02.07.2021

Crypto Weekly #16: Chinas Mining-Verbote – gar nicht so schlimm?

Die Diskussion über die Maßnahmen in China gegen das Bitcoin-Mining hält an. Binance hat Probleme in Großbritannien - oder doch nicht? Und weitere News von Robinhood, der Deutschen Börse, Morpher und anderen.
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Bitcoin-Mining
Foto: © Adobe Stock

Gut, beim Bitcoin-Kurs hat sich diese Woche nicht so viel Spektakuläres getan. Für Ethereum war es jedoch eine starke Woche. Und es gab eine ganze Reihe an interessanten News auf der Krypto-Branche. Wir starten unseren Wochenrückblick wie immer mit einem Blick auf…

…die Kurstafel:

NameKurs7-Tages-Performance
BitcoinBTC33.300 Dollar+/-0 %
EthereumETH2.070 Dollar+12 %
Binance CoinBNB280 Dollar-3 %
CardanoADA1,36 Dollar+3 %
XRPXRP0,64 Dollar+/-0 %
DogecoinDOGE0,24 Dollar-6 %
PolkadotDOT15 Dollar-1 %
UniswapUNI18 Dollar+7 %
Alle Daten sind von coinmarketcap.com und am Stand vom späten Freitagnachmittag / Kursveränderungen gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche

Nicht viel passiert bei Bitcoin, aber Ethereum stark

Den Absatz über die Kursbewegungen können wir diese Woche recht kurz halten: Es ist nicht ganz so viel passiert, zumindest nicht bei Bitcoin. Seit vergangenem Freitag bewegte sich der Kurs in einer Range von 30.184 Dollar (am Samstag) bis 36.541 Dollar (am Dienstag). Am Wochenende hatte er sich also wieder gefährlich der 30.000-Dollar-Marke angenähert. Allerdings: Unter diese war er ja schon in der Vorwoche kurzzeitig gefallen – ohne dass dies einen größeren Abverkauf ausgelöst hätte. Es bleibt bei Bitcoin also vorerst sommerlich-langweilig.

Für Ethereum hingegen waren es durchaus starke sieben Tage. Zunächst ging es am Samstag aber noch bis auf 1.719 Dollar nach unten. Ab Mitte der Woche war der Kurs jedoch zurück bei über 2.000 Dollar und konnte diese Marke dann auch halten. Ansonsten lagen die Kursveränderungen der größten Kryptowährungen auf 7-Tage-Sicht im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich – also nahezu unverändert für Krypto-Verhältnisse.

Diskussion über Bitcoin-Mining in China hält an

All jene, die schon länger im Krypto-Bereich unterwegs sind, wissen: Die jährliche „China verbietet Bitcoin“-Meldung gehört zum normalen Jahresverlauf wie Ostern oder Weihnachten. Klarerweise kam sie auch heuer wieder daher – und wurde häufig als einer der Gründe für die scharfe Korrektur am Bitcoin-Markt genannt. Meldungen über ein generelles Bitcoin-Verbot stellten sich, wie immer, als überzogen heraus. An einer anderen Front wurde es aber durchaus etwas ernster: Beim Mining. Die Maßnahmen der chinesischen Behörden etwa in der Provinz Sichuan drückten die globale Bitcoin-Hashrate deutlich, wie an dieser Stelle in der Vorwoche schon berichtet.

Aber ist das ein Grund zur Panik? Zumindest im Westen setzt sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass die Entwicklung letztlich sogar gut für Bitcoin ist: „In vielerlei Hinsicht ist es unterm Strich positiv für das Bitcoin-Ecosystem, wenn sich das Mining aus China heraus verlagert“, sagte etwa Michael Novograts, CEO der in Kanada börsenotierten Kryptofirma Galaxy Digital, diese Woche in einem Interview mit Bloomberg.

Auch Nic Carter, Partner bei Castle Island Ventures und eine der prominentesten Stimmen auf Krypto-Twitter, hat in den vergangenen Wochen immer wieder auf die positiven Aspekte hingewiesen: „Egal, ob es die USA sind oder andere Länder, die ihren Marktanteil am Mining auf Kosten von China steigern werden, wird es jedenfalls ein deutlicher Sieg für die Dezentralisierung von Bitcoin, die Stabilität des Minings und die Klima-Auswirkungen von Bitcoin sein“. Auf Bitcoin-Transaktionen oder Krypto-Börsen habe ein Mining-Verbot dagegen kaum Einfluss, schrieb Carter in einer Kolumne auf Coindesk.

In eine ähnliche Kerbe schlug auch Peter Smith, CEO von Blockchain.com: Chinas Maßnahmen gegen das Bitcoin Mining seien „eigentlich fantastische Neuigkeiten für das Bitcoin-Ökosystem“. Es werde nun zu einer Diversifikation der Mining-Betriebe rund um die Welt kommen. Diesen Trend habe man schon in den vergangenen beiden Jahren beobachten können, nun werde er sich noch beschleunigen, sagte Smith gegenüber Yahoo Finance. Auch ein kürzlich veröffentlichter Report von Bloomberg Intelligence weist darauf hin, dass die Maßnahmen zur Dezentralisierung beitragen und das Bitcoin-Netzwerk letztlich stärken würden – auch, weil US-Bundesstaaten wie Texas und Illinois aktiv bemüht seien, Miner anzulocken.

Binance hat Probleme in Großbritannien – oder?

Apropos Verbote. Wir bleiben gleich beim Thema. In die Schlagzeilen wegen eines Verbots – oder viel eher eines „Verbots“ – geriet diese Woche auch die Kryptobörse Binance. Die britische Financial Conduct Authority (FCA) hat in einer Stellungnahme vom Sonntag festgehalten, dass Binance Markets in Großbritannien keine regulierten Aktivitäten wie den Handel mit Krypto-Derivaten betreibe dürfe.

Der entscheidende Punkt dabei aber: Bei Binance Markets handelt es sich aber nur um die britische Unternehmenstochter – und Binance betonte rasch, dass diese rechtlich gesehen gar keine Dienstleistungen an Kunden in Großbritannien anbiete. Die Handelsplattform des Unternehmens würde von der internationalen Binance Group betrieben. Für britische Trader war sie daher, wie berichtet, weiter zugänglich.

Am Montag kam es dann jedoch zu Problemen, wenn Kunden Gelder einzahlen oder abziehen wollte – und zwar konkret, wenn sie dazu das System Faster Payments nutzten, berichtete die Financial Times. Binance gab dann bekannt, dass das System wegen Wartungsarbeiten ausgesetzt worden war. Am Dienstag war das Zahlungsservice tatsächlich wieder reaktiviert. Auch wenn die Auswirkungen der Episode vorerst überschaubar blieben – die Schritte der FCA sind ein Signal, dass Behörden Binance mittlerweile sehr genau im Auge haben.

Robinhood macht ein Drittel seines Krypto-Umsatzes mit Dogecoin

Probleme mit den Behörden wurden diese Woche auch bei Robinhood bekannt. Der Neobroker teilte am Mittwoch mit, wegen Verstößen im Umgang mit Kunden 70 Mio. Dollar Strafe zahlen zu müssen. Wohl nicht zufällig geschah dies einen Tag, bevor das Unternehmen offiziell seine Dokumente für den geplanten Börsengang einreichte. Die darin kommunizierten Geschäftszahlen dominierten dann die Schlagzeilen. Robinhood war im Geschäftsjahr 2020 erstmals profitabel. Im ersten Quartal 2021 setzte es jedoch einen Miliardenverlust. Die Details dazu gibt es in unserem Artikel.

An dieser Stelle daher nur kurz zu den für Krypto relevanten Inhalten: Rund 17 Prozent des gesamten Robinhood-Umsatzes stammten im ersten Quartal 2021 aus Krypto-Trades. Und ganze 34 Prozent dieses Umsatzes – oder 6 Prozent des gesamten Umsatzes – wurden mit der Meme-Kryptowährung Dogecoin (DOGE) generiert.

Was und ob es etwas über Robinhood und Krypto generell aussagt, dass ein Drittel des Umsatzes mit einer Kryptowährung ohne sinnvoller Funktion gemacht wurde, kann jeder für sich beurteilen. In den Dokumenten warnte Robinhood übrigens davor, dass es sich negativ auswirken werde, wenn Dogecoin zunehmend auch von anderen Handelsplattformen und Brokern angeboten werde. Der Wert der von Robinhood verwalteten Krypto-Assets belief sich Ende März übrigens insgesamt auf 11,6 Mrd. Dollar – nach 480 Mio. Dollar Ende März 2020.

Deutsche Börse zahlt dreistelligen Millionenbetrag für Krypto-Fintech

Auch einen interessanten Exit gab es diese Woche: Die Deutsche Börse übernimmt das Schweizer Fintech Crypto Finance AG – und legt dafür einen „moderaten dreistelligen Franken-Millionenbereich“ hin. 100 Mio. Schweizer Franken sind nach aktuellem Wechselkurs übrigens 90 Mio. Euro – ob es also auch in Euro ein dreistelliger Millionenbetrag ist, bleibt offen, aber um viel wird es jedenfalls nicht fehlen. Für die Summe gehen zwei Drittel des Unternehmens an den deutschen Börsenbetreiber. Die 2017 gegründete Crypto Finance AG bietet Handel, Brokerage und Verwahrung von mehr als 200 digitalen Assets an. Die Deutsche Börse will das Angebot in ihre etablierten Plattformen integrieren.

Institutionelle Investoren werden bei Bitcoin zurückhaltender

Die Nachfrage von institutionellen Investoren war einer der am häufigsten angeführten Kurstreiber hinter dem starken Anstieg bei Bitcoin seit dem Vorjahr – auch wenn oft unklar blieb, wieviel davon tatsächlich eine bereits höhere Nachfrage ausmachte und wieviel davon eher von der Hoffnung getrieben war, den Einstieg der Großanleger vorwegzunehmen.

Daten aus einem diese Woche veröffentlichten Report des Blockchain-Analyse-Unternehmens Glassnode deuten nun darauf hin, dass sich die institutionelle Nachfrage in den vergangenen Monaten abgeschwächt hat – teilweise schon vor der scharfen Korrektur im Mai. Die Analysten haben dazu die Entwicklungen beim Grayscale Bitcoin Trust (GBTC), bei zwei kanadischen Krypto-ETFs sowie die Kapitalzu- und abflüsse auf Coinbase unter die Lupe genommen. Ihre Ergebnisse gibt’s in unserem Artikel dazu.

Wiener Startup Morpher mit neuem Angebot für DeFi-Investoren

Über das Wiener DeFi-Startup Morpher, bei dem unter anderem Tim Draper investiert ist, haben wir im brutkasten schon häufiger berichtet. Das Unternehmen ist im vergangenen Sommer mit einer Trading-Plattform gestartet, auf der mittlerweile virtuelle Kopien von mehr als 700 Assets handelbar sind – von Kryptowährungen über Aktien bis hin zu Rohstoffen und Devisen. Die Plattform läuft dabei auf einer Sidechain der Ethereum-Blockchain.

Nun hat Morpher aber ein neues Angebot angekündigt, das den Zugang direkt über die Ethereum-Blockchain ermöglicht: Morpher DEX. Welchen Nutzen dieser Ansatz bringt und wie die DEX genau funktioniert, hat Morpher-Cofounder und CEO Martin Fröhler in unserem Interview erklärt.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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