Christian Kern über die Kapitalmarktunion und Wettbewerbsfähigkeit Europas

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Was bremst Europas Wettbewerbsfähigkeit – und wie kommt der Kontinent wieder auf Kurs? Am Rande des European Forum Alpbach 2025 spricht Christian Kern, Vizepräsident des Forums, über die nächsten Schritte für eine echte Kapitalmarktunion und über Europas strategische Handlungsfähigkeit in einer angespannten Geopolitik.

Als CEO der European Locomotive Leasing (ELL) bringt Kern zudem die Sicht der Bahnbranche ein: von kostspieligen und langwierigen Zulassungen bis zu fehlender Interoperabilität quer durch Europa – und warum gemeinsame Standards kein “Nice-to-have”, sondern ein Standortfaktor sind. Das Interview haben wir im Rahmen eines Side-Events von Gerstbauer Strategic auf der Böglalm geführt.


Um diese Themen geht es beim Video-Talk

Kapitalmarktunion und Binnenmarkt

  • Europa verschenkt Potenzial durch 27 nationale Regulierungsregime im Finanzsektor.
  • Laut Draghi-Report wirken die Fragmentierungskosten wie 110 % Zölle auf Dienstleistungen und 45 % auf Produktion – das müsse weg.
  • Appell: Hausaufgaben im Binnenmarkt erledigen statt über externe Faktoren zu klagen.

Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit

  • Neben der Kapitalmarktunion braucht es eine europäische Verteidigungsunion.
  • Arbeitsteilung statt nationaler Alleingänge (Luftabwehr, Flotten, Panzer), um Europas Sicherheit bezahlbar zu machen.

Bahnsektor: Interoperabilität und Zulassung

  • Kritik an „sinnloser Nationalstaaterei“: fehlendes einheitliches Zugsteuerungssystem bremst grenzüberschreitenden Verkehr.
  • Folge: Züge brauchen unterschiedliche Hard-/Software an Grenzen – „so absurd, als bräuchte ein Auto mehrere Betriebssysteme“.
  • Zulassung: Eine Lokzulassung sei extrem langwierig und teuer (im Schnitt mehrere hundert Millionen Euro, Jahre an Verfahren).

Regulierung, Investitionen und Produktivität

  • Regulierung ist Thema – entscheidend sind aber investive Lücken.
  • Seit 2009 haben die USA öffentliche Investitionen vielfach höher getätigt; Europas Wachstum und Produktivität liegen nur bei rund einem Drittel des US-Niveaus.
  • Warnung: Ohne Produktivitätszuwächse gerät die soziale Infrastruktur (Schulen, Krankenhäuser, Pflege) unter Druck.

Innovation und Strukturwandel

  • Europa hinkt bei der Dienstleistungs- und Digitalwirtschaft (Plattformen, Datenökonomie) hinterher.
  • Notwendig sind unangenehme Entscheidungen und eine Umlenkung von Investitionen in Zukunftsbereiche.
  • Beispiel China: PV, Wind, Batterien, E-Mobilität – in Europa erfunden, anderswo schneller skaliert.

Strategische Zukunftsfelder

  • IT-Infrastruktur und künstliche Intelligenz brauchen Priorität und Skalierung.
  • Ziel: Von der Fragmentierung zu gemeinsamen europäischen Standards – für mehr Wettbewerbsfähigkeit und schnelleres Skalieren.

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