13.11.2025
STATEMENT

Harald Mahrer bestätigt Rücktritt als WKÖ-Präsident

Der Druck auf ihn stieg in den vergangenen Tagen und Stunden spürbar an. Nun ist es gewiss: Harald Mahrer tritt auch als Wirtschaftskammerpräsident zurück. Die bisherige Vizepräsidentin Martha Schultz soll interimistisch übernehmen.
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WKÖ-Präsident Harald Mahrer | (c) WKÖ

Es war das große innenpolitische Thema der vergangenen Tage: Nach der Ankündigung einer von vielen Seiten kritisierten Gehaltsrunde für Mitarbeiter:innen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und teils üppigen Entgeltsteigerungen in der Führungsebene, nahm der Druck auf WKÖ-Präsident Harald Mahrer zu – nicht nur öffentlich, sondern auch intern.

Nach OeNB folgt auch Rückzug als WKÖ-Präsident

Thematisiert wurde dabei einmal mehr auch, dass Mahrer mehrere hochrangige Ämter gleichzeitig bekleidete. Im Zuge dessen gab der Politiker bereits vor einigen Tagen seinen Rückzug als OeNB-Präsident bekannt. Nachdem sich zuletzt auch mehrere WKÖ-Länder-Chef:innen gegen den Präsidenten stellten, folgt heute laut einigen Medienberichten auch der Rücktritt in dieser Position – das berichtete zuerst die Tiroler Tageszeitung. Weder Harald Mahrer selbst noch die WKÖ wollten es zunächst bestätigen.

Am Donnerstagnachmittag veröffentlichte Mahrer dann aber ein persönliches Statement auf seinen Social-Media-Kanälen. „Persönliche Ressentiments und Populismus haben die mediale Debatte der letzten Tage bestimmt, ohne Mehrwert für die Wirtschaft und unser Land. Das ist nicht mein Spielfeld“, sagt er in seiner Videobotschaft. „Ich sehe derzeit keine Möglichkeit verantwortungsvolle Beiträge für eine positive Zukunftsentwicklung zu leisten. Ich werde daher meine Funktionen in der Wirtschaftskammer Österreich und den Wirtschaftsbund zurücklegen und ich werde in beiden Funktionen für einen geordneten zeitnahen Übergang sorgen“.

In der Startup-Welt verankert

Teilweise ist die Kritik an Mahrer nicht neu – vor allem in Bezug auf die Zahl an bekleideten Ämtern. Dabei konnte der bisherige WKÖ-Präsident in der heimischen Startup-Community trotz teils sehr kritischer Einstellungen gegenüber der Kammer immer wieder Sympathiepunkte sammeln.

Schon in seiner Zeit als Wirtschaftsstaatssekretär von 2014 bis 2016 machte er etwa mit dem Slogan „No sleep till Gründerland No1“ auf sich aufmerksam, den er gerne auf einem T-Shirt zur Schau stellte. Den in dieser Zeit etablierten politischen Fokus auf Startups nahm er zumindest teilweise auch in seine recht kurze Amtszeit als Wirtschaftsminister (2016 bis 2017) mit. Als WKÖ-Präsident (ab 2017) zeichnete er schließlich unter anderem für die Einführung des „Head of Startup Services“ der Kammer verantwortlich und äußerte sich regelmäßig zu Themen der Startup-Politik.

Spekulationen über Nachfolge

Über die Nachfolge Mahrers wird medial indessen eifrig spekuliert. Ein häufig genannter Name ist etwa der Vorarlberger Wirtschaftskammer-Präsident und ehemaliger WKÖ-Generalsekretär sowie zweiter Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf. Ebenfalls ins Spiel gebracht wurde die aktuelle Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, die ebenfalls eine langjährige Tätigkeit als Wirtschaftskammer-Funktionärin im Lebenslauf hat.

Martha Schultz übernimmt interimistisch

Eines steht indessen laut Tiroler Tageszeitung fest: Interimistisch soll die bisherige Vizepräsidentin Martha Schultz übernehmen. Die Unternehmerin ist neben ihrer WKÖ-Funktion unter anderem in der Geschäftsführung der Schultz Gruppe tätig, sitzt im Aufsichtsrat der ASFINAG und ist Präsidentin der Julius Raab Stiftung.

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Junior Developer
(c) True Agency via Unsplash

„Wer glaubt, mit Künstlicher Intelligenz ließen sich Einstiegspositionen einfach streichen, verwechselt das Werkzeug mit der Person, die es sinnvoll einsetzt“, warnt André Holhozinskyj, CEO der europäischen Cloudflight Group. Die Warnung des Branchenexperten stützt sich auf eine aktuelle Befragung, die das Unternehmen durchgeführt hat. Unter den 1.119 Teilnehmenden – mehrheitlich Studierende und Berufseinsteiger:innen aus Deutschland, Österreich und Rumänien – zeigt sich eine weite Verbreitung, aber auch eine spürbare Reglementierung von KI-Tools im Arbeitsalltag.

Während 99 Prozent der befragten Nachwuchskräfte angeben, KI-Werkzeuge regelmäßig zu nutzen, stoßen sie in der Praxis häufig an organisatorische Grenzen. Rund zwei Drittel der Befragten berichten von Einschränkungen bei der Nutzung, die überwiegend organisatorischer Natur sind. Als Haupthindernis nennen 46 Prozent regulatorische Vorgaben wie Richtlinien von Schulen, Universitäten oder Unternehmen. Weit dahinter folgen Kosten und Lizenzgebühren mit 24 Prozent sowie ethische, rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken mit 23 Prozent. Mangelndes Interesse spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle.

Risiko durch Schatten-IT und Compliance-Verstöße

Die restriktive Haltung in vielen Organisationen birgt nach Einschätzung der Studienautor:innen jedoch Risiken: Wird die Nutzung im Unternehmen untersagt oder komplett eingeschränkt, weichen Mitarbeiter:innen häufig auf private Geräte und nicht freigegebene Consumer-Tools aus – ohne Wissen oder Zustimmung der IT-Abteilung.

Gernot Molin, CTO der Cloudflight Group, warnt vor den unmittelbaren Gefahren für die Datensicherheit: „Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind nicht für Unternehmenssicherheit oder Compliance konzipiert, sondern für einfachen Zugang, und das schafft unmittelbare Risiken.“ So könnten etwa proprietäre Algorithmen durch das Einfügen von Code-Schnipseln abfließen, oder Entwickler:innen könnten unbeabsichtigt Kundendaten bei der Analyse von Log-Dateien offenlegen. Unternehmen, die an Richtlinien wie DSGVO, HIPAA oder SOC 2 gebunden sind, riskieren laut Molin bei der Verwendung nicht autorisierter Dienste empfindliche Verstöße. Er plädiert daher für eine kontrollierte Freigabe von KI-Werkzeugen, die direkt in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert und durch Sicherheitskontrollen sowie Audit-Trails abgesichert sind.

Vielseitige Nutzung abseits von reinem Code

Die Befragung räumt zudem mit dem Vorurteil auf, KI diene primär dem Schreiben von neuem Programmcode. Der Einsatz zur reinen Code-Generierung liegt bei 18 Prozent und ist damit fast gleichauf mit dem Debugging und Code-Reviews (19 Prozent), administrativen und organisatorischen Aufgaben wie Recherche (19 Prozent) sowie der Code-Optimierung (17 Prozent). Dokumentation (12 Prozent) und Testautomatisierung (10 Prozent) folgen mit etwas Abstand.

Den größten Nutzen sehen die Befragten in der Entlastung bei Routinearbeiten. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) nutzt KI vor allem zur Bewältigung repetitiver, zeitaufwändiger Aufgaben wie dem Erstellen von Boilerplate-Code oder dem automatisierten Organisieren von Daten. Ziel sei es, so heißt es aus den offenen Antworten der Teilnehmenden, sich dank der KI auf die interessanten Teile der Arbeit konzentrieren zu können. Zudem schätzen 42 Prozent die Tools als eine Art rund um die Uhr verfügbaren Tutor, der komplexe Konzepte erklären kann. Dieser Effekt könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in Regionen mit schwächerer Bildungsinfrastruktur den Zugang zu hochwertiger Programmierausbildung demokratisieren.

Zukunftssorgen und die Rolle der Nachwuchskräfte

Trotz der intensiven Nutzung blickt die junge Generation keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Lediglich 12 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Sorge hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf ihre eigene Karriere zu haben. Die überwiegende Mehrheit von 88 Prozent äußert leichte bis extreme Besorgnis. Neben der allgemeinen Karriereentwicklung sorgt sich ein Teil der Entwickler:innen auch um den eigenen Lernfortschritt: Es besteht die Befürchtung, durch eine zu starke Abhängigkeit von der KI das eigene Weiterkommen zu bremsen und durch die automatisierten Lösungen „dümmer“ zu werden. Viele wünschen sich daher Erklärungen anstelle von fertigen Antworten.

Für Cloudflight-CEO Holhozinskyj zeigt die Untersuchung, dass Unternehmen umdenken müssen. Künstliche Intelligenz müsse wie eine „virtuelle Mitarbeiterin“ verstanden werden, die ein geregeltes Onboarding benötigt. Wer Juniorstellen aus Gründen der kurzfristigen Kostenersparnis streicht, begehe laut Holhozinskyj einen strategischen Fehler: „Urteilsvermögen entsteht nicht am Reißbrett, sondern über Jahre praktischer Erfahrung, auch aus eigenen Fehlern, und genau diese Erfahrung bauen Unternehmen gerade systematisch ab, wenn sie ihre Juniorstellen kürzen.“ Langfristig drohe den Unternehmen dadurch der Verlust der „Senior-Kompetenz von morgen“ an die Konkurrenz, was sich schnell zum mittelfristigen Wettbewerbsnachteil entwickeln könne.

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