28.01.2022

Crypto Weekly #42: Warum die Lage jetzt anders ist als im Krypto-Winter 2018

Und die Situation ist auch anders als bei der Korrektur im vergangenen Mai. Außerdem diese Woche: Facebook gibt das Diem-Projekt auf. Und zwei große US-Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich.
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Bitcoin Crypto
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück. Wie immer starten wir auch die 42. Ausgabe mit einem Blick auf…

..die Kurstafel:

NameKurs7-Tages-Performance
BitcoinBTC36.300 Dollar-5%
EthereumETH2.400 Dollar-14%
Binance CoinBNB380 Dollar-9 %
SolanaSOL88 Dollar-26%
CardanoADA1 Dollar-14 %
XRPXRP0,60 Dollar-12 %
PolkadotDOT17 Dollar-20 %
DogecoinDOGE0,14 Dollar-8 %
TerraLUNA48 Dollar-35 %
UniswapUNI10 Dollar-30 %
Alle Daten sind von coinmarketcap.com und am Stand von Freitagnachmittag/Kursveränderungen gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche

Viel wurde bereits geschrieben über den Kurseinbruch am Kryptomarkt. Kurz zu den Fakten: Der Bitcoin-Kurs fiel am vergangenen Freitag von 41.000 auf unter 36.000 Dollar. Am Wochenende ging es weiter abwärts, der Tiefpunkt war dann Anfang dieser Woche mit etwas über 33.000 Dollar erreicht – der niedrigste Stand seit Juli. Danach stabilisierte sich der Kurs zumindest vorerst wieder. Die anderen großen Coins gaben teilweise noch deutlich stärker nach. Ether (Ethereum) fiel bis auf 2.100 Dollar. ADA (Cardano) steht aktuell bei rund einem Dollar, Solana bei weit unter 100 Dollar. ADA war im September noch bei über 3 Dollar, Solana im November bei knapp 260 Dollar gehandelt worden.

Der starke Kurseinbruch kam keineswegs aus dem Nichts – tatsächlich befindet sich der Markt ja bereits seit Ende November in einer Abwärtsbewegung. Besonders starke Abverkäufe gab es etwa Anfang Dezember oder zuletzt auch Anfang Jänner. Seit Wochen ist der Markt angeschlagen. In einem solchen Umfeld muss man jederzeit mit weiteren starken Kursrückgängen rechnen.

Investiert man in Krypto-Assets muss einem ohnehin bewusst sein, dass die hohe Volatilität in dieser Assetklasse dazugehört. Risiko und Rendite sind zwei Seiten derselben Medaille – und besonders hohe Renditen gehen im Regelfall auch mit hohem Risiko einher. Anfang des Vorjahres sind viele neu an Kryptomarkt gekommen. Diese Neulinge haben den Kryptowinter von 2018 natürlich nicht mitgemacht und sind teilweise auch mit der naiven Haltung an die Sache herangegangen, dass die Kurse immer nur steigen.

Im Mai des Vorjahres drehte die Stimmung deutlich. Der Abverkauf war vom Ausmaß her vergleichbar mit dem, was wir jetzt in den vergangenen Wochen ebenfalls gesehen haben. Insofern gilt auch hier: Selbst jene, die noch nicht so lang am Markt aktiv sind, sollten nicht überrascht sein.

Situation anders als im Mai…

Allerdings: Der nunmehrige Abverkauf unterscheidet sich durchaus von dem im Mai. Die Gründe damals waren hauptsächlich krypto-spezifisch: Der Markt war ohnehin schon heiß gelaufen – und dann sorgten auch noch Elon Musks Tweets und Chinas Vorgehen gegen Bitcoin-Miner für zusätzliche Unsicherheit. Das unterscheidet sich völlig von der derzeitigen Lage: Denn der jetzige Abverkauf hat eben keine krypto-spezifischen Gründe. Ganz im Gegenteil: Hier im Crypto Weekly wird seit Wochen auf den Gleichgang zwischen den internationalen Aktienmärkten und den Kryptokursen hingewiesen. 

Hatte zunächst das Aufkommen der Omikron-Variante für Unsicherheit gesorgt, war es zuletzt die US-Notenbank Federal Reserve, die in Reaktion auf die hohen Inflationsraten die Zinsen rascher anheben will als erwartet. Das bedeutet: Auch mit weniger riskanten Assets – wie Anleihen – kann man wieder bessere Renditen erreichen. Dies drückt nun die Kurse am Aktienmarkt – insbesondere bei Tech-Titel – und noch mehr bei Krypto-Assets.

Die Folge: Da die Gründe auf der Makro-Ebene liegen, müssen sie auch dort gelöst werden. Heißt: Viele hoffen, dass sich bei der nächsten Zinssitzung im März herausstellt, dass die Fed ihre Geldpolitik doch nicht so stark straffen wird wie derzeit angenommen. Gut möglich ist aber auch, dass sich am Markt die Erkenntnis durchsetzt, dass die Zinserhöhungen gar nicht so schlimm sind wie befürchtet. Anders als die ökonomische Theorie vermuten lässt, müssen Zinserhöhungen nicht notwendigerweise dauerhaft die Aktienkurse belasten. Zwischen 2015 und 2018 erhöhte die Fed beispielsweise neun Mal den Leitzins – ohne den Bullenmarkt am US-Aktienmarkt abzuwürgen.

…und auch anders als im Kryptowinter 2018

Eine andere historische Analogie wurde aber in den vergangenen Tagen immer wieder bemüht: Jene vom “Crypto Winter” 2018. Die Älteren werden sich erinnern, wir hatten 2017 eine größere Spekulationsblase am Kryptomarkt. Bitcoin stieg damals von rund 2.000 Dollar im Sommer auf fast 20.000 Dollar im Dezember. Damals drang das Thema Kryptowährungen erstmals in die breite Masse vor – und sehr viele Ahnungslose investierten in wertlose Coins oder in Initial Coin Offerings (ICOs), bei denen langfristig häufig ebenfalls nicht viel heraus schaute.

2018 platzte die Blase und es wurde ein schwieriges Jahr. Es ging am Markt monatelang kontinuierlich abwärts. Und als Ende des Jahres die meisten mental kapituliert hatten und sich damit abgefunden hatten, auf deutlichen Verlusten zu sitzen… ging es erst so richtig abwärts. Bitcoin war bis November auf 6.000 Dollar gefallen. Und dann halbierte sich der Kurs bis Dezember noch einmal – bis auf etwas 3.000 Dollar. Die Euphorie war totaler Ernüchterung gewichen – nicht nur, was die Preise angeht, sondern vor allem auch, was das wahrgenommene Potenzial von Blockchain-Anwendungen anging.

Heute ist das gesamte Ökosystem viel weiter. Die institutionelle Adaption von Bitcoin oder anderen Krypto-Anwendungen ist auf einem völlig anderen Niveau – und schreitet weiter voran. In der ICO-Bubble 2017 hatten die meisten Projekte nicht viel mehr als ein Whitepaper vorzuweisen. Heute haben wir zahlreiche Blockchains, auf denen dezentrale Anwendungen laufen und die auch tatsächlich real genutzt werden. 

Klar, wir sind noch immer einer sehr frühen Phase. Insbesondere beim Hype rund um Web3 und NFTs gibt es noch sehr, sehr viele Fragenzeichen. Signal-Gründer Moxie Marlinspike hat erst kürzlich einen vielbeachteten kritischen Artikel zu Web3 veröffentlicht – und die darin aufgeworfenen Kritikpunkte sind berechtigt. Decrypt-Redakteur Jeff John Roberts hat versucht, ohne größeres Vorwissen das “Play to Earn”-Spiel Axie Infinity auszuprobieren – er betitelte seinen Erfahrungsbericht mit “Web3 Is Not a Scam, But It Can Feel Like One”.

Dies sind nur zwei Beispiele für berechtigte Kritik, aber um es abzukürzen: Es ist, positiv ausgedrückt, noch viel zu tun. Und es wird auch hier viele Fälle geben, bei denen enorme Erwartungen wieder mit der Realität in Einklang gebracht werden müssen. Bei einigen Anwendungen wird man auch die Frage stellen müssen, ob es überhaupt sinnvoll ist, sie blockchain-basiert umzusetzen – oder ob dies nur geschehen ist, um auf einen Hype aufzuspringen.

Aber trotz allem: Wir sind nicht mehr in einer Situation wie 2018, als Krypto-Assets und Blockchain-Anwendungen grundsätzlich in Frage standen. Im Gegensatz zu damals geht kein ernstzunehmender Akteur in der Finanzbranche noch davon aus, dass Bitcoin wieder verschwinden wird. Vielmehr arbeiten heute zahlreiche Banken sowohl in Europa als auch in den USA daran, ihren Kunden und Kundinnen selbst Krypto-Assets anzubieten. Krypto ist als Assetklasse etabliert – zunehmend auch regulatorisch. In der EU wird für dieses Jahr die “Markets in Crypto Assets”-Verordnung (MiCA) erwartet. In Österreich tritt im März die Neuregelung der Besteuerung von Krypto-Assets in Kraft, die in einigen Punkten zwar kritikwürdig gestaltet wurde, dennoch aber Rechtssicherheit für die Branche bringt – und letztlich auch ein Ausdruck dessen ist, dass Krypto-Assets auch vom Gesetzgeber zunehmend ernst genommen werden. Es wird auch in Zukunft Auf- und Abs geben – sowohl bei den Kursen als auch bei der Adaption der Technologie. Aber wer die heutige Situation mit 2018 vergleicht, war damals wahrscheinlich noch nicht dabei.

Facebook gibt Stablecoin-Projekt Diem auf

Aber genug zur Einschätzung der aktuellen Situation. Kommen wir noch zu den Unternehmensnachrichten. Der in Meta umbenannte Facebook-Konzern gibt sein prestigeträchtiges Stablecoin-Projekt Diem offenbar auf. Wie Bloomberg und das Wall Street Journal diese Woche berichteten, sollen die bestehenden Assets für rund 200 Mio. US-Dollar als Silvergaste Capital verkauft werden. 

Das Projekt startete unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit im Jahr 2019 – damals noch unter dem Namen Libra. Geplant war, einen eigenen Stablecoin zu launchen, der an einen Korb mehrere größer Währungen gekoppelt ist. Von Behörden und Politik kam rasch scharfe Kritik. Mehrere prominente Mitglieder der damals gegründeten Libra Association stiegen daraufhin schnell wieder aus – etwa Stripe, Mastercard, Visa und PayPal. Facebook hielt an dem Projekt fest, benannte es Ende 2020 jedoch in Diem um.

Im Vorjahr verließen mehrere wichtige Diem-Manager das Unternehmen, insofern kommt die Entwicklung nun nicht völlig überraschend. Der Meta-Konzern arbeitet an anderer Stelle jedoch weiterhin an Krypto-Projekten: Im Dezember hat WhatsApp in den USA ein Pilotprojekt gestartet, bei ausgewählte Nutzer die hauseigene Novi-Wallet mit WhatsApp verbinden können und so Geld in Form des Stablecoins Pax Dollar (USDP) verschicken können. Instagram wiederum beschäftigt sich mit Anwendungsmöglichkeiten für NFTs.

FTX US nimmt 400 Mio. Dollar auf – kommt jetzt auch die Milliardenrunde von FTX selbst?

Schon im Dezember hatte das Magazin The Information berichtet, dass die Kryptobörse FTX rund um CEO Sam Bankman-Fried schon wieder an einer neuen Finanzierungsrunde arbeiten soll. Sie hatte im Juli eine Series-B-Runde in der Höhe von 900 Mio. US-Dollar kommuniziert und im Oktober ein Series-B1-Funding, bei dem weitere 420 Mio. Dollar aufgenommen wurden – zudem ar Runde vom Juli nachträglich um 100 Mio. auf 1 Mrd. Dollar erweitert worden. In dem Bericht war bereits davon die Rede gewesen, dass FTX dabei an einem gesonderten Investment für seinen US-Ableger arbeite.

So kam es nun auch: FTX US hat eine 400 Mio. Dollar schwere Series-A-Runde abgeschlossen. Die Bewertung liegt bei 8 Mrd. Dollar – und entspricht damit dem, was im Dezember vermutet worden war. FTX US ist erst im Vorjahr gestartet worden und hat nach eigenen Angaben 1,2 Mio. User. Der Bericht von The Information hat sich somit im Bezug auf FTX US bestätigt – bleibt noch die Frage, ob auch der Mutterkonzern selbst nun in den nächsten Wochen ein Investment kommunizieren wird. Laut dem damaligen Bericht könnte dieses im Bereich von über 1 Mrd. US-Dollar liegen. Bei der Bewertung sollen 32 Mrd. Dollar angepeilt werden.

Fireblocks holt 550 Mio. Dollar

 Noch etwas mehr Kapital hat Fireblocks aufgenommen. Das auf die Verwahrung von Krypto-Assets spezialisierte Unternehmen kommunizierte ein 550 Mio. Dollar schweres Investment. Das Scaleup befindet sich allerdings auch schon in einer späteren Phase, es handelt sich bereits um eine Series-E-Runde. Die Bewertung von Fireblocks wurde in der Runde mit 8 Mrd. Dollar festgelegt, womit es zu den am höchsten bewerteten Krypto-Unternehmen überhaupt gehört. Zudem hat sie sich gegenüber der jüngsten Runde vom Sommer 2021 fast vervierfacht. Angeführt wurde die Series-E-Runde von  D1 Capital Partners und Spark Capital. Genutzt wird die Infrastruktur von Fireblocks unter anderem von Crypto.com, Revolut, eToro oder BlockFi.



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Bybit-Payments-Chef Krick: „Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus“

Die Bybit Payments GmbH hat von der FMA eine E-Geld-Konzession erhalten und treibt damit den Ausbau des Wiener EU-Standorts voran. Im Interview erklärt Geschäftsführer Bernhard Krick, warum die Wahl auf Österreich fiel, was aus Bybit.eu werden soll und warum er eine Banklizenz nicht ausschließt.
/artikel/interview-bybit-bernhard-krick
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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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