschmack zeigte. Auch Williams wagte einen Bissen, was auch Dümmel dazu veranlasste, die Pflaume zu testen. Nachdem sich auch Rosberg, der kurz vor einer Zugreise stand, abzubeißen traute, stiegen drei Löwen mit lobenden Worten aus.

Glagau indes bot die 75.000 Euro für 20 Prozent. Williams vereinnahmte das Thema als ihre Expertise und wollte ebenfalls mit dem gleichen Angebot einsteigen. Am Ende gab es dann ein Kombi-Angebot der beiden Löw:innen mit 100.000 Euro für 30 Prozent. Deal für laxplum.

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Das Zyglox-Team in Graz, in der Mitte die Gründer Jakob Moder (links) und Erik Gerstl (rechts). © Zyglox

Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.

„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“

Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.

Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“

Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb

Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.

Jeden Tag werden auf der Schiene hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Zyglox will jeden davon nutzbar machen, um zu lernen, zu verbessern und vorherzusagen. Mit herkömmlichen Methoden war das Erfassen dieser Daten bisher zu teuer, zu langsam und zu aufwendig. © Zyglox

Physik aus dem Trafo, Sensoren aus dem Weltraum

Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.

Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel

Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“

Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.

Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt

Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“

Standortvorteil Graz

Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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