22.07.2025
INSOLVENZ

MXR Tactics: Tiroler Militär-Tech-Startup insolvent – 733.000 Euro Passiva

MXR Tactics verknüpfte Augmented Reality und Künstliche Intelligenz für Trainingssimulationen für Soldat:innen und Sicherheitskräfte. Vor rund zwei Jahren gab es noch ein Millionen-Investment; nun folgte die Insolvenz.
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MXR Tactics, Insolvenz
© MXR Tactics

Der Insolvenz des Militär-Tech-Startups MXR Tactics geht eine Geschichte von parallelen Gründungen, Millionen-Investments, einem Exit, zwei Insolvenzen und einer Founder-Trennung zuvor.

MXR-Founder als Seriengründer

Zwei der MXR Tactics-Founder, Richard Hirschhuber und Axel Schnaller (der dritte ist Martin Gerstbauer), hatten im April 2023 mit ihrem anderen Unternehmen, AR Technology, ein Millionen-Investment geholt, mussten aber im September 2024 Konkurs anmelden – brutkasten berichtete.

Davor konnte Hirschhuber – bereits 2018 – mit dem E-Bike- und E-Auto-Verleiher Greenstorm eine für damalige Zeiten beachtliche achtstellige Finanzierung aufstellen. Anfang 2021 folgte die Mehrheitsübernahme Greenstorms durch ein Luxemburger Beteiligungsunternehmen. Gründer Hirschhuber, der damals mehrere andere Startups betrieb, blieb mit einem kleinen Anteil an Bord.

2023 allerdings berichteten mehrere Medien mit Bezug auf Angaben des Kreditschutzverbands KSV1870, dass Greenstorm Insolvenz anmelden musste. Die offenen Verbindlichkeiten beliefen sich damals laut Geschäftsführer auf neun Millionen Euro und eine Sanierung war nie geplant.

2023 noch Millionen-Investment

Auch das jetzt insolvente Militär-Tech-Startup konnte sich einst unter beiden Foundern ein nicht näher beziffertes Millionen-Investment sichern. Im April 2023 übernahm der Grazer Business Angel Maximilian Seidel mit seiner Situlus Holding den Lead.

Das System von MXR Tactics ermöglichte die Einbettung virtueller Kampfgegner in die reale Umgebung. Die Trainierenden nutzten dabei „marktübliche AR-Brillen“ und eine eigens entwickelte Hardware.

„Die patentierte Trackingtechnologie – als Aufsatz an jeder Realwaffe sowie eingebaut in jeder Replika – interagiert in unserer KI-unterstützten App mit virtuellen Avataren und Szenarien. Die digitale Analyse ersetzt subjektive Empfindungen des Trainers und analysiert den Polizisten immer unter denselben Bedingungen“, wurde damals Co-Founder und CTO Axel Schnaller in einer Aussendung zitiert.

Mitgründer verließ Startup

Vor rund einem Jahr verließ Hirschhuber eigenen Angaben nach aufgrund von Unstimmigkeiten mit seinem Co-Founder das Startup und ist laut der Plattform wirtschaft.at nun Geschäftsführer von Velo Locate (ehemals Superstrom) und Taste & Vision (ehemals r888 Invest). Schnaller hält der Plattform nach 36,31 Prozent von MXR Tactics.

Nun aber vermelden sowohl der KSV1870 als auch der AKV die Insolvenz des Startups. „Die MXR Tactics GmbH kann ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Vom zuständigen Landesgericht Innsbruck wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Das Verfahren wurde über Eigenantrag als Konkursverfahren eröffnet“, heißt es etwa beim AKV.

Gründe für Insolvenz noch unbekannt

Der KSV schreibt indes: „Über die Gründe dieser Insolvenz liegen uns derzeit noch keine geprüften Informationen vor. Diese Ursachen werden wir in Zusammenarbeit mit der Insolvenzverwaltung erheben. Der Antrag auf Eröffnung der Insolvenz wurde von der Schuldnerin bei Gericht eingebracht.“

Und weiter: „Ob die Insolvenzverwaltung den schuldnerischen Betrieb ohne weitere Nachteile für die Gläubiger fortführen kann, wird sich zeigen. Diese Entscheidung wird zeitnah zu treffen sein. Es bleibt insbesondere abzuwarten, ob die Schuldnerin in der Lage ist, nachvollziehbar darzustellen, dass eine Fortführung auf wirtschaftlich soliden Beinen stehen kann. Die Höhe der aushaftenden Verbindlichkeiten beläuft sich laut Eigenangabe der Schuldnerin auf rd. EUR 733.000,00.“


brutkasten hat um ein Statement beim Gründer angefragt, sobald dieses einlangt, wird es hier ergänzt.

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Fiskaly aus Wien wurde dieses Jahr von EY zum „Scaleup of the Year“ gekürt, wie brutkasten berichtete. Die Zahlen und Fakten zeigen, warum: Das 2019 gegründete Unternehmen wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 60 Prozent und ist profitabel. Es beschäftigt mehr als 150 Mitarbeitende, ist in acht EU-Ländern aktiv, betreut dort rund 1.900 B2B-Kunden mit mehr als einer Million POS-Systemen (Point of Sale) und ist Marktführer in Deutschland.

Nun verkündete das auf Fiskalisierung spezialisierte Unternehmen, das sich am „Sprung vom Scaleup zum etablierten Infrastrukturanbieter“ sieht, einen bedeutenden Neuzugang: David Feichter wird Co-CEO neben Johannes Ferner, der fiskaly gemeinsam mit Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz gegründet hat.

Vom „allerersten Kunden“ zum Co-CEO

Die Vorgeschichte ist dabei durchaus ungewöhnlich. Feichter war 2019 als CEO des deutschen POS-Anbieters orderbird der „allererste Kunde“ des Wiener Unternehmens. Damals verhandelte er den Deal mit Ferner. Erst in diesem Frühjahr gab Feichter die Führung von orderbird, mittlerweile Teil der Nexi Group, an Dirk Schmidt ab.

Die Doppelspitze soll fiskaly nun als „nächste Stufe der Unternehmensführung“ durch die nächste Wachstumsphase bringen. „Sich die Rolle des CEO zu teilen, ist eine strategische Entscheidung, die es uns ermöglicht, unsere sich ergänzenden Stärken optimal zu nutzen und das Wachstum fokussierter und strukturierter zu beschleunigen“, kommentiert Ferner. Und ergänzt: „Das ist ein Erfolg, auf den ich besonders stolz bin. Es ist ein Beweis dafür, dass in Österreich gemachtes Wachstum nach wie vor möglich ist.“

Weitere Akquisitionen geplant

Konkret soll Feichter den operativen Betrieb und die Skalierung der Organisation verantworten, während sich Ferner auf internationale Partnerschaften, Akquisitionen und die externe Repräsentation konzentriert. „Fiskaly hat sich eine starke Position im Bereich Transaction Compliance erarbeitet und das Ausmaß der Marktchance aufgezeigt. Unser Ziel ist es, diese Führungsposition weiter auszubauen und zu definieren, wohin sich die Kategorie als Nächstes entwickelt“, sagt Feichter.

Fiskaly kündigt zudem an, im Bereich M&A aktiv zu bleiben. Man baue auf der bisherigen Akquisitionsbilanz auf, „um schnell handeln zu können, sobald sich in Europa die richtigen Gelegenheiten bieten“. Bisher übernahm fiskaly die Deutsche Fiskal GmbH und Infrasec Sweden AB. 2024 hatte fiskaly mit Verdane einen großen Private-Equity-Investor an Bord geholt, der auch Kapital für Übernahmen bereitstellt.

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