04.03.2026
FORSCHUNG

EIC-Förderung in Millionenhöhe für zwei österreichische Spin-offs

In einem der härtesten Förderwettbewerbe Europas haben sich zwei heimische Spin-offs gegen hunderte Mitbewerber durchgesetzt. Ecolyte und dawn-bio erhalten jeweils Fördermittel in Millionenhöhe vom Europäischen Innovationsrat (EIC) der EU.
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Fahnen der Europäischen Union
Fahnen der Europäischen Union | Foto: Adobe Stock

Der Europäische Innovationsrat (EIC) hat die Ergebnisse der „EIC Transition“-Ausschreibung für das Jahr 2025 bekannt gegeben. Das Programm zielt darauf ab, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und kommerzieller Markteinführung zu schließen. Die Konkurrenz war dabei enorm: Von insgesamt 611 Einreichungen wurden europaweit lediglich 40 Projekte für eine Förderung ausgewählt, was einer Erfolgsquote von rund 6,5 Prozent entspricht.

4,5 der insgesamt rund 100 Millionen Euro fließen dabei in diesem Durchgang in Projekte mit österreichischer Beteiligung. Dabei konnten zwei heimische Spin-offs sich als Hauptkoordinatoren signifikante Fördersummen für ihre Deep-Tech-Projekte sichern: Ecolyte aus Graz und dawn-bio aus Wien.

Ecolyte: Nachhaltige Batterietechnologie aus Graz

Das Projekt „IONPAP“ des Grazer Spin-offs Ecolyte – einer Ausgründung der TU Graz – erhält rund 2,5 Millionen Euro bei einer Projektlaufzeit von 36 Monaten. Das DeepTech-Startup widmet sich der Entwicklung nachhaltiger Komponenten für stationäre Energiespeicher, konkret für Redox-Flow-Batterien – brutkasten berichtete bereits mehrmals.

Ecolyte arbeitet an zwei miteinander verknüpften Innovationen: Zum einen soll in organischen Redox-Flow-Batterien herkömmliches Vanadium durch den biobasierten, erneuerbaren Stoff Vanillin ersetzt werden. Zum anderen entwickelt das Unternehmen die „IonLeaf“-Membran, eine papierbasierte, ionenleitende Membran. Diese Innovation soll den Einsatz von umstrittenen PFAS-Materialien durch eine vollständig biologisch abbaubare Alternative ersetzen. Nach Angaben des Unternehmens lässt sich diese Alternative in Europa zu bis zu 90 Prozent geringeren Kosten produzieren. Im internationalen EIC-Transition-Ranking, an dem 546 Projekte teilnahmen, erreichte das Projekt den zweiten Platz. Das Vorhaben baut auf einem früheren „EIC Pathfinder“-Projekt auf.

dawn-bio: Neue Wege in der Reproduktionsmedizin

Das zweite geförderte Spin-off, dawn-bio, ist eine Ausgründung des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Für das Projekt „OFFSPRING“ ist ein Budget von rund 1,8 Millionen Euro bei einer Projektlaufzeit von 18 Monaten vorgesehen. Dawn-bio adressiert die oft niedrigen Erfolgsquoten bei der künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation; IVF).

Während traditionelle IVF-Methoden häufig auf die Selektion der vermeintlich besten Embryonen fokussieren, verfolgt das Projekt einen anderen Ansatz: Es zielt darauf ab, das Entwicklungspotenzial jeder einzelnen befruchteten Eizelle zu verbessern, indem auf deren spezifische metabolische Bedürfnisse eingegangen wird. Dafür entwickelt das Startup Modelle für Embryonalentwicklung und Implantation, die auf menschlichen Stammzellen basieren. Das übergeordnete Ziel ist es, eine größere Anzahl hochwertiger Embryonen zu generieren und so die Schwangerschaftsraten bei IVF-Behandlungen zu erhöhen. Das Projekt hat seinen Ursprung in einem „ERC Proof of Concept“-Grant.

Der Weg vom Labor zum Markt

Mit dem „EIC Transition“-Programm stellt die Europäische Union gezielt Mittel zur Verfügung, mit denen Technologien aus der Forschung in anwendungsnahen Umgebungen demonstriert, Geschäftsmodelle entwickelt und erste Kunden identifiziert werden sollen, um die Unternehmen „investment-ready“ zu machen. Neben der finanziellen Unterstützung erhalten die Spin-offs auch Zugang zu Business Acceleration Services wie Coaching, Mentoring und Partnering-Events, sowie einen potenziellen „Fast-Track“ für künftige EIC-Accelerator-Förderungen.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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