05.06.2025
FINANZIERUNG

froots: Wiener WealthTech holt weitere 2,9 Mio. Euro

Das Wiener Startup froots verkündet wie jedes Jahr um die Zeit ein Millioneninvestment - das knapp größte bislang.
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Die beiden Gründer Dirk van Wassenaer und David Mayer-Heinisch | (c) Froots

2022 war es der 30. Mai, 2023 der 1. Juni, 2024 der 18. Juni und dieses Jahr ist es der 5. Juni. Das Wiener WealthTech-Startup froots scheint in der Kommunikation seiner Millioneninvestments auf eine gewisse Regelmäßigkeit zu achten. Die heute verkündete neuerliche Kapitalrunde über 2,9 Millionen Euro ist die knapp größte bislang. Schon 2022 und 2024 waren jeweils 2,5 Millionen Euro in das Unternehmen geflossen. 2023 waren es „nur“ 1,05 Millionen Euro.

Bekannte Investor:innen

Als Investor:innen holte sich froots im Laufe der Zeit einige bekannte Namen wie Ex-Erste-Chef Andreas Treichl, Skisprung-Legende Gregor Schlierenzauer, den Industriellen und Ex-IV-Präsidenten Georg Kapsch oder Durchblicker-Gründer Reinhold Baudisch. In der aktuellen Runde sind von den Bestandsinvestoren zumindest Treichl, Kapsch und die ehemalige Credit-Suisse-CEO Gina Goëss dabei, wie froots mitteilt.

Investieren für alle…

Als seine Vision gibt froots nach wie vor an, „langfristiges Investieren für alle zugänglich zu machen“ – also auch für nicht vermögende Menschen. „Wir glauben an Eigenverantwortung jedes Einzelnen und daran, dass Kapitalmärkte ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge sein müssen. Was fehlt, ist ein gesellschaftliches Umdenken – weg vom kurzfristigen Denken, hin zu nachhaltigem Vermögensaufbau“, meint dazu Gründer und CEO David Mayer-Heinisch.

…auch für Vermögende

Mittlerweile ist man beim Startup aber doch auch auf besser situierte Menschen als wichtige Zielgruppe gekommen. So wird das Produkt „froots Wealth“ für „vermögende Privatkund:innen ab 50.000 Euro“ vom Startup als „besonders bemerkenswert“ herausgestrichen und dabei „die steigende Nachfrage in diesem Segment“ betont. 2024 gelauncht setzt das FinTech hier unter anderem auf Portfolio-Analysen, Depot-Transfers und steueroptimierten Spezialfonds.

froots führte „technologischen Neustart“ durch

Das frische Kapital werde nun gezielt eingesetzt, um die Technologie auszubauen und das persönliche Serviceangebot weiter zu stärken, heißt es von froots: „Ziel ist es, die individuelle Betreuung auf ein neues Level zu heben und gleichzeitig das digitale Angebot spürbar zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung der User-Experience: Registrierung, Kundenportal, Reporting und Prozesse wurden komplett neu aufgesetzt – effizient, übersichtlich und wachstumsfähig.“ Mit inzwischen mehreren Tausend betreuten Kund:innen sei ein „technologischer Neustart“ notwendig gewesen, der nun das Fundament für die nächsten Schritte lege.

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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