27.02.2025
MEINUNGEN

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

Das heute präsentierte Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und NEOS enthält mit dem Dachfonds eine lange gehegte Forderung der heimischen Startup-Szene. In anderen Bereichen wurden die Hoffnungen aber nicht erfüllt. Wir haben Stimmen dazu eingeholt.
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vlonru. Laura Raggl, Oliver Holle, Nina Wöss, Berthold Baurek-Karlic, Johannes Braith, Hannah Wundsam, Sander van de Rijdt und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Klaus Vyhnalek / brutkasten/Viktoria Waba / Foto Wilke / Storebox / Adrian Zettl / brutkasten/Martin Pacher / 360 Business Planner
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Das lange Warten hatte heute ein Ende. Österreich bekommt eine neue Regierung. Und mit ihr kommen auch Pläne in der Startup-Politik, die im heute präsentierten Regierungsprogramm dargelegt wurden – brutkasten berichtete.

Dachfonds und schnellere Gründung

Die wohl herausstechendste geplante Maßnahme ist hierbei der Dachfonds, ist dieser doch seit langem eine zentrale Forderung der heimischen Startup-Szene (u.a. in der 2024 präsentierten „Vision 2030“). Mit der „signifikant beschleunigten und rein digitalen Gründung“ oder der „Einführung eines Aktivierungswahlrechts bei selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten“ kommen weitere für heimische Startups relevante Maßnahmen hinzu. Ob und wie schnell diese umgesetzt werden, bleibt natürlich abzuwarten.

„Evaluierung“ von Wagniskapitalfondsgesetz und Notariatsaktpflicht

Bei anderen Themen, die zentrale Anliegen der Szene betreffen, bleibt das Programm überhaupt vage. Das Wagniskapitalfondsgesetz etwa soll „evaluiert“ werden – ebenso wie die Notariatsaktpflicht in weiteren Fällen. Bei der in der gesamten Wirtschaft lautstark geforderten Senkung der Lohnnebenkosten vertröstet das Programm auf später, wenn es die budgetäre Situation dann zulässt. Und eine weitere große Forderung der Szene, der Beteiligungsfreibetrag, hat es nicht in das Regierungsübereinkommen geschafft.


Regierungsprogramm – das sagt die Startup-Szene

Kurzum: Aus Startup-Sicht kann man das heute präsentierte Regierungsprogramm durchaus ambivalent betrachten. Wir haben Stimmen von bekannten Gesichtern der Szene dazu eingefangen:

Oliver Holle, CEO Speedinvest

Speedinvest-CEO Oliver Holle | Foto: Klaus Vyhnalek

Zunächst freue ich mich persönlich darüber, dass wir nun eine klar pro-europäische Regierung mit Kräften der Mitte bekommen – als international agierender Fonds mit vielen Standorten ist dies allein schon sehr viel wert.

Mit dem Dachfonds schliessen wir hoffentlich bald mit Resteuropa auf, wo solche Instrumente bereits seit geraumer Zeit bestens etabliert sind – die Sorge bleibt, dass wir in Österreich wider zu klein denken und hier unterkritisch agieren. Wichtig: ein Dachfonds – richtig aufgesetzt – ist für den Steuerzahler ein Gewinn und eben nicht ein weiteres Förderprogramm.

Viele andere wesentliche Punkte scheinen auf, wobei man nicht unbedingt ein Gefühl der Dringlichkeit spürt, wenn man die Formulierungen liest. Technologie, Innovation und Startups müssen Chefsache werden, statt Evaluierungen braucht es Umsetzungswille, und zwar sehr schnell, wenn wir international mitspielen wollen.

Nina Wöss, Co-Founderin Fund F

Fund F-Gründerin Nina Wöss | (c) brutkasten / Viktoria Waba

Das nun vorgestellte Regierungsprogramm enthält einige erfreuliche Maßnahmen für die österreichische Startup-Landschaft. Besonders positiv hervorzuheben ist der verstärkte Fokus auf Gründerinnen und Female Entrepreneurship – ein essenzieller Schritt, um Österreich als attraktiven Standort zu positionieren.

Ein großer Dank gilt den engagierten Vertreter:innen der Startup-Community, insbesondere AustrianStartups und invest.austria, die sich intensiv für diese Themen eingesetzt haben. Einige der zentralen Forderungen aus der “Vision 2030” haben es ins Programm geschafft – allen voran die Einrichtung eines Dachfonds, um dringend benötigtes Wachstumskapital zu mobilisieren und den Fonds-Standort aufzuwerten. Damit dieser ein echter Hebel für den Standort wird, ist es entscheidend, dass dieser unabhängig und professionell gemanagt wird.

Die angekündigten Maßnahmen müssen nun aber auch tatsächlich umgesetzt werden. In den letzten zehn Jahren gab es viele ambitionierte Regierungsprogramme – der tatsächliche Impact für Startups war bisher jedoch überschaubar und Österreich wurde und wird von anderen EU-Ländern rechts und links überholt.

Jetzt gilt es, die richtigen Weichen zu stellen und rasch von Worten zu Taten zu kommen. Die österreichische Startup-Szene hat das Potenzial, international wettbewerbsfähig zu sein – wenn die Rahmenbedingungen endlich mit der Innovationskraft unserer Gründer:innen Schritt halten.

Hannah Wundsam, Co-Managing Director AustrianStartups

AustrianStartups-Co-Managing-Director Hannah Wundsam | (c) Adrian Zettl

Wir freuen uns, dass im Regierungsprogramm einige große Stellschrauben für ein unternehmerisches Österreich aufgegriffen wurden. Allen voran ist die Mobilisierung von institutionellen Anlegern durch einen Dachfonds entscheidend für mehr Wachstumskapital in Österreich. Auch das Bekenntnis zur europaweiten Stärkung der Kapitalmärkte und die Evaluierung der Notwendigkeit des Notariatsaktes bei der Gründung einer FlexCo entspricht langjährigen Empfehlungen der Szene. Wichtig zu unterstreichen ist, dass unternehmerische Bildung sich im Lehrplan wiederfinden soll und Spin-off-Initiativen fortgesetzt und ausgebaut werden. Jetzt kommt es auf die rasche und praxistaugliche Umsetzung an.

Sander van de Rijdt, Co-Founder PlanRadar

PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt
PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt | (c) der brutkasten / Martin Pacher

Ich bin in erster Linie froh, dass endlich eine Koalition gefunden wurde, auch wenn das Regierungsprogramm per se von Kompromissen nur so strotzt. Aber das war unter den gegebenen Umständen wahrscheinlich nicht anders möglich und zumindest besser als Neuwahlen.

Ein Dachfonds ist eine gute Sache und wird dringend benötigt. Ich bin aber skeptisch, wie schnell wir hier wirklich etwas sehen werden, da ja nicht nur an einer Stelle im Programm von „langfristig“ und „sollen“ und nicht von „jetzt“ und „machen“ gesprochen wird. Rein digitale Gründungen und eingeschränkte Notariatspflicht klingen zu gut, um wahr zu sein. Dies wären tatsächlich fühlbare Veränderungen. Ich bleibe skeptisch und hoffe auf das Beste!

Laura Raggl, Gründerin ROI Ventures

Laura Raggl (c) Fabianklima.at

Endlich geht was weiter – das ist das Wichtigste! Nach monatelangem Stillstand hat Österreich nun ein Regierungsprogramm, das zumindest einige zentrale Forderungen der Startup-Community aufgreift. Besonders positiv ist, dass der Dachfonds erneut berücksichtigt wurde. Jetzt gilt es jedoch, diesen auch tatsächlich in der neuen Regierungsperiode umzusetzen. Enttäuschend ist hingegen das Fehlen des Beteiligungsfreibetrags – angesichts der wiederholten Ablehnung durch die SPÖ allerdings wenig überraschend.

Anstatt nur über Einsparungen zu diskutieren, sollte der Fokus verstärkt darauf liegen, wie zusätzliche Einnahmen generiert werden können. Das gelingt vor allem durch Wirtschaftswachstum, welches gezielte Investitionen und attraktive Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen erfordert.

Johannes Braith, Co-Founder Storebox

Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox
Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox

Die monatelange Hängepartie bei der Regierungsbildung in Österreich hat nicht nur das Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit erschüttert, sondern auch wertvolle Zeit gekostet, die für dringend benötigte Reformen hätte genutzt werden können. Keine der beteiligten Parteien – weder ÖVP, SPÖ und NEOS, die nun die Regierung bilden, noch die FPÖ, die zuvor mit der ÖVP gescheitert ist – haben dabei ein gutes Bild abgegeben. Streitigkeiten, politische Blockaden und Machtkämpfe haben den Eindruck vermittelt, dass Parteitaktik wichtiger war als die Zukunft des Landes.

Als Unternehmer sehe ich mit gemischten Gefühlen auf das nun präsentierte Regierungsprogramm. Positiv hervorzuheben ist die geplante Einrichtung eines rot-weiß-roten Dachfonds im „Fund of Funds“-Modell, der die Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital für Startups, Scaleups und Spin-offs fördern soll. Dies könnte die Finanzierungssituation für innovative Unternehmen in Österreich verbessern.

Gleichzeitig bleibt ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema jedoch unangetastet: Die Senkung der Lohnnebenkosten. Dass hier keine konkreten Maßnahmen im Regierungsprogramm festgelegt wurden, ist eine massive verpasste Chance. Hohe Lohnnebenkosten belasten Unternehmen erheblich und sind ein klarer Standortnachteil für Österreich. Gerade in Zeiten des internationalen Wettbewerbs und eines angespannten Arbeitsmarktes wäre eine gezielte Entlastung essenziell, um mehr Investitionen, Wachstum und neue Arbeitsplätze zu ermöglichen.

Es ist nun wirklich an der Zeit, dass radikale Maßnahmen getroffen werden. Österreich verliert extrem an Wettbewerbsfähigkeit und wir verlieren uns in Klein-Klein-Themen. Kosmetische Veränderungen und kleine Kompromisse werden das Land nicht nach vorne bringen. Was gebraucht wird, sind tiefgreifende Reformen, die den Standort nachhaltig stärken und innovative Unternehmen fördern.

Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung den Mut und die Entschlossenheit aufbringt, die notwendigen Schritte für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu setzen. Die Startup-Community wird die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen kritisch begleiten und weiterhin auf die Berücksichtigung ihrer Anliegen drängen.

Christiane Holzinger, Business Angel und Gründerin

Christiane Holzinger | (c) 360 Business Planner

Das Regierungsprogramm der neuen Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS enthält erfreulicherweise einige wichtige Punkte für das österreichische Startup-Ökosystem, die in der „Vision 2030“ gefordert wurden. Die Umsetzung des Dachfonds als „Fund of Funds“ zur Verbesserung der Finanzierungslage heimischer Startups ist ein wichtiger Schritt. Zusätzlich positiv zu bewerten ist der Fokus auf beschleunigte digitale Gründungen und die angekündigte Evaluierung der Notariatsverpflichtung.

Die geplante Ausweitung des Aktivierungswahlrechts für selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte, übrigens eine Forderung, die ich schon als Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft immer wieder politisch ins Spiel gebracht habe (IFRS!) und die Evaluierung des Wagniskapitalfondsgesetzes stellen weitere positive Signale dar. Auch die Unterstützung für Spin-offs im Bereich der Forschung und Technologie zeigt eine positive Richtung.

Allerdings birgt das Programm auch Herausforderungen. Zunächst eine Unsicherheit bei der Umsetzung: Viele der angekündigten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem sind noch vage formuliert („werden erarbeitet“, „wird geprüft“). Es fehlt die konkrete Ausgestaltung und ein detaillierter Zeitplan, was zu Unsicherheit bei der Planung zukünftiger Investitionen führt. Hinzu kommt die budgetäre Unsicherheit: Die Ankündigung, die Lohnnebenkosten erst „sobald es die budgetäre Situation zulässt“ zu senken, unterstreicht die Unsicherheit im Hinblick auf die finanzielle Machbarkeit der geplanten Maßnahmen. Auch sehe ich eine mangelnde Detaillierung: Details zu konkreten Instrumenten des Transformationsfonds fehlen etwa. Es ist unklar, wie und in welchem Umfang der Fonds Startups unterstützen wird.

Und natürlich gibt es auch verpasste Chancen: Der geforderte Beteiligungsfreibetrag fehlt im Programm, was für viele Investor:innen eine enttäuschende Nachricht ist. Ebenso wird Entrepreneurship Education zwar erwähnt, aber nicht im in der „Vision 2030“ geforderten Umfang adressiert.

Ich appelliere daher, rasch zu handeln: Nach einem halben Jahr politischer Blockade ist es nicht nur für die Startup-Community sondern für die gesamte heimische Wirtschaft und damit für die österreichische Standortpolitik unerlässlich, dass die im Regierungsprogramm skizzierten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem schnellstmöglich und effizient umgesetzt werden. Die formulierten Absichtserklärungen sind positiv, doch der Übergang von guten Absichten in ein konkretes, professionell umgesetztes Programm erfordert Geschwindigkeit und klare Entscheidungsfindung. Verzögerungen schaden der österreichischen Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext, insbesondere im Bereich Hightech-Innovationen. Ein schneller „Zug zum Tor“ ist nun erforderlich, um verlorene Zeit aufzuholen und Österreichs Wirtschaft zukunftsfit zu machen.

Generell bin ich auch gespannt, wie stark das Thema Entbürokratisierung mit einem eigenen Staatssekretär auch diese Hürden angeht. Der Faktor Zeit, die hier Unternehmer:innen verloren geht, ist nämlich ein ganz beachtlicher (bei einem KMU sind das knappe 2,5 Arbeitstage pro Woche!). Frau kann nur hoffen, dass eine Regierung mit so vielen Köpfen auch schneller zu konkreten Umsetzungsmassnahmen kommt.

Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke
Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke

Ich freue mich das wir endlich eine Regierung bekommen. Österreich ist international in der Vergangenheit für politische Stabilität bekannt gewesen.

Regierungsprogramme sind geduldig – die Zeit wird zeigen was hiervon wirklich umgesetzt wird. Es gibt genug Aufgaben zu lösen und wir brauchen definitiv ein paar starke Impulse für die Wirtschaft und Industrie. Es bleibt abzuwarten, wie das funktioniert, wenn viele wertvolle Förderungen gestrichen werden – bei der gegebenen Abgabenlast die wir bereits zu tragen haben. Ich befürchte, dass man erneut versucht, das Budget auf Kosten der Unternehmer und ihrer Angestellten zu sanieren, statt im Eigenen Haushalt ernsthaft zu sparen. Ich hoffe, wir werden vom Gegenteil überzeugt.

Was ich mit Erstaunen beobachtet habe, ist die hohe Zahl von Ministern und Staatssekretären – hier hätte ich ein Signal des Sparens und nicht der Postenbeschaffung erwartet. Ich verstehe auch nicht, warum jede Regierung die Ministerien und Zuständigkeiten neu ordnet – alleine diese Reorganisationen kosten eine Unmenge und verschwenden schlicht wertvolle Zeit.

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Startup Barometer, EY
© Envato/MorphoBio

Nach einem Rückgang im Vorjahr auf 110 Millionen Euro verzeichnete das erste Halbjahr 2026 ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 472 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 362 Millionen Euro beziehungsweise 329 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, so die zentrale Erkenntnis des EY Start-up Barometer 2026.

Höchstes Volumen in einem ersten Halbjahr seit 2022

„Nach mehreren herausfordernden Jahren sehen wir erstmals wieder eine breite Bewegung in die richtige Richtung. Das jüngste Halbjahr war nicht nur aufgrund einzelner Großfinanzierungen erfolgreich, sondern weil sich zahlreiche positive Entwicklungen gleichzeitig beobachten lassen: mehr Finanzierungsrunden, deutlich größere Tickets, mehr internationale Investor:innen und wieder mehr Zuversicht im Markt. Das österreichische Startup-Ökosystem zeigt damit eindrucksvoll, dass es trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nichts von seiner Innovationskraft verloren hat“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Mit den heurigen Ergebnissen wurde das höchste Volumen in einem ersten Halbjahr seit dem Rekordwert von 2022 erzielt, als 884 Millionen Euro investiert worden waren. Parallel dazu stieg die Zahl der Finanzierungsrunden um 19 Abschlüsse von 78 auf insgesamt 97 an, was einem Plus von 24 Prozent entspricht.

Getragen von der hohen Anzahl an Abschlüssen markiert das jüngste Halbjahr damit in Bezug auf das Finanzierungsvolumen das dritterfolgreichste erste Halbjahr der österreichischen Startup-Historie, ordnet der Barometer die Ergebnisse ein.

Somit belebe sich der österreichische Venture-Capital-Markt nach einer längeren Schwächephase wieder deutlich: Laut EY werden Fonds zunehmend aktiver, die Investitionsbereitschaft steigt und größere Finanzierungsrunden kehren zurück. Österreich habe die Talsohle später erreicht als andere europäische Märkte, profitiere nun aber umso stärker von der Erholung. Gleichzeitig seien heimische Startups heute fokussierter, kapitaleffizienter und internationaler aufgestellt. Erfolgreiche Exits sowie der Dachfonds könnten diesen positiven Trend zusätzlich verstärken, auch wenn Haas vor einer Goldgräberstimmung warnt: „Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Startups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten. Diese Entwicklung ist jedoch nicht negativ. Viele Unternehmen sind heute robuster, fokussierter und nachhaltiger aufgestellt als noch vor wenigen Jahren.“

Zwei 100-Mio.-Deals

Mit den erwähnten 97 Abschlüssen markiert das Halbjahr nicht nur eine Erholung, sondern sogar einen neuen historischen Höchstwert bei der Anzahl der registrierten Deals. Verantwortlich für das hohe Investitionsvolumen waren maßgeblich zwei Groß-Investments in der Größenordnung von jeweils 100 Millionen Euro.

„Vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar“

Im März 2026 sicherte sich das Startup Gropyus 100 Millionen Euro, gefolgt von Waterdrop, das im Mai einen Deal im exakt gleichen Umfang verbuchte. Dahinter folgen der Batterie-Technologie-Spezialist Aviloo (30 Millionen Euro), das Raumfahrtunternehmen Enpulsion (22,5 Millionen Euro), die Fitness-Plattform Reps (20,2 Millionen Euro) sowie das Wiener HealthTech-Scaleup nyra health (20 Millionen Euro). Getrieben durch diese Abschlüsse stieg die durchschnittliche Höhe einer Finanzierungsrunde auf rund 6,3 Millionen Euro an und erreichte damit den höchsten Wert in einem ersten Halbjahr seit 2022.

Die durchschnittliche Finanzierungssumme schwankte im Zeitraum von 2020 bis 2026 zwischen Werten von zwei Millionen Euro und 12,8 Millionen Euro. In den ersten Halbjahren der Jahre von 2021 bis 2024 lag die durchschnittliche Höhe einer Finanzierungsrunde jeweils klar über der Vier-Millionen-Euro-Marke. Im ersten Halbjahr 2025 war dieser Wert erstmals seit 2020 wieder unterschritten worden. Im jüngsten Halbjahr ist er, auch dank der beiden Groß-Deals, mit einem Wert von 6,3 Millionen Euro, nun wieder deutlich übertroffen worden, konkretisiert der Bericht.

Und ergänzt: „Dass gleich zwei Unternehmen Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe abschließen konnten, wäre noch vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar gewesen. Solche Abschlüsse erhöhen die internationale Sichtbarkeit des österreichischen Standorts erheblich“, so Haas. „Die Rückkehr großer Finanzierungsrunden ist ein wichtiges Signal, weil sie zeigt, dass Investor:innen wieder bereit sind, Wachstum in größerem Umfang zu finanzieren. Gerade Scaleups benötigen substanzielle Kapitalbeträge, um internationale Märkte zu erschließen und globale Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen.“

Auch die Zahl der Abschlüsse mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro kletterte deutlich von lediglich zwei im Vorjahreszeitraum auf neun an. Die Anzahl der kleineren Deals mit einem Umfang von bis zu einer Million Euro blieb indes mit 37 Abschlüssen stabil.

Dachfonds wichtiger Schritt

Parallel zur verbesserten Marktentwicklung gibt es auch positive wirtschaftspolitische Signale. Insbesondere die Umsetzung des Dachfonds wird innerhalb des österreichischen Innovationsökosystems als wichtiger Schritt gesehen.

„Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte. Solche Signale sind im internationalen Wettbewerb um Kapital von enormer Bedeutung“, sagt Haas. Entscheidend sei nun jedoch die konkrete Umsetzung: „Wenn es gelingt, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren und Finanzierungslücken in der Wachstumsphase zu schließen, kann daraus ein echter Hebel für den Standort entstehen. Jetzt kommt es darauf an, den positiven politischen Willen rasch in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.“

Darüber hinaus brauche Österreich weiterhin bessere Rahmenbedingungen für institutionelles Venture Capital, attraktivere Mitarbeitendenbeteiligungsmodelle sowie zusätzliche Maßnahmen zur Mobilisierung privaten Kapitals.

Der Sektor-Blick

Dank der beiden erwähnten Mega-Deals verzeichneten die Sektoren E-Commerce und PropTech die höchsten Kapitalzuflüsse. Dem Bereich E-Commerce flossen insgesamt 122 Millionen Euro zu, während Startups aus dem PropTech-Segment 107 Millionen Euro erhielten. Dahinter folgten der Sektor Software & Analytics mit 58 Millionen Euro sowie der Gesundheitsbereich (Health) mit 56 Millionen Euro.

Bei der reinen Anzahl der Abschlüsse zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Hier lag der Bereich Software & Analytics mit 30 Finanzierungsrunden erneut unangefochten an der Spitze. Auf dem zweiten Platz folgte der Sektor Health mit 19 Runden, während E-Commerce und Energy mit acht respektive sieben Deals die Ränge drei und vier belegten – PropTech fällt bei dieser Betrachtung auf Platz acht zurück. Der stärkste Rückgang an Finanzierungsrunden wurde im Bereich AdTech (minus vier Deals) registriert.

Exits fallen auf

Neben den zahlreichen Finanzierungsrunden sorgten im ersten Halbjahr 2026 auch erfolgreiche Exits wie jene von Tractive und Emmi AI für positive Impulse im österreichischen Startup-Ökosystem. Laut EY sind solche Exits mindestens ebenso wichtig wie neue Investments, da sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Startups unterstreichen, attraktive Renditen für Investor:innen ermöglichen und als Vorbilder für neue Gründer:innen dienen. Gleichzeitig fließen Erfahrung, Netzwerke und Kapital aus erfolgreichen Exits häufig wieder in das heimische Ökosystem zurück.

„Fast alle erfolgreichen internationalen Startup-Standorte zeichnen sich durch einen funktionierenden Kreislauf aus Gründungen, Wachstum, Exits und Reinvestitionen aus. Je mehr erfolgreiche Exits wir sehen, desto stärker wird dieser Kreislauf auch in Österreich“, so Haas.

Wien das Startup-Zentrum

Laut dem Startup-Barometer bleibt die Bundeshauptstadt weiterhin das Zentrum der heimischen Startup-Szene: Acht der zwölf größten Abschlüsse des Halbjahres stammten von Wiener Unternehmen. Mit 55 Finanzierungsrunden entfielen 57 Prozent aller österreichischen Deals auf Wiener Startups.

Auch beim Investitionsvolumen dominierte Wien: Rund drei Viertel des investierten Kapitals, konkret 76 Prozent beziehungsweise 360 Millionen Euro, flossen in die Hauptstadt.

Auf dem geteilten zweiten Platz bei der Anzahl der Deals folgten die Steiermark und Oberösterreich mit jeweils 13 Finanzierungsrunden.

Beim Finanzierungsvolumen belegte hingegen Niederösterreich mit 53 Millionen Euro und einem Marktanteil von elf Prozent den zweiten Platz, gefolgt von Tirol, das sich mit 23 Millionen Euro einen volumenbezogenen Marktanteil von fünf Prozent und damit den dritten Rang sicherte.

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