27.02.2025
MEINUNGEN

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

Das heute präsentierte Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und NEOS enthält mit dem Dachfonds eine lange gehegte Forderung der heimischen Startup-Szene. In anderen Bereichen wurden die Hoffnungen aber nicht erfüllt. Wir haben Stimmen dazu eingeholt.
/artikel/startup-szene-zum-regierungsprogramm-langfristig-und-sollen-statt-jetzt-und-machen
vlonru. Laura Raggl, Oliver Holle, Nina Wöss, Berthold Baurek-Karlic, Johannes Braith, Hannah Wundsam, Sander van de Rijdt und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Klaus Vyhnalek / brutkasten/Viktoria Waba / Foto Wilke / Storebox / Adrian Zettl / brutkasten/Martin Pacher / 360 Business Planner
vlonru. Laura Raggl, Oliver Holle, Nina Wöss, Berthold Baurek-Karlic, Johannes Braith, Hannah Wundsam, Sander van de Rijdt und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Klaus Vyhnalek / brutkasten/Viktoria Waba / Foto Wilke / Storebox / Adrian Zettl / brutkasten/Martin Pacher / 360 Business Planner

Das lange Warten hatte heute ein Ende. Österreich bekommt eine neue Regierung. Und mit ihr kommen auch Pläne in der Startup-Politik, die im heute präsentierten Regierungsprogramm dargelegt wurden – brutkasten berichtete.

Dachfonds und schnellere Gründung

Die wohl herausstechendste geplante Maßnahme ist hierbei der Dachfonds, ist dieser doch seit langem eine zentrale Forderung der heimischen Startup-Szene (u.a. in der 2024 präsentierten „Vision 2030“). Mit der „signifikant beschleunigten und rein digitalen Gründung“ oder der „Einführung eines Aktivierungswahlrechts bei selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten“ kommen weitere für heimische Startups relevante Maßnahmen hinzu. Ob und wie schnell diese umgesetzt werden, bleibt natürlich abzuwarten.

„Evaluierung“ von Wagniskapitalfondsgesetz und Notariatsaktpflicht

Bei anderen Themen, die zentrale Anliegen der Szene betreffen, bleibt das Programm überhaupt vage. Das Wagniskapitalfondsgesetz etwa soll „evaluiert“ werden – ebenso wie die Notariatsaktpflicht in weiteren Fällen. Bei der in der gesamten Wirtschaft lautstark geforderten Senkung der Lohnnebenkosten vertröstet das Programm auf später, wenn es die budgetäre Situation dann zulässt. Und eine weitere große Forderung der Szene, der Beteiligungsfreibetrag, hat es nicht in das Regierungsübereinkommen geschafft.


Regierungsprogramm – das sagt die Startup-Szene

Kurzum: Aus Startup-Sicht kann man das heute präsentierte Regierungsprogramm durchaus ambivalent betrachten. Wir haben Stimmen von bekannten Gesichtern der Szene dazu eingefangen:

Oliver Holle, CEO Speedinvest

Speedinvest-CEO Oliver Holle | Foto: Klaus Vyhnalek

Zunächst freue ich mich persönlich darüber, dass wir nun eine klar pro-europäische Regierung mit Kräften der Mitte bekommen – als international agierender Fonds mit vielen Standorten ist dies allein schon sehr viel wert.

Mit dem Dachfonds schliessen wir hoffentlich bald mit Resteuropa auf, wo solche Instrumente bereits seit geraumer Zeit bestens etabliert sind – die Sorge bleibt, dass wir in Österreich wider zu klein denken und hier unterkritisch agieren. Wichtig: ein Dachfonds – richtig aufgesetzt – ist für den Steuerzahler ein Gewinn und eben nicht ein weiteres Förderprogramm.

Viele andere wesentliche Punkte scheinen auf, wobei man nicht unbedingt ein Gefühl der Dringlichkeit spürt, wenn man die Formulierungen liest. Technologie, Innovation und Startups müssen Chefsache werden, statt Evaluierungen braucht es Umsetzungswille, und zwar sehr schnell, wenn wir international mitspielen wollen.

Nina Wöss, Co-Founderin Fund F

Fund F-Gründerin Nina Wöss | (c) brutkasten / Viktoria Waba

Das nun vorgestellte Regierungsprogramm enthält einige erfreuliche Maßnahmen für die österreichische Startup-Landschaft. Besonders positiv hervorzuheben ist der verstärkte Fokus auf Gründerinnen und Female Entrepreneurship – ein essenzieller Schritt, um Österreich als attraktiven Standort zu positionieren.

Ein großer Dank gilt den engagierten Vertreter:innen der Startup-Community, insbesondere AustrianStartups und invest.austria, die sich intensiv für diese Themen eingesetzt haben. Einige der zentralen Forderungen aus der “Vision 2030” haben es ins Programm geschafft – allen voran die Einrichtung eines Dachfonds, um dringend benötigtes Wachstumskapital zu mobilisieren und den Fonds-Standort aufzuwerten. Damit dieser ein echter Hebel für den Standort wird, ist es entscheidend, dass dieser unabhängig und professionell gemanagt wird.

Die angekündigten Maßnahmen müssen nun aber auch tatsächlich umgesetzt werden. In den letzten zehn Jahren gab es viele ambitionierte Regierungsprogramme – der tatsächliche Impact für Startups war bisher jedoch überschaubar und Österreich wurde und wird von anderen EU-Ländern rechts und links überholt.

Jetzt gilt es, die richtigen Weichen zu stellen und rasch von Worten zu Taten zu kommen. Die österreichische Startup-Szene hat das Potenzial, international wettbewerbsfähig zu sein – wenn die Rahmenbedingungen endlich mit der Innovationskraft unserer Gründer:innen Schritt halten.

Hannah Wundsam, Co-Managing Director AustrianStartups

AustrianStartups-Co-Managing-Director Hannah Wundsam | (c) Adrian Zettl

Wir freuen uns, dass im Regierungsprogramm einige große Stellschrauben für ein unternehmerisches Österreich aufgegriffen wurden. Allen voran ist die Mobilisierung von institutionellen Anlegern durch einen Dachfonds entscheidend für mehr Wachstumskapital in Österreich. Auch das Bekenntnis zur europaweiten Stärkung der Kapitalmärkte und die Evaluierung der Notwendigkeit des Notariatsaktes bei der Gründung einer FlexCo entspricht langjährigen Empfehlungen der Szene. Wichtig zu unterstreichen ist, dass unternehmerische Bildung sich im Lehrplan wiederfinden soll und Spin-off-Initiativen fortgesetzt und ausgebaut werden. Jetzt kommt es auf die rasche und praxistaugliche Umsetzung an.

Sander van de Rijdt, Co-Founder PlanRadar

PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt
PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt | (c) der brutkasten / Martin Pacher

Ich bin in erster Linie froh, dass endlich eine Koalition gefunden wurde, auch wenn das Regierungsprogramm per se von Kompromissen nur so strotzt. Aber das war unter den gegebenen Umständen wahrscheinlich nicht anders möglich und zumindest besser als Neuwahlen.

Ein Dachfonds ist eine gute Sache und wird dringend benötigt. Ich bin aber skeptisch, wie schnell wir hier wirklich etwas sehen werden, da ja nicht nur an einer Stelle im Programm von „langfristig“ und „sollen“ und nicht von „jetzt“ und „machen“ gesprochen wird. Rein digitale Gründungen und eingeschränkte Notariatspflicht klingen zu gut, um wahr zu sein. Dies wären tatsächlich fühlbare Veränderungen. Ich bleibe skeptisch und hoffe auf das Beste!

Laura Raggl, Gründerin ROI Ventures

Laura Raggl (c) Fabianklima.at

Endlich geht was weiter – das ist das Wichtigste! Nach monatelangem Stillstand hat Österreich nun ein Regierungsprogramm, das zumindest einige zentrale Forderungen der Startup-Community aufgreift. Besonders positiv ist, dass der Dachfonds erneut berücksichtigt wurde. Jetzt gilt es jedoch, diesen auch tatsächlich in der neuen Regierungsperiode umzusetzen. Enttäuschend ist hingegen das Fehlen des Beteiligungsfreibetrags – angesichts der wiederholten Ablehnung durch die SPÖ allerdings wenig überraschend.

Anstatt nur über Einsparungen zu diskutieren, sollte der Fokus verstärkt darauf liegen, wie zusätzliche Einnahmen generiert werden können. Das gelingt vor allem durch Wirtschaftswachstum, welches gezielte Investitionen und attraktive Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen erfordert.

Johannes Braith, Co-Founder Storebox

Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox
Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox

Die monatelange Hängepartie bei der Regierungsbildung in Österreich hat nicht nur das Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit erschüttert, sondern auch wertvolle Zeit gekostet, die für dringend benötigte Reformen hätte genutzt werden können. Keine der beteiligten Parteien – weder ÖVP, SPÖ und NEOS, die nun die Regierung bilden, noch die FPÖ, die zuvor mit der ÖVP gescheitert ist – haben dabei ein gutes Bild abgegeben. Streitigkeiten, politische Blockaden und Machtkämpfe haben den Eindruck vermittelt, dass Parteitaktik wichtiger war als die Zukunft des Landes.

Als Unternehmer sehe ich mit gemischten Gefühlen auf das nun präsentierte Regierungsprogramm. Positiv hervorzuheben ist die geplante Einrichtung eines rot-weiß-roten Dachfonds im „Fund of Funds“-Modell, der die Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital für Startups, Scaleups und Spin-offs fördern soll. Dies könnte die Finanzierungssituation für innovative Unternehmen in Österreich verbessern.

Gleichzeitig bleibt ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema jedoch unangetastet: Die Senkung der Lohnnebenkosten. Dass hier keine konkreten Maßnahmen im Regierungsprogramm festgelegt wurden, ist eine massive verpasste Chance. Hohe Lohnnebenkosten belasten Unternehmen erheblich und sind ein klarer Standortnachteil für Österreich. Gerade in Zeiten des internationalen Wettbewerbs und eines angespannten Arbeitsmarktes wäre eine gezielte Entlastung essenziell, um mehr Investitionen, Wachstum und neue Arbeitsplätze zu ermöglichen.

Es ist nun wirklich an der Zeit, dass radikale Maßnahmen getroffen werden. Österreich verliert extrem an Wettbewerbsfähigkeit und wir verlieren uns in Klein-Klein-Themen. Kosmetische Veränderungen und kleine Kompromisse werden das Land nicht nach vorne bringen. Was gebraucht wird, sind tiefgreifende Reformen, die den Standort nachhaltig stärken und innovative Unternehmen fördern.

Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung den Mut und die Entschlossenheit aufbringt, die notwendigen Schritte für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu setzen. Die Startup-Community wird die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen kritisch begleiten und weiterhin auf die Berücksichtigung ihrer Anliegen drängen.

Christiane Holzinger, Business Angel und Gründerin

Christiane Holzinger | (c) 360 Business Planner

Das Regierungsprogramm der neuen Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS enthält erfreulicherweise einige wichtige Punkte für das österreichische Startup-Ökosystem, die in der „Vision 2030“ gefordert wurden. Die Umsetzung des Dachfonds als „Fund of Funds“ zur Verbesserung der Finanzierungslage heimischer Startups ist ein wichtiger Schritt. Zusätzlich positiv zu bewerten ist der Fokus auf beschleunigte digitale Gründungen und die angekündigte Evaluierung der Notariatsverpflichtung.

Die geplante Ausweitung des Aktivierungswahlrechts für selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte, übrigens eine Forderung, die ich schon als Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft immer wieder politisch ins Spiel gebracht habe (IFRS!) und die Evaluierung des Wagniskapitalfondsgesetzes stellen weitere positive Signale dar. Auch die Unterstützung für Spin-offs im Bereich der Forschung und Technologie zeigt eine positive Richtung.

Allerdings birgt das Programm auch Herausforderungen. Zunächst eine Unsicherheit bei der Umsetzung: Viele der angekündigten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem sind noch vage formuliert („werden erarbeitet“, „wird geprüft“). Es fehlt die konkrete Ausgestaltung und ein detaillierter Zeitplan, was zu Unsicherheit bei der Planung zukünftiger Investitionen führt. Hinzu kommt die budgetäre Unsicherheit: Die Ankündigung, die Lohnnebenkosten erst „sobald es die budgetäre Situation zulässt“ zu senken, unterstreicht die Unsicherheit im Hinblick auf die finanzielle Machbarkeit der geplanten Maßnahmen. Auch sehe ich eine mangelnde Detaillierung: Details zu konkreten Instrumenten des Transformationsfonds fehlen etwa. Es ist unklar, wie und in welchem Umfang der Fonds Startups unterstützen wird.

Und natürlich gibt es auch verpasste Chancen: Der geforderte Beteiligungsfreibetrag fehlt im Programm, was für viele Investor:innen eine enttäuschende Nachricht ist. Ebenso wird Entrepreneurship Education zwar erwähnt, aber nicht im in der „Vision 2030“ geforderten Umfang adressiert.

Ich appelliere daher, rasch zu handeln: Nach einem halben Jahr politischer Blockade ist es nicht nur für die Startup-Community sondern für die gesamte heimische Wirtschaft und damit für die österreichische Standortpolitik unerlässlich, dass die im Regierungsprogramm skizzierten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem schnellstmöglich und effizient umgesetzt werden. Die formulierten Absichtserklärungen sind positiv, doch der Übergang von guten Absichten in ein konkretes, professionell umgesetztes Programm erfordert Geschwindigkeit und klare Entscheidungsfindung. Verzögerungen schaden der österreichischen Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext, insbesondere im Bereich Hightech-Innovationen. Ein schneller „Zug zum Tor“ ist nun erforderlich, um verlorene Zeit aufzuholen und Österreichs Wirtschaft zukunftsfit zu machen.

Generell bin ich auch gespannt, wie stark das Thema Entbürokratisierung mit einem eigenen Staatssekretär auch diese Hürden angeht. Der Faktor Zeit, die hier Unternehmer:innen verloren geht, ist nämlich ein ganz beachtlicher (bei einem KMU sind das knappe 2,5 Arbeitstage pro Woche!). Frau kann nur hoffen, dass eine Regierung mit so vielen Köpfen auch schneller zu konkreten Umsetzungsmassnahmen kommt.

Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke
Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke

Ich freue mich das wir endlich eine Regierung bekommen. Österreich ist international in der Vergangenheit für politische Stabilität bekannt gewesen.

Regierungsprogramme sind geduldig – die Zeit wird zeigen was hiervon wirklich umgesetzt wird. Es gibt genug Aufgaben zu lösen und wir brauchen definitiv ein paar starke Impulse für die Wirtschaft und Industrie. Es bleibt abzuwarten, wie das funktioniert, wenn viele wertvolle Förderungen gestrichen werden – bei der gegebenen Abgabenlast die wir bereits zu tragen haben. Ich befürchte, dass man erneut versucht, das Budget auf Kosten der Unternehmer und ihrer Angestellten zu sanieren, statt im Eigenen Haushalt ernsthaft zu sparen. Ich hoffe, wir werden vom Gegenteil überzeugt.

Was ich mit Erstaunen beobachtet habe, ist die hohe Zahl von Ministern und Staatssekretären – hier hätte ich ein Signal des Sparens und nicht der Postenbeschaffung erwartet. Ich verstehe auch nicht, warum jede Regierung die Ministerien und Zuständigkeiten neu ordnet – alleine diese Reorganisationen kosten eine Unmenge und verschwenden schlicht wertvolle Zeit.

Deine ungelesenen Artikel:
09.07.2026

Biogena bereitet Börsengang mit 475-Millionen-Bewertung vor – Gründer Albert Schmidbauer erklärt

Der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller Biogena konkretisiert seine Pläne für den Kapitalmarkt. Mit einer außerbörslichen Kapitalerhöhung über die Biogena Good Vibes AG will das Unternehmen bis zu 25 Millionen Euro aufnehmen und strebt eine Bewertung von rund 475 Millionen Euro an. Gründer und CEO Albert Schmidbauer erläutert gegenüber brutkasten die Hintergründe der Bewertung, die Wachstumsstrategie und die geplante Expansion.
/artikel/biogena-bereitet-boersengang-mit-475-millionen-bewertung-vor-gruender-albert-schmidbauer-erklaert
09.07.2026

Biogena bereitet Börsengang mit 475-Millionen-Bewertung vor – Gründer Albert Schmidbauer erklärt

Der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller Biogena konkretisiert seine Pläne für den Kapitalmarkt. Mit einer außerbörslichen Kapitalerhöhung über die Biogena Good Vibes AG will das Unternehmen bis zu 25 Millionen Euro aufnehmen und strebt eine Bewertung von rund 475 Millionen Euro an. Gründer und CEO Albert Schmidbauer erläutert gegenüber brutkasten die Hintergründe der Bewertung, die Wachstumsstrategie und die geplante Expansion.
/artikel/biogena-bereitet-boersengang-mit-475-millionen-bewertung-vor-gruender-albert-schmidbauer-erklaert
Biogena, Börse, Aktien
Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena | (c) Biogena.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer setzte sich jüngst gegen das Ende der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstwagen ein – brutkasten berichtete. Nun beschleunigt der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller seinen Weg in Richtung Kapitalmarkt. Über die Biogena Good Vibes AG läuft derzeit eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit einem geplanten Volumen von bis zu 25 Millionen Euro.

Biogena und die Unternehmensbewertung

Der Ausgabepreis für neue Aktien liegt bei 4,803 Euro. Insgesamt sollen rund vier bis fünf Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Die Gesellschaft positioniert die Maßnahme als zentralen Baustein ihrer langfristigen Kapitalmarktstrategie und bereitet parallel die Handelbarkeit im Direct Market Plus der Wiener Börse vor. Im Zuge der Kapitalmaßnahme rückt auch die Unternehmensbewertung stärker in den Fokus und soll bei rund 475 Millionen Euro liegen.

„Die im Prospekt genannte Bewertung basiert nicht auf einer losgelösten Marketingannahme, sondern auf einer internen Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des Fachgutachtens KFS/BW“ (Anm.: zentrales Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – KSW – zur Unternehmensbewertung in Österreich), erklärt Schmidbauer. „Zusätzlich wurde diese Bewertung mit branchenspezifischen Transaktionsdaten für Nahrungsergänzungsmittel in Österreich und Deutschland plausibilisiert. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Angebotspreis beträgt 4,803 Euro je Aktie. Auf dieser Basis wird die Emittentin aktuell mit rund 450 Mio. Euro bewertet. Die oft genannten rund 470 bis 475 Mio. Euro lassen sich wirtschaftlich als Größenordnung nach vollständiger Kapitalerhöhung erklären: 450 Mio. Euro bestehende Bewertung plus bis zu 25 Mio. Euro Bruttoemission ergibt rund 475 Mio. Euro.“

Bewertungsfaktoren

Die Bewertung stützt sich aus Sicht von Schmidbauer auf mehrere Faktoren: Biogena erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von rund 124,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei rund 19,1 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von etwa 15,3 Prozent entspricht. In der bereinigten Pro-Forma-Betrachtung steigt das EBITDA auf rund 19,8 Mio. Euro, die Marge liegt dann bei rund 15,9 Prozent.

„Dazu kommt eine sehr starke Substanz. Das im Konzernabschluss ausgewiesene Eigenkapital beträgt (laut Prospekt) rund 298,9 Mio. Euro. Das ist für die Kapitalmarkteinordnung wesentlich, weil Biogena nicht nur über Wachstumsfantasie, sondern auch über eine bereits erhebliche Eigenkapitalbasis verfügt“, so Schmidbauer weiter. „Ein weiterer entscheidender Bewertungsfaktor ist die bereits vorhandene Skalierungsfähigkeit. Die bestehenden Fertigungskapazitäten in Koppl und am neuen Spezialproduktionsstandort Liefering reichen bereits für rund 500 Mio. Euro Umsatz. Die Anlage ist aktuell zu weniger als 25 % ausgelastet. Das heißt: Ein wesentlicher Teil der industriellen Basis für das geplante Wachstum ist bereits vorhanden und muss nicht erst vollständig neu aufgebaut werden.“

Somit erklärte sich die Bewertung – zusammenfassend gesagt – aus dem Zusammenspiel von „heutiger Ertragskraft, hoher Eigenkapitalbasis, bestehender Produktionskapazität für rund 500 Mio. Euro Umsatz und einer klaren Wachstumsplanung“.

In anderen Worten: Der Konzernumsatz von Biogena soll von 156,65 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 502,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2029/2030 steigen. Diese Zahlen sind ausdrücklich Planwerte des Managements, keine Garantie und keine bindende Prognose, wie Schmidbauer betont.

E-Commerce und D2C

Die Planung verteilt sich im Kern auf folgende steuerbare Wachstumskanäle: E-Commerce und D2C: E-Commerce soll laut Prospekt von 96,4 Mio. Euro Umsatz 2025/2026 auf 233,2 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Getragen werden soll das durch Performance-Marketing, CRM, Subscription-Modelle, höhere Wiederkaufraten und eine stärkere Fokussierung auf Deutschland.

„Das ist ein zentraler Punkt: Biogena will nicht nur über Handel wachsen, sondern über die direkte Kundenbeziehung. Über 70 % der Umsätze werden bereits heute über das Web abgewickelt, und Biogena zählt laut Prospekt rund 1 Mio. Kundinnen und Kunden aus 70 Ländern sowie mehr als 500.000 registrierte Nutzer im Biogena Club“, präzisiert Schmidbauer.

Biogena mit Apothekenkanal

Zudem soll der neu aufzubauende Apothekenkanal in der DACH-Region laut Planung bis 2029/2030 einen Umsatzbeitrag von 163,3 Mio. Euro leisten, davon 129,0 Mio. Euro in Deutschland. „Das ist strategisch wichtig, weil Biogena damit neben dem starken D2C-Geschäft einen zweiten großen Skalierungskanal aufbaut: Apotheken schaffen Reichweite, Vertrauen und Zugang zu gesundheitsbewussten Kunden“, so der Founder weiter.

Außerdem sollen Stores, Labs und Plaza-Konzepte laut Prospekt von 37,2 Mio. Euro 2025/2026 auf 86,5 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Sie werden von Biogena als Beratungs-, Erlebnis- und Vertrauenszentren verstanden und mit Diagnostik-, Biohacking- und Longevity-Angeboten verbunden. „Hier liegt der Unterschied zu reinen Online-Supplement-Marken: Biogena baut physische Orte, an denen Gesundheit messbar, beratbar und erlebbar wird.“

Deutschland als wichtigster Markt

Deutschland bleibt dabei der wichtigste Wachstumsmarkt. Der Umsatz dort soll von 58 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 335,5 Mio. Euro bis 2029/2030 steigen. Nach der Planung des Managements soll der Marktanteil in Deutschland von derzeit rund 0,7 Prozent auf etwa drei Prozent ebenfalls wachsen.

Dieses Wachstumspotenzial ergibt sich auch aus der noch vergleichsweise geringen Markenbekanntheit, wie Schmidbauer beschreibt. Während der gestützte Bekanntheitsgrad in Österreich bei 42 Prozent liege, betrage er in Deutschland erst acht Prozent. Der deutsche Markt sei damit nicht nur größer, sondern biete auch beim Markenaufbau noch deutliches Potenzial.

Wie Schmidbauer erklärt, ist Biogenas Internationalisierung somit vor allem über diesen Markt konkretisiert. Dazu kommen bestehende internationale Grundlagen: Die bereits erwähnten Kunden aus 70 Ländern, D2C als zweiter großer Hebel und die starke Web-Abwicklung, was den Umsatz betrifft.

Biogena als Health-Ökosystem mit starker Vertikalisierung

„Das zeigt, dass Biogena schon heute eine direkte Kundenbeziehung hat und nicht ausschließlich vom stationären Handel abhängig ist. Digitale Gesundheitsservices sind der strategische Differenzierungshebel. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem in Webshop 3.0 bzw. World of Biogena, Wellbeing Checks & Longevity-Systemlösungen, Biogena ONE, E-Commerce-Marketing Deutschland sowie den weiteren Ausbau der Plaza-Konzepte fließen“, sagt Schmidbauer. „Damit wird deutlich: Biogena verkauft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel. Das Modell entwickelt sich in Richtung eines integrierten Health-Ökosystems aus Produkt, Diagnostik, Beratung, Biohacking, digitalen Services, Club-Modell und stationärer Erlebniswelt.“

Zwischen Consumer Health, Supplement Brand und Longevity-Plattform

Zur Frage der Positionierung zur Konkurrenz meint Schmidbauer, dass Biogena im Vergleich zu vielen Consumer-Health-Unternehmen stärker vertikal integriert sei. „Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt selbst“, erklärt er. „Gleichzeitig verfügt sie über ein eigenes Wissenschafts- und Entwicklungsteam mit rund 20 akademischen Expertinnen und Experten sowie über mehr als 729 geschützte Marken, vor allem in der Europäischen Union.“

Im Vergleich zu jungen Longevity- oder Supplement-Startups habe Biogena bereits eine „substanzielle Umsatzbasis“, ein positives hohes EBITDA, eine starke Eigenkapitalbasis, eigene Produktionskapazitäten, rund 30.000 Partnerärzte und Therapeuten im B2B-Bereich sowie eine große B2C-Kundenbasis, zieht Schmidbauer sein Fazit: „Biogena steht zwischen klassischem Consumer Health, Premium Supplement Brand und moderner Longevity-Plattform. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Wissenschaft, eigener Produktion, direkter Kundenbeziehung, ärztlichem Partnernetzwerk, digitalen Gesundheitsservices. Und physischen Gesundheitsorten.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“