10.04.2025
KRYPTO-REGULIERUNG

Bitpanda holt nun auch erste vollständige MiCAR-Lizenz der FMA

Mehr als zwei Monate nach den zuständigen Behörden in Deutschland und Malta erteilt auch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) dem Wiener Krypto-Unicorn Bitpanda eine MiCAR-Lizenz.
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Bitpanda
Bitpanda Headquarter in Wien (c) Bitpanda GmbH

„Bitpanda holt sich zweite MiCAR-Lizenz (man braucht eigentlich nur eine)“ titelte brutkasten am 28. Jänner. Damals verkündete das Wiener Krypto-Unicorn den Erhalt der EU-„Markets in Crypto Assets Regulation“-Lizenz durch die zuständige Behörde in Malta (MFSA). Nur einen Tag zuvor hatte sich das Scaleup bereits eine solche von der deutschen BaFin gesichert.

Alle guten Dinge sind drei

Doch alle guten Dinge sind bekanntlich drei: Heute – mehr als zwei Monate später – erteilte auch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) Bitpanda eine MiCAR-Lizenz – laut Unternehmen die erste vollständige, die in der Alpenrepublik vergeben wurde. Womit das Scaleup logischerweise auch das erste Unternehmen ist, das Lizenzen in Deutschland, Malta und Österreich hält. Unbedingt notwendig wäre das freilich nicht gewesen – wie schon im Fall der maltesischen Lizenz. Schließlich ist es der Sinn der Sache, dass die Lizenz EU-weit gilt. Eine reicht also prinzipiell.

Drei MiCAR-Lizenzen mit drei verschiedenen Bitpanda-Gesellschaften

Ein reines „nice to have“ dürften die drei Lizenzen dann aber doch nicht sein. Denn das Scaleup hält diese nun mit drei verschiedenen Tochtergesellschaften der in der Schweiz sitzenden Bitpanda AG: der Bitpanda Asset Management GmbH in Deutschland, der Bitpanda GmbH in Österreich und der BP CA 23 Ltd. in Malta.

Demuth: „Zeigt klares und dauerhaftes Bekenntnis zu einem sicheren und konformen Umfeld“

Bitpanda sieht sich dadurch jedenfalls noch stärker bestätigt. „Schon vor MiCAR gehörten wir zu den am stärksten regulierten Krypto-Plattformen in Europa und hielten über zehn verschiedene Lizenzen. Heute setzen wir diesen Weg fort und wurden erfolgreich von drei Aufsichtsbehörden in drei Ländern geprüft. Das zeigt unser klares und dauerhaftes Bekenntnis zu einem sicheren und konformen Umfeld für unsere Kundinnen und Kunden sowie Partner“, wird Co-Founder und CEO Eric Demuth in einer Aussendung zitiert. Und Deputy-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad meint: „Mit unseren Lizenzen in Österreich, Deutschland und Malta sind wir optimal aufgestellt, um europaweit zu skalieren.“

Bohrn: „So ziemlich jeder bei Bitpanda war daran beteiligt“

Das Prozedere bei der FMA dürfte auch alles andere als trivial gewesen sein, wie Bitpanda-GmbH-Geschäftsführer Philipp Bohrn in einem LinkedIn-Posting nahelegt. Dazu habe es eine Neubewertung aller zu lizensierenden Komponenten und eine EU-weite Koordination der Aufsichtsbehörden gebraucht. „So ziemlich jeder bei Bitpanda war daran beteiligt, die drei Lizenzen in der EU zu erhalten und sicherzustellen, dass alle unsere Prozesse und Verfahren überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden“, so Bohrn. Nun wolle er „sehr kurz durchatmen“ und genieße einen Drink mit dem Team, bevor es wieder an die Arbeit gehe, schreibt der Geschäftsführer.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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