12.03.2024

Zu nischig, zu kompliziert, zu wenig Daten. So sieht Inklusion in der Startupszene aus

Die Ressourcen fehlen, die Daten sind rar. Beim Thema inklusive Arbeitswelt ist in der Startupszene noch Luft nach oben. Julia Kruselburger von independo und Wolfgang Kowatsch von MyAbility erklären warum das so ist und was dringend geändert werden muss.
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Julia Kruselburger sitzt auf einem Tisch (der vermutlich in einem Klassenzimmer steht), sie hat die Hände übereinander gelegt und lächelt dezent in die Kamera
Julia Kruselburge, Co-Founderin von independo analysiert, wie es um die Inklusion in der Startupszene steht (c) ungefiltert

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen brutkasten-Printmagazin (Download-Möglichkeit am Ende des Artikels).

Wenn in Österreich Arbeitsplätze geplant, Firmen gegründet und Webseiten programmiert werden, vergisst man vielerorts 18,4 Prozent der Bevölkerung. So viele Menschen gelten laut Statistik Austria allein hierzulande als „behindert“.

Was schon bei der Erhebung vor rund zehn Jahren nicht bedacht wurde: Bereits hier wurden Daten über Menschen mit Behinderung nicht ausreichend abgedeckt, denn bei der telefonischen Umfrage wurden lediglich jene Personen befragt, die zum Zeitpunkt der Erhebung in einem eigenen Haushalt lebten. Das heißt: Gehörlose, Menschen mit einer kognitiven Behinderung sowie jene aus Pflege- und Wohnheimen fehlen bis heute in der Statistik komplett.

Ähnlich dünn sieht die Datenlage in der Startup-Szene aus: Zwar gibt jedes zweite Startup laut Austrian Startup Monitor an, soziale sowie ökologische Ziele an übergeordneter Stelle für das Unternehmen zu sehen – wie inklusiv die rund 3.000 Startups in Österreich aber tatsächlich sind, kann anhand derzeitiger Zahlen nicht überprüft werden.

Übersetzt heißt das: In Österreich leben weit mehr Menschen mit Behinderung, als offiziell bekannt ist. Bei der Entwicklung von Produkten wird daher kaum an sie gedacht.

Zwei Menschen, die sich besonders für eine inklusive Arbeitswelt einsetzen, sind Julia Kruselburger, Co-Founderin der inklusiven Kalender-App independo, und Wolfgang Kowatsch, Geschäftsführer von myAbility, einer Job- und Weiterbildungsplattform für mehr Inklusion. So unterschiedlich ihre Arbeitsbereiche sind, so einig sind sie sich, wenn es um Inklusion in der Startup-Landschaft geht. Mit brutkasten haben sie über diese Sicht gesprochen.

Ausgleich statt Inklusion

Einer der Hauptgründe für die defizitäre Inklusionslandschaft in Österreich liegt, da sind sich beide Expert:innen einig, in der Politik.

Rückblick in das Jahr 2008: Die Unterzeichnung der UN-Konvention über Inklusion hätte ein Meilenstein für diese werden können. Mit ihr verpflichtete sich Österreich unter anderem dazu, Menschen mit Behinderung das Recht auf den regulären – also dem ersten – Arbeitsmarkt zu gewähren und dieses zu fördern. Konträr dazu können Unternehmen Menschen mit Behinderung auch einfach nicht einstellen.

Das Schlupfloch heißt „Ausgleichstaxe“. Sie besagt: Jedes Unternehmen mit 25 oder mehr Mitarbeitenden ist verpflichtet, auf jeweils 25 Beschäftigte eine begünstigt behinderte Person einzustellen, durch Sonderregelungen meist sogar nur eine auf 100. Erfüllt ein Unternehmen diese Bedingungen nicht, wird zur Rechnung gebeten: Zwischen 320 und 477 Euro zahlt man pro nicht eingestellte Person mit Behinderung. Mit Hinblick auf die Unternehmensgröße der meisten Startups kann die Taxe – zumindest anfangs – getrost ignoriert werden. Wäre das die Lösung des Problems, würde der Artikel hier enden.

Nicht am Schirm: Bedürfnisse durch Einbindung decken

Doch das Problem ist damit nicht gelöst, im Gegenteil: Durch die Möglichkeit, Menschen mit Behinderungen nicht einzubinden, wird ihre Unsichtbarkeit am Arbeitsmarkt verstärkt. „Unternehmen haben teilweise nicht am Schirm, dass es Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt“, erklärt Kruselburger. „Wirkliche Fortschritte“ sieht die Gründerin in der Politik ebenso wenig wie in der Startup-Landschaft. „Wir leben im 21. Jahrhundert, fliegen zum Mond, aber einen digitalen Kalender für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt es nicht? Das war für mich damals unverständlich.“ An vielen Ecken gebe es Aufklärungsbedarf.

Wir leben im 21. Jahrhundert, fliegen zum Mond, aber einen digitalen Kalender für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt es nicht? Das war für mich damals unverständlich.

Julia Kruselburger, Co-Founderin von independo

Wenn Kruselburger über ihre Inklusionsarbeit spricht, stößt sie innerhalb der Szene gleichermaßen auf Zuspruch und Wissenslücken. Immer wieder muss sie etwa den Nutzen ihres Produkts und die Relevanz von Inklusion erklären. „Wenn wir auf unser Produkt eingehen, stellen wir oft fest, dass die Menschen kaum Berührungspunkte mit Inklusion haben. Die meisten sind erst einmal sprachlos und wissen überhaupt nicht, was sie mit dem Thema anfangen sollen, warum es für einen Kalender Symbole oder überhaupt Alternativen für textbasierte Informationen und Kommunikation braucht“, erzählt die Gründerin.

„Gerade bei der Entwicklung von Technologien ist es unumgänglich, die Zielgruppe bereits im Gestaltungsprozess miteinzubeziehen.“

Verständnis für die Berührungsängste habe sie aber trotzdem, denn sie weiß: Dass sie Inklusion von klein auf erlebt hat, ist eher ungewöhnlich. Als Kind verbrachte sie ihre Sommerferien in inklusiven Camps. „Meinen Eltern war das Thema immer wichtig, obwohl wir keinen persönlichen Bezug zu Menschen mit Behinderungen haben“, erinnert sie sich.

Als sie Jahre später gemeinsam mit ihrem Team rund um Konstantin Strümpf, Michael Höchtl und Daniel Harringer ein inklusives Produkt entwickeln möchte, ist klar: Das geht nur mit Hilfe von Menschen, die es tatsächlich betrifft. „Gerade bei der Entwicklung von Technologien ist es unumgänglich, die Zielgruppe bereits im Gestaltungsprozess miteinzubeziehen, besonders im Bereich der assistiven Technologien und unterstützten Kommunikation, weil wir die Bedürfnisse gar nicht richtig einschätzen können“, erklärt die Gründerin. Von Anfang an arbeitet das Startup daher mit Vereinen für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Sonderschulen zusammen.

Was fehlt, sind die Ressourcen

Die Zielgruppe nicht nur weiter zu denken, sondern zu inkludieren, rät auch Wolfgang Kowatsch seinen Kund:innen. Als er gemeinsam mit Gregor Demblin, seinem Geschäftspartner von myAbility, 2009 sein erstes Inklusionsprojekt startete, war Inklusion noch nicht einmal als Wort im Sprachgebrauch. Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu „integrieren“ bedeutete damals beispielsweise, blinde Personen in einem Callcenter arbeiten zu lassen, aber sie weiterhin als gesonderte Gruppe wahrzunehmen, erzählt der Co-Founder.

„Ich habe den Eindruck, dass die Awareness bezüglich gewisser Diversitätsdimensionen wie Herkunft oder sexuelle Orientierung hoch ist. Menschen mit Behinderungen sind in der Startup-Szene hingegen kaum sichtbar“, analysiert Kowatsch. Das könne auch mit den langen Arbeitszeiten, gerade in der ersten Phase, zusammenhängen. „Für Menschen mit Behinderungen ist das nicht immer möglich.“ Zudem müsse man bedenken, dass Zeit in die Organisation rund um unterstützende Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel persönliche Assistenz, fließe.

Was es braucht, sind Angebote

„Also haben wir unterstützende Beratungsangebote und Trainings für Unternehmen entwickelt, um das fehlende Inklusionsverständnis zu reduzieren“, erzählt er. Heute bietet myAbility weit über 5.000 Jobchancen für Menschen mit Behinderungen im gesamten DACH-Raum an. „Wir wachsen speziell in Deutschland stark und können immer mehr Unternehmen überzeugen, all ihre Stellen bei uns auszuschreiben. Das ist ein wichtiger Schritt Richtung mehr Inklusion, wenn man nicht mehr einzelne Stellen selektiert, sondern für alle Positionen Menschen mit Behinderungen zur Bewerbung einlädt“, betont Kowatsch. Neben dem Unwissen über Inklusion scheitern Unternehmen häufig an Ressourcenmangel und im Zuge dessen an fehlender strukturierter Diversity- und Inklusionsarbeit, reflektiert er.

Wolfgang Kowatsch, Co-Founder und Geschäftsführer von MyAbility. Mit seinem Co-Founder Gregor Demblin hilft er Unternehmen auf dem Weg zu einer inklusiven Arbeitswelt. (c) Renée del Missier

Unternehmen müssen jetzt digital inklusiv werden

Luft nach oben gebe es neben den Wissenslücken auch beim Umgang mit Accessibility-Guidelines, betont Kruselburger. Das Problem der aktuellen Accessibility-Guidelines liege darin, dass diese nicht für jede Behinderung funktionieren, erklärt die independo-Gründerin. „Während blinde Personen oder jene mit Sehbehinderungen von den Guidelines abgeholt werden, fühlen sich Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Sprachbehinderungen digital überhaupt nicht inkludiert.“ Der Fokus müsse hier viel genauer werden. „Wenn die Richtlinien unzureichend oder nicht für alle inklusiv aufgestellt sind, können sich Unternehmen noch so sehr interessieren und motiviert sein, sie werden trotzdem auf Barrieren stoßen“, so Kruselburger.

Zumindest in dieser Hinsicht ist Besserung in Sicht: Mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsgesetzes European Accessibility Act, das Unternehmen dazu verpflichtet, in Sachen Inklusion digital aufzurüsten, soll sich einiges ändern.

Menschen mit Behinderungen sind in der Startup-Szene kaum sichtbar.

Wolfgang Kowatsch, Geschäftsführer und Co-Founder von myAbility

Ab Juni 2025 müssen alle Online-Dienstleistungen barrierefrei gestaltet sein. Independo scheint dafür wie gemacht – schon jetzt sei die Nachfrage von Unternehmen und staatlichen Institutionen im Hinblick auf die Gesetzesnovelle groß, erzählt die Gründerin. Künftig soll die Übersetzung auch für andere Technologien, etwa Buchungstools oder Straßenkarten, nutzbar gemacht werden. „Wir möchten es für Menschen mit Lernschwierigkeiten möglich machen, beispielsweise Therapiestunden über herkömmliche Buchungssysteme selbst zu buchen, ohne die Hilfe anderer zu benötigen.“

Zu nischig: Wenn die Förderungen ausbleiben

Dass independo weit vorn in der Reihe der inklusiven Produkte steht, hat auch bei den Förderungsanträgen geholfen. „Bei Förderprogrammen, die auf Impact-Themen fokussiert sind, haben wir durch unsere Zusammenarbeit mit der Zielgruppe und unsere Technologie gute Argumente geliefert. Was Programme für Social Enterprises betrifft, gibt es aber meiner Meinung nach immer noch zu wenig für Startups“, kritisiert Kruselburger. Der entscheidende Punkt liege auch beim Konkurrenz-Thema. Schon öfter habe sie erlebt, dass es anderen Unternehmen, die auch Sichtbarkeit für Inklusion schaffen wollen, aber keine Softwareprodukte anbieten, deutlich schwerer fällt, zu konkurrieren. Förderungen für jene Unternehmen bleiben oft aus oder sind viel schwieriger zu bekommen. „In unserem Bereich ist ein Unternehmen schnell einmal zu nischig – das ist auch ein großes Problem.

Treffen kann es alle

Neben inklusiven Ideen werden häufig auch die Fähigkeiten der Menschen kaum gesehen. „Es gibt Menschen mit Behinderungen, die Sachen viel, viel besser können als eine Person ohne Behinderung“, betont Kruselbruger. Unternehmen sollten sich auch damit befassen, wie sie von Inklusion profitieren können – „sowohl wirtschaftlich als auch produkt- oder innovationstechnisch“. Die Größe der zusätzlichen Zielgruppe unterstreicht diesen Gedanken: Laut Schätzungen sind rund 15 Prozent der Weltbevölkerung Menschen mit Behinderung. Was die meisten außerdem nicht bedenken: „Behinderung kann früher oder später alle treffen. Es ist Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.“

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Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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