17.08.2016

Die EU Kommission und ihre Regulierungen

EU-Reglementierungen befassen sich immer öfter mit Digitalisierung und Startups. Schon vor dem Bekanntwerden des neuen Richtlinienentwurfs für Messenger-Dienste wurde die geplante Aufhebung der Restriktionen für Sharing-Economy-Unternehmen heftig diskutiert. Und auch Steuerbestimmungen sind immer wieder ein Thema.
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(c) artjazz - fotolia.com: Die EU setzt auf neue Regelungen.

In den vergangenen Tagen sorgte eine Meldung der Financial Times für Aufregung: Die EU-Kommission plane, Messaging-Dienste wie Skype und Whatsapp strikteren Regulierungen zu unterwerfen, wie sie auch für herkömmliche Telekom-Anbieter gelten. Hauptsächlich gehe es dabei darum, strengere Sicherheits- und Vertraulichkeitsauflagen einzuhalten, berichtet die Financial Times. Ihr liegt der Entwurf der EU-Kommission zur Überarbeitung der Telekom-Richtlinien vor. Während es bislang kaum Regelungen für Internet-basierte Messaging-Dienste gab, sieht der Entwurf nun vor, zu regulieren, wie Geld mit Nutzerdaten verdient werden darf und wie die Anbieter mit Anfragen von Sicherheitsbehörden umzugehen haben. Offiziell soll der Entwurf im September präsentiert werden.

Redaktionstipps

Lockere Richtlinien für Sharing-Economy

Obwohl die Kommission im Telekommunikationsbereich also stark durchgreifen möchte, hat sie in anderen Branchen die Richtlinien gelockert. Im Bezug auf die Sharing-Economy soll ein Leitlinien-Katalog der Kommission strengen Restriktionen, wie es sie bisher in einzelnen Mitgliedsstaaten gab, einen Riegel vorschieben. Konkret bedeutet das, dass die Länder für Unternehmen wie den Fahrtendienst Uber oder die Wohnungsvermittlungsplattform Airbnb keine erschwerten Rahmenbedingungen schaffen dürfen. Drei Kritierien muss ein Unternehmen erfüllen, um durch die neuen Richtlinien geschützt zu sein: Die Firma muss Steuern zahlen, die Rechte der Verbraucher achten und Sozial- und Arbeistrechtsvorschriften beherzigen. Ziel des Leitlinien-Katalogs zur Sharing-Economy ist es, die neuen Geschäftsmodelle nicht zu benachteiligen.

Mehrwertsteur-Regelung für Startups problematisch

Für weniger gute Laune in der Startup-Szene sorgte hingegen eine Regelung aus dem Vorjahr. Diese sieht vor, dass Produkte im B2C-Bereich künftig dem Mehrwertsteuersatz des Landes unterliegen, in dem sie in Anspruch genommen werden. So soll verhindert werden, dass Einnahmen über Länder mit geringer Mehrwertsteuer abgewickelt werden. Für Startups und Kleinstunternehmen ist die dadurch entstehende Steuerbelastung aber ein erhebliches Hindernis in der Wachstumsphase.

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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