23.10.2025
JUBILÄUM

10 Jahre WU Entrepreneurship Center: Über 600 Startup-Teams wurden begleitet

Seit zehn Jahren gilt das WU Entrepreneurship Center als zentrale Anlaufstelle für Gründer:innen an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nun feierte das Team rund um Rudolf Dömötör sein zehnjähriges Jubiläum.
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(c) WU Wien

Vor zehn Jahren wurde an der Wirtschaftsuniversität Wien eine Initiative gestartet, die Studierende für Unternehmertum sensibilisieren sollte. Heute ist daraus ein zentraler Knotenpunkt des österreichischen Innovationsökosystems geworden: Das WU Entrepreneurship Center (WU EC) feiert sein zehnjähriges Bestehen – und blickt auf eine Dekade zurück, in der sich aus einem universitären Pilotprojekt ein international anerkannter Startup-Hub entwickelt hat.

Die Bilanz von zehn Jahren WU Entrepreneurship Center

Als das Center 2015 gegründet wurde, stand zunächst die Bewusstseinsbildung im Vordergrund – Studierende sollten verstehen, dass Unternehmertum keine ferne Vision, sondern ein realer Karrierepfad sein kann. Heute bietet das WU EC ein umfassendes Angebot, das von Inspiration und Kompetenzaufbau über Beratung und Inkubation bis hin zur Finanzierung reicht.

v.l. Rupert Sausgruber (Rektor der WU Wien), Rudolf Dömötör (Leiter des WU Entrepreneurship Centers) und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner beim Jubiläum des WU Entrepreneurship Centers | (c) WU Wien

Ein Meilenstein war der Start von WU Ignite Ventures im Frühjahr 2025 (brutkasten berichtete). Erstmals konnte die Universität junge Gründungsteams mit WU-Bezug auch finanziell unterstützen. Zum Jubiläum wurden die ersten beiden Investments – in constrct und NEXO – öffentlich kommuniziert (brutkasten berichtete). Damit möchte die WU eine Lücke zwischen akademischer Ideengenerierung und Frühphasenfinanzierung schließen, die in vielen europäischen Hochschulsystemen noch klafft.

Mehr als 4.000 Beratungsgespräche

Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Centers, zieht im Gespräch eine persönliche Bilanz: „Was uns verbindet, ist der Glaube daran, dass Unternehmergeist überall entstehen kann, wenn man Menschen Impulse, Freiräume und Netzwerke bietet.“

Laut offizieller Bilanz des WU Entrepreneurship Centers haben in den vergangenen zehn Jahren über 57.000 Teilnehmer:innen an Programmen und Events teilgenommen, 600 Startup-Teams wurden begleitet, mehr als 4.000 Beratungsgespräche geführt und 450 Mentor:innen und Expert:innen eingebunden. Zahlreiche Alumni, die heute als Gründer:innen aktiv sind, darunter Isabell Claus (thinkers.ai), Michael Beitl (Kern Tec) oder Nina Hödlmayr (Yodel.io), starteten ihre unternehmerische Reise an der WU.

Mit neuen Formaten wie dem IdeaLAB und der weiteren Skalierung von WU Ignite Ventures will das Team um Rudolf Dömötör nun die nächste Entwicklungsphase einläuten.

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Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly

„Es ist so ein bisschen der iPhone-Moment für das Familien-Whiteboard“, sagt Florian Ritter, Co-Founder des Grazer Startups Dæly, im Gespräch mit brutkasten. Gemeinsam mit Paul Truffner und Alexander Walliser hat der 26-Jährige ein digitales Wandgerät entwickelt, das die traditionelle Zettelwirtschaft in Haushalten ersetzen soll. Der 15,6 Zoll große Touchscreen fungiert als zentrales Organisationsmedium und soll verstreute Kalender, Einkaufslisten und To-Do-Anwendungen vereinen.

Die Organisation in vielen Familien sei nämlich auf bis zu acht verschiedene, teils digitale und teils analoge Werkzeuge verteilt, erklärt Ritter. Kinder besäßen oft noch kein Smartphone, weshalb Eltern Termine zwar digital im Google- oder Apple-Kalender pflegten, parallel aber einen analogen Wandkalender führten, damit der Nachwuchs sehe, wann etwa das Fußballtraining stattfinde. Diese fragmentierte Organisation führe zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag.

„Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System“

Um Abhilfe zu schaffen, führt das System verschiedene Datenquellen zusammen. „Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System, das für alle funktioniert“, erläutert Ritter. Die Gründer haben das Gerät systemagnostisch aufgebaut, sodass Nutzer Google-, Outlook- oder Apple-Kalender synchronisieren können. Dies löse ein häufiges Problem in Partnerschaften, in denen die Beteiligten oft unterschiedliche Kalendersysteme nutzten. Über eine kostenlose Begleit-App für iOS und Android lassen sich Einträge auch von unterwegs verwalten.

Neben der Terminplanung bietet das Gerät eine Aufgabenverwaltung, ein Punktesystem für Kinder sowie eine Einkaufs- und Essensplanung. Für Ritter ist klar: „Unser Ziel ist es, das beste Familienhaushalts-Managementsystem zu bauen, das es gibt.“ Die kontinuierliche Weiterentwicklung erfolge auf Basis des Feedbacks einer engagierten Nutzerschaft, wobei das System Software-Updates automatisch und kostenfrei aufspiele.

Hardware-Entwicklung ohne Investorengelder

Im konkreten Segment, in dem es mehrere internationale Player gibt, ist man bereits Marktführer im DACH-Raum. „Wir sind bereits bei mehreren Tausend Familien im Einsatz“, sagt Ritter. Dabei setzt so ein Hardware-Startup bekanntlich eine stabile finanzielle Basis voraus. Hier unterscheidet sich der Weg des Unternehmens von einigen im Technologiesektor üblichen Mustern: Dæly ist vollständig eigenfinanziert und bereits profitabel. Für die Entwicklung und den Start investierten die Gründer einen sechsstelligen Betrag aus eigenen Mitteln, die sie unter anderem durch ihr bestehendes E-Commerce-Unternehmen „Tassenliebling“ erwirtschaftet hatten. Der weitere Aufbau erfolge primär über eine Vorbestellungskampagne sowie den laufenden operativen Cashflow. „Wir können das richtig gut aus dem eigenen Cashflow heraus stemmen“, sagt Ritter.

Er sieht in diesem „Finance Based Scaling“ eine zentrale Stärke des jungen Unternehmens. Auf Risikokapital wolle das Team vorerst verzichten, um die Unabhängigkeit zu wahren. Die Bildschirme lässt das Startup wie branchenüblich in China fertigen. Ritter räumt dabei ein, dass eine Produktion in Europa wünschenswert wäre, dass jedoch die Kosten für das Endgerät, das aktuell 300 Euro kostet, massiv steigern würde.

Fokus auf den DACH-Raum und europäische Sicherheitsstandards

Trotz der Hardware-Fertigung in Asien legt das Unternehmen großen Wert auf europäische Sicherheitsstandards. Ein zentraler Aspekt des Produkts ist die bewusste Abgrenzung von US-amerikanischen Cloud-Diensten. Um die Privatsphäre der Familien zu schützen, betreibt das Unternehmen seine Server ausschließlich in Deutschland. Synchronisierte Kalenderdaten speichert das System laut Herstellerangaben nicht zwischen. Die technische Infrastruktur verzichtet bei der Datenspeicherung auf US-Anbieter wie Google Firebase, um die Einhaltung der DSGVO und europäischer Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Beim physischen Produkt setzt das Startup auf Nachhaltigkeit: Das Gerät verfügt über keinen Akku. Ritter begründet dies mit der höheren Energieeffizienz eines direkten Stromanschlusses und dem Umweltschutz durch die Vermeidung seltener Rohstoffe. Der feste Standort an der Steckdose sichere, dass das Gerät stets für alle Familienmitglieder auffindbar bleibe. In den kommenden Monaten liege der strategische Fokus des Teams ganz auf dem DACH-Markt. Eine weitere geografische Expansion behalte man sich für einen späteren Zeitpunkt vor.

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