13.09.2021

„Höhle der Löwen“: Gründer verärgern Georg Kofler mit ihrem 5G-Schutz

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" bekamen die TV-Juroren Klebeband-Kunst zu sehen, eine Handykette mit Desinfektionsmittel und eine Alternative zum Wohnmobil. Zudem trat eine Gründerin auf, deren Unternehmensweg mit einer schreckliche Tragödie begann, während zwei andere Founder bei Georg Kofler für Verärgerung sorgten.
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TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Peter Helfer (l.) und Walter Reichel kreierten mit ihrem 5G-Schutz Kohpa-protect einen verärgerten Löwen.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – waren Jonathan Tenge, Paul Böhlhoff und Julian Hesse. Die drei haben mit portHy eine Handykette mit integriertem Desinfektionsmittelspender entwickelt. Bei zahlreichen Recherchen zum Thema ist den Gründern aufgefallen, dass 80 Prozent aller Infektionskrankheiten über die Hände übertragen werden.

„Doch das benötigte Desinfektionsmittel ist nicht immer direkt zur Hand. Stationäre Spender gibt es nicht überall oder sie sind nicht ausreichend befüllt. Tücher oder Fläschchen hat nicht jeder in seiner Tasche“, erklärten die drei Junggründer.

Handykette mit Hohlraum

Das Einzige, was man wirklich immer dabei habe, sei das Smartphone. Mit dieser Erkenntnis wurde die Idee zu ihrem Startup geboren. „Unser portHy ist immer griff- und einsatzbereit. Die Handykette hat einen komplett integrierten Hohlraum, der mit bis zu 35 ml Desinfektionsmittel befüllbar ist. Das reicht für ca. 600 Sprühstöße. So können unterwegs kinderleicht die Hände desinfiziert werden“, erzählte Tenge den Löwen.

Höhle der Löwen, portHy
TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Jonathan Tenge, Paul Böllhoff und Julian Hesse mit ihrem portHy, einer Handykette mit Desinfektionsspender.

Das Produkt gibt es in verschiedenen Farben und Ausführungen, inklusive des eigens produzierten wasserbasierten Lemongrass-Desinfektionsmittel. Neben der Variante für Einzelkunden gibt es auch eine b2b-Version. „Aus dem stylischen Accessoire der Handykette haben wir den wohl modischsten und diskretesten Desinfektionsmittelspender der Welt gemacht“, fuhr das Founder-Trio im Pitch fort und forderte 200.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile.

Ein Trend?

Nach der Vorstellung erhielten die Löwen die letzten noch nicht verkauften portHys zum Test. Multi-Investor Carsten Maschmeyer meinte, die Idee sei gut, aber er würde sich so etwas nicht umhängen. LEH-Experte Ralf Dümmel und Beauty-Queen Judith Williams sprachen daraufhin von einem Trend, der wohl an ihrem Kollegen vorbeigegangen sei.

Maschmeyer schafft Handyhüllen ab

Der ließ sich jedoch nicht umstimmen, erfuhr, dass man für die Nutzung der Handykette eine Smartphonehülle bräuchte und stieg aus. Er sei mit dem Startup Green MNKY verbandelt, das Folien fürs Handy produziere und dabei sei, die Hülle abzuschaffen. Zudem hätte er die „Nase voll“ vom Desinfizieren und Maske tragen – wenn Corona überstanden wäre, würde er beide Dinge nicht mehr machen wollen.

Auch Medien-Investor Georg Kofler sah es ähnlich und gab zu, dass er keine Handy-Hüllen mag. Nach der zweiten Absage, meinten Dümmel und Williams, dass das Produkt mit knapp 70 Euro – ohne Hülle, die man aber beim Startup erwerben kann – zu teuer wäre. Zudem sorgte sich die Investorin darum, dass durch die Restflüssigkeit an der Öffnung Flecken an der Kleidung entstehen würde, wenn der Schlauch da „herumhänge“.

40-fache Unternehmensbewertung

Dass der Umsatz bisher nur 50.000 Euro in zweieinhalb Monaten betragen hatte, wurde, wie schon öfter in der Sendung, zum Problem für die Gründer. Die daran gemessene 40-fache Firmenbewertung argumentierten die drei Männer mit den vielen Anfragen von Kunden, die sie erreicht hätten. Sie würden auch mit 650.000 Euro Umsatz fürs erste Jahr rechnen. 2023 wollten sie die vier Millionen-Marke knacken.

Zweite Chance in der „Höhle der Löwen“

Konzernchef Nils Glagau warf ein, dass Corona einmal enden würde und er mit dieser Thematik kein Geld verdienen wolle. Dümmel als letzte Hoffnung setzte im Diskurs einen Schritt zurück, meinte, dass aktuell enorm viele Handyhüllen und auch Desinfektionsmittel verkauft würden, darüber brauche man nicht diskutieren. Allerdings störte ihn ebenso die Firmenbewertung. Zudem würden die Gründer seiner Meinung nach die angestrebten Ziele mit dem hohen Preis nicht erreichen.

Der letzte Löwe sandte das Trio hinter die Bühne, um mit einem neuen Angebot zurückzukehren. Die portHy-Erfinder zogen sich zurück und boten 15 Prozent. Dies war Dümmel zu wenig. Kein Deal für portHy.

„Höhle der Löwen“-Teilnehmerin erblindete jung bei Autounfall

Die zweiten in der „Höhle der Löwen“ waren die Founder von Frau Poppes, deren Gründer-Story mit einer Tragödie begonnen hatte. An einem verregneten Tag 1973, mit Frost auf den Straßen, fuhr Angelika Poppe nach einer Feier mit ihrem Gatten heim. Als ihnen plötzlich ein betrunkener Autolenker entgegenkam.

„Ich sah die Scheinwerfer auf mich zukommen und hörte nur meinen Mann schreien, ‚Brille runter‘. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das geschafft habe. Ich hing nachher in der Scheibe“, erinnert sie sich an diesen fürchterlichen Tag. Links war ihr Auge gleich weg, das rechte wurde etliche Male operiert, ohne Erfolg. Die Gründerin erblindete mit 22 Jahren.

Die Rückkehr zur „Normalität“

Poppe kämpfte sich nach Depressionen zurück ins Leben und hat es sich nicht nehmen lassen, weiterhin für die Familie zu kochen: „Da ich nicht mehr nach Rezepten kochen konnte, habe ich vieles einfach ausprobiert. Dabei sind Klassiker, wie meine Frikadellen (Anm.: Fleischlaberl) herausgekommen, die ich immer wieder machen musste.“

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Angelika Poppe mit ihrem Frikadellen-Gewürzmix „Frau Poppes“.

Der neue Freund ihrer Tochter und Schwiegersohn Thomas Leiendecker, der seine Ausbildung beim Star-Koch Eckart Witzigmann absolviert hat, war sofort von den Kochkünsten beeindruckt. „Die Frikadellen sind unglaublich fluffig und perfekt abgestimmt. Mir war sofort klar, das kann nicht nur eine Rezeptur für ihre Küche sein, davon muss die ganze Welt erfahren“, dachte er.

So entwickelte er den Frau Poppes Frikadellen-Mix: „Eine Würzbasis, mit der jeder die perfekte Frikadelle à la Angelika zubereiten kann und das mit viel weniger Aufwand. Die Brotwürfel, die für die fluffige Konsistenz so wichtig sind, die ganzen Gewürze, Salz und Pfeffer sind in jeder Packung bereits enthalten“, erklärte er.

Kein Palmöl oder Konservierungsstoffe

Aktuell gibt es vier verschiedene Geschmacksrichtungen im Sortiment. „Alle sind zu hundert Prozent aus natürlichen Zutaten. Wir verzichten auf Konservierungsstoffe, Palmöl und Geschmacksverstärker.“ Für ein Investment von 150.000 Euro boten Angelika Poppe und Thomas Leiendecker 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Während des Pitches begann Poppe im Studio zu kochen, während Leiendecker erklärte, dass er kulinarisch schwer zu beeindrucken sei, seine Schwiegermutter es aber geschafft hätte. Danach zeigte er, wie man die Gewürzbasis benutzt. Beutelinhalt in eine Schüssel, lauwarmes Wasser hinein und acht Minuten quellen lassen. Danach die Würfel kneten, Ei und 500 Gramm Faschiertes dazu.

Der 8,5 Millionen Euro Plan

Die folgende Kostprobe hielt, was vorher versprochen war. Alle Löwen waren hin und weg, bevor es in die Gesprächsrunde ging. Dort erfuhr man, dass die Gründerin und der Gründer bis 2024 8,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften wollten. Maschmeyer stieg dennoch als erster aus, da er nicht in Food-Startups investiere.

Auch Glagau verabschiedete sich als möglicher Partner, er wäre nicht der Richtige für das Duo, so sein Argument. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl nannte Poppe ein riesiges Vorbild. Auch das Produkt sei massentauglich. Sie bot exakt die gewünschte Summe. Ralf Dümmel meinte danach, die Gründer hätten tatsächlich den Speisenklassiker perfektioniert. Er sah eine große Zukunft für Frau Poppes, versprach sein ganzes Team zur Unterstützung und offerierte das gleiche wie seine Vorgängerin.

Angelika Poppe eine Inspiration

Anschließend nannte Judith Williams Poppe eine Inspiration. Sie fand die Marke interessant und ausbaufähig, sagte aber als Investorin ab. Nach kurzer Beratung mit der Tochter von Poppe wurde Dümmel mit an Board genommen. Deal für Frau Poppes.

Alternative zum Wohnwagen

Der nächste in der „Höhle der Löwen“ war Hannes Trautmann. Er hat mit Miniatouring eine günstigere Alternative zum Wohnmobil entwickelt. Die Idee zu seinem kompakten Caravan begann 2017, als er durch Europa gefahren ist. „Es war eigentlich alles nahezu perfekt. Aber es hat mich eine Sache gestört: und das war das Zelt. Ich hatte die Probleme, die man so kennt. Unbequemer Schlaf, kein Strom, kein Stauraum. Das war nicht ideal für einen Roadtrip“, erinnert er sich.

Wohnmobil oder Wohnwagen waren schon aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit. Also entwickelte Trautmann seine eigene Lösung: einen leichten Camper mit einem Leergewicht von 250 Kilogramm. „Weil er so kompakt ist, kommt man damit überall durch. Ich kann damit durch kleine Gassen fahren, kann die Passstraßen in den Alpen hochfahren, Feldwege, matschige Wege – es ist überhaupt kein Limit mehr gesetzt“, erklärte er den Löwen.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Hannes Trautmann aus Hösbach war auf der Suche nach einem Mentor.

Im Camping-Anhänger gibt ein integriertes Küchenmodul, für Sonnen- und Regenschutz eine ausziehbare Markise, der Innenraum verfügt über ein Bett inklusive Lattenrost sowie Beleuchtung, Steckdosen, verschiedene Stauraummöglichkeiten und ein Rollo zum Verdunkeln. Die gesamten Ausbauten werden aus regional nachwachsenden Hölzern in Mainz hergestellt. Das Angebot von Trautmann an die Investoren lautete: 95.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile.

Nach dem Pitch legte sich Wöhrl gleich zur Probe ins Bett und meinte, es wäre „toll“. Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg zeigte sich von der Küche begeistert. Kofler hingegen war als einziger Löwe kritisch unterwegs. Er meinte, ein Auto und dieser Anhänger dazu, das wäre doch viel umständlicher als ein Wohnmobil. Dies konterte der Gründer mit dem Preisaspekt. Ein großer Van würde 50.000 Euro kosten, seiner rund 8.600 Euro.

Der Anhängerbauer in der „Höhle der Löwen“

Bisher hatte Trautmann 26 Stück des Miniatouring verkauft und damit 210.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Er betonte, dass nicht der Verkauf das Problem gewesen wäre, sondern das Bauen des Anhängers. Er hatte jeden Camper ganz alleine gefertigt, was die Löwen – auch Kofler – zu beeindrucken schien. Der Südtiroler war danach zwar fasziniert, hatte aber Probleme, zu erkennen, wie aus diesem Liebhaber-Projekt eine Firma werden sollte, die Millionen-Umsätze machen könnte. Er ging.

Dem Gründer war bewusst, dass er es nicht mehr alleine schaffe, wie er betonte, die Firma müsste von seiner Abhängigkeit wegkommen. Rosberg lobte die Eloquenz von Trautmann, aber auch er tat sich schwer, einen möglichen „Exit“ zu erkennen. Die zweite Absage.

USP Gewicht

Nils Glagau sprach danach die große Konkurrenz an. Der Founder warf ein, dass es keine Anhänger direkt aus Deutschland gebe, zudem wäre das leichte Gewicht seines Campers sein USP. Vor allem für Solo-Reisende. Der Konzernchef glaubte jedoch nicht daran, dass die Zielgruppe für den Miniatouring groß genug wäre. Ein Löwe weniger.

Maschmeyer wollte indes wissen, was mit den 95.000 Euro passieren sollte. Der Gründer plante zwar Maschinen zu besorgen, aber eigentlich sei er auf einen Partner aus, der sein Fachwissen mitbringe. Eine Art Mentor. Danach meinte der Multi-Investor, der Gründer sei hochbegabt, kommunikationsstark und trotzdem selbstreflexiv. Jedoch wäre der Camping-Bereich nicht seins.

Wöhrl erkannte die Fähigkeiten des jungen Mannes, sah in sich aber nicht die geeignete Person, um zu helfen. Der Founder gab nicht auf, erklärte nochmal, was er bereit sei zu lernen. Es half nichts. Kein Deal für Miniatouring.

Papier, das heizt und … schützt

Die vorletzten in der Höhle der Löwen waren Walter Reichel und sein Kollege Peter Helfer. Die beiden Papiermacher präsentieren den Löwen mit Kohpa ein nachhaltiges Papier mit recycelten Kohlenstofffasern. Der Clou dabei: Durch die im patentierten Papier verarbeiteten Kohlenstofffasern, gelte die Erfindung laut Gründern als das erste stromleitende Papier der Welt, das zudem auch noch elektromagnetische Strahlung „abwehren“ kann und bedingt durch das Mischungsverhältnis der Kohlenstoff- und Papierfasern sehr stabil sei.

Ihr neuartiges Material könne vielfältig eingesetzt werden. Mit Kohpa– therm etwa, das 25 Euro pro Quadratmeter kostet und als eine Art „Tapete“ gedacht ist, die Wandflächen erwärmen kann: „Unser Papier wird mit einem Metallstreifen versehen und kann an den elektrischen Strom angeschlossen werden. Die somit dünnste und leichteste Flächenheizung der Welt kann zwischen 35 und 60 Grad warm werden“, erklärte Helfer den Löwen.

Die 5G-Angst

„Unser zweites Produkt Kohpa– protect kann elektromagnetische Strahlung abschirmen. Dieses Material wird heute im ökologischen Hausbau verwendet. Bildlich gesprochen wird das ganze Haus eingewickelt, damit Elektro-Smog wie 5G oder Funk die Menschen nicht belastet”, meinte Reichel überzeugt. Die Forderung: 200.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Peter Helfer (l.) und Walter Reichel sorgten mit ihrem 5G-Protector für Diskussionen unter den Löwen.

Als während des Pitches klar wurde, dass das Papier der Gründer Strom tatsächlich leitet, merkte man es in den Köpfen der Investoren rasseln. Alle griffen zum Notizblock oder blickten gebannt in Richtung der Sprecher. Auch als es ums Testen von Kohpa ging, staunte fast das ganze das „Höhle der Löwe“-Team.

Dann allerdings erklärten die Gründer, dass der größte Teil ihrer Käufe beim „Abschirmmaterial“ läge, die Heizungsidee noch hinten anstehe. Maschmeyer stellte daraufhin die Frage, die dann für große Diskussionen sorgen sollte: „Was wird genau abgeschirmt?“, lautete sie. Zu starke „elektromagnetische Strahlung“, antwortete Reichel und aktivierte damit Medien-Profi Georg Kofler.

„Sekten fürchten 5G-Strahlung“

Der meinte, dass es doch selbstverständlich wäre, dass wir solche Strahlungen überall hätten. Da brauche man doch keinen „Protect“. Sekten würden glauben, irgendwelche Strahlungen würden von überall daherkommen, so der Südtiroler.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg war anderer Meinung. Der Ex-Rennfahrer brachte 5G ins Spiel und erzählte als Beispiel, dass Städte wie Genf und Brüssel aktuell zuerst nachforschen wollen würden, ob Probleme für Menschen auftreten könnten. (Anm.: der brutkasten hat im Vorjahr dem Thema 5G einem Faktencheck unterzogen.).

„Lächerlich“

Dies brachte Kofler nicht zum Schweigen. Im Gegenteil setzte er weiter seine Ablehnung gegen „solche Verschwörungstheorien“ fort und sagte: „Alle wollen Digitalisierung und meinen, bei 5G kommt jetzt Strahlung rein. Das ist doch lächerlich“, sprach der Investor und hörte, wie Rosberg und auch Maschmeyer Kohpa-protect in der Anwendung dennoch als interessant empfanden.

Wissenschaftlich erwiesen?

Als Helfer dann von wissenschaftlich erwiesen sprach, lachte Kofler und sagte, dass bei dem Thema soviel „Hokuspokus“ herrsche und viele Leute in die Irre geführt werden. Er selbst sei vor Jahrzehnten darauf hereingefallen, deutete er an. „Allerdings finden heute die Strahlungsdiskurse jenseits von Experten statt“, vollendete der Investor abschließend seine Tirade.

Maschmeyer erzählte danach von einem Nachbarn, der einst einen „Wünschelrutengänger“ ins Haus geholt hatte. Der „Strahlungsjäger“ soll dann ausgerufen haben, wer im Schlafzimmerbett liegen würde, bekäme Krebs. Die Nachbarin, so der Clou des Löwen, war zweimal an Unterleibskrebs operiert worden. Mit diesem Beispiel zeigte sich der TV-Juror als Befürworter, dass man dieser „negativen Energie“ der Strahlung Aufmerksamkeit senden sollte.

Tripple-Beratung wegen Kohpa

Der bisher zuhörende Nils Glagau stieg danach als erster aus. Er wäre nicht begeistert. Als die Gründer erwähnten, dass sie vor ein paar Jahren ein „sechs-Millionen Euro“-Angebot für die Patente abgelehnt hätten, zogen sich Wöhrl und Maschmeyer zur Beratung zurück. Rosberg folgte.

Kofler meinte indes, dass man im Heizungsbereich große Konkurrenz habe und stieg unspektakulär aus. Das Trio, das sich beraten hatte, bot schlussendlich 200.000 Euro für jeweils elf Prozent. Reichel und Helfer gaben die 33 Prozent ab. Deal für Kohpa.

Neue Kunst in der „Höhle der Löwen“

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“ bildeten Timm Benjamin Zolpys, Mohamed Ghouneim, Stephan Meissner und Nicolas Lawin. Den Löwen präsentieren die vier Gründer ihr Tape Art Kit. Dabei handelt es sich um eine moderne Kunstform, bei der aus verschiedenfarbigen und unterschiedlich breiten Klebebändern Bilder oder Kunstwerke entstehen.

Gemeinsam mit Ghouneim hat Zolpys vor über zehn Jahren das „Klebeland“, ein Fachgeschäft für Klebebänder, gegründet. Dieses hatte damals die Künstler im Team Meissner und Lawin angezogen, die viel mit dem Klebestreifen arbeiten: „Mit dem Klebeband, das man im Baumarkt kaufen kann, konnten wir nicht viel anfangen. Wir brauchen vor allem verschiedene Farben in verschiedenen Breiten. Und das haben wir damals nur im Klebeland gefunden,” erzählte Meissner.

Beide Artisten waren mit ihrer Kunst schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. „Wir waren zum Beispiel in Japan und haben ganze Räume gestaltet, haben in Taiwan eigene Ausstellungen gehabt oder in New York auf den Straßen geklebt“, sagte Lawin im Studio. Um die Kunst auch Zuhause auszuprobieren, haben sich die vier zusammengetan und das Tape Art Kit auf den Markt gebracht.

Auch für Kinder geeignet

Die Kits bestehen aus unterschiedlich vielen Farben, Breiten und Materialien wie Gewebeband, klebende Folien und Papierband – letzteres sei auch für das Kinderzimmer geeignet, da es rückstandslos abziehbar ist. Zusätzlich bieten die vier Männer in ihrer gegründeten „Tape Art Academy“ kostenpflichtige Workshops für Jung und Alt an. Um das Tape Art Kit auf dem Markt zu etablieren, benötigten die Gründer 100.000 Euro und waren bereit dafür 12,5 Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Stephan Meissner, Nicolas Lawin, Mohamed Ghouneim und Timm Benjamin Zolpys, das Tape Art-Team.

Nach dem Pitch klebten die Löwen bunt darauf los und hatten sichtlich Spaß an der neuen Kunstform. 2019 hatten die Gründer über 200.000 Boxen verkauft, zeigten aber im Diskurs mit den Löwen Probleme, aktuelle Umsatzpläne zu erläutern. Weil das Quartett die Zahlen nicht im Griff habe, ging Maschmeyer ohne Angebot.

Zwei weitere Absagen

Nils Glagau zweifelte daran, dass sich die Idee großflächig durchsetzen könne. Zudem könne er nicht die Kanäle bieten, die die Gründer bräuchten. Nach dieser Absage, sah es Dümmel ähnlich und blieb auch ohne Intentionen einzusteigen.

Georg Kofler ließ sich danach zusichern, dass die Gründer eine Lieferkapazität von einer halben Million Stück stemmen könnten, wäre die Nachfrage da. Er hätte Lust auf eine große Social Media-Kampagne mit den Foundern. Und bot 100.000 Euro für 18 Prozent. Lifestyle-Expertin Williams folgte mit 100.000 Euro für nur 15 Prozent.

Nein!? – Doch!! – Ohh!!!

Während der Beratung der vier jungen Männer, die sehr lange zu dauern schien, plauderten die verbliebenen Löwen, als sich plötzlich Judith Williams erhob. Sie ging auf das Tape Art-Team hinter der Bühne zu und lockte es zurück ins Studio. Es gab plötzlich ein neues Angebot: Beide wollten nicht mehr alleine sein und boten 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung. Eine weitere Beratung war nicht mehr nötig. Deal für Tape Art.

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(c) StartUp Burgenland
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Die Gründungszahlen gingen in den meisten österreichischen Bundesländern laut aktuellem Austrian Startup Monitor zuletzt zurück oder stagnierten. Große Ausnahme ist ausgerechnet das Bundesland mit der geringsten Bevölkerungszahl: Gerade in den vergangenen Krisenjahren stieg die Zahl der Neugründungen im Burgenland um nicht weniger als 65 Prozent.

Heute sind es insgesamt rund 90 Startups – und diese weisen laut Monitor noch eine weitere Besonderheit auf: Das Burgenland ist auch österreichweiter Spitzenreiter bei Profitabilität. Mehr als 60 Prozent der Startups im östlichsten Bundesland sind demnach bereits profitabel oder haben den Break-even erreicht.

StartUp Burgenland: 50 Startups seit dem Start 2021

Doch wie kommt es zu dieser Dynamik entgegen des österreichweiten Trends? Der Gründergeist hat sich in den vergangenen Jahren nicht zufällig im Burgenland etabliert. „Es gab früher keine Anlaufstelle, kein strukturiertes Programm. Wer hier gründen wollte, ist nach Wien oder Graz ausgewichen – oder hat es alleine versucht“, sagt Michael Sedlak. Er ist Leiter von StartUp Burgenland, das genau diesen Umstand in den vergangenen Jahren geändert hat.

Die Zahlen sprechen dabei für sich. Seit dem Start 2021 gingen durch die Inkubator- und Accelerator-Programme mehr als 50 Startups. 70 Prozent davon schafften den Markteintritt und schufen damit 129 Arbeitsplätze. Sie kommen auf eine Gesamtkapitalisierung von 10,7 Millionen Euro. Und dieser Impact zeigt sich auch in der Zufriedenheit der Teilnehmer:innen: 95 Prozent der Alumni empfehlen die Programme von StartUp Burgenland weiter.

CRANii: über Ärtztepraxen zu den Patient:innen

Eine der aktuellen Teilnehmer:innen ist Christiane Hofer-Marbet. Sie hat mit ihrer Schwester Katharina Koller-Hofer das Startup CRANii gegründet. Das app-gestützte Therapiekonzept für Kopf- und Kieferbeschwerden, vor allem die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD), bietet Patient:innen strukturierte Kieferphysiotherapie für zuhause. „Für die Patienten ist es oftmals schwierig, Therapieplätze zu finden, weil es zu wenige Spezialisten in dem Bereich gibt und es natürlich auch eine Kostenfrage ist. Wir haben eine Software entwickelt, bei der die Patienten an die Hand genommen werden, um zu Hause die Übungen gemeinsam mit uns zu machen“, erklärt Hofer-Marbet gegenüber brutkasten.

(v.l.) Die Therapeutinnen und Schwestern Christiane Hofer-Marbet und Katharina Koller-Hofer haben CRANii gegründet | (c) CRANii

Gerade erst vor wenigen Wochen gelauncht, führt der Weg zu den Patient:innen für CRANii über einen B2B2C-Ansatz, konkret über die Kooperation mit Ärztepraxen und Reha-Kliniken. „Momentan bedienen wir Reha-Kliniken, Zahnarztpraxen und HNO-Praxen österreichweit und weiten nun auf die Orthopädie und Neurologie aus.“ Dabei strecke man schon jetzt in der Launch-Phase die Fühler im gesamten DACH-Raum aus und führe etwa bereits Gespräche in der Schweiz.

„Wir sind Therapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“

Nicht nur bei der Entwicklung dieser Go-to-Market-Strategie holte sich CRANii Unterstützung von StartUp Burgenland. „Ich glaube, ohne die Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen“, sagt Hofer-Marbet. „Wir kommen eigentlich nicht von der unternehmerischen Seite. Wir sind Physiotherapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“, so die Gründerin. „Seit wir dabei sind, ist es krass: Unser Coach Felix Lenhard geht den Business-Plan Schritt für Schritt mit uns durch, wir sind in Coachings mit Silicon-Valley-Investoren und haben es jetzt drauf, auf Deutsch und auf Englisch aus dem Stegreif zu pitchen.“

Man habe angetrieben durch den zweiten Coach, Michael Sedlak, auch an Messen und Kongressen teilgenommen, man schätze die Struktur des Programms und: „Das Netzwerk, das uns an die Hand gegeben wird, ist einfach gigantisch“, so Hofer-Marbet.

„Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln.“

Diesen Aspekt betont auch Edris Paknehad: „Felix [Anm. Lenhard], Michael [Anm. Sedlak] und Raphaela [Anm. Graf] haben mir in Eins-zu-Eins-Betreuung überall geholfen, wo ich nicht weitergekommen bin, und wenn sie es selbst nicht wussten, haben sie immer Leute gefunden, die mir helfen konnten. Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln. Sie nicht.“

Edris Paknehad | (c) PAK Immo

Mit seinem E-Learning-Startup PAK Immo hat Paknehad bereits das Accelerator-Programm von StartUp Burgenland durchlaufen. Das Unternehmen hat mit seiner E-Learning-Plattform für die Befähigungsprüfung zum Baumeister eine Nische gefunden, die es erfolgreich besetzt. „Die Baubranche in Österreich ist extrem altmodisch. Man redet die ganze Zeit von Digitalisierung, etwa mit BIM [Anm. Building Information Modeling], aber was die Bildung angeht, ist alles sehr veraltet“, erklärt der Gründer.

PAK Immo: effizient genutzte Fahrzeit

So habe man für besagte Befähigungsprüfung bislang einen Kurs in Präsenz belegen müssen, der zwischen 15.000 und 18.000 Euro kostet. „Dabei ist man in dem Beruf zeitlich extrem eingeschränkt. Wenn man auch noch eine Familie hat, kann man sich unmöglich drei- oder viermal in der Woche in einen Kurs setzen. Das war auch bei mir damals der Fall. Ich habe viel Geld bezahlt und 70, 80 Prozent des Vorbereitungskurses verpasst. Ich dachte mir: Das muss besser gehen!“ PAK Immo biete mit seinen Kursen nicht nur einen um mehrere Tausend Euro günstigeren Preis. „Bei uns kann man die Inhalte anhören, wie einen Podcast. Ich sitze etwa auch heute vier Stunden im Auto, weil die Baustelle zwei Stunden Autofahrt entfernt ist. Das ist bezahlte Arbeitszeit und man kann sie gleichzeitig nutzen, um zu lernen“, so Paknehad.

Auch er bekam von StartUp Burgenland nicht nur Coachings, Netzwerk und Sichtbarkeit, sondern auch Unterstützung bei sehr konkreten Tasks, erzählt der Gründer: „Was mir besonders geholfen hat: Ich hatte am Anfang kein eigenes CRM-System. Hier wurde mir geholfen, eines aufzubauen – davor war das eher ein Chaos.“

„Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem.“

Auch Paknehad betont die Struktur des Programms, die besonders am Anfang geholfen hat. Seitens StartUp Burgenland hat man diese zuletzt übrigens noch stärker individualisiert. Seit diesem Jahr gibt es keinen Batch-Betrieb und keinen fixen Zeitrahmen mehr, dafür zu 100 Prozent individuelle Begleitung. „Dein Fahrplan, dein Tempo“, fasst Michael Sedlak zusammen. Und er verrät das Erfolgsrezept des Programms: „Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem. Und das gibt es im Burgenland.“

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