26.01.2026
ÜBERNAHME

Snipes-Gründer Sven Voth kauft Hervis

Nach dem gescheiterten Higgins-Start meldet sich Snipes-Gründer Sven Voth mit einem Paukenschlag zurück: Gemeinsam mit Udo Schlömer, Gründer der Berliner Startup-Plattform Factory Berlin, übernimmt er den Sporthändler Hervis.
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Sven Voth zu Gast im brutkasten-Studio | (c) brutkasten

Noch im Juni 2025 sorgte Sven Voth in einem brutkasten-Talk mit einer großen Ankündigung für Aufmerksamkeit. Mit der neuen Retail-Marke Higgins wollte der Snipes-Gründer den österreichischen Markt aufrollen. Zum Start im August 2025 eröffneten insgesamt zehn Filialen in ganz Österreich. Kurz vor Weihnachten folgte jedoch ein harter Dämpfer: Die hinter dem Österreich-Start stehende Panthax GmbH musste Insolvenz anmelden, die Geschäfte wurden wieder geschlossen. Das ambitionierte Projekt kam abrupt zum Stillstand.

Closing ist bereits erfolgt

Nun macht Voth erneut Schlagzeilen – diesmal mit einem deutlich größeren Schritt: Gemeinsam mit Udo Schloemer, Gründer der Berliner Startup-Plattform Factory Berlin, übernimmt er den Sporthändler Hervis von der Spar Österreichische Warenhandels-AG. Signing und Closing des Deals erfolgten bereits am 23. Jänner 2026, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit der Übernahme wechseln alle 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern den Eigentümer, sämtliche Mitarbeiter:innen werden dabei übernommen. Die Marke soll erhalten bleiben und strategisch neu positioniert werden.

SPAR begründet den Verkauf mit einer klaren strategischen Fokussierung auf das Kerngeschäft Lebensmittelhandel sowie auf den Shoppingcenter- und Immobilienbereich. Hervis war über Jahrzehnte Teil der Gruppe und zählt mit einem Umsatz von 314 Millionen Euro im Jahr 2025 weiterhin zu den größten Sportfachmarktketten Mitteleuropas

Fokus auf Digitalisierung und Longevity-Trend

Unter der neuen Eigentümerstruktur steht Hervis nun vor einem umfassenden Change-Prozess. Voth spricht von einer notwendigen Neupositionierung des Sporthandels, ausgelöst durch veränderte Konsumgewohnheiten. Klassische Sportarten verlieren an Bedeutung, während neue Bewegungsformen, ein steigendes Gesundheitsbewusstsein und der Longevity-Trend neue Chancen eröffnen sollen.

„Wir werden Hervis im ersten Schritt ins Jahr 2026 führen und das Geschäftsmodell im Sporthandel neu positionieren. Nur so können wir die Chancen von heute und morgen erfolgreich nutzen. Ziel ist es, das Angebot an die geänderten Kundenbedürfnisse der heutigen Zeit anzupassen und Hervis damit wieder erfolgreich zu machen“, so der neue Hervis-Eigentümer Sven Voth.

Im Fokus stehen die Weiterentwicklung des Sortiments, die stärkere Nutzung von Digitalisierungspotenzialen sowie die Frage, welche Sportarten und Angebote künftig relevant sind. Erste Ergebnisse dieser Evaluierung sollen in den kommenden Monaten kommuniziert werden.


Aus dem Archiv | Sven Voth zu Gast im brutkasten-Talk

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group

„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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