03.04.2020

Die Auswirkungen von Covid-19 auf Startup-Bewertungen

Im Gastkommentar gibt Venionaire CEO Berthold Baurek-Karlic eine Einschätzung zur Auswirkung der Coronakrise auf das heimische Startup-Ökosystem.
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Interview mit Venionaire CEO Berthold Baurek-Karlic zur Umstrukturierung bei DealMatrix - Coronakrise, Covid-19 und Startup-Bewertungen
(c) Fabian Greiler: Venionaire CEO Berthold Baurek-Karlic

Die Coronakrise ist eine tiefe Krise. Wir werden uns auf einen langen und intensiven Venture Capital Winter vorbereiten müssen. Finanzierungen werden generell schwieriger und zu schlechteren Konditionen, also auch tendenziell mit schlechteren Startup-Bewertungen, am Markt angeboten werden. Höhere Ausfallsquoten oder ein neuer Trend zum Bootstrapping wird die neue Norm sein. Investoren und Venture-Analysten aus unserem Netzwerk prognostizieren, dass 25 bis 30 Prozent der größeren Startups in den kommenden sechs Monaten in große Schwierigkeiten kommen werden. Die Weltwirtschaft ist durch Covid-19 ins Wackeln gekommen und das wird für Startups in Folgewellen – nach dem Lock-Down – noch einmal deutlich spürbar werden.

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Frankreich und Deutschland legen vor – Österreich muss nachziehen

Die Regierungen von Frankreich (4,3 Milliarden Euro) und Deutschland haben Mechanismen zum Schutz von hoch bewerteten Startups vorgestellt. Sie zeigen damit der Welt, dass sie ein verlässlicher Startup-Standort sind und dass sie den Wert dieser Innovationstreibenden Unternehmer schätzen. In Österreich drohen Startups, die kumuliert über die letzten zehn Jahre Investitionen und staatliche Förderungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro erhalten haben, nun vor dem aus zu stehen. Wir drohen, zehn Jahre Entwicklung des Startup-Standorts zu verlieren.

Die bisherigen Rettungsmechanismen und Stützungsmaßnahmen sind gut, aber noch nicht perfekt. Wir kämpfen immer noch um zusätzliche Programme – gerade erst in den letzten Tagen wurde ein Positionspapier, welches von nahezu allen Marktteilnehmern mitgetragen und entwickelt wurde, mit ganz konkreten Vorschlägen an die Politik übergeben. Die Regierung in Österreich ist aktuell sicherlich Startup-freundlich eingestellt. Wir wissen, dass das Problem erkannt wurde und dass an einem Rettungsschirm fieberhaft gearbeitet wird.

Market-Sentiment: Stimmung geht durch Coronakrise stark zurück

Startup-Bewertungen – ein absolutes Spezialgebiet von Venionaire Capital (siehe Gratis-Bewertungsrechner) – sind eine echte Kunst, die auf Erfahrung, guten Daten und natürlich besonderen Modellen wie der First Chicago Methode oder der Venture Capital Methode basiert. Venionaire erhebt regelmäßig die Stimmung am Markt und versucht daraus das sogenannte „Market Sentiment“ abzuleiten. Die nachstehenden Zahlen und Berechnungen basieren auf der Rückmeldung einer solchen Erhebung von letzter Woche. Die Ergebnisse zeigen deutlich einen Rückgang der Marktstimmung. Die Umfrage wird nächste Woche erneut wiederholt.

Weniger Investoren sind bereit, zu investieren, und wenn sie es dennoch tun, würden sie wohl aktuell auf Discounts achten. Investoren und Schlüsselakteure der Branche konzentrieren sich auf ihr bestehendes Portfolio. Medial bereiten sie Startups und ihre Co-Investoren auf einen Abschwung vor –  siehe Interview mit Hansi Hansmann vom 27.3.2020. Die Bedingungen für Startups werden sich verschärfen, das ist sicher. Angebot und Nachfrage, sind aktuell in keinem gesunden Gleichgewicht. Die Nachfrage nach Kapital ist noch viel stärker im Überhang als üblich. Jene, die bereit sind, in der Krise zu investieren sucht man verzweifelt – auch wenn viele sagen das sie offen für Bewerber sind, häufen sich die Absagen bei unseren Schützlingen. Auf der anderen Seite geht Startups das Geld viel schneller aus, da sie teilweise dramatische Umsatzeinbußen verzeichnen. Business Angels sollten „White Knights“ sein, sie werden aber wohl in den nächsten Wochen eher als gierige Haie wahrgenommen werden – insbesondere, wenn es keine staatlichen Co-Investment-Vehikel oder Förderungen gibt, die privates Eigenkapital stark aktivieren.

Die Auswirkungen von Covid-19 auf die Startup-Bewertungen

Wir müssen vorsichtig sein mit Pauschalierungen. Einige Unternehmen verlieren und fallen in ihrem Business Case zurück (siehe „Scenario – Slow“), andere gewinnen (siehe „Scenario – Speed“) und einige bleiben stabil und treten auf der Stelle – sie verlieren keine Kunden, wachsen aber auch nicht – (siehe „Szenario – ZERO“). Die Gewinner profitieren von einer beschleunigten Marktakzeptanz. Innerhalb von nur drei Monaten werden so viele Kunden unter Vertrag genommen, wie ursprünglich für zwölf Monate erwartet.

Die Gewinner der Krise werden zusätzliche Einnahmen oder zumindest Sign-Ups von Freemium-Kunden verbuchen. Die Investoren werden die Verträge dieser Neuunterzeichnungen sorgfältig prüfen, da sie verstehen müssen, wie nachhaltig und langlebig diese Kundenbeziehungen sein werden. Echte Gewinner der Krise werden gesucht. Gründer sollten dennoch nicht übermütig werden. Die Konkurrenz ist stark und Investoren gibt es aktuell kaum. Wir müssen realistisch sein: Es werden im Vergleich zum letzten Jahr reduzierte Multiplikatoren bei den Startup-Bewertungen angewandt und auch schärfere Vertragskonditionen gefordert.

Unternehmen, die auf der anderen Seite hart getroffen werden haben aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten:

  • Sie schließen oder werden zu einem Zombie (was besser ist möge jeder für sich beurteilen) oder
  • sie erfinden sich neu und werden zu Helden.

Ich persönlich hoffe, wir sehen viele Helden, die die Hürden überwinden, die sie heute vor sich haben. Wir werden alles uns in der Macht Stehende tun, um zu unterstützen wo wir können, wenn man uns bezieht.

Mögliche Szenarien zu Startup-Bewertungen (Beispiele)

Wir haben eine oberflächliche Simulation gerechnet, um die Auswirkungen dieser Krise auf die Unternehmensbewertungen zu zeigen. In drei Szenarien, dem „Scenario – Base Case“ (ursprünglicher Plan des Startups), „Scenario – slow“ und ein „Szenario – speed“ zeigen wir, welchen Schaden Stillstand und Verlangsamung anrichten, aber auch wie ein paar gute Monate das Wachstum positiv beschleunigen.

Die zugrunde liegenden Annahmen sind hier wie folgt: Während des „Base-Case“-Szenarios haben wir eine 18-monatige Laufzeit (wir unterstellen, dass gerade eine Finanzierung stattgefunden hat) und ein Wachstum von zehn Prozent pro Monat („Monat auf Monat“ = 10 %). Als Gewinner der Krise – „Scenario – speed“ – werden drei Monate besonders stark ausfallen. Drei Monate nehmen wir ein Wachstum von je 30 Prozent und im vierten Monat von immerhin weiteren 20 Prozent an. Im „Scenario – slow“ sinken die Zahlen zwei Monate in Folge um je 30 Prozent und im dritten Monat um weitere 20 Prozent. Im „Scenario – ZERO“ gibt es kein Wachstum und keine Verluste, etwa aufgrund pausierender Serviceverträge.

Auswirkungen von Covid-19 auf Startup-Bewertungen - Szenarien
(c) Venoinaire

Auch bei Gewinnern ist Abschlag bei Startup-Bewertungen zu erwarten

Die obige Grafik zeigt, wie schnell Startups wieder Geld brauchen werden – bei einer Verlangsamung oder einem Ausfall der Umsätze muss sofort gehandelt werden, bei Stillstand sehr bald also binnen weniger Monate. Der Fundraising-Prozess dauert. Auch in Krisenzeiten ist mit wenigstens vier bis sechs Monaten zu rechnen, bis Geld am Konto ist. Die Zeit muss man erst einmal haben. Wenn man Rechts auf die Grafik schaut sieht man, dass sich die Startup-Bewertungen von Gewinnern aufgrund weniger starker Monate heute in 18 Monaten fast verdreifachen, während eine Verlangsamung zwei Drittel des Werts vernichten kann. Aufgrund der neuen Verhältnisse im Markt, ist selbst für gesunde oder gewinnende Startups / Scaleups aber ein Abschlag von 30 Prozent oder eine Kompensation durch härtere Vertragsbedingungen zu erwarten.

Viele „Zombie-Startups“

Es ist eine schwierige Lage für Gründer und keine schöne Situation für Fondsmanager, die ihre Startups natürlich nicht abwerten wollen. Ich bin mir bewusst, dass wir in eine heftige Diskussion und harte Verhandlungen laufen. Was mich wirklich beunruhigt, ist die Zahl der „Zombie-Startups“ (die überleben, aber nicht stark genug sind, um zu wachsen), die wir mit gutem Vorsatz produzieren werden. Startups werden ihrerseits gezwungen sein, extreme Einschnitte vorzunehmen. Talente werden freigesetzt. Die Firmen verlieren ihren Schwung. Investoren werden so viel geben wie nötig, aber nicht mehr. Bewertungen werden purzeln und Firmen immer unattraktiver für weitere Investmentrunden.

Bootstrapping wird die Folge sein, aber es werden kaum Venture Cases überleben, die international wettbewerbsfähig bleiben oder werden können. Ein „Zombie“ sei besser als eine Abschreibung, argumentieren viele – die Beurteilung überlasse ich jedem selbst. Ganz allgemein kann man sagen, dass ein sehr junges Unternehmen den schwenk auf Bootstrapping eher verdauen kann, als jene die bereits VC-Fonds an Bord haben und massiv auf Wachstum gesetzt haben. Bei zweiteren sind drastische Abwertungen und eventuell beschleunigte Exits zu erwarten.

Coronakrise als Chance nutzen, aufzuholen!

Die Frage ist, ob sich unsere Wirtschaft einen solchen Hammer für den Startup-Sektor leisten kann und will. Das Startup-Ökosystem könnte um zehn Jahre zurückgeworfen werden und der Standort Österreich würde darunter massiv leiden. Für eine vernünftige Zukunftssicherung unseres Landes ist auch ein starker Startup-Sektor unerlässlich. Die Regierung wird daher – so hoffe ich – Co-Investment Vehikel, Investitionsfreibeträge oder eine andere Form von Rettungsfonds analog zu den vorgestellten Mechanismen in Frankreich oder etwa Deutschland vorstellen.

Die nächste Generation der österreichischen Hidden Champions entsteht heute. Wir waren bis vor kurzem auf einem guten Weg und haben es langsam geschafft, international aufzuzeigen, dass auch in Österreich vieles möglich ist. Der jüngste Fonds von Speedinvest mit einem schönen Volumen, aber auch Anschlussfinanzierungen vieler Startups in zweistelliger Millionenhöhe sind hier wichtige Leuchttürme. Es wäre fatal, nun in der Coronakrise den Kopf einzuziehen und ein paar Schritte zurück zu machen – im Gegenteil, es wäre die Chance, jetzt aufzuholen und stärker zu agieren als andere Standorte. In diesem Sinne hoffe ich auf baldige News von unserer Regierung zu einem Mechanismus, der unsere größeren Startups absichert.


Zum Autor

Berthold Baurek-Karlic ist Gründer und Geschäftsführer der auf M&A und Venture Capital spezialisierten Firmengruppe – Venionaire, zu der u.a. auch die Beteiligungsgesellschaft MOTEC VENTURES und der Softwareanbieter DEALMATRIX gehören. Er ist darüber hinaus Gründer und Generalsekretär des Business Angel Institutes, Vorstand des European Super Angels Clubs, Expert Partner diverser Akzeleratoren und Berater verschiedener Venture Fonds, sowie Vorstand der Austrian Private Equity und Venture Capital Association, sowie externer Berater in den EU Programmen Horizon2020 (heute Horizon Europe) und Innovation Radar. Als leidenschaftlicher Blogger und Gastautor von der brutkasten schreibt er regelmäßig zu diversen Themen rund um Angel- und Venture-Investments, Startups, Startup-Bewertungen und Zukunftstechnologien.

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Bybit-Payments-Chef Krick: „Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus“

Die Bybit Payments GmbH hat von der FMA eine E-Geld-Konzession erhalten und treibt damit den Ausbau des Wiener EU-Standorts voran. Im Interview erklärt Geschäftsführer Bernhard Krick, warum die Wahl auf Österreich fiel, was aus Bybit.eu werden soll und warum er eine Banklizenz nicht ausschließt.
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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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