17.10.2025
AUSGRÜNDUNGEN

WU Ignite Ventures verkündet die ersten beiden Beteiligungen

Im Juni gab die WU Wien den Start ihrer eigene Beteiligungsgesellschaft WU Ignite Ventures bekannt. Heute vermeldet man die ersten beiden Beteiligungen.
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Andreas Boué, Markus Aumer, Monique Schlömmer, Ewan Rothenwänder, Johanna Reinedahl, Rudolf Dömötör, Harald Badinger und Martin Wagner | Foto: Fiona Pranner

Im Juni dieses Jahres wurde es offiziell: Die Wirtschaftsuniversität Wien startete ihre eigene Beteiligungsgesellschaft WU Ignite Ventures. Damals sprach man von Investitionen bis zu 50.000 Euro in Spin-offs, „die noch ganz am Anfang stehen“ – brutkasten berichtete.

Neben Rudolf Dömötör, dem Leiter des Entrepreneurship Centers der WU Wien, sitzt auch WU-Vizerektor Harald Baldinger in der Geschäftsführung der neuen Venture-Gesellschaft. Heute hat man erstmals die Beteiligung an zwei WU-Spin-offs verkündet.

Hokify als Vorbild

Bereits zum Start im vergangenen Juni nahm man sich erfolgreich ausgegründete Startups der WU Wien zum Vorbild – so unter anderem das HR-Startup Hokify. 2015 war Hokify als Spin-off aus der WU hervorgegangen, im Jahr 2024 kam es zum Exit an karriere.at – brutkasten berichtete.

Die Spin-offs, die von WU Ignite Ventures unterstützt werden, bekommen zunächst ein Investment von 25.000 Euro. In weiterer Folge kann die gleiche Summe noch „nachgeschossen werden“. Das ganze erfolgt in Form eines SAFE – kurz für Simple Agreement for Future Equity.

Dabei handelt es sich um ein Beteiligungsinstrument, bei dem das Kapital bei einem „Trigger-Event“ wie etwa einer Investmentrunde, in Anteile umgewandelt wird. Eine ausführliche Erklärung dazu findet sich hier. Das Budget dafür kommt von der WU Stiftung, die hundertprozentige Eigentümerin von WU Ignite Ventures ist.

Bis zu 8 Tickets je 50.000 Euro

Im Juni sprach man von sechs bis acht geplanten Investments pro Jahr, wobei ein Ticket bis zu 50.000 Euro umfassen kann. Voraussetzung zur Aufnahme in das Portfolio ist „ein klarer WU-Bezug im Gründungsteam“, also Studierende, Alumni oder Faculty. Heute vermeldet die Beteiligungsgesellschaft die Vergabe der ersten beiden Tickets an die Startups constrct und Nexo.

Wiener Startup constrct als WU-Technikum-Merge

Das Wiener Startup constrct entwickelt eine digitale Plattform für die Beschaffung und Koordination von Baumaterialien in der gewerblichen Bauwirtschaft. Ziel ist es, die bislang stark fragmentierten Prozesse entlang der Lieferkette zu vereinfachen, zu automatisieren und ESG-Daten nutzbar zu machen.

Gründer Michael Ramel ist Absolvent des WU-Masters Supply Chain Management. Co-Founder ist Christoph Oswald, der als Softwareentwickler aus der FH Technikum Wien hervorging.

Auch Rhomberg Ventures an Bord

Constrct hat nicht nur die Finanzierung durch WU Ignite Ventures zu vermelden: Das WU Entrepreneurship Center konnte das Startup außerdem zu Rhomberg Ventures, dem Investmentarm der Rhomberg Bau Gruppe, vermitteln. Rhomberg wird sich als strategischer Co-Investor einbringen.

„Der Austausch mit dem Team von WU Ignite Ventures war von Anfang an hilfreich – und hat den nötigen Funken gezündet, um unser Vorhaben weiter voranzutreiben. Besonders in der frühen Phase ist es viel wert, Partner an Bord zu haben, die nicht nur Kapital, sondern auch Vertrauen und ein starkes Netzwerk mitbringen“, wird Co-Founder Ramel in einer Aussendung zitiert.

Oliver Tabarelli de Fatis, Christoph Oswald, Michael Ramel, Harald Badinger und Rudolf Dömötör | Foto: Fiona Pranner

Startup Nexo als MedTech im Portfolio

Das zweite erste Portfoliounternehmen von Ignite Ventures ist Nexo. Das Startup entwickelt ein zum Patent angemeldetes Exoskelett für orthopädische Rehabilitation. Die beiden Co-Founder:innen, Ewan Rothenwänder und Johanna Reinedahl, verfolgen das Ziel, Behandlungen effizienter zu gestalten und therapeutische Kapazitäten in Rehazentren zu entlasten.

Die Nexo-Lösung integriert KI-gestützte Prozesse und ein „nachhaltiges Herstellungsverfahren“. Laut WU Ignite Ventures sei die Lösung „skalierbar“ und „zukunftsorientiert“ und könne in medizinischen Einrichtungen zur Kapazitätsentlastung eingesetzt werden.

Co-Founder Rothenwänder wurde bereits beim Wettbewerb Jugend Innovativ 2023 ausgezeichnet. Johanna Reinedahl ist WU-Absolventin. Sie sagt: „Es motiviert, wenn eine Institution wie die WU nicht nur Gründung fördert, sondern selbst den unternehmerischen Funken entzündet und in Ideen investiert.“

Andreas Boué, Markus Aumer, Monique Schlömmer, Ewan Rothenwänder, Johanna Reinedahl, Rudolf Dömötör, Harald Badinger und Martin Wagner | Foto: Fiona Pranner

„In sensibelster Phase unterstützen“

„Unser Ziel ist es, vielversprechende Startups in ihrer sensibelsten Phase zu unterstützen – mit Kapital, Know-how und Zugang zu einem starken Netzwerk. Die beiden Investments unterstreichen die Bedeutung von gezielter Frühphasenfinanzierung, um technologische und unternehmerische Kompetenzen zu fördern und zur vollen Entfaltung zu bringen“, meint Entrepreneurship-Center-Leiter Rudolf Dömötör. „Damit schaffen wir eine strukturierte Grundlage für die strategische Frühphasenfinanzierung von WU-Spin-offs“, fügt Vizerektor Harald Baldinger hinzu.

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fluctus, aws
© fluctus - Anna Kurpierz und Christian Sattlecker von fluctus.

Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.

fluctus mit End-to-End

„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.

Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.

„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“

Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.

Wettbewerb steigern

„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“

Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.

„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“

Zielgruppen von fluctus

Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.

Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.

Hürden überwunden

Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“

© fluctus – Das fluctus-Team.

Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.


Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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