19.04.2023

BarnVentures: MoonHolding verkauft drei Beteiligungen und benennt sich um

Die MoonHolding von Filip Zganjer und Florian Bauer trennte sich in den vergangenen Monaten von den Beteiligungen an Moonshiner, MoonVision und Dishtracker. Nun erfolgte ein Rebranding auf BarnVentures.
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MoonHolding wird zu BarnVentures
Die BarnVentures Gründer Florian Bauer (links) und Filip Zganjer (rechts) im neuen Headquarter in der Wiener Alpenmilchzentrale | (c) Christian Huttar

Am Anfang stand Moonshiner. 2015 gründeten Filip Zganjer und Florian Bauer in Wien den IT-Dienstleister, der schon bald Kunden wie XXXLutz oder Wien Energie gewinnen und damit Millionenumsätze erzielen sollte. Der Mond im Namen ließ die beiden Gründer fortan nicht los. Sie starteten die MoonHolding als übergeordnete Gesellschaft, um weitere Beteiligungen besser strukturieren zu können, etwa das AI-Startup MoonVision und dessen Spinoff Dishtracker. Doch nun hat es sich ausgemoont. Die Gesellschaft bekommt den neuen Namen BarnVentures.

„Es wäre dann nicht mehr richtig, MoonHolding zu heißen“

„Wir haben alles, was im Mooniversum war, verkauft. Es wäre dann nicht mehr richtig, MoonHolding zu heißen“, erklärt Filip Zganjer gegenüber dem brutkasten. Die drei oben genannten Beteiligungen wurden in den vergangenen Monaten veräußert. Moonshiner ging an die oberösterreichische Wintersteiger AG, die bereits zuvor ein Drittel des Unternehmens erworben hatte und der MoonHolding zuletzt ein weiteres abkaufte – das letzte teilt sich auf CEO Rudi Lindenhofer und CTO Fabian Hippman auf. Die Anteile an MoonVision und deren Tochter Dishtracker gingen vergangenes Jahr in einem Management Buyout an das Führungsduo Alexander Hirner und Johannes Raudaschl.

Zufrieden mit Exits

Geldbeträge will Zganjer gegenüber dem brutkasten keine nennen. „Während Corona hat sich bei Florian [Bauer] und mir der Wunsch eingestellt, etwas zu monetarisieren. Es war dann relativ leicht den Käufer für Moonshiner zu finden. Und mit dem Buyout bei MoonVision sind wir auch sehr zufrieden und arbeiten immer noch in mehreren Bereichen mit Alexander Hirner sehr gut zusammen“, sagt der Unternehmer und nunmehrige BarnVentures-Chef.

BarnVentures mit Investment-Fokus auf Human Centered Technology

Unter der neuen Brand hat die Beteiligungsgesellschaft auch einen neu geschärften Investment-Fokus: Human Centered Technology. „Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Nachhaltigkeit von AI sowie Automatisierungstechnologien und deren Auswirkungen auf Mensch und Natur wollen wir diejenigen unterstützen, die aktiv daran arbeiten“, wird Florian Bauer in einer Aussendung dazu zitiert.

Bereits eine Übernahme durch BarnVentures geplant

Seinen Sitz hat das Unternehmen nun in der ehemaligen Alpenmilchzentrale in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofs. „In den 90ern waren da super Rave-Parties“, erinnert sich Zganjer. Nun sei es ein „cooles Industrieloft“. BarnVentures hat mehrere Beteiligungen der MoonHolding behalten: Engage-Technology (Webentwicklung von Plattformen), VoucherCube (Data Management für E-Commerce), digitalDistillery (AI Customer Care Management) und Devjobs (HR im Developer-Bereich). Und der Gründer verrät: „Wir planen in dem Bereich schon eine weitere Übernahme, zu der ich aber noch nichts konkretes sagen kann“.

Vom Schnapsbrenner zum Landwirt

Und warum der Namens-Schwenk vom Mond zur Scheune? „Wir haben damals bei Moonshiner lange überlegt, wie wir die Firma nennen sollen. Florian hat immer erzählt, dass seine Oma Schnaps gebrannt hat und Zganjer ist das slowenische Wort für Schnapsbrenner. Moonshining ist US-Slang für Schnapsbrennen, so ist der Name entstanden“, erzählt der Gründer. Auch bei BarnVentures spiele ein Nachname eine Rolle – diesmal jener von Mitgründer Bauer. „Und in meiner Familiengeschichte gibt es auch viele Landwirte. Das ist ein schöner gemeinsamer Nenner und eine Welt, in der man gut mit Symbolen arbeiten kann“, so Zganjer.

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

Im November 2024 habe ich hier geschrieben, dass wir bei KI in der Bildung an einem Wendepunkt stehen. Die entscheidende Frage war damals, ob wir KI nutzen, um Lernen zu verbessern, oder nur, um es zu beschleunigen. Zwei Jahre später haben wir die Antwort, zumindest für die Schule: Die Kinder beschleunigen. Verbessert wird wenig.

Ich sage es direkt: Die Debatte über KI an Schulen läuft in die falsche Richtung. Wir reden über Tablets, Apps und Prompt-Kurse. Dabei fehlt vielen Jugendlichen die Voraussetzung, um mit KI überhaupt etwas Sinnvolles anzufangen.

Was die Zahlen zeigen

Für den GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 haben wir in sechs europäischen Ländern 3.001 Eltern, ihre Kinder zwischen 8 und 16 Jahren und 300 Lehrkräfte befragt, in Österreich 500 Familien.

  • 65 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler, die KI für die Schule nutzen, haben nach eigenen Angaben schon KI-Inhalte als eigene Arbeit abgegeben.
  • 43 Prozent wurden noch nie im Umgang mit KI unterrichtet. Nur 15 Prozent hatten eine strukturierte Stunde dazu.
  • Nur 24 Prozent der Eltern meinen, die Regierung tue genug für klare KI-Regeln an Schulen. Das ist der niedrigste Wert aller sechs Länder.
  • Nur 36 Prozent sehen ihr Kind gut auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Auch das ist der niedrigste Wert.

Die Kinder nutzen KI also längst. Die Schule bringt ihnen nicht bei, wie man es richtig macht. Und sie sichert immer seltener das, was man dafür braucht.

Wer nicht lesen kann, kann keine KI prüfen

Eine KI schreibt in Sekunden einen Aufsatz, löst eine Textaufgabe, fasst ein Buch zusammen. Ob das Ergebnis stimmt, erkennt nur, wer selbst genau lesen kann, ein Ergebnis im Kopf überschlagen kann und einen eigenen Gedanken zu Papier bringt. Der größte Teil von KI-Kompetenz ist schlicht Grundkompetenz.

Genau dort verlieren wir gerade. Bei PISA 2025 liegt Österreich in Lesen und Mathematik auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Die Hälfte der von uns befragten Lehrkräfte sagt, das Leseverständnis ihrer Schülerinnen und Schüler sei in den letzten fünf Jahren schlechter geworden, 42 Prozent sehen einen Rückgang in Mathematik.

Ein Jugendlicher, der einen Text nicht versteht, wird durch KI nicht klüger. Er wird nur schneller darin, Dinge abzugeben, die er nicht versteht. Deshalb ist mein erster Punkt nicht technisch: Lesen, Schreiben und Rechnen zuerst. Jeden Tag, auch in der Oberstufe.

Handys gehören nicht in die Schule

Ich bin persönlich dafür, dass private Smartphones an allen Schulen tabu sind, nicht nur bis zur achten Schulstufe, sondern bis zur Matura. Frankreich hat sein Verbot im September auf die Oberstufe ausgeweitet. Österreich sollte nachziehen.

Die Gründe stehen in unseren Daten. Fast zwei Drittel der befragten Lehrkräfte sagen, ihre Schülerinnen und Schüler können sich schlechter konzentrieren als vor fünf Jahren. Mehr als die Hälfte der österreichischen Eltern ist ohnehin für ein vollständiges Handyverbot.

Das ist kein Widerspruch zu mehr KI im Unterricht. KI gehört in die Schule, gezielt, angeleitet und auf Schulgeräten. Der private Feed mit TikTok und Messenger gehört nicht in die Klasse. Wer beides gleichsetzt, verwechselt ein Werkzeug mit einer Ablenkung.

Warum das eine Standortfrage ist

Jedes Unternehmen, mit dem ich spreche, baut Prozesse gerade um KI herum neu: Angebote, Kundenservice, Buchhaltung, Software. Gesucht werden nicht Menschen, die KI bedienen können. Bedienen kann jeder. Gesucht werden Menschen, die eine KI-Antwort prüfen, verbessern und dafür geradestehen. Das ist dieselbe Fähigkeit wie vor hundert Jahren: lesen, verstehen, rechnen, urteilen.

Die Politik antwortet darauf mit einem neuen Fach: „Informatik und KI“ in der AHS-Oberstufe ab 2027/28. Ich halte das für die falsche Antwort. Ich hatte in meiner Schulzeit selbst Informatik als Fach. Es war ein Witz, und an diesem Muster ändert ein neuer Name wenig. KI-Kompetenz entsteht nicht in einer Stunde pro Woche mit eigenem Lehrplan. Sie entsteht in jeder Deutschstunde, in der ein Text wirklich verstanden wird, und in jeder Mathestunde, in der ein Kind ein Ergebnis selbst überschlagen kann. Wer gut lesen, schreiben und rechnen kann, lernt den Umgang mit KI in wenigen Wochen. Wer es nicht kann, lernt ihn auch in einem eigenen Fach nicht.

Was Schulen morgen tun können, ohne Verordnung

1. Grundlagen täglich trainieren. Zwanzig Minuten Lesen pro Tag, Kopfrechnen, Texte mit der Hand schreiben. Unspektakulär, aber die Basis für alles andere.

2. Bei der Hausübung den Weg bewerten. KI ist erlaubt, aber mit drei Beilagen: der Prompt, die ursprüngliche KI-Antwort und drei Sätze dazu, was das Kind geändert hat und warum. Dazu fünf Minuten mündliche Nachfrage in der nächsten Stunde.

3. Mehr mündlich prüfen. 44 Prozent der befragten Lehrkräfte halten Präsentationen und Prüfungsgespräche inzwischen für die wirksamste Form der Leistungsbewertung. Einen Aufsatz schreibt ChatGPT in Sekunden. Spontane Rückfragen beantwortet er nicht für das Kind.

4. KI als Fehlersuche unterrichten. Die Klasse lässt die KI eine Mathematikaufgabe lösen und sucht den Fehler. Die KI fasst einen Zeitungsartikel zusammen, die Schüler prüfen jede Aussage gegen das Original. So trainiert KI genau die Grundkompetenzen, die sie sonst ersetzt.

5. Die Lehre mitdenken. 42 Prozent der österreichischen Eltern mit klarer Präferenz wünschen sich zuerst eine Lehre für ihr Kind, nur 34 Prozent ein Studium. Dann gehört KI auch in die Berufsschule: der Elektriker-Lehrling, der ein Angebot mit KI vorbereitet und jede Position selbst nachrechnet.

Was wir selbst gelernt haben

Bei GoStudent setzen wir KI im Unterricht ein, für Zusammenfassungen und Übungsfragen nach jeder Stunde. Unsere Erfahrung: KI macht gute Lehrpersonen wirksamer, ersetzt sie aber nicht. Nur 1 Prozent der befragten Lehrkräfte glaubt, dass KI sie ersetzen könnte. Ich glaube das auch nicht.

Handy raus, Grundlagen rein, KI mit Anleitung. Dafür braucht es kein neues Fach und kein zusätzliches Budget, nur Entscheidungen der Direktionen und den Mut der Politik.

Methodik: Der GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 basiert auf einer Erhebung von Censuswide unter 3.001 Eltern und ihren Kindern (8 bis 16 Jahre) sowie 300 Lehrkräften in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich (Juni/Juli 2026). Der vollständige Bericht: gostudent.org/de-at/education-report/2026

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