09.10.2020

Warum wir uns selbst nicht glauben sollten, wenn wir eine Investitionsentscheidung treffen

In einer neuen brutkasten-Serie erläutert Wolfgang Fallmann, Autor des Buchs "Krypto Investor Mindset", wie man Denkfehler beim Investieren vermeidet - etwa, indem man das eigene Weltbild in Frage stellt.
/gehirn-investment-entscheidung/
Bei Investments - auch in Kryptowährungen wie Bitcoin - spielt uns unser eigenes Hirn einen Streich.
Bei Investments - auch in Kryptowährungen wie Bitcoin - spielt uns unser eigenes Hirn einen Streich. (c) Adobe Stock / Travis / beigestellt
Der Summary Modus bietet einen raschen
√úberblick und regt zum Lesen mehrerer
Artikel an. Der Artikeltext wird AI-basiert
zusammengefasst mit der Unterst√ľtzung
des Linzer-Startups Apollo AI.

Unser menschliches Gehirn ist von Natur aus faul und sucht nach geistigen Abk√ľrzungen, um schnell zu einer Investitionsentscheidung zu gelangen. Diese Abk√ľrzungen werden in der Psychologie etwas sperrig als „Heuristiken“ bezeichnet. Heuristiken sind also einfache Regeln f√ľr eine schnelle Beurteilung oder Entscheidungsfindung. Diese schnellen Beurteilungen verursachen aber leider vorhersehbare Fehler und kosten uns viel Geld.

Anders denken kostet Energie

Eine dieser Denkabk√ľrzungen ist, dass wir nur die aktuell verf√ľgbaren Informationen im Gehirn f√ľr unsere Entscheidungen verarbeiten. Wir nehmen uns also nicht die n√∂tige Zeit, um an Dinge zu denken, an die wir gerade nicht denken. Bei einer Investitionsentscheidung nehmen wir also nur diese gerade verf√ľgbaren Informationen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Wir denken nicht daran, uns nach weiteren Informationen umzusehen, um uns ein Bild von der „anderen Seite“ der Geschichte zu machen.

Warum ist das so? Weil es Energie kostet, diese Informationen einzuholen und zu bewerten. Wir Menschen arbeiten effizient und das bedeutet, nicht mehr zu tun als notwendig. Mit den vorhandenen Informationen denken wir uns eine Geschichte aus und wenn diese Geschichte f√ľr uns plausibel klingt, dann sind wir damit zufrieden und suchen nicht weiter nach anderen Informationen.

Wissen erschwert das Investieren

Es kommt ein weiteres Problem auf uns zu, wenn wir uns die andere Seite der Geschichte auch ansehen: Es wird zunehmend schwieriger, zu einem eindeutigen Urteil zu kommen, wenn wir mehr Informationen haben. Wir befinden uns also in einem Teufelskreis. Wenn man wenig weiß, ist es einfacher eine plausible Geschichte zu erstellen. Wenn man viel weiß, ist es schwerer eine plausible Geschichte zu erstellen.

Wir tun uns somit schwerer, eine Investitionsentscheidung zu treffen. Deshalb sorgt unser Gehirn daf√ľr, dass wir uns nur die notwendigsten Informationen holen. Wenn Sie gute Investitionsentscheidungen treffen wollen, m√ľssen Sie jedoch eine umfassende Recherche √ľber ihr zuk√ľnftiges Investment betreiben.

Voreingenommenheit in der Recherche

Wenn wir uns darum bem√ľhen, eine umfassende Recherche zu machen, kommt gleich das n√§chste Problem auf uns zu, n√§mlich dass wir Menschen dazu neigen, die Informationen so zu suchen, auszuw√§hlen und zu interpretieren, dass die eigenen Erwartungen erf√ľllt werden. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf Investoren, da sie gezielt nach Informationen suchen, die sie in ihrer Grundannahme (zum Beispiel, dass dies eine gute Investition sei) unterst√ľtzen.

Es werden nur Daten ausgew√§hlt, die die eigenen √úberzeugungen st√ľtzen, die anderen Daten werden ignoriert. Dieser Effekt ist bei emotional aufgeladenen Investitionsm√∂glichkeiten und bei tief verwurzelten √úberzeugungen am st√§rksten.

Fazit: Sich selbst in Frage stellen

Fazit: Investoren und Anleger haben bei der Informationssuche mehr oder weniger starke Vorannahmen bzw. Grundeinstellungen zu einem Investment. Es ist wichtig, sich intensiv mit den eigenen Vorannahmen auseinanderzusetzen und sich diese bewusst zu machen. Über kritische Selbstreflexion und offene Diskussion mit einem Mentor oder Investor, der anderer Meinung ist, können Grundannahmen und Vorurteile identifiziert werden.

Nehmen Sie aus „Gr√ľnden der Argumentation“ einen gegenteiligen Standpunkt ein und suchen Sie aktiv nach gegenteiligen Informationen. Vermeiden Sie eine verzerrte Informationssuche und suchen Sie bewusst nach Informationen, welche die eigenen Vorannahmen potenziell widerlegen k√∂nnen. Suchen Sie gezielt nach Ausnahmen, anderen Darstellungen, besuchen Sie andere Webseiten und suchen Sie nach anderen Gruppen, in denen Sie sich austauschen k√∂nnen. Suchen sie nach Fakten und ignorieren Sie Meinungen. Nehmen sie sich die Zeit, um diese Fakten kritisch zu pr√ľfen und passen Sie auf, dass Sie bei der Interpretation nicht zu Gunsten der eigenen Annahmen entscheiden.

Sie k√∂nnen sich diese Arbeit nat√ľrlich auch sparen und einfach investieren. Es muss Ihnen aber dann bewusst sein, dass Sie dieses Investment wom√∂glich bereuen werden.

√úber den Autor

Wolfgang Fallmann ist seit 2014 im Bereich Blockchain und Kryptow√§hrungen t√§tig. Seine Projekte waren unter anderem die Entwicklung des ersten Bitcoin-Bankomaten √Ėsterreichs, die Mitentwicklung der Monero Hardware-Wallet, Soft- und Hardware-Entwicklung einer Altcoin-Mining-Farm sowie der Betrieb von Masternodes und Staking-Coins. Hinzu kommen 3 Jahre Entwicklung von automatisierten W√§hrungs-Handelssystemen und Forex Daytrading hinzu.

Wolfgang ist Autor von der B√ľcher „Krypto Investor Mindset“ und „Bitcoin COT Bible“ sowie des w√∂chentlich erscheinenden Bitcoin Insider Report. Im Jahr 2020 gr√ľndete er „Bitcoin Machine„, eine Online Plattform mit Know-How f√ľrs Traden und Investieren in Bitcoin.

Deine ungelesenen Artikel:
vor 7 Stunden

Die R√ľckkehr der Inflation: Gold und Bitcoin ‚Äď Freunde oder Feinde?

Gastbeitrag: Ronald-Peter St√∂ferle und Mark J. Valek vom Verm√∂gensverwalter Incrementum beleuchten Hintergr√ľnde und Auswirkungen der Inflation.
/die-rueckkehr-der-inflation-gold-und-bitcoin-3/
Mark J. Valek und Ronald-Peter Stöferle von Incrementum
Mark J. Valek und Ronald-Peter Stöferle bei der Präsentation des jährlichen "In Gold We Trust"-Reports im Mai 2021 | Foto: Incrementum

Mit den Kryptow√§hrungen, allen voran mit dem in der √Ėffentlichkeit bekanntesten Vertreter Bitcoin, etabliert sich seit einiger Zeit eine neue Anlageklasse am Markt. Ob Bitcoin als digitales Gold bzw. als inflationssch√ľtzendes Asset eingestuft werden kann, ist eines der viel diskutierten Themen. Diese Diskussion ist deswegen von Bedeutung, weil uns die Inflation l√§ngere Zeit besch√§ftigen wird, wie wir in ersten Teil dieser Artikelserie ‚ÄěDie R√ľckkehr der Inflation: Warum sie nicht vor√ľbergehend ist‚Äú ausgef√ľhrt haben. Im zweiten Teil ‚ÄěDie R√ľckkehr der Inflation: Anlegen in Zeiten der Inflation‚Äú sind wir auf die Auswirkungen dieses epochalen Wandels aus Anlegersicht eingegangen. 

In vielerlei Hinsicht kommen Gold und Bitcoin von entgegengesetzten Enden des Anlagespektrums. Gold ist allgemein anerkannt, weit verbreitet und hat eine lange und erfolgreiche Geschichte als nicht inflationierbares Wertaufbewahrungsmittel, die ihresgleichen sucht. Bitcoin ist hingegen nicht universell etabliert und scheint keinen inneren Wert zu haben. 

Beide Verm√∂genswerte haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist unsere √úberzeugung, dass sich beide ‚Äď Gold und Bitcoin ‚Äď in einem Portfolio gut erg√§nzen k√∂nnen. Es gibt folglich keinen Grund, Gold und die Kryptow√§hrungen gegeneinander auszuspielen. Diese wichtige Einsicht wollen wir in Form eines fiktiven Streitgespr√§ches zwischen einem Bef√ľrworter von Goldanlagen (Herr Goldfinger) und einer Bef√ľrworterin der Kryptow√§hrung Bitcoin (Frau Nakamoto) diskutieren. 

Frau Nakamoto: Lieber Herr Goldfinger, es freut mich, dass wir uns hier und heute getroffen haben. Ich bin durchaus gespannt, ob ich Sie davon √ľberzeugen kann, dass es zwischen Gold und Bitcoin einige Parallelen gibt, und dass Bitcoin definitiv seine Daseinsberechtigung hat bzw. noch weitaus wichtiger werden wird. 

Herr Goldfinger: Danke f√ľr die Einladung! Wie Sie wissen, bin ich als eher konservativer Investor gegen√ľber der Kryptowelt doch sehr kritisch eingestellt, guten Argumenten gegen√ľber aber immer offen. Ich bemerke zwar, dass es einen gewaltigen Trend zur Digitalisierung gibt, aber bei der Wertanlage h√∂rt es bei mir auf. Denn Gold ist ein Edelmetall, man kann es anfassen und es √ľbt seit je her eine fast mystische Faszination auf Menschen aus, insbesondere auch auf meine Frau.

Frau Nakamoto: (Lacht) Ja, das ist wohl ein fundamentaler Unterschied. Gold ist ein chemisches Element, es existiert materiell, man kann es, wie Sie sagen, angreifen. Und zugegeben, es hat als solches recht interessante Eigenschaften. Bitcoin hingegen ist ein offenes Protokoll, das nur digital als Bits und Bytes existiert. Hingegen ist Bitcoin letztendlich eine bahnbrechende Innovation

Herr Goldfinger: Es gibt doch heute angeblich schon tausende solcher Kryptowährungen! Warum sollte sich genau Bitcoin durchsetzen? Hingegen gibt es das Element Gold sicherlich nur einmal, garantiert!

Frau Nakamoto: Nun, ich muss zugeben, 100%ig kann ich es nicht ausschließen, dass es nicht irgendwann einmal eine andere erstzunehmende Kryptowährung geben wird.

Herr Goldfinger: Sehen Sie!

Frau Nakamoto: Trotzdem ist seit der Initiierung von Bitcoin die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine andere Kryptow√§hrung als Wertaufbewahrungsmittel durchsetzt, bereits deutlich gesunken. Das ist in erster Linie der enormen Verbreitung des Netzwerkes und damit der Sicherheit von Bitcoin geschuldet. Die Rechenleistung, die das Bitcoin-Netzwerk absichert, ist mittlerweile gigantisch. Keine andere Kryptow√§hrung hat eine ann√§hernd √§hnliche Rechenleistung hinter sich. 

Herr Goldfinger: Ok, das wusste ich wirklich nicht. Trotzdem, warum soll ich nun in Bitcoin investieren? Bei Gold wei√ü ich, dass die Menge auf der Erde begrenzt ist. Gold wird daher immer etwas wert sein. Aber Bitcoin ist so spekulativ. Und Zinsen zahlte es au√üerdem auch keine. 

Frau Nakamoto: Ok, alles der Reihe nach. Sowohl bei Gold als auch bei Bitcoin handelt es sich um zwei Anlagen, die keine Zinsen abwerfen. Beide sind ‚Äěunproduktive‚Äú Assets, deren Wertursprung in der Anlage selbst verankert ist. In Aktien wird investiert, um am Erfolg des Unternehmens zu partizipieren. Oder √ľber Staatsanleihen partizipiert man in gewisser Weise an der Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft.

Herr Goldfinger: Ich verstehe Ihre Argumentation, allerdings w√ľrde ich Gold und Bitcoin dennoch nicht gleichsetzen. Denn Gold ist hart und stabil. Gold ist nur begrenzt verf√ľgbar und ist deswegen wertvoll. Jedes Jahr w√§chst die Menge des gesch√ľrften Goldes sehr konstant um etwa 1,5 Prozent. Selbst nach gro√üen Preissteigerungen konnten Minenunternehmen ihre F√∂rderung nicht signifikant ausweiten. Zentralbanken hingegen sch√∂pfen seit der Finanzkrise Unmengen an Geld, Betr√§ge, die ich mir wegen der vielen Nullen gar nicht mehr vorstellen kann. Das muss doch irgendwann einmal schief gehen!

Frau Nakamoto: Hier sind wir uns völlig einig. Die Anzahl der Bitcoin kann man ja auch nicht beliebig vermehren! Gold und Bitcoin könnten somit zwei Möglichkeiten sein, um sich gegen die Gefahren des Zentralbankensystem abzusichern.

Herr Goldfinger: Aber bei digitalen W√§hrungen kann man doch auch einfach irgendwo im Code die Zahlen null und eins hinzuf√ľgen und dadurch neues ‚ÄěGeld‚Äú schaffen. 

Frau Nakamoto: (Lacht) Es freut mich, dass Sie das jetzt ansprechen. Damit spielen Sie mir n√§mlich freundlicherweise in die Karten. Tats√§chlich ist es so, dass Bitcoin √ľber die Zeit noch ‚Äěh√§rter‚Äú werden wird als Gold, denn die maximale Anzahl vorhandener Bitcoins liegt bei exakt 21 Millionen. Mehr gibt es nicht und mehr wird es nie geben, das schreibt das Protokoll von Bitcoin so fest. Alle vier Jahre halbiert sich daher die Inflationsrate von Bitcoin. Im Mai 2020 fiel die Inflationsrate von Bitcoin in etwa auf jene von Gold und in Zukunft wird Bitcoin noch ‚Äěh√§rter‚Äú, noch weniger inflation√§r als Gold sein. Siehe dazu auch die Entwicklung der Stock-to-Flow-Ratio von Gold und Bitcoin in den kommenden 10 Jahren bis 2032 im Vergleich. Einfach so ein paar Zahlen im Code zu √§ndern, das ist absolut ausgeschlossen. Es m√ľsste hierf√ľr eine 95-prozentige Zustimmung der Miner geben. Bitcoin lebt aber genau davon, dass es eben ein knappes Gut ist, somit ist eine breite Zustimmung zu so einer √Ąnderung ausgeschlossen. 

Herr Goldfinger: Aber was ist dann mit der Möglichkeit, einfach eine neue Kryptowährung zu programmieren? Ich habe gehört, dass man Bitcoin einfach kopieren und jeder seine eigene Version starten kann. Dadurch könnte die maximale Anzahl an Bitcoins doch einfach innerhalb von Sekunden verdoppelt werden?

Frau Nakamoto: Das ginge technisch theoretisch ziemlich einfach, dass sich aber eine Bitcoin-Kopie durchsetzt, ist letztendlich extrem unwahrscheinlich: 

Erstens h√§ngt das √úberleben einer neuen Kryptow√§hrung davon ab, ob es f√ľr diese √ľberhaupt ein Interesse gibt. Warum sollten Bitcoin-Investoren, die wahrscheinlich auch deshalb auf Bitcoin vertrauen, weil das System eine beschr√§nkte Inflation aufweist, auf ein neues System wechseln wollen? Es muss ein zus√§tzlicher Nutzen geboten werden. Zweitens m√ľssten die Miner, die das System absichern, mitziehen und k√ľnftig ihre Rechenleistung der neuen Bitcoin-Version zu Verf√ľgung stellen. Das tun sie aber nicht, da der Anreiz f√ľr sie h√∂her ist, das wertvollste Gut zu minen. Ohne hohe Rechenleistung ist die neue Bitcoin-Version aber sehr unsicher und somit als Investment nicht interessant. 

Herr Goldfinger: Ok. Ich h√∂re immer wieder, dass Bitcoin ein Skalierungsproblem hat. Wenn man es massenhaft als Zahlungsmittel verwenden will, ist es viel zu teuer, oder? 

Frau Nakamoto: Sie haben recht, es besteht derzeit eine Skalierungsproblematik, welche aufgrund der Gr√∂√üe und der Dezentralisierung des Bitcoin-Netzwerkes ausgel√∂st wird. Es besteht ein Zielkonflikt zwischen der Sicherheit des Netzwerkes und der Schnelligkeit der Transaktionen. Eine Betrachtungsweise ist, Bitcoin muss nicht ein Massenzahlungsmittel werden, um wertvoll zu sein. Auch beim Gold sind die Transaktionskosten in Form der Preisspanne zwischen Ankauf und Verkauf umso h√∂her, je kleiner die Goldmenge ist. Es ist fraglich, ob man wirklich in Gold investieren soll, wenn man nur 1 Gramm Gold kaufen will. Bei gr√∂√üeren Goldmengen fallen die Transaktionskosten kaum ins Gewicht. Somit ist Gold aus der Kostenperspektive als Wertaufbewahrungsmittel f√ľr gr√∂√üere Investitionsbetr√§ge gut geeignet. Genauso kann man auch Bitcoin betrachten. Ein ‚Äď zugegeben ‚Äď spekulatives Wertaufbewahrungsmittel f√ľr gr√∂√üere Betr√§ge, sprich digitales Gold.

Herr Goldfinger: Interessant. Aber der urspr√ľngliche Anspruch von Bitcoin lautete doch ein elektronisches Zahlungssystem zu sein. Bleibt dies nun unerf√ľllt?

Frau Nakamoto: Sehr richtig. Der Titel des so genannten White Papers lautete sogar ‚ÄěBitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System‚Äú. Und es gibt intensive Bem√ľhungen, diesen Anspruch zu erf√ľllen. Es gibt diverse Ans√§tze, um mehr Transaktionen pro Sekunde zu erm√∂glichen. Hard-Forks sind nur ein Ansatz, den wir z. B. bereits bei BitcoinCash gesehen haben. Weitere M√∂glichkeiten bestehen in den Bereichen von Off-Chain-Transaktionen, wie z. B. dem Lightning-Network. Dort werden Transaktionen au√üerhalb der Blockchain schnell und sicher abgewickelt. In diesem Bereich wurden gerade im letzten Jahr Bahnbrechendes gleistet, was √ľbrigens auch El Salvador erst erm√∂glichte, Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel zu etablieren. Jedenfalls ist es aber so, dass weltweit tausende Programmierer an der L√∂sung etwaiger Probleme arbeiten. Hier steckt unglaublich viel Humankapital dahinter, das auch daf√ľr verantwortlich ist, dass die bislang √ľberwundenen H√ľrden so gut gemeistert wurden. Wenn die Skalierungsproblematik endg√ľltig gel√∂st wird, w√§re es nicht nur digitales Gold, sondern auch hartes, digitales Geld! Somit ist ein weiterer Unterschied zwischen Gold und Bitcoin, dass Bitcoin gleichzeitig als Zahlungsmittel und als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden kann. Das ist ein gro√üer Vorteil von Bitcoin gegen√ľber Gold, denn dieses taugt kaum als Zahlungsmittel. 

Herr Goldfinger: Nun, hier muss ich aber entschiedenen Einspruch leisten. Zu Zeiten des klassischen Goldstandards war Gold sehr wohl Zahlungsmittel! Gerne wird von den heutigen Zentralbanken die Zeit von 1870-1914 √ľbersehen, als es eine leichte Deflation gab bei gleichzeitig sehr hohen Wachstumsraten. Das ist aber eine andere Debatte, denke ich. Jedenfalls verstehe ich nicht, wieso Sie als Bitcoin-Fan immer wieder davon sprechen, dass Bitcoin wie Gold ein Wertspeicher sein soll, wenn man sich die hohe Volatilit√§t vor Augen f√ľhrt? 

Frau Nakamoto: Ich denke, dass ich Ihnen bereits einige solide Argumente liefern konnte, wie z. B. die begrenzte Inflation oder die Sicherheit des Systems durch die Hashrate. Ebenfalls hervorzuheben ist die Tatsache, dass Bitcoin noch immer in den Kinderschuhen steckt. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin lag Mitte J√§nner 2022 bei rund 800 Mrd. USD, damit aber nur bei einem Bruchteil derjenigen von Gold. Den deutlichen Kursschwankungen steht also auch ein exorbitant hoher potenzieller Gewinn gegen√ľber. Es ist sogar so, dass Bitcoin eine extrem asymmetrische Anlageklasse ist, da Bitcoin mittelfristig entweder re√ľssiert und sich als globaler digitaler Wertspeicher durchsetzt oder ‚Äď aus welchen Gr√ľnden auch immer ‚Äď scheitert und wertlos wird. 

Herr Goldfinger: Hmmm, so habe ich das noch nie gesehen. Was Sie sagen, ist, dass Bitcoin ein anderes Auszahlungsprofil hat als Gold. Ich meine, Gold kann ja wirklich nicht auf null fallen, oder widersprechen Sie mir in diesem Punkt?

Frau Nakamoto: Nein, hier sind wir einer Meinung! Gold kann nicht wertlos werden. Aber das Aufwertungspotenzial ist nat√ľrlich beschr√§nkt, da Gold jedermann bekannt ist. Bitcoin ist nach wie vor extrem klein und sehr jung. Seit 30 Jahren gibt es das Internet, seit 12 Jahren erst Bitcoin. Die Vision ist, dass Bitcoin in einer immer st√§rker digitalisierten Welt zum universalen und digitalen Wertstandard wird. Hiervon ist bis jetzt noch immer sehr wenig eingepreist. Wieso sollten Zentralbanken in 10 Jahren keine digitalen Anlagen halten? Sie denken ja heute schon √ľber digitale W√§hrungen nach, wieso sollten sie selbst dann nicht in ‚Äědigitales Gold‚Äú investieren? Wenn sich Bitcoin als h√§rtestes digitales Geld durgesetzt haben wird, werden die Zentralbanken neben Gold auch Bitcoin als W√§hrungsreserve halten. Ich finde das gar nicht so weit hergeholt. Die Welt ist im Wandel!

Herr Goldfinger: Nun gut, es scheint als w√§ren sich Gold und Bitcoin doch √§hnlicher als man denkt, nicht? Gemeinsam bilden die zwei Anlageklassen ein durchaus dynamisches Duo. 

P. S.: In der ersten Ausgabe unseres Bitcoin-Chartbook ‚ÄěIs This Halving Cycle Over?‚Äú geben wir einen umfassenden Einblick in das Bitcoin-Universum aus Anlegersicht. 

Serie: Inflation

Dieser Artikel ist der dritte und letzte Beitrag einer Serie, in der Ronald-Peter St√∂ferle und Mark J. Valek vom Verm√∂gensverwalter Incrementum AG die Hintergr√ľnde und Folgen der R√ľckkehr der Inflation schildern. St√∂ferle und Valek sind auch die Autoren des j√§hrlich erscheinenden und vielbeachteten ‚ÄěIn Gold We Trust‚Äú-Reports.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der pers√∂nlichen Information. Es wird keine Empfehlung f√ľr eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschlie√ülich an nat√ľrliche Personen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback √ľber den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. W√§hle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden f√ľr dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

Bei Investments - auch in Kryptowährungen wie Bitcoin - spielt uns unser eigenes Hirn einen Streich.
Bei Investments - auch in Kryptowährungen wie Bitcoin - spielt uns unser eigenes Hirn einen Streich. (c) Adobe Stock / Travis / beigestellt

Warum wir uns selbst nicht glauben sollten, wenn wir eine Investitionsentscheidung treffen

In einer neuen brutkasten-Serie erläutert Wolfgang Fallmann, Autor des Buchs "Krypto Investor Mindset", wie man Denkfehler beim Investieren vermeidet - etwa, indem man das eigene Weltbild in Frage stellt.

Summary Modus

Warum wir uns selbst nicht glauben sollten, wenn wir eine Investitionsentscheidung treffen

Es gibt neue Nachrichten

Auch interessant