26.03.2026
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Tractive und die größten Startup-Exits der österreichischen Geschichte

Der Verkauf von Tractive an Bending Spoons dürfte als vermutlich bislang größter Exit in die heimische Startup-Geschichte eingehen. Ein Blick auf die spektakulärsten Übernahmen der vergangenen Jahre zeigt, wie stark diese Mega-Deals das österreichische Ökosystem nachhaltig prägen.
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Die (vermutlich) größten Exits in der österreichischen Startup-Geschichte: Tractive, Single Use Support, has.to.be und Runtastic
Die (vermutlich) größten Exits in der österreichischen Startup-Geschichte: Tractive, Single Use Support, has.to.be und Runtastic | (c) Tractive / Single Use Support / Runtastic / Make Vision/Flausen

Es ist ein Paukenschlag für den Startup-Standort Österreich: Wie gestern kommuniziert wurde, übernimmt der italienische App-Entwickler Bending Spoons das Paschinger PetTech-Scaleup Tractive. Nachdem bereits vor wenigen Monaten Gerüchte über einen Exit mit Bewertung im Milliardenbereich die Runde machten, kann zumindest vermutet werden, dass dieser Deal der bislang größte Exit der österreichischen Startup-Geschichte war und zumindest im hohen neunstelligen Bereich liegt.

Von Milliarden-Gerüchten und dreistelligen Millionenbeträgen

Der Tractive-Verkauf ist der jüngeste in einer Reihe mutmaßlicher Rekorde. 2024 sicherte sich die dänische Novo Holdings die Mehrheit am Tiroler Life-Science-Unternehmen Single Use Support – ein Deal der ebenfalls aufgrund von Gerüchten zunächst als möglicher Milliarden-Exit gehandelt wurde, später aber offiziell im hohen dreistelligen Millionenbereich bestätigt wurde.

Besonders das Boom-Jahr 2021 bleibt auch als historisches Exit-Jahr in Erinnerung: Damals ging der E-Mobility-Software-Spezialist has.to.be für 250 Millionen Euro an ChargePoint – bis heute der größte heimische Exit mit konkret bekannter Summe. Im selben Jahr kaufte Canva das Wiener KI-Startup Kaleido AI für nicht konkret genannten, aber definitiv neunstelligen Betrag. Außerdem ging Hansi Hansmanns erste Startup-Beteiligung, das vom Österreicher Bernhard Niesner gegründete EdTech Busuu, für 385 Millionen Euro an Chegg – das Scaleup hatte seinen Hauptsitz allerdings in London.

Der Multiplikator-Effekt für den Standort Österreich

Die Bedeutung dieser Exits geht weit über die reinen Kaufsummen hinaus. Große Exits wirken in einem Startup-Ökosystem wie ein Schwungrad: Kapital und Know-how fließen zurück in den Markt. Und nicht nur die Gründer:innen selbst sondern auch Business Angels und Fonds nutzen das Geld aus Exits für weitere Investments.

Ein frühes Beispiel dafür ist der 140-Millionen-Euro-Exit von Paysafecard im Jahr 2013. Co-Founder Michael Altrichter nutzte das Kapital und seine Erfahrung in der Folge, um als einer der aktivsten Business Angels Österreichs zahlreiche neue Startups zu finanzieren.

Ein ähnlicher, bis heute spürbarer Effekt ging 2015 vom 220-Millionen-Euro-Verkauf von Runtastic an Adidas aus: Das Gründerteam rund um Florian Gschwandtner tritt seither als schlagkräftiges Investoren-Kollektiv unter dem Namen 8eyes auf. Gleichzeitig brachte der Exit damals unter anderem Business-Angel-Legende Hansi Hansmann einen Kapitalschub, der wieder genutzt wurde. Auch die Köpfe hinter dem HealthTech mySugr (2017 an Roche verkauft) investieren ihr Wissen und Kapital heute wieder in die nächste Generation von heimischen Gründer:innen.

Der Tractive-Exit könnte nun die nächste Welle an wertvollem Re-Investment in den Standort Österreich auslösen. An Bord waren nicht nur die Runtastic-Gründer sondern auch hier unter anderem Hansi Hansmann. Und Tractive-Gründer Michael Hurnaus war bereits vor dem Exit als Angel-Investor tätig.


Die größten heimischen Exits im Überblick

Hinweis: Da bei einigen Deals Stillschweigen über den exakten Kaufpreis vereinbart wurde, sind Schätzwerte entsprechend markiert.

JahrStartupKäuferSumme (Offiziell / Schätzung)brutkasten-Artikel
2026TractiveBending SpoonsBis zu Milliardenbereich (Schätzung)Zum Artikel
2024Single Use SupportNovo HoldingsHoher dreistelliger MillionenbereichZum Artikel
2021has.to.beChargePoint€ 250 Mio.Zum Artikel
2015RuntasticAdidas€ 220 Mio.Zum Artikel
2015ShpockSchibsted~€ 200 Mio. (Bewertung)Zum Artikel
2017mySugrRoche€ 70 – 200 Mio. (Schätzung)Zum Artikel
2024EcosioVertex180 Mio. EuroZum Artikel
2025FinmaticsVismaNeunstellig („größter österreichischer KI-Startup-Exit“) Zum Artikel
2021Kaleido AICanva€ 150 Mio.+ (Schätzung, „neunstellig“)Zum Artikel
2013PaysafecardSkrill€ 140 Mio.Zum Artikel
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Mike Grabowski von Callstack und Marc Rousavy von Margelo | (c) Callstack
Marc Rousavy (l.) und Mike Grabowski von Callstack von Margelo | (c) Callstack

Nur einmal die App coden und sie sowohl auf iOS als auch auf Android als native App herausbringen – das ist eines der zentralen Versprechen von React Native, einer App-Entwickler-Umgebung des US-Tech-Riesen Meta. Doch aus dem Framework ist noch deutlich mehr herauszuholen. Das beweist das vor fünf Jahren gegründete Wiener Startup Margelo. Mehrere Module mit unterschiedlichen Funktionalitäten für Developer, die das Unternehmen für React Native entwickelte, verzeichneten je Download-Zahlen im mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbereich.

Dienstleister kauft Entwickler

Ebenfalls auf React Native spezialisiert ist das Unternehmen Callstack aus Polen – dieses richtet sich an große Unternehmen, die bei der Einführung des Frameworks unterstützt werden. Nun übernahm Callstack Margelo für „mehr als 20 Millionen Euro“, wie es von den beiden Unternehmen heißt. Das polnische Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr eine große Finanzierung von der Investmentgesellschaft Viking geholt.

Margelo-Gründer Rousavy behält „signifikanten Anteil“

Margelo war bislang komplett im Besitz von Gründer Marc Rousavy. Er werde auch weiterhin „einen signifikanten Anteil“ an der Firma halten, schreibt er auf LinkedIn und gibt im Posting einen Einblick in die Gründungsgeschichte: „Ich habe Margelo vor fünf Jahren gegründet und hatte damals keine Ahnung von Business – ich habe sogar nach nur drei Tagen mein Wirtschaftsstudium abgebrochen.“

Langjährige Freundschaft

Mit Callstack-Gründer Mike Grabowski sei er schon länger befreundet. Nun werde man gemeinsame Sache machen. Auch Grabowski betont in seinem LinkedIn-Posting die Freundschaft: „Wir haben schon lange darüber gesprochen zusammenzuarbeiten. Einmal haben wir einander sogar versprochen, ein gemeinsames Venture zu starten.“ Nun sei es soweit. Dabei soll Margelos Entwicklung im Open-Source-Bereich fortgeführt werden.

„Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln“

Zudem will man gemeinsam auch auf den aktuellen Wandel im Software-Development durch KI eingehen, heißt es von den beiden Unternehmen in einer Aussendung. „Indem wir diese Stärken zusammenbringen, haben wir das Team und die Reichweite, um noch mehr der schwierigen Probleme zu lösen, die darüber entscheiden, ob Software in Production erfolgreich ist“, wird Grabowski dort zitiert. Und Rousavy kündigt an: „Während Softwareentwicklung zunehmend agentic wird, wollen wir mit dieser Technologie die Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln.“

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