25.08.2021

GameStop, AMC: Meme Stocks spielen wieder verrückt

Die Aktie des US-Computerspielehändlers Gamestop schoss an der New Yorker Börse um 27,5 Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 1.000 Prozent gestiegen. Die Titel der Kinokette AMC verzeichneten am Dienstag ein Plus von 20 Prozent.
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GameStop, White Square, Melvin, WallstreetBets
(c) Stock.Adobe/Eric BVD

Es war eine der aufsehenerregendsten Börsenstorys des Jahres: Kleinanleger koordinierten sich im Reddit-Forum r/wallstreetbets und trieben die Kurse von Aktien in die Höhe, auf deren Kursverfall Hedgefonds gesetzt hatten. Prominenteste Beispiele dafür: Die Aktien des Computerspielehändlers GameStop und der Kinokette AMC. Der Neobroker Robinhood setzte manche dieser „Meme Stocks“ schließlich vom Handel aus – was eine gewaltige Kontroverse auslöste, die sogar dazu führte, dass Firmenchef Vlad Tenev vor dem US-Kongress aussagen musste. In den folgenden Wochen wurde es zunächst ruhiger um die Meme Stocks. Allerdings nicht dauerhaft: Immer wieder fielen die Aktien mit starken Kursausschlägen auf.

Am Dienstag war es an der New Yorker Börse wieder soweit: Sowohl die Aktien von GameStop als auch die Titel von AMC schossen regelrecht nach oben. Die GameStop-Aktien stiegen zwischenzeitlich um knapp 37 Prozent. Aus dem Handel gingen sie schließlich mit einem Plus von 27,5 Prozent bei 210,29 US-Dollar. Es war der stärkste Kursanstieg seit 25. März, als die Aktie sogar ein Tagesplus von über 52 Prozent verzeichnet hatte.

Von ihrem Allzeithoch ist sie trotzdem noch ein Stück entfernt: Ende Jänner war der Kurs am Höhepunkt der wallstreetbets-Kontroverse bis auf 483 Dollar gestiegen. Auch das Handelsvolumen der GameStop-Aktie war am Dienstag mit 15 Mio. Dollar außergewöhnlich hoch – in den sieben vorangegangenen Handelstagen war es jeweils zwischen 1,1 und 1,4 Mio. Dollar geschwankt.

Die AMC-Aktie wiederum zog am Dienstag an der Wall Street vorübergehend um mehr als 30 Prozent an. Zu Handelsschluss lag sie dann bei 44,26 Dollar – ein Plus von gut 20 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Das Handelsvolumen lag mit 226 Mio. Dollar rund dreimal so hoch wie am Vortag. Auch die AMC-Titel befinden sich noch deutlich unter ihrem Rekordstand: Anfang Juni waren sie vorübergehend auf über 70 Dollar gestiegen. Es ist bei Meme Stocks beinahe überflüssig zu erwähnen, aber zu beiden Unternehmen lagen keine Nachrichten vor, die diese starken Kursschläge fundamental erklären würden.

Gamestop-Aktie seit Jahresbeginn um 1.000 Prozent gestiegen

Auch beide Titel aktuell deutlich unter ihren Allzeithochs liegen – Anleger, die bereits zu Jahresbeginn investiert waren, konnten sowohl mit GameStop als auch mit AMC eine massive Rendite einfahren. Der GameStop-Aktienkurs lag mit Jahresende 2020 bei knapp 19 Dollar und ist seither um über 1.000 Prozent gestiegen. Bei AMC beläuft sich das Plus im bisherigen Jahresverlauf sogar fast auf 2.000 Prozent – der Kurs hat sich mehr als verzwanzigfacht.

Robinhood ist seit Ende Juli übrigens selbst an der Börse – und die Aktie hat in den ersten Handelswochen teilweise ebenfalls starke Kursschwankungen verzeichnet: Am ersten Handelstag fiel die Aktie zwischenzeitlich um rund 12 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar. Nur vier Tage später stand die dann schon bei 85 Dollar – nur um am Folgetag wieder auf 50 Dollar zurückzufallen. Am Dienstag ging die Aktie an der Nasdaq mit einem Plus von 9 Prozent bei 49,38 Dollar aus dem Handel.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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