10.12.2021

Für jeden etwas dabei: Weihnachtsgeschenke österreichischer Startups

Wer noch Weihnachtsgeschenke für Freunde und Familie sucht, kann dabei auch heimische Startups unterstützen. Hier eine kleine Auswahl spannender Produkte.
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wunschbox Startup-Weihnachtsgeschenke 2021
(c) Adobe Stock - imynzul

Nicht wenige Menschen sind „schwer zu beschenken“. Kein Wunder: Die meisten haben schon alle für sie erschwinglichen Produkte, die sie haben wollen. Diese sind ja schließlich stets nur ein paar Klicks entfernt. Was aber, wenn die zu beschenkenden von etwas noch nicht wissen, dass sie es haben wollen, weil sie es noch nicht kennen? Hier kommen Startups ins Spiel. Sie haben innovative Produkte, die noch nicht jeder kennt, die aber vielleicht ganz genau das richtige für Familienmitglieder und Freunde sind. Hier haben wir eine Auswahl potenzieller Weihnachtsgeschenke von österreichischen Startups zusammengestellt, die der brutkasten-Redaktion dieses Jahr aufgefallen sind – ganz ohne Vollständigkeitsanspruch.


1. Günstige Startup-Weihnachtsgeschenke

Will man viele Menschen beschenken, will und kann man oft nicht allzu viel Geld pro Geschenk ausgeben. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von kleinen aber feinen Produkten heimischer Startups, die sich als Weihnachtsgeschenke eignen. Hier ein paar Beispiele:

Badala: Abenteuer im Karton

Wir machen den Start unserer Weihnachtsgeschenke-Liste mit einer Kleinigkeit für die ganz Kleinen. Nicht nur Katzen spielen gerne in und mit Kartons. Damit diese auch für Kinder längere Zeit spannend bleiben, bietet das Wiener Startup Badala Sticker-Sets, mit denen aus der Schachtel schnell eine Rakete, ein Backrohr oder ein Rennwagen wird.

Preis: Sticker-Sets für €8 und €15 (es gibt auch größere Pakete)

Badala
(c) badala

Pferdeapfel: Ein Kack-Geschenk für den grünen Daumen

Eine etwas andere Art von Geschenk, bietet das Startup Pferdeapfel: Dabei handelt es sich um Bio-Dünger aus Pferdemist. Den Dünger in Pellets-Form gibt es in drei verschiedenen Ausführungen: geruchsneutral bzw. mit zugesetztem Lavendel-Duft für Zimmerpflanzen und vermengt mit Brennnessel-Dünger für den Garten. Über Gärtnereien und den Fachhandel bietet Pferdeapfel verschiedene Packungsgrößen von 200 Milliliter bis zu fünf Liter an.

Preis: €4 bis €14

markta: Regionales für Gourmets

Eine ganze Reihe an möglichen Weihnachtsgeschenken bietet Markta, der Online-Shop für regionale Produkte aus Wien. Neben vom Startup zusammengestellten Paketen mit Namen wie “Genuss-Packerl” und “Naschkatzen-Packerl” gibt es etwa auch Punsch-Mischungen, diverse regionale Alkoholika und natürlich – ganz klassisch – Gutscheine zu kaufen.

Preis: ca. €10 bis ca. €50

privatec: Gimmick für Privacy-Verfechter (mit iPhone)

In der Straßenbahn, im Flugzeug oder im Zug soll das iPhone-Schutzglas privatec ab 45 Grad Blickwinkel einen Sichtschutz gegen spechtelnde Blicke bieten. Und es kommt dabei als „2-in-1 Sicht- & Bruchschutzfolie“ daher.

Preis: €18

Ainstein: Magnet-Baukasten aus Wien

Bauen in alle Richtungen: Ainstein aus Wien will mit seinen Magnetklötzen Kindern grenzenloses Konstruieren ermöglichen. Man muss beim Zusammensetzen der patentierten Bausteine auf keinerlei Richtung oder vorgegeben Muster achten, da sich die Magneten in den Bauklötzen immer und aus jeder Richtung anziehen.

Preis: Sets zwischen 10 und 40 Euro

Weihnachtsgeschenke, Ainstein
(c) Gerry Frank – Ainstein

Impactory: Schenken für den guten Zweck

Die meisten gemeinnützigen Organisationen verkaufen vor Weihnachten Gutscheine. Das besondere am Spendengutschein des Wiener Social Startups Impactory: Beschenkte können sich aussuchen, an welche Organisationen sie den Betrag spenden wollen. Und Schenkende können sich natürlich aussuchen, welches Volumen der Gutschein haben soll – mehr geht immer.

Preis: beliebiger Betrag (Standardisierte Gutscheine ab €10)

brutkasten PRO: ein Package wie Weihnachten und Ostern zusammen

Nur ausnahmsweise ein Schnäppchen dank Weihnachts-Special ist derzeit brutkasten PRO für €24,12 statt €99,99. Darin enthalten sind Print Abos vom brutkasten-Magazin (2 mal im Jahr) und StartingUp (4 mal im Jahr), unsere brutkasten PRO Perks, Zugang zur Startup Datenbank und exklusive Newsletter.

Preis: €24,12

Jetzt bestellen:


2. Startup-Weihnachtsgeschenke bis 100 Euro

Wir kommen zur nächsten – bei Weihnachtsgeschenken vielleicht üblichsten – Preisklasse. Auch im Bereich zwischen rund 25 und 100 Euro (mit Abweichungen nach unten und oben bei einzelnen Artikeln) gibt es spannende Produkte heimischer Startups für alt und jung und unterschiedliche Interessen. Hier wieder eine kleine Auswahl:

Build & Putt: Golf für den Tisch

Golf am Couch- oder Küchentisch: Bis zu vier Personen können die Bahnen von Build & Putt aus einzelnen Holzbausteinen zusammensetzen. Im Anschluss geht es darum, wer die färbigen Kugeln (Golfbälle) mit möglichst wenigen Schlägen in das Ziel bringt. Neben einem kleinen Holz-Putter funktioniert das auch mit der eigenen Puste oder den Fingern. Erweiterungsmodule sollen zudem dafür sorgen, dass das Spiel auch noch nach längerer Zeit interessant bleibt.

Preis: Sets zwischen €15 und €140

(c) Build & Putt

Bioblo: Erstaunlich vielseitige bunte Bausteine

Bioblo aus Tull produziert bunte Spiel- und Konstruktionssteine mit einer Wabenform. Sie bestehen zu 60 Prozent aus Holzspänen, die aus der heimischen Forstwirtschaft stammen, und zu 40 Prozent aus Recyclingkunststoff und sind mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Mit den immer gleichförmigen Steinen kann man erstaunlich vielseitige bunte Bauwerke bauen.

Preis: Sets zwischen €17 und €290

Xolaro ist ein improvisierten Schattenspender. De bogenförmige Zelt-Konstruktion kann an Liegen befestigt, oder über Heringe auch im Boden fixiert werden. Sogar an Kajaks soll man Xolaro anbringen können, meint der Erfinder. Durch die offene Form könne es zu keinem Hitzestau kommen. Gleichzeitig sei Xolaro aber weit weniger anfällig für Windböen als Sonnenschirme und Sonnenmuscheln und halte einer Windgeschwindigkeit bis zu 26 km/h mühelos stand.

Xolaro: für Sonnen-empfindliche Outdoor-Freunde

Preis: Je nach Modell €50 bis €90

Xolaro: So sieht der Sonnenschutz in Aktion aus
(c) Xolaro: So sieht der Sonnenschutz in Aktion aus

TeamClimate: ein Abo für Leute, die wirklich nichts materielles wollen

Mit dem Klimaabo des Wiener Startups Team Climate kann man per monatlicher Zahlung einen oder mehrere durchschnittlichen CO2-Fußabdrücke, bzw. den individuell berechneten eigenen Footprint, über die Unterstützung von Projekten kompensieren. Das soll es jedem Menschen ermöglichen, klimaneutral zu leben. Das Klimaabo kann auch verschenkt werden.

Preis: € 9,21 pro Monat (durchschnittlicher CO2-Fußabdruck)

Eddi Bike: Susi Sorglos für Radfahrer:innen

Seit diesem Jahr bietet das Wiener Startup Eddi Bike das erste Fahrradabo der Bundeshauptstadt. Nutzer:innen zahlen im monatlich kündbaren Abo eine fixe Gebühr und bekommen ein Fahrrad vor die Haustür geliefert, das sie für die Dauer des Vertrags behalten können. Wartung, Reparatur und etwaigen Ersatz bei Diebstahl übernimmt das Startup – und zwar innerhalb von 48 Stunden. Das Abo gibt es auch als Geschenkgutschein zwischen einem und zwölf Monaten.

Preis: Gutscheine für €30 (ein Monat) bis €250 (12 Monate)


Größere bis ganz große Startup-Weihnachtsgeschenke

Darüber, wie viel man für Weihnachtsgeschenke ausgeben sollte, scheiden sich die Geister. Bei den Allerliebsten kann es jedenfalls schon einmal ein bisschen mehr sein. Auch in der höheren und hohen Preiskategorie zwischen Hundert und ein paar Tausend Euro gibt es spannende Produkte heimischer Startups. Hier ein paar Anregungen:

Herr Michl: Tasche für fotografische Schnellschüsse

Um den Wort „Schnappschuss“ gerecht zu werden, hat das Startup Herr Michl eine Tasche erfunden, die es ermöglicht den eigenen Fotoapparat flugs herauszuziehen. Die Kameratasche besteht aus PET-recyceltem Filz, bei der der Gurt der Tasche zugleich der Gurt der Kamera ist. Durch dieses Design soll es möglich sein, die Kamera mit nur einer flüssigen Bewegung flott aus der Tasche zu ziehen.

Preis: €100 bis €240

Fauna: Eine Brille zum Hören

Die Tochter des Grazer Mikrolautsprecher-Unternehmens USound legt mit ihrer Brille den von ihr produzierten Klang über die Geräusche der Umgebung und wahrt so die Privatsphäre des Nutzer. Dadurch werden eigenen Angaben nach Audio-Streuverluste reduziert und alleine der Träger Hören den Klang aus der Brille. Die Audio-Brille mit eingebauten MEMS-Lautsprechern kann Audio-Dateien von jedem Bluetooth-Gerät reproduzieren. Und verfügt über eine Freisprech-Funktion für Telefonate, die nur vom Träger der Audio-Brille akustisch wahrgenommen werden kann.

Preis: €200

Fauna Brille
(c) Fauna

Robo Wunderkind: Wenn Kinder Technologie Lernen

Einen Stammplatz in brutkasten-Weihnachtsgeschenke-Listen hat dieses außergewöhnliche Spielzeug. Die Bausätze samt Software von Robo Wunderkind aus Wien sollen bereits kleine Kinder spielerisch an Robotik und Programmieren heranführen.

Preis: Sets zwischen €100 und €400

easygarage: für Leute, die ihr Motorrad lieben, aber keine Garage haben

Das Startup easyGarage entiwckelt komplett verschließbare PVC-Schutzhüllen für den Winter, in der Autos, Motorräder und Oldtimer trocken und sicher gelagert werden sollen. Ein wasserfester Reißverschluss kreiert dabei eine abgeschlossene Atmosphäre – wieder verwendbare Trockenbeutel sollen im Inneren für eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit sorgen und gegen Rost und Schimmel optimale Lagerbedingungen schaffen.

Preis: €299 (für Motorräder – Autoversion um €599 noch nicht verfügbar)

Neutos: Ein Ökosystem in der Lampe

Neutos ist ein Hybrid aus autarkem Ökosystem für Pflanzen und klassischer Standlampe. Es ist ein sich selbst versorgendes Arrangement aus lebenden Pflanzen und Mikroorganismen, in einem hermetisch versiegelten Glaskörper eingebettet. Das im Innenraum des Glaskörpers befindliche Wasser erwärmt sich, verdampft, kondensiert und regnet wieder ab. Blätter der Pflanzen sprießen, gedeihen, sterben ab, fallen zu Boden, und werden dort von den Mikroorganismen (den sogenannten Destruenten) in ihre Bestandteile zersetzt. Diese werden letztendlich über den Boden von den Pflanzen als Nährstoffe wieder aufgenommen. Analog den Wasser- und Nährstoffkreisläufen unseres blauen Planeten.

Preis: €975

Keine Fotobeschreibung verfügbar.
(c) Neutos

Vello Bike: Ein Klappbarer Bobo-Rad-Traum

Seit 2017 will Vello Bike aus Wien mit seinen besonders leichten Klapprädern in perfekter Bobo-Ästhetik punkten. Diese gibt es in konventioneller und Elektroausführung. Für jene, denen die Räder ab 1.600 Euro (konventionell) bzw. ab 3.000 Euro (E-Bike) als Weihnachtsgeschenk preislich doch etwas zu weit gehen, gibt es im Shop des Startups noch andere Produkte, wie faltbare Fahrradhelme für 100 Euro.

Preis: Zubehör ab €20; Räder ab €1600


Noch immer nicht genug Startup-Weihnachtsgeschenke?

Dann haben wir für dieses Geschenk-Jahr einen letzten Tipp für euch: Wer noch etwas weiterstöbern will, findet auf der Seite 42things (bis vor kurzem shöpy) eine große Menge an Startup-Produkten aus Österreich und anderen europäischen Ländern.

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v.l.n.r.) Sergio Rodríguez, Alejandro Huenich und Günter Winkler beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026" am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Millionenbudgets, erfahrene Business Developer und am Ende trotzdem kein einziger Abschluss: An diesem Muster scheiterten japanische Medizintechnik-Unternehmen immer wieder bei ihren Expansionsversuchen in die USA. „Zu Decoto kamen Unternehmen, die zuvor Millionen in ihr Business Development in den USA investiert und ihre besten japanischen Mitarbeiter dorthin geschickt hatten und nach zwei oder drei Jahren trotzdem keinen Umsatz erzielen konnten“, erzählt Alejandro Huenich im Gespräch mit brutkasten.

Aus genau dieser Beobachtung heraus gründete Sean Yoshikawa vor rund vier Jahren Decoto International in Tokio: als Antwort auf Handelshemmnisse, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, an denen die Internationalisierung von MedTech-Unternehmen häufig scheitert.

Huenich, der zuvor in der österreichischen Blockchain-Szene aktiv war, stieg später als Co-Founder ein. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits Jahre zuvor bei einer Startup-Live-Veranstaltung in Österreich, an der Yoshikawa auf Einladung der WKO teilgenommen hatte. In die Medizintechnik kam Huenich zunächst ohne Branchenerfahrung: Innerhalb von 48 Stunden erhielt er zwei voneinander unabhängige Anfragen aus dem MedTech-Bereich, neben Yoshikawas Anruf auch eine Vermittlung zum Wiener Medizintechnik-Unternehmen Aurimod. „Das Universum hat mir innerhalb von 48 Stunden gleich zweimal MedTech auf den Tisch geknallt“, sagt Huenich.

Seit Jänner 2026 führt Huenich Decoto als Geschäftsführer und hat die Marke übernommen. Gründer Yoshikawa ist aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, begleitet das Netzwerk jedoch weiterhin punktuell beratend. Eine spätere Rückkehr bleibt offen.

Mit dem Wechsel an der Spitze kam auch eine strategische Neuausrichtung: „Ich habe Decoto stärker europäisch ausgerichtet“, sagt Huenich. Graz soll künftig als „Gateway to Europe“ dienen und internationalen MedTech-Unternehmen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern. Gleichzeitig bleibt das globale Modell bestehen: Partner in Mexiko öffnen den Zugang zu Lateinamerika, das Netzwerk in Japan zu Südostasien, weitere Partner decken Europa und die USA ab.

Ein Netzwerk ohne Angestellte

Decoto ist in mehr als elf Ländern aktiv, mit Schwerpunkten in Südostasien, Japan, Korea, den USA, Lateinamerika und Europa. China und die Schweiz sollen als nächste Märkte hinzukommen. Das Konstrukt dahinter ist ungewöhnlich: „Decoto ist ein System ohne Angestellte“, erklärt Huenich. Im Ökosystem arbeiten eigenständige Unternehmen, Expert:innen und Einzelunternehmer:innen projektbezogen zusammen, vergleichbar mit einer international aufgestellten Anwaltskanzlei. Vergütet wird, wer tatsächlich an einem Projekt beteiligt ist. Das hält die Struktur schlank und schafft für die Partner einen Anreiz, ihre Expertise einzubringen und das Netzwerk aktiv weiterzuentwickeln. Klassisches Marketing betreibe Decoto kaum, die Projektpipeline sei dennoch gut gefüllt.

Das Netzwerk unterscheidet sich nach Huenichs Verständnis jedoch nicht nur durch seine Struktur, sondern auch durch die Art, wie Partnerschaften aufgebaut und Geschäfte gemacht werden. „We are not a business company with some spiritual qualities. We are a spiritual company doing business“, beschreibt er den Ansatz. Im Gespräch wechselt er zwischen Deutsch und Englisch. Gemeint ist eine Unternehmenskultur, in der Achtsamkeit, Wertschätzung, Transparenz, Reflexion und kaufmännische Integrität die Grundlage der Zusammenarbeit bilden.

(v.l.n.r.) Günter Winkler, Alejandro Huenich, Sergio Rodríguez und Amel Havkic beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026″ am Red Bull Ring. | (c) Decoto International

„Gute Beziehungen, Freude an der Zusammenarbeit und geschäftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch, sie gehören zusammen“, sagt Huenich. Gerade die Monetarisierung von Netzwerken sei schwierig: Viele verfügten über starke Kontakte, schafften es jedoch nicht, daraus nachhaltige Projekte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Decoto sieht seinen bisherigen Erfolg deshalb in der Verbindung gemeinsamer Werte mit einer klaren Methodologie, definierten Rollen und konkreten wirtschaftlichen Zielen.

Gleichzeitig ist Huenich überzeugt, dass die zwischenmenschliche Ebene künftig noch wichtiger wird. Künstliche Intelligenz werde zunehmend Prozesse übernehmen, Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Qualität der Zusammenarbeit ließen sich jedoch nicht auf dieselbe Weise automatisieren. Eine ähnliche Haltung verfolgt er als Founding Member von Conxious (brutkasten berichtete), einer Initiative für bewusstere und werteorientierte Formen des Unternehmertums.

Decoto versteht sich ausdrücklich nicht als reine Unternehmensberatung. Beratung ist zwar ein Bestandteil der Arbeit, der Ansatz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern beteiligt sich Decoto aktiv an der Umsetzung und begleitet MedTech-Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte. Unter dem Modell „Co-Founder as a Service“ übernimmt beispielsweise ein lokaler Partner den Aufbau der Aktivitäten vor Ort, bis das Unternehmen eigene Strukturen geschaffen hat und selbst übernehmen kann.

Die Partner kennen die jeweiligen Gesundheitssysteme, Marktmechanismen, kulturellen Besonderheiten und relevanten Entscheidungsträger. Dadurch erhalten die Unternehmen nicht nur strategische Empfehlungen, sondern auch operative Unterstützung und Zugang zu den notwendigen lokalen Netzwerken.

Wie finanziert sich Decoto?

Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: klassischer Beratung, Venture Building im Sinne des „Co-Founder as a Service“-Modells sowie erfolgsabhängigen Vergütungen im Vertrieb, die jeweils mit einem Retainer kombiniert werden. Beteiligungen an Unternehmen nimmt Decoto nur in Ausnahmefällen. „Equity ist nicht nur gut, es ist auch eine Verantwortung“, sagt Huenich. Inhaltlich konzentriert sich das Netzwerk auf MedTech und Life Sciences, von Digital Health bis Longevity. Pharma ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Projekte von Decoto

Zu den aktuellen Projekten zählen laut Huenich die Ansiedlung eines iranischen Startups in Graz, die laufende Ansiedlung eines indischen Unternehmens, die Zusammenarbeit mit einem koreanischen Unternehmen im Demenzbereich sowie die Unterstützung österreichischer Startups.

Als Referenzprojekt nennt Huenich das koreanische Unternehmen Seven Point One, das mit „AlzWIN“ ein KI-gestütztes, sprachbasiertes Screening zur Früherkennung von Demenzrisiken entwickelt hat. Das Unternehmen war bereits in Korea etabliert und laut Huenich auch in Japan erfolgreich, kam beim Eintritt in den US-Markt jedoch zwei Jahre lang kaum voran.

Gemeinsam mit den Decoto-Partnern wurden anschließend unter anderem der FDA-Prozess, das Branding, die Kapitalaufnahme und die ersten Verkäufe an Krankenhäuser bearbeitet. Nach acht Monaten sei das Unternehmen bereit gewesen, seine Aktivitäten in den USA zu skalieren.

Das zentrale Learning daraus beschreibt Huenich so: „Wenn du als ausländisches Unternehmen in einen neuen Markt gehst, wirst du zunächst immer als ausländisches Unternehmen wahrgenommen. Es gilt fast überall: America first, Japan first oder India first.“ Deshalb brauche es lokale Partner, die nicht nur den Markt kennen, sondern auch über das notwendige Vertrauen und die richtigen Beziehungen verfügen.

Eine zentrale Rolle in diesem internationalen Modell übernimmt Sergio Rodríguez. Neben Alejandro Huenich und Günter Winkler ist er der dritte Co-Founder des neu ausgerichteten, stärker europäisch verankerten Decoto-Unternehmens. Rodríguez ist seit mehr als 17 Monaten Teil des Netzwerks, leitet die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika und verantwortet die Bereiche Projektmanagement und Finanzen.

Der Strukturbauer: Günter Winkler

Seit Juni verstärkt Günter Winkler Decoto als neuer Geschäftsführer. Der Wirtschaftsingenieur war lange in der Automotive-Branche tätig, zunächst bei einem OEM in Stuttgart, danach zehn Jahre beim Grazer Technologieunternehmen AVL, wo er zuletzt ein internationales Entwicklungsteam in Indien, Ungarn und Österreich leitete. Seit 2022 ist er zudem Geschäftsführer von Ottronic, einem obersteirischen Entwicklungs- und Fertigungspartner für Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf.

Sein Weg zu Decoto begann zunächst als Kunde. Ausgangspunkt war die Wachstumsfrage von Ottronic: Der DACH-Markt allein passte nicht mehr zu den internationalen Zielen des Unternehmens. Die Zusammenarbeit begann mit einem geförderten Internationalisierungsprojekt, in dessen Rahmen Winkler gemeinsam mit Huenich zur World Health Expo und zur MedTech World nach Dubai reiste. Darauf folgte ein gemeinsames Südamerika-Projekt in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) mit einem Volumen von knapp 50.000 Euro.

Nach der Zusammenarbeit in diesen beiden Projekten entschied sich Winkler im Juni, nicht nur Kunde und Partner des Netzwerks zu bleiben, sondern als neuer Geschäftsführer Verantwortung für die weitere Entwicklung von Decoto zu übernehmen.

Seine zentrale Aufgabe ist es, aus dem bislang bewusst lose organisierten Zusammenschluss internationaler Expert:innen und Partner ein professionell strukturiertes Unternehmen zu entwickeln, das dem aktuellen Wachstum nachhaltig standhalten kann. Die organisatorische Weiterentwicklung ist notwendig, um die wachsende Nachfrage und die bestehende Projektpipeline künftig zuverlässig bedienen zu können.

Dabei soll Decoto vor allem in organisatorischer und struktureller Hinsicht professionalisiert werden, ohne jene bewährten Aspekte aufzugeben, die das Netzwerk bisher erfolgreich gemacht haben: seine Flexibilität, die persönliche Zusammenarbeit und die enge Verbindung zwischen den internationalen Partnern.

Die Arbeitsteilung bringt Huenich auf den Punkt: „Günter baut das Unternehmen, ich kümmere mich um die Menschen.“

Diese Fassung bleibt sehr nah am Original, stellt Günters neue Position aber deutlich klarer heraus und erklärt nachvollziehbar, warum er jetzt Geschäftsführer wird und welche konkrete Aufgabe er übernimmt.

Die klinische Perspektive: Amel Havkic und EvoMed

Mit Amel Havkic erweitert Decoto sein Netzwerk um klinisch-medizinische Expertise. Der Frankfurter Pneumologe ist Ärztlicher Leiter für Weaning und Heimbeatmung am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und Gründer von EvoMed Consulting. Als Partner im Decoto-Netzwerk bringt er insbesondere seine Erfahrung in der klinischen Bewertung und Clinical Adoption ein – also bei der Frage, wie medizinische Innovationen sinnvoll in den klinischen Alltag integriert und von den späteren Anwender:innen angenommen werden können.

Huenich und Havkic lernten sich zunächst über LinkedIn kennen. Persönlich trafen sie sich kurz darauf bei der von Dylan Attard gegründeten MedTech World Dubai. Decoto ist Partner der internationalen Veranstaltungsreihe und regelmäßig bei deren Events vertreten. Im November soll ein großer Teil des Decoto-Netzwerks bei der MedTech World Europe auf Malta zusammenkommen.

„Statt uns als Konkurrenz zu betrachten, haben wir schnell erkannt, dass sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen“, sagt Havkic. Den strategischen Wert der Partnerschaft sieht Huenich vor allem in Havkics Nähe zur klinischen Praxis: „Er kennt den medizinischen Bereich und den Alltag der Menschen, die eine Innovation später im Krankenhaus anwenden müssen. Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig und wird häufig massiv unterschätzt.“

Für Havkic ist Clinical Adoption eine der entscheidenden Erfolgsmetriken im Gesundheitswesen: Wenn Ärzt:innen und Pflegepersonal ein Produkt im Alltag nicht sinnvoll einsetzen können oder darin keinen konkreten Mehrwert erkennen, kann selbst die beste Technologie scheitern.


Wie die Netzwerkarbeit funktioniert

Wie Decoto Netzwerkarbeit versteht, zeigte sich zuletzt am Red Bull Ring. Beim ADAC Racing Weekend lud das Unternehmen gemeinsam mit CESA und Reiter Racing zum Event „Beyond the Pitlane 2026“ – einer kuratierten Runde aus Spitzensport, MedTech und Venture Capital. Das Programm reichte vom Lunch im Fahrerlager über den Renntag in der Box von Reiter Racing, dessen Team an diesem Wochenende den zweiten Platz belegte, bis hin zu einer Paneldiskussion.

Netzwerkveranstaltung am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Auf dem Podium diskutierten unter anderem Amel Havkic von EvoMed Consulting, Lejla Pock von Human.technology Styria, Matthew Foran von Meadow Valley Capital, Guillermo Fernando Pezzetto von AVL Racetech, Aleksandra Krajnc vom Know Center und Shavini Fernando von OxiWear. Moderiert wurde die Diskussion von Alejandro Huenich.

Das Event war zugleich Teil eines aktuellen Decoto-Projekts: Peak Performance MedTech. Die Initiative soll eine Brücke zwischen medizinischer Innovation und Spitzensport schlagen. Der Motorsport bietet dafür ein besonders geeignetes Umfeld, da der menschliche Körper hier seit Jahrzehnten an seine Grenzen gebracht wird – häufig lange bevor daraus gewonnene Erkenntnisse Eingang in die reguläre Gesundheitsversorgung finden.

MedTech-Innovationen sollen im Hochleistungssport erprobt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden und von dort ihren Weg in breitere Märkte finden. Gleichzeitig zeigt das Format, wie das Decoto-Modell im Kern funktioniert: Unterschiedliche Akteure werden gezielt zusammengebracht, persönliche Beziehungen aufgebaut und daraus konkrete Projekte und Partnerschaften entwickelt.

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