08.06.2020

Diese Strategie verfolgte XING Österreich bei der Umstellung auf Home Office

Im Interview mit dem brutkasten erläutert Kristina Knezevic, Country Manager bei Xing Österreich, welche Strategie ihr Unternehmen bei der Umstellung auf Home Office im Zuge der Coronakrise verfolgte. Zudem geht sie darauf ein, worauf Führungskräfte in dieser Phase besonders achten müssen.
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Home Office
Kristina Knezevic, ist Country Managerin bei Xing Österreich | (c) Xing

Kristina Knezevic ist seit April 2019 Country Managerin für XING Österreich. Im Interview mit dem brutkasten gibt sie einen Einblick, wie ihr Unternehmen mit der Umstellung auf Home Office umgegangen ist. Zudem erläutert sie ausführlich, worauf Führungskräfte in dieser Phase besonders achten müssen und welchen Stellenwert die Unternehmenskultur dabei hat.

Dieses Interview ist im Kontext eines Whitepapers zu Remote Work entstanden, das der brutkasten gemeinsam mit Wonderwerk erstellt hat. Hier geht’s zum Download des Whitepapers.

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Was hat bei Euch bei der Umstellung auf Home Office besonders gut geklappt und was eher weniger gut?

Für uns als Digitalunternehmen sind Remote Work bzw. Home Office nichts Neues und keine Konsequenz der Krise. Wir sind es grundsätzlich gewohnt, die Freiheit zu haben im Home Office oder von unterwegs zu arbeiten und wissen, wie wir remote am besten zusammenarbeiten und sind auch mit unterschiedlichen Tools dazu bestens ausgestattet.

Die Pandemie mit ihren Beschränkungen zeigte aber auch uns, dass es einen großen Unterschied macht, ob jemand immer wieder mal oder alle permanent von zu Hause aus arbeiten.

Führungskräfte müssen erreichbar sein und für den persönlichen Austausch zur Verfügung stehen

Auf der einen Seite fehlte der informelle und persönliche Austausch, auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit  sich schnell/ad hoc absprechen zu können. Im Home Office kann man eben nicht schnell zu einer Kollegin/einem Kollegen gehen und beispielsweise Entscheidungen auf kurzem Wege treffen oder sich Feedback holen.

Wir haben uns daher in den ersten zwei Wochen neu orientiert: das betrifft sowohl die Neustrukturierung der Zusammenarbeit, beispielsweise durch die Einführung von daily Stand Ups, als auch das bewusste Zeit nehmen für Socialising, z.B. durch gemeinsame Pausen oder virtuelle After-Work-Drinks.

Die aktuelle Situation ist auch ein Feldversuch für New Work.

Was hat sich zwischenzeitlich verändert, was klappt inzwischen besser und in welchen Bereichen gab’s die ersten Lessons Learned?

In den ersten Tagen der Ausnahmensituation war es sehr wichtig, die Mitarbeiter regelmäßig zu informieren, zu unterstützen und ihnen Sicherheit zu geben. Es ging darum, gemeinsam einen Rahmen und Spielregeln zu definieren und als Führungskraft gut ansprechbar/erreichbar zu sein. Das schafft Struktur und Vertrauen. Mittlerweile haben wir uns alle diesbezüglich gut eingespielt.

Wir mussten uns am Anfang aber über unsere Company-weite interne Kommunikation Gedanken machen und diese verändern – weg von wöchentlichen, längeren Meetings hin zu regelmäßigen, täglichen Updates.

Teams, die häufig kontrolliert werden, senden selten eigenständig Updates an ihre Führungskraft, weil sie dies nicht gewohnt sind.

Welche Tools nutzen Eure Teams im Home Office?

Wir verwenden unterschiedliche Tools für unterschiedliche Zwecke – auch abseits vom Home Office. Als Kommunikationstool verwenden wir Slack bzw. Cisco Jabber. Das Tool Just nutzen wir wie eine interne, virtuelle Mitarbeiterzeitung und dann gibt es noch unser Intranet Confluence, das sowohl als allgemeines Info-Hub zählt, als auch zur Projektarbeit genutzt wird.

Alle Tools nutzen wir schon länger. Die aktuelle Situation zeigt aber die Wichtigkeit von Kommunikationsmöglichkeiten, abseits von Email – denn der verbale Austausch ist enorm wichtig und vor allem Videocalls spielen dabei eine zentrale Rolle.

Welche Initiativen und neuen Rituale werden bei XING Österreich durchgeführt, um den Teamspirit und das Teamgefühl im Home Office zu erhalten?

Wir haben einige neue Rituale und  Initiativen ins Leben gerufen. Für mich persönlich war es sehr beeindruckend zu beobachten, dass viele Initiativen direkt auf Vorschlag und Engagement der Mitarbeiter entstanden sind. Um nur einige Beispiele zu nennen: regelmäßige Teammeetings / Stand Ups, virtuelle Kaffeepausen, Frühstücks- oder Lunchtermine, virtuelle After Works / Spieleabende, Online Sport Programme, Online Mentaltrainings, Videogrüße für die Geburtstagskinder oder Eltern-Austausch zu Home Schooling Erfahrungen.

Führungskräfte sollten nicht versuchen, ihre Mitarbeiter zu kontrollieren, sondern klare Ziele und Deadlines definieren.

Führung aus dem Home Office ist für viele Führungskräfte neu zu lernen – wie geht ihr damit um?

Um das neue Zusammenspiel für alle sinnvoll zu gestalten und zu leben, ist eine gesunde Unternehmenskultur mit Transparenz, Kommunikation und Vertrauen notwendig. Führungskräfte haben die Aufgabe, den Rahmen so zu gestalten, dass Mitarbeiter gut arbeiten können.

Das bedeutet, Führungskräfte müssen erreichbar sein und für den persönlichen Austausch zur Verfügung stehen. Dazu braucht es – zusätzlich zu den Update Meetings im Team – die Möglichkeit für One-to-One-Meetings und Kommunikation. Je unkomplizierter und rascher dies funktioniert, umso besser. Kein Mitarbeiter will sich anmelden, um mit seiner Führungskraft sprechen zu können.

In der Kommunikation sollten nicht nur berufliche Themen berücksichtigt werden …

In der Kommunikation sollten nicht nur berufliche Themen berücksichtigt werden, sondern auch Platz für Persönliches und den informellen Austausch sein – vor allem jetzt, da viele Menschen verunsichert sind.

Offenheit ist ebenso wichtig wie Wertschätzung. Führungskräfte sollten nicht versuchen, ihre Mitarbeiter zu kontrollieren, sondern klare Ziele und Deadlines definieren und dabei unterstützen, diese zu erreichen. Durch regelmäßiges Feedback können Prozesse und Tools angepasst werden.

Wenn Teams an unterschiedlichen Orten arbeiten, ist es wichtig, diese virtuell zu vernetzen und ihnen Struktur zu geben. In Zeiten der Digitalisierung sollte dies technisch kein Problem sein, dafür gibt es inzwischen viele verschiedene Plattformen und Möglichkeiten.

Der kulturelle Aspekt ist sicherlich herausfordernder und dauert länger als das Einrichten der technischen Tools.

Der kulturelle Aspekt ist sicherlich herausfordernder und dauert länger als das Einrichten der technischen Tools. Teams, die offen kommunizieren und sich gegenseitig Updates geben, tun dies auch aus der Distanz.

Remote Work setzt ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung voraus: Teams, die häufig kontrolliert werden, senden selten eigenständig Updates an ihre Führungskraft, weil sie dies nicht gewohnt sind. Was hilft, um die Teamkommunikation zu strukturieren sind tägliche kurze StandUp-Calls zu einer fixen Zeit oder Check-In- bzw am Check-Out-Calls am Tagesbeginn bzw -ende.

Ich überzeugt, dass viele derzeit lernen, dass Home Office funktioniert und sich langsam von der Präsenzkultur verabschieden.

Remote Work setzt eine innere Haltung voraus – das Unternehmen, Führungskräfte und  Mitarbeiter dies wollen – das ist sicherlich aktuell eine der größten Herausforderungen, da viele in den Remote Modus versetzt wurden, die dafür noch nicht bereit waren oder ihn vielleicht sogar komplett ablehnen. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass viele derzeit lernen, dass Home Office funktioniert und sich langsam von der Präsenzkultur verabschieden.

Für uns bei XING gehört Führung durch Transparenz & Vertrauen & Ergebnisorientierung zum täglichen Alltag – für uns macht es weniger Unterschied, ob wir remote oder nicht remote zusammenarbeiten.

Wie wollt Ihr Home Office bzw. Remote Work nutzen, wenn die Corona-Krise vorbei ist?

Für uns ist und bliebt Home Office Teil unserer Unternehmenskultur. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele von uns Remote Work weniger in Anspruch nehmen, wenn die Krise vorbei ist – wir freuen uns nämlich schon sehr darauf, uns wieder live zu sehen.

Aber klar ist auch, wir befinden uns in einer sehr herausfordernden Zeit und die aktuelle Situation ist auch ein Feldversuch für New Work. Es ist realistisch, dass er überall dort besser funktioniert, wo Flexibilität bereits Teil der Arbeitswelt ist. Gelingt es uns, die Krise als Chance zu sehen, können wir überholte Arbeitsmodelle reflektieren und die Arbeitswelt neu denken. Das würde ich mir für die Arbeitswelt und viele Unternehmen wünschen.


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Wiewohl die Debatte rund um den Klimawandel in den vergangenen Jahren nachweislich leiser geworden ist, bleibt die Energiewende großes Ziel – in Österreich und Europa alleine schon wegen der brandaktuellen Frage der Souveränität. Dabei versteht man unter Energiewende keineswegs weltweit das selbe, meint Angela Wilkinson, Secretary General und CEO des World Energy Council (WEC) im Interview.

Wir trafen die Chefin der in London ansässigen Dach-Organisation, die über 3.000 Partner-Organisationen in mehr als 100 Ländern hat, beim Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien, wo sie auch eine Keynote hielt und an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Ihre Kernaussage: Die Menschheit brauche in der Energiewende eine positive gemeinsame Vision.


brutkasten: Was macht das World Energy Council eigentlich genau?

Angela Wilkinson: Das World Energy Council wurde vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkriegs gegründet. Die ursprüngliche Mission lautete: Wie verhindern wir am Ende der großen Weltreiche eine Situation, in der Nationalstaaten wegen knapper Ressourcen gegeneinander Krieg führen? Das sind die Wurzeln unserer Organisation. Seit 100 Jahren arbeiten und wachsen wir als globale Gemeinschaft – ein verteiltes Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Entscheidungsträgern, Unternehmern und Innovatoren, die eine gemeinsame Mission teilen: mehr und bessere Energie für alle Menschen auf der Welt.

Wie kann man sich die konkrete Arbeit des WEC vorstellen?

Wir haben drei Hauptaktivitäten: Erstens erstellen wir Berichte – keine rein technischen Datenstudien wie die IEA (Anm. Internationale Energieagentur), sondern nutzen eigene Frameworks wie den „World Energy Trilemma“-Ansatz. Damit erfassen wir praktische Erfahrungen aus verschiedenen Ländern dazu, wie Regierungen Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung ihrer Energiesysteme in Einklang bringen. Wir analysieren Praxisbeispiele, um Märkte und Politiken zu verbessern.

Zweitens organisieren wir Veranstaltungen: Wir bringen unsere Gemeinschaft aus 120 Ländern zusammen. Unser nächster World Energy Congress findet vom 26. bis 29. April 2027 in Riad statt und führt über 100 Ministerinnen und Minister, mehr als 5.000 CEOs und rund 18.000 Teilnehmende zusammen. Angesichts der globalen Elektrifizierungswelle untersuchen wir, was das System zusammenhält – von Verträgen über Vertrauen, Narrative und Daten bis hin zur Infrastruktur. Wir agieren dabei technologieagnostisch.

Drittens betreiben wir Community Building: Nachhaltige Veränderungen erfordern echte Gemeinschaften. Wie hier beim Ökosystem von Verbund X schafft eine Gemeinschaft das nötige Vertrauen für konstruktive Debatten und arbeitet pragmatisch mit den vorhandenen Stärken, statt in polarisierte Diskussionen zu verfallen.

Sie haben in Ihrer Keynote gesagt, es gebe weltweit recht klare Ziele für die Energiewende, aber es fehle an einer positiven Vision. Können Sie das näher ausführen?

Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden. Europäer verstehen darunter den Verzicht auf fossile Brennstoffe, Golfstaaten das Eliminieren von Treibhausgasemissionen, während man in den USA den Begriff derzeit überhaupt meidet und lieber von „Energieüberfluss“ spricht. Die Realität ist jedoch: Energie ist das Betriebssystem und das Fundament des Ökosystems unserer Zivilisation. Wir sprechen meist nur darüber, was die Zukunft nicht sein soll. Wir führen aber keine inspirierende Debatte mit den Menschen auf der Straße darüber, welche neuen Möglichkeiten ihr Leben verbessern können. Die Energiewende wird zu sehr als Geschichte von Verzicht und Leiden dargestellt.

Sie meinten in Ihrer Keynote auch, es brauche die Aktivierung noch nicht vorhandener Nachfrage…

Es geht darum, Nachfrage als aktiven Gestalter der Energiewende einzubinden, statt nur als deren Folge. Ein Beispiel: Meine 26-jährige Tochter arbeitet in der Modeindustrie und hat per se keinen Bezug zur Energie; aber Branchen wie die Bekleidungsindustrie besitzen reale Stellschrauben. Anstatt nur über Erzeugung, Übertragung und Speicherung zu sprechen und den Endverbraucher zu vernachlässigen, müssen wir in der Energiebranche vom konkreten Nutzen für das tägliche Leben der Menschen aus denken. Wenn Menschen verstehen, wie Energie ihr Leben verbessert, begreifen sie auch deren Wert. Wir brauchen eine Geschichte der Möglichkeiten aus dem Alltag heraus und keine reine Technologie-Story von oben.

Sie sagten in Bezug auf die Energiewende auch: „Moleküle werden bleiben.“ Wie lautet dazu Ihre Prognose?

Selbst wenn wir das Ziel von 50 bis 60 Prozent Elektrifizierung bis 2050 erreichen, bleiben 40 Prozent übrig. Meine Wette gilt sauberen Molekülen – sei es durch CO2-Abscheidung, dekarbonisierte Barrels oder wasserstoffbasierte Treibstoffe. Flüssige und gasförmige Brennstoffe bieten eine Transportfähigkeit, Energiedichte, saisonale Speichermöglichkeit und Flexibilität, die Elektronen und Batterien schlicht nicht haben. Die Zukunft gehört einer Kombination aus Elektronen, Molekülen und Qubits.

Als CEO des World Energy Council haben Sie eine globale Perspektive. Welche Rolle spielen Europa und speziell Österreich in diesem globalen System?

Österreich verfügt mit Initiativen wie dem Verbund X Accelerator über ein starkes Innovations-Ökosystem. Meine Aufgabe besteht darin, solche lokalen Innovatoren auf die globale Bühne zum World Energy Congress zu bringen, damit verschiedene Regionen voneinander lernen können. Verbund X hat Gegenstücke in vielen Ländern. Bottom-up-Initiativen sind hervorragend, aber Bottom-up und Top-down müssen sich treffen, um echte Wirkung zu entfalten.

Zum Abschluss: Wie würden Sie in sehr wenigen Worten die wichtigsten Maßnahmen beschreiben, um die von ihnen skizzierte Vision umzusetzen?

In zwei Begriffen: Energy Literacy und Energy Fluency. Die meisten der neun Milliarden Menschen verstehen das Energiesystem nicht und wissen nicht, woher ihre Energie kommt. Selbst wenn ich in Europa Energieexperten frage, wie viel Energie sie verbrauchen, können es viele nicht beantworten. Wenn wir nicht einmal unseren eigenen Energieverbrauch benennen können – was verwalten wir dann überhaupt?

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Diese Strategie verfolgte XING Österreich bei der Umstellung auf Home Office

  • Im Interview mit dem brutkasten erläutert Kristina Knezevic, Country Manager Austria bei Xing, welche Strategie Xing bei der Umstellung von Home Office im Zuge der Coronakrise eingeschlagen hat.

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