17.07.2025
JUBILÄUM

ready2order: Eine Dekade geprägt von Wachstum, einem „Spezial-Exit“ und Profitabilität

Das Wiener Fintech ready2order von Markus Bernhart und Christopher Fuchs feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Im brutkasten-Talk berichtet Bernhart von den Ereignissen der letzten zehn Jahre, erklärt den "speziellen Exit" von 2023 und warum es im Italien-Urlaub zu einer Investitions-Absage kam.
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© brutkasten - Markus Bernhardt, CEO und Founder von ready2order.

In 3.654 Tagen (Schaltjahre inkludiert) kann einiges passieren. Man kann einen ehemaligen Bank Austria Vorstand ins Team holen, ein Investment in Höhe von fünf Millionen Euro erhalten, ein mobiles Kassensystem mit integrierter Payment-Funktion launchen, einen Ex-Red Bull-Manager als Chief Growth Officer (CGO) einstellen, einen quasi Exit hinlegen oder in die Schweiz expandieren. All dies und mehr geschah beim Wiener Fintech ready2order in den letzten zehn Jahren. Markus Bernhart, der aktuelle CEO und ursprünglicher Founder, lässt im brutkasten-Talk die letzte Dekade Revue passieren, erklärt die Vorgänge rund um den „Exit an Zucchetti“ und gibt die eine oder andere Anekdote preis.

ready2order: „Kasse und Kartenzahlung fließt immer mehr ineinander“

„Wenn ich an die Anfänge vor genau zehn Jahren zurückdenke, waren wir sehr naiv und haben einfach gesagt, wir gründen mal eine Firma“, erinnert sich Bernhart. „Wenn mir jemand damals erzählt hätte, dass ich zehn Jahre später hier sitze, hätte ich es nicht geglaubt.“

ready2order: Wiener Fintech feiert 10-Jahres-Jubiläum

Begonnen hat die Reise von ready2order im A1 Startup Campus im Juli 2015 mit einem Kernprodukt, das heute noch immer das gleiche ist wie zu Beginn. Ein Kassensystem für kleine Unternehmen, das ihnen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse helfen soll. Im Laufe der Zeit hat ready2order seine Lösung justiert, weiterentwickelt und Kundenfeedback eingebaut bzw. neue Sachen angedockt.

„Das Thema Kartenzahlung ist aktuell sehr stark im Fokus“, erklärt Bernhart. „Das hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt, viele Leute zahlen heute mit Karte. Das heißt, das Thema Kasse und Kartenzahlung fließt immer mehr ineinander und das sieht man auch bei unseren Produkten, die wir mittlerweile komplett nahtlos integriert haben, um die beste User-Experience zu gewährleisten.“

Schwarze Zahlen seit 2023

Ready2order konnte 2023 zum allerersten Mal schwarze Zahlen schreiben und wird auch heuer nach vielen Jahren des negativen Cash-Flows ein positives Ergebnis erreichen. Ein Grund dafür ist der USP des Wiener Startups, wie Bernhart erklärt.

Am Kassensystem-Markt tummeln sich heutzutage hunderte Anbieter, die oft mit Buzzwords wie „schön“, „intuitiv“ oder „einfach“ werben. „Für uns als Team war es deshalb entscheidend, ein objektiv messbares Alleinstellungsmerkmal zu definieren. Wir haben uns gefragt, was man wirklich objektiv messen kann, und festgestellt: unsere DNA ist die Schnelligkeit. Das bezieht sich einerseits auf das Produkt, aber auch auf die Prozesse. Wenn jemand auf unsere Webseite geht und sich registriert, soll er sofort Zugriff auf das Produkt haben. Wenn man kontaktiert werden möchte, wird man schnell angerufen und kann sofort mit einem Sales-Agent sprechen. Entscheidet man sich für das Produkt, shippen wir innerhalb von 24 Stunden, damit die Kunden sofort losstarten können“, sagt Bernhart.

USP: Speed

Viele Unternehmer seien oftmals spät dran, hätten schon den Mietvertrag unterschrieben, alles eingerichtet, einzig die Kasse fehle. „Hier helfen wir, damit der erste Tag der Eröffnung erfolgreich wird. Auch bei der Einrichtung und Bedienung ist unser Anspruch, die schnellste Kasse zu sein. Spart man sich zwei Sekunden pro Transaktion, hat man am Ende im Jahr ein, zwei Tage gewonnen.“

Die Idee zur Fokussierung auf „Schnelligkeit“ entstand bei einem Brainstorming mit dem Chief Growth Officer Arnold Blüml auf einer Geschäftsreise. Bei einem abendlichen Getränk hat das ready2order-Team diskutiert, philosophiert und seinen USP gefunden. Ein besonderer Triggerpunkt in der Historie des Startups war aber die Regulatorik der Kassensysteme; in Österreich gilt seit 2016 die Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht für Unternehmen, die bestimmte Umsatzgrenzen überschreiten.

„Davor war unser Claim, dass wir auf jedem Gerät funktionieren, wir hardwareunabhängig und sehr einfach zu bedienen sind. Dann haben wir festgestellt, dass viele Unternehmen sagen, ’nett, dass ihr auf allen Geräten einsatzbereit seid, aber könnt ihr uns einfach etwas empfehlen, was funktioniert‘. So haben wir eigentlich 2016 begonnen, eigene Hardwaregeräte zu entwickeln, bei denen unsere Software vorinstalliert ist. Mittlerweile sind wir in der vierten, fünften Generation von diesen Geräten“, erklärt Bernhart. Heute bekommt man das Produkt zugeschickt, packt es aus, schaltet ein und kann loslegen, so der Founder. „Da ist eine SIM-Karte drinnen, da ist ein Belegdrucker drinnen, da ist Payment integriert. Ich muss mich nur einmal einloggen und kann schon meinen ersten Beleg erstellen.“

ready2order und die Zucchetti-Group

Für ready2order markierte das Jahr 2022 einen weiteren entscheidenden Wendepunkt in der Firmenstrategie. Das Team evaluierte den nächsten Schritt, führte Gespräche mit Investor:innen und strategischen Partnern und kam so mit der Zucchetti Group, einem norditalienischen Familienunternehmen, in Kontakt.

„Für Zucchetti waren wir ein Hotspot im deutschsprachigen Raum, im kleinen B2B-Bereich, hochskalierend und stark automatisiert. Sie wollten den Deal (Anm.: Das Startup wie oben erwähnt kaufen) aber nur, wenn wir Gründer langfristig an Bord bleiben und das Unternehmen weiterführen. Für uns war das ideal, weil wir ohnehin motiviert waren, weiterzumachen, und uns wurde zugesichert, dass wir autonom arbeiten können. Zwei Jahre später kann man sagen, sie haben ihr Versprechen eingehalten. Wir sind weiterhin stark involviert. Zucchetti ist bekannt dafür, Unternehmer langfristig zu halten, teilweise über zehn Jahre“, sagt der Founder.

Kein Growth um jeden Preis mehr

Vor 2022 ging es beim Wiener Fintech um Wachstum um jeden Preis, doch der allgemeine Fokus änderte sich plötzlich und Profitabilität stand im Vordergrund. „Das haben wir auch in Gesprächen mit Private-Equity-Investoren gespürt, die wissen wollten, wie schnell wir profitabel sein können. Für uns war das der Auslöser, den Hebel Richtung Profitabilität umzulegen, was wir im Sommer 2023, genau zur Transaktion, auf Monatsebene erreicht haben. Für Zucchetti war wichtig, dass wir das aus eigener Kraft schaffen, weil sie nicht dafür bekannt sind, viel Geld nachzuschießen. Letztes Jahr haben wir positiv abgeschlossen und auch 2025 werden wir profitabel sein. Somit ist klar, dass nachhaltiges, profitables Wachstum für uns ein zentrales Ziel bleibt“, betont Bernhart.

Für ihn und Co-Founder Christopher Fuchs klang das Angebot von Zucchetti damals „sehr speziell“. Es handelte sich um jemanden, der die Firma kaufen wollte, aber meinte, die Gründer müssten bleiben. Dies geriet zum Vorteil, denn diese Forderung überschnitt sich glücklicherweise mit den Wünschen beider Gründer. „Für mich als CEO hat sich nicht so viel verändert. Wir arbeiten sehr viel und sind weiterhin sehr motiviert, in den nächsten Jahren Gas zu geben. Wir haben uns zu dem Zeitpunkt auf eine langfristige ‚Earn-out-Phase‘ (Anm.: Keine Auszahlung zum Zeitpunkt der Transaktion, sondern zu einem späteren Zeitpunkt) geeinigt, was für beide Seiten natürlich ein Risiko ist. Speziell für uns, um die Firma weiter erfolgreich zu gestalten“, präzisiert Bernhart.

„nicht crazy-gehyped“

In weiterer Folge erzählt der Founder von der damaligen Pre-Profitabilität-Phase, geprägt von Niedrigzinsen und locker sitzendem Geld der Investoren, erklärt, warum es ready2order als „nicht crazy-gehyptes“-Unternehmen leichter hatte, nach veränderter Marktlage rasch auf Profitabilität zu wechseln und welche Nachteile man – als gesamtes Team in Kauf genommen hat: „In den Anfangsjahren haben wir sehr niedrige Gehälter gezahlt, mit Teilzeitkräften gearbeitet und jeder musste anpacken. Heute zahlen wir marktkonforme Gehälter, haben Incentive-Programme für Mitarbeiter und sind als Unternehmen angekommen.“

Eine andere Anekdote und besonders prägende Situation war, der überraschende Verlust eines potentiellen Kapitalgebers. Ready2order war bereit, eine Finanzierungsrunde mit einem Non-EU-Investor abzuschließen. Das Term-Sheet war unterschrieben, alles vorbereitet. Im Italien-Urlaub erhielt Bernhart plötzlich über WhatsApp die Nachricht „we need to talk“, mit dem Ergebnis, dass der Investor kurzfristig ausstieg, weil ihm die „EU-Exposure“ (regulatorische und rechtliche Auflagen) zu groß war. „Damals war bei uns die ‚Run Rate‘ knapp, gerade mit Blick auf das 13. und 14. Gehalt. Gemeinsam mit den Gesellschaftern haben wir dann eine interne Runde nur mit Fremdkapital aufgestellt, was sich im Nachhinein als bessere Lösung herausgestellt hat und woraus wir viel gelernt haben“, erinnert sich Bernhart.

ready2order: Fokus auf Deutschland

Künftiger und aktueller Fokus des 80 Mitarbeiter:innen starken Teams ist Deutschland, wo man bereits heute mit ein Prozent Marktanteil mehr Kunden hat, als in Österreich mit fünf Prozent.

„Wir sehen dort enormes Potenzial. Themen wie die dortige geplante Kassenpflicht ab 2027 und die mögliche Verpflichtung zur Kartenzahlung werden den Markt zusätzlich verändern. Unser Ziel ist es, in Deutschland ein starkes Produkt-Offering zu bieten und die Marke zu stärken“, skizziert Bernhart die nächsten Schritte von ready2order. „Weitere Länder evaluieren wir zwar, aber ohne Hast — Deutschland bleibt der nächste Meilenstein.“

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Die re:Marc 2026 fand im Museum of Ethnography Budapest statt | (c) egressyorsifoto
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„Ihr pitcht nicht um euer eigenes Überleben, ihr pitcht um unser Überleben als Gesellschaft.“ Mit diesen Worten richtet sich Uli Grabenwarter vom European Investment Fund in seiner Keynote bei der Konferenz re:Marc an das Publikum. Er bringt damit eine Kernbotschaft des Events auf den Punkt: Kreative Lösungen für marginalisierte Gruppen müssen in das Zentrum der Wirtschaft rücken.

Ein grenzüberschreitendes Ökosystem

Die re:Marc ist der Höhepunkt des „Marc Impact Programme“, einer gemeinsamen Initiative von ERSTE Stiftung, ERSTE Social Finance Holding, IFUA Nonprofit Partner und SIMPACT. Die Partner riefen dieses internationale Programm ins Leben, um wirkungsorientierte Unternehmen zu unterstützen. Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, vergleicht in seiner Eröffnungs-Keynote die Kernidee mit jener der Erste Bank selbst und gibt den Teilnehmer:innen mit: „Glaub an dich, denn am Ende gewinnt immer das Gute!“

Und Ana Cretu, Director Social Impact Investment der ERSTE Stiftung, stellt klar: „Das Programm wurde designt, um von einer Gemeinschaft getragen zu werden, nicht nur von einer kleinen Gruppe von Leuten.“ Sie betont eine zentrale Überzeugung der Initiator:innen: „High-Impact-Entrepreneure sind entscheidend für resiliente Gesellschaften.“

Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, auf der Bühne bei der re:Marc 2026 | (c) egressyorsifoto

Marc startete 2024 und begleitet Gründer:innen aus mittlerweile sechs Ländern langfristig. Radka Novotná, COO des tschechischen Social Startups Nepanikař, gibt im Gespräch mit brutkasten einen konkreten Einblick: „Das Programm hat uns die Augen geöffnet. Als NGO haben wir oft die Einstellung, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen. Die Mentorinnen und Mentoren haben uns beigebracht, dass es in Ordnung ist, nach Geld zu fragen, weil es für einen wirklich guten Zweck ist.“

Der Pitch um den größten Impact

Das Event in Budapest bringe diese internationale Community zusammen. Zwölf Startups aus Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Tschechien traten dabei auch in drei Runden beim Pitch-Wettbewerb gegeneinander an. Sie zeigten eine enorme Bandbreite an Lösungen. Die Ideen reichten von Drohnen, die Samenbomben zur Wiederaufforstung abwerfen, über mobile Konzertbühnen in Lastenfahrrädern bis hin zu leistbaren Recyclingmaschinen für Plastikmüll aus dem Meer. Die Teams pitchten um Preisgelder von bis zu 20.000 Euro.

Andrew Gray von Tilia Impact Ventures (am Mikrofon) war eines der Jury-Mitglieder | (c) egressyorsifoto

Entscheidend war dabei aber nicht nur der Impact selbst, sondern auch die Frage nach einem tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodell, das diesen Impact finanzieren kann. Entsprechend genau fragte die Jury nach. Jury-Mitglied Andrew Gray von Tilia Impact Ventures erklärt im brutkasten-Gespräch: „Wir sehen uns an, welche Startups den größtmöglichen Impact für so viele Menschen wie möglich erzielen. Wer wird das Preisgeld nutzen, um den tiefgreifendsten sozialen Impact in der sinnvollsten Weise zu generieren?“

Die Sieger der re:Marc 2026

Letztlich musste sich die Jury für die Gewinner der drei Hauptpreise entscheiden. Neben diesen wurden noch mehrere Zusatzpreise vergeben. Diese drei Startups überzeugten die Jury besonders:

Grand Impact Award: Nepanikař

Den „Grand Impact Award“ und damit den Hauptpreis von 20.000 Euro holte sich das tschechische Social Startup Nepanikař – zu Deutsch: “Keine Panik!” Die gleichnamige App bietet psychologische Hilfe und Suizidprävention. Sie verzeichnet täglich rund 500 Nutzer:innen und unterstützt diese auch gezielt in akuten psychischen Krisensituationen. „Wir wollen das Preisgeld nutzen, um die App mit Smartwatches und Ringen zu verbinden und so Krisen besser vorherzusagen“, schildert Radka Novotná ihre Pläne. Das Geld fließt parallel in die Übersetzung der App in vier weitere Sprachen.

Nepanikař rund um Radka Novotná (2.v.r.) holte sich den Grand Imppact Award | (c) egressyorsifoto

Innovation Champion Award: Origin BCI

Der „Innovation Champion Award“ im Wert von 15.000 Euro ging nach Rumänien an Origin BCI. Das Team rund um Gründer und CEO David-Alexandru Popescu entwickelt bionische Handprothesen, die leistbar und leicht zu warten sind. Im Interview verrät Popescu den nächsten Schritt: „Die gewonnenen 15.000 Euro werden dazu beitragen, unser finales, konformes Produkt zu bauen – mit zugelassenen Materialien und Elektronik für Medizinprodukte.“

Origin BCI rund um David-Alexandru Popescu (2.v.l.) erhielt den Innovation Champion Award | (c) egressyorsifoto

Scalable Champion Award: TalentsLounge

Den „Scalable Champion Award“ sicherte sich Anna Gawin mit der österreichischen Plattform TalentsLounge (DaVinciLab). Die Plattform befähigt Lehrkräfte, Künstliche Intelligenz und Zukunftskompetenzen zu unterrichten. Gawin hat ein klares Ziel für die 15.000 Euro Preisgeld: „Wir werden unsere Plattform ins Polnische und Ungarische übersetzen und erste Pilotprojekte mit rund 500 Schülerinnen und Schülern an polnischen und ungarischen Schulen in Wien umsetzen.“

TalentsLounge rund um Anna Gawin holte sich den Scalable Champion Award | (c) egressyorsifoto
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