10.04.2026
AUSZEICHNUNG

Startups überzeugen bei Innovationspreis Steiermark

Die Startups arterioscope und Ecolyte holten sich zwei der sechs Kategorie-Siege beim Innovationspreis Steiermark, der diese Woche vergeben wurde.
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Siegerfoto vom Innovationspreis Steiermark 2026 | (c) Oliver Wolf
Siegerfoto vom Innovationspreis Steiermark 2026 | (c) Oliver Wolf

Diese Woche wurde in Graz der Innovationspreis Steiermark verliehen. Die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) zeichnete dabei in den Bereichen „Digitalisierung“ und „Nachhaltigkeit“ insgesamt sechs Projekte aus. In den beiden Kategorien für Kleinst- und Kleinunternehmen setzten sich die Startups arterioscope und Ecolyte durch.

arterioscope: KI-Diagnostik für das Herz

In der Kategorie „Digitalisierung: Kleinst- und Kleinunternehmen“ wurden Simon Braito und Vahid Badeli für das Projekt „arterioscope.AI-ECG“ ausgezeichnet. Das Startup hat eine cloudbasierte MedTech-Software entwickelt, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz aus einem Standard-12-Kanal-EKG nicht-invasive kardiovaskuläre Biomarker ableitet. Dies soll die Früherkennung und das Monitoring von Herzinsuffizienz im Praxisalltag beschleunigen und breiter verfügbar machen.

Simon Braito und Vahid Badeli von arterioscope | (c) Oliver Wolf

Wie brutkasten erst diesen Februar berichtete, will das TU-Graz-Spinoff mit seiner Technologie Kostenersparnisse im Gesundheitsbereich erreichen. Die Technologie fungiere, wie CMO und Kardiologe Martin Manninger-Wünscher gegenüber brutkasten erklärte, als „Gatekeeper“, um Patientenströme im Gesundheitssystem effizienter zu lenken.

Ecolyte: Papierabfall als Stromspeicher

Der Preis im Bereich „Nachhaltigkeit: Kleinst- und Kleinunternehmen“ ging an das TU-Graz-Spinoff Ecolyte rund um Dieter Wurm, Lukas Pachernegg-Mair und Stefan Spirk. Das Startup entwickelt eine Papiermembrantechnologie und arbeitet im europäischen Projekt „VanillaFlow“ an KI-gestützten, stationären Energiespeichern. Ziel ist es dabei, kritische Rohstoffe zu ersetzen. Ecolyte nutzt dafür Vanillin, das aus dem Lignin der Papierindustrie gewonnen wird, als Speicherstoff in Batterien.

Dieter Wurm, Stefan Spirk (CEO) und Lukas Pachernegg-Mair von Ecolyte | (c) Oliver Wolf

Das Startup verzeichnete in der Vergangenheit bereits internationale Erfolge: So erhielt Ecolyte im Jahr 2023 und nochmals erst vor wenigen Wochen Förderungen des Europäischen Innovationsrats (EIC) und gewann unter anderem den „Innovation Radar Prize 2025“.

Die weiteren Preisträger im Überblick

Die weiteren Auszeichnungen gingen an etablierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen:

  • AT&S (Austria Technologie & Systemtechnik AG): Sieger der Kategorie „Digitalisierung: Mittel- und Großunternehmen“ für ein Verfahren zur Einbettung von Halbleiterelementen in Leistungselektronik, konzipiert für ultrakompakte Stromversorgungsmodule in Rechenzentren.
  • Montanuniversität Leoben: Ausgezeichnet im Bereich „Digitalisierung: F&E-Institutionen“ für das Digital Waste Research Lab zur Echtzeiterfassung und Optimierung digitaler Abfallströme.
  • GIG Karasek GmbH: Preisträger bei „Nachhaltigkeit: Mittel- und Großunternehmen“ für das CompriVAP-System, eine 50-Megawatt-Wärmepumpe zur Umwandlung von industrieller Abwärme in prozessfähigen Dampf.
  • Polymer Competence Center Leoben GmbH (PCCL): Sieger der Kategorie „Nachhaltigkeit: F&E-Institutionen“ für die Herstellung kreislauffähiger Verbundmaterialien für die Luftfahrt.

Fünf der prämierten Projekte werden von der SFG als Empfehlungen für den bundesweiten Staatspreis Innovation 2026 eingereicht.

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Dynatrace Engineering Headquarters in Linz © Dynatrace

Dynatrace wurde 2005 in Linz von Bernd Greifeneder, Sok-Kheng Taing und Hubert Gerstmayr gegründet und betreibt dort bis heute sein globales Engineering Headquarter. Nach dem ersten Exit an Compuware 2011 verlegte das Unternehmen seinen offiziellen Sitz in die USA, ging 2019 an die New Yorker Börse (NYSE: DT) und zählt mittlerweile zu den Weltmarktführern im Bereich KI-basierter Observability. Rund 28 Prozent der weltweit knapp 5.600 Mitarbeiter:innen arbeiten nach wie vor in Österreich, an Standorten in Linz, Wien, Graz, Klagenfurt, Hagenberg und Innsbruck.

Nun erweitert der Konzern sein Portfolio per Zukauf: Wie Dynatrace heute bekanntgab, hat man eine definitive Vereinbarung zur Übernahme des AI-Observability-Spezialisten Arize unterzeichnet.

915 Millionen Dollar Bewertung

Dynatrace bewertet Arize mit insgesamt 915 Millionen Dollar. Der Großteil davon, rund 815 Millionen, wird in bar bezahlt, den Rest erhalten Arize-Mitarbeiter:innen in Form von Ersatz-Aktienprogrammen, sobald sie zu Dynatrace wechseln, heißt es in der Aussendung. Finanzieren will Dynatrace den Kauf aus eigenen Mitteln oder über die bestehende Kreditlinie, frisches Fremdkapital ist dafür nicht nötig.

Laut Unternehmensangaben soll der Deal noch im laufenden oder im frühen dritten Quartal des Geschäftsjahres abgeschlossen werden, vorausgesetzt die zuständigen Behörden stimmen zu.

Finanziell dürfte sich der Zukauf zunächst gemischt auswirken: Er soll das Wachstum der wiederkehrenden Umsätze (ARR) um rund 200 Basispunkte, also 2 Prozentpunkte, beschleunigen, gleichzeitig aber die Non-GAAP-Operating-Marge im Geschäftsjahr 2027 um etwa 175 Basispunkte (1,75 Prozentpunkte) drücken. Kurz gesagt: Arize soll das Umsatzwachstum ankurbeln, geht kurzfristig aber auf Kosten der Profitabilität, ein bei Übernahmen wachstumsstarker, aber margenschwächerer Startups übliches Muster.

Was Arize baut und wie es zu Dynatrace passt

Arize, ansässig in San Francisco, hat sich auf die Bewertung der Ergebnisse von KI-Modellen und -Agents spezialisiert: Die Plattform erkennt etwa Halluzinationen, misst die Qualität von KI-Ausgaben und überwacht laufend, ob Sprachmodelle und Agents wie vorgesehen funktionieren. Arize Co-Founder Jason Lopatecki erklärt: „Wir haben Arize gegründet, weil KI-Teams eine Möglichkeit brauchten zu wissen, ob ihre Agenten tatsächlich richtig arbeiten und nicht nur laufen.“

Für Dynatrace schließt die Übernahme eine Lücke: Bislang überwachen viele Unternehmen die Qualität ihrer KI-Anwendungen, etwa ob ein Chatbot korrekt antwortet, getrennt von der klassischen IT-Infrastruktur wie Serverlast oder Anwendungsleistung. Fällt dann ein Kund:innen-Prozess aus, lässt sich oft nur schwer feststellen, ob die Ursache im KI-Modell, im Prompt oder in der darunterliegenden Infrastruktur liegt. Mit Arize will Dynatrace beide Ebenen – KI-Bewertung und klassische Observability – in einem durchgängigen System zusammenführen.

Arize-Gründer:innen wechseln zu Dynatrace

Die beiden Arize-Gründer:innen Jason Lopatecki und Aparna Dhinakaran wechseln mit Abschluss der Transaktion zu Dynatrace, heißt es in der Aussendung. Lopatecki bleibt Leiter des Arize-Teams und berichtet künftig direkt an Dynatrace-CEO Rick McConnell.

„Die Übernahme von Arize stärkt unsere Führungsposition im Bereich AI-Observability, beschleunigt unsere Roadmap und erweitert unsere Reichweite in der Entwickler:innen-Community“, wird McConnell in der Aussendung zitiert.

Der Markt für AI-Observability soll laut Dynatrace bis 2030 auf über 10 Milliarden Dollar wachsen. Im Mai hatte das Unternehmen die 2-Milliarden-Dollar-ARR-Marke geknackt.

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