16.10.2025
CORPORATE VENTURING

Venture Clienting: Vom schnellen Pilot zum Investment-Case

Im Gastbeitrag im Rahmen der Serie "Corporate Venturing" erläutert Lisa Kratochwill, Leiterin des VERBUND X Accelerators, wie Venture Clienting und Corporate Venture Capital zusammenspielen können.
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Lisa Kratochwill leitet den VERBUND X Accelerator | Foto: EAP.AT
Lisa Kratochwill leitet den VERBUND X Accelerator | Foto: EAP.AT

Die brutkasten-Serie „Corporate Venturing“ is powered by AKELA, Raiffeisen Bank International AG, UNIQA Insurance Group, Mavie Next, VERBUND, whataventure — New business. Powered by entrepreneurs. und Wien Energie GmbH.


Als ich vor einem Jahr den VERBUND X Accelerator (VXA) übernommen habe, war mir der Begriff „Venture Clienting“ noch völlig fremd. Mir war nicht bewusst, dass genau das, was wir tun, bereits einen Namen und eine wachsende internationale Community hat. Was ich damals schnell gelernt habe: unabhängig von der Branche – die Logik ist immer dieselbe. Es geht darum, echte Probleme zu identifizieren, Startups mit passenden Lösungen zu finden und diese schnell zu testen. Heute weiß ich: Venture Clienting ist weit mehr als ein Buzzword. Es ist eines der wirkungsvollsten Instrumente, um die Innovationen von Startups systematisch in eine Organisation zu bringen – und zwar mit messbarem Effekt.

Mehr als ein Trend

Laut dem aktuellen State of Venture Client Report haben bereits 40 Prozent der befragten Unternehmen dedizierte Venture-Client-Einheiten aufgebaut. Unternehmen mit solchen Strukturen schaffen es in mehr als der Hälfte der Fälle, innerhalb von zwölf Wochen die erste Bestellung auszustellen – ein Tempo, das klassische Beschaffungsprozesse selten erreichen. Und das ist auch der vielleicht wichtigste Vorteil von Venture Clienting: die Geschwindigkeit. Möglich wird das durch standardisierte Dokumente, beschleunigte Beschaffungsprozesse und kleine Pilotbudgets, die schnelle Entscheidungen erlauben. Diese Geschwindigkeit macht einen Unterschied – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Startups.

So können Startup-Lösungen dazu beitragen, Kosten zu senken, neue Erlöse zu ermöglichen oder bestehende Prozesse effizienter zu machen. Manchmal geht es auch „nur“ darum, Hypothesen zu testen – also in kurzer Zeit herauszufinden, ob eine Lösung funktioniert oder ob interne Strukturen angepasst werden müssen. In beiden Fällen liefert Venture Clienting echte Ergebnisse: entweder einen skalierbaren Mehrwert oder eine schnelle, günstige Erkenntnis.

Mehr als ein Instrument

Wer sich mit Venture Clienting beschäftigt, landet automatisch auch bei anderen Innovationsinstrumenten wie Venture Building oder Corporate Venture Capital (CVC). Dabei gibt es hier kein „besser“ oder „schlechter“. Es sind unterschiedliche Instrumente mit unterschiedlichen Zielsetzungen – und entsprechend unterschiedlich einzusetzen.

Bei VERBUND sehen wir Venture Clienting nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu anderen Instrumenten wie Corporate Venture Capital (CVC). Mit dem VERBUND X Accelerator betreiben wir eine klassische Venture-Clienting-Unit. Gleichzeitig investieren wir mit VERBUND Ventures auch in Startups. Und gerade die Kombination zeigt ihren Wert: Wenn eine Business Unit ein Produkt erfolgreich pilotiert und den Mehrwert erkennt, dann ist das eine perfekte Due Diligence für ein Investment. Für das Startup bedeutet das bewiesene Marktfähigkeit, für das Unternehmen eine validierte Lösung – und für das Investmentteam eine deutlich sicherere Entscheidung.

Ein Beispiel aus der Praxis

Das VERBUND-Projekt mit Ogre AI ist ein gutes Beispiel. Gesucht war eine Lösung, um die Vorhersagen des Lademanagements von E-Ladesäulen zu verbessern und dadurch Ausgleichsenergiekosten zu reduzieren. Das erste Pilotprojekt – bei uns nennen wir es lieber „Proof of Value“ als „Proof of Concept“, weil es oft nicht um die Machbarkeit einer Technologie geht, sondern um ihren konkreten Nutzen – war sehr vielversprechend.

Die logische Folge: eine Beteiligung durch VERBUND Ventures, gepaart mit einem Anschlussauftrag und einer Skalierung durch die Business Unit. Genau hier zeigt sich die Stärke des Modells: Pilot, Partnerschaft und Investment greifen ineinander.

Was Venture Clienting braucht

Auch wenn Venture Clienting mittlerweile fest in den Innovationsaktivitäten vieler Unternehmen verankert ist, bedeutet das nicht automatisch, dass alle diese Initiativen erfolgreich sind. Aus meinen Erfahrungen im letzten Jahr lassen sich ein paar Faktoren festhalten, die den Unterschied machen:

  • Es braucht ein echtes Problem, das gelöst wird.
  • Es braucht eine Person im Unternehmen, die Verantwortung übernimmt.
  • Es braucht das Commitment von der Führungsebene, Projekte zu unterstützen.
  • Es braucht klar definierte KPIs, um aus einem Pilot eine langfristige Partnerschaft zu machen.
  • Und es braucht eine Übersetzungsfunktion – eine Venture-Clienting-Unit wie unseren VERBUND X Accelerator, die zwischen Startup-Dynamik und Corporate-Strukturen vermittelt. Denn Vorstellungen von Geschwindigkeit, rechtlichen Prozessen oder Beschaffung unterscheiden sich massiv. Ohne diese Brücke ist das Risiko hoch, dass gute Ansätze im Sand verlaufen.

Fazit

Wenn all diese Elemente zusammenkommen, ist Venture Clienting nicht nur ein Innovationsvehikel, sondern auch ein starkes Dealflow-Instrument. Es eröffnet kontinuierlich Zugang zu qualifizierten Startups, liefert belastbare Signale über deren Potenzial und ebnet so auch den Weg für Investitionen.

Darum sollte die Frage nicht lauten: Venture Clienting oder CVC? Sondern: Wie setzen wir Venture Clienting und CVC sinnvoll zusammen ein? Denn die größte Wirkung entsteht genau an dieser Schnittstelle – wenn Pilotprojekte echten Wert zeigen, Startups wachsen können und Investitionen auf solider Evidenz basieren.

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Links Mitgründer von NXAI Sepp Hochreiter und Mitte rechts CEO von Neura Robotics David Reger | (c) Neura Robotics / NXAI

„Ein Roboter, der im Alltag und in der Industrie wirklich hilft, muss sich erinnern“, sagt David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics. Daher arbeitet sein Unternehmen mit dem Linzer Startup NXAI an der Merkfähigkeit von Robotern. „Gedächtnis und Erfahrungen sind die Voraussetzungen für Roboter, Aufgaben über viele Schritte zuverlässig zu lösen“, ergänzt Sepp Hochreiter, Gründer von NXAI.

Die Grundlage bietet Neura Robotics mit einem multimodalen Foundation-Modell, das Funktionen wie 3D-Sehen, Tastsinn und Audio mit einer Gedächtnisfunktion verbindet. Der Physical-AI-Stack von Neura Robotics wird mit einem xLSTM von NXAI, also einem künstlichen neuronalen Netz, verbunden. „xLSTM ist dafür gebaut, ist schnell, speichereffizient und kann den Zustand über lange Sequenzen halten“, sagt Hochreiter.

NXAI plant, ein eigenes Modell auf Basis der xLSTM-Architektur auf Neura Robotics‘ hauseigener Neuraverse-Plattform bereitzustellen. „Mit dem Neuraverse schaffen wir die Plattform, auf der auch andere starke KI-Ansätze ihren Weg in Roboter finden“, erklärt Reger.

Gesteigerte Effizienz

Ein Roboter arbeitet in Schleifen und verarbeitet permanent Wahrnehmungen, Entscheidungen und Handlungen. Laut Neura Robotics braucht er dafür Gedächtnis auf zwei Ebenen: das Arbeitsgedächtnis und das episodische Gedächtnis. Ein Roboter, der einen Prozess wiederholt ausgeführt hat, soll bei derselben Situation auf frühere Erfahrungen zurückgreifen können und so aus der Erfahrung handeln.

Die Roboter der Zukunft

Langfristig möchten die beiden Firmen, dass Roboter nicht nur einzelne Fähigkeiten ausführen, sondern über die Zeit Erfahrung aufbauen. Fähigkeiten, die Roboter aus der Interaktion mit der realen Welt lernen, sollen verbessert und auf andere Maschinen und Umgebungen übertragen werden.

From Science to Business

NXAI, gegründet vor drei Jahren, ist ein Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Linz, das Lösungen für industrielle Anwendungen entwickelt. Die Firma versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie. So möchte sie die eigene KI-Forschung in marktreife Produkte überführen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen xLSTM-Modelle in den Bereichen Time Series und Robotics.

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