22.02.2018

Christoph Richter: Worauf es bei Pitches besonders ankommt

Urgestein der österreichischen Startup-Szene und Mehrfachgründer Christoph Richter im Interview über aktuelle Projekte, wertvolle Tipps zum Thema Pitchen und das Startup Camp Berlin.
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Christoph Richter Pitches
Christoph Richter

Du hast mittlerweile ja schon eine ganze Reihe an Startups gegründet. Wie wichtig waren da jeweils die Pitches?

Extrem. Und zwar nicht nur um Kunden, Partner und Investoren zu überzeugen, auch um sich selbst klar zu werden worum es überhaupt geht. Am Anfang hat man ja einen Rohdiamanten in der Hand, der erst geformt werden muss. Auch um zu verstehen, was der Kern des Erfolges wird. Was eignet sich da besser, als die gesamte Idee in 2 Minuten zu erklären?

Wie sind deine Erfahrungen: worauf kommt es bei Pitches besonders an?

Essentiell ist, das Problem zu verstehen und leicht rüberzubringen. Wenn deine Zuhörer nicht wissen, dass das Problem wichtig ist, um es zu lösen, hat man verloren bevor man zur eigentlichen Idee übergeht. Daher verbringe ich auch am Anfang eines Projektes immer eine Woche damit, mich durch alle Zahlen und Statistiken zu lesen, gefolgt von vielen Treffen in Kaffeehäusern, bis ich das Problem und aktuelle Trends genau verstanden habe. Viel zu oft wird das so genannte „world-changing“-event vergessen. Dabei geht es darum, dass man erklärt, was sich in der Welt geändert hat und warum es daher gerade jetzt möglich und nötig macht, dass dein startup exisitiert.  Das hat einen starke Wirkung im Pitch.

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Welche Fragen erwarten junge Unternehmer, wenn sie vor Investoren pitchen?

Die beliebteste ist wohl „warum gerade ihr?“.  Das ist auch ganz logisch, weil gerade in der Frühphase viel stärker in das Team investiert wird als in die Idee. Grund: ein schlechtes Team mit einer fantastischen Idee wird es ziemlich sicher trotzdem nicht schaffen. Abr: Ein super Team mit einer mittelmäßigen Idee wird hingegen so lange daran herumschrauben bis sie funktioniert. Die zweite Frage lautet: „Was wird mit dem Geld gemacht?“ Sie zielt drauf ab, wie viele Gedanken sich das Team um das Money Managment gemacht haben. Es ist eine essentielle Aktivität von Gründern. Die dritte Frage wäre dann oft, wie man sich vor Nachahmern schützen will. Ein komplett offenes Rennen bedeutet oft, wer hat die tiefsten Taschen. Und das will natürlich jeder Investor vermeiden.

Gibt es Tricks, die die Brieftaschen der Investoren schneller öffnen lassen? Welche sind das?

Der wichtigste, und wohl auch bekannteste, ist, über ein Intro an den Investor heranzutreten. Obwohl es jeder weiß, wird es trotzdem zu selten gemacht. Tipp: Ich würde das übrigens auch bei Competitions machen. Meistens ist die Juryliste bekannt. Warum nicht vorher schauen, dass man schon ein Intro hat?
Am schwierigsten ist das erste Commitment für die Runde zu bekommen. Daher wird der Erstinvestor oft als Leadinvestor bezeichnet. Er bekommt ein paar Shares extra und hilft den Gründern dann aber auch mit Workshops. Gutes Mentoring braucht jeder Erstgründer eh.

+++ Gründerscheidung statt Rosenkrieg: Wie trenne ich mich richtig? +++

Was sind deiner Meinung nach die größten Fehler, die Jungunternehmer in Pitches machen?

Mein Lieblingsfehler? Wenn Gründer behaupten „Es gibt ja keine Konkurrenz“. Der Gründer denkt vielleicht, ihm helfe das, wenn er diese Behauptung aufstelle. In Wahrheit heißt es aber: Der Gründer hat nicht recherchiert und kennt sich in der Industrie gar nicht aus. Es gibt keine Konkurrenz, weil die Idee gar nicht funktionieren kann oder alle, die es versucht haben, gescheitert sind. Hat er hat sich den Markt zu klein gemacht, was aber bedeutet: der Gründer hat keine ehrliche Sicht auf die Dinge. Oder kein Marktverständnis mitbringt.

Was war dein größter Fehler, den du in Pitches gemacht hast?

Als Gründer liebt man es, diese tollen kleinen Features aufzuzählen, die man erfunden hat. Anfangs konnte ich beispielsweise gar nicht aufhören aufzuzählen „und das…. und das… und das auch noch …“ Nur leider bleibt dann halt auch gar nichts bei den Zuhörern hängen, speziell dann, sie sich mehr als 10 Pitches anhören dürfen.

+++ Startup Camp Berlin: 3 Plätze für Ö-Startups beim Pitch +++

Im letzten Jahr bist du der Einladung zum Startup Camp nach Berlin gefolgt – wie hilfreich war die Teilnahme am Pitch Marathon?

Jeder österreichische Entrepreneur sollte sich ein Netzwerk in Berlin aufbauen. Mit nur österreichischen Investoren baut man halt auch nur eine österreichische Lösung, die am europäischen Markt nicht überlebt. Das Startup Camp Berlin hatte super Trainings sowie ein tolles Netzwerk an Mentoren und Investoren. Das Event ist eine super Gelegenheit zum Netzwerken und Kontakte aufbauen.

Was unterscheidet der Pitch Marathon von anderen, die in Österreich stattfinden?

Ich war überrascht, wie viele den Pitchs zugehört haben. Da saßen bei weitem mehr als nur die Jury. Außerdem finde ich den Fokus auf die Trainings sehr gut und gerade für junge Entrepreneure ein absolutes Plus.

Welche Frage ist dir aus Berlin besonders in Erinnerung geblieben?

Boah. Das ist eine echt schwere Frage. Es waren einfach zu viele Gespräche.

Was hast du konkret aus dem Startup Camp in Berlin mitgenommen?

Viel Feedback zu der Präsentation. Lieber öfter raus gehen und Feedback holen, als ewig lange in der Firma die Slides perfektionieren.

Warum sollten österreichische Gründer auch in diesem Jahr wieder nach Berlin fahren?

Vor allem um rauszukommen, um etwas mehr Weitblick auf die Ideen zu bekommen.

Abschließend, woran werkelst du derzeit, Christoph?

Im letzten Jahr habe ich einmal eine Auszeit gebraucht. Aber nachdem ich nicht stillstehen kann, hab ich mich in der Zeit meiner NGO-Tätigkeiten in Nepal gewidmet mit Chay-Ya.  Seit kurzem habe ich wieder ein neues Projekt am Start. Wir widmen uns dem Thema „Sprachen mit deiner Lieblingsfernsehsendung lernen“. Ein Großteil der Menschen lernt mittels Fernsehen neue Sprachen, bzw. perfektioniert sie. Wir sehen hier ein riesen Potential den Lernerfolg stark zu verbessern. Aktuell suchen wir gerade den Kontakt zu Broadcastern, um das Potential zu evaluieren.


Am 12. und 13. April findet das Startup Camp Berlin statt. Organisiert wird die größte Early-Stage-Startup-Konferenz Deutschlands vom Bundesverband Deutsche Startups (BVDS). Sie hat sich über die Jahre hinweg längst zu einem festen Termin im Kalender der deutschen Startup-Szene etabliert. Der Brutkasten vergibt in Kooperation mit dem Bundesverband Deutsche Startups drei Plätze für das Startup Camp Berlin im April exklusiv an österreichische Startups.

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Martina Egger, Director Country Management Österreich bei Redcare Pharmacy (Shop-Apotheke.at) |(c) brutkasten / Haris Dervisevic

Redcare Pharmacy ist Europas führende Online-Apotheke und tritt in Österreich unter Shop-Apotheke.at auf. Die Gruppe setzte 2025 rund 2,9 Mrd. Euro um, ein Plus von 24 Prozent, und zählt europaweit über 14,2 Millionen aktive Kund:innen. Laut Handelsverband war das Unternehmen zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Ein zentrales Geschäftsfeld bleibt hierzulande aber verschlossen: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente, in acht EU-Ländern längst erlaubt, ist in Österreich verboten.

Für dieses Thema steht bei Redcare Martina Egger. Die gebürtige Deutsche wurde in der heimischen Startup-Szene als Mitgründerin von Pluz Care bekannt, einer Plattform, die rezeptfreie Medikamente gemeinsam mit lokalen Apotheken nach Hause lieferte. Nach dem Aus des Startups holte sie Redcare Pharmacy als Director Country Management Österreich, unter der Bedingung, unternehmerisch frei agieren zu können.

Im Gespräch mit brutkasten plädiert Egger offen für eine Liberalisierung des Rx-Versands und verweist auf eine von Redcare beauftragte EcoAustria-Studie, die ein volkswirtschaftliches Potenzial im dreistelligen Millionenbereich sieht. Sie erklärt, warum sie kein Apothekensterben fürchtet, wie das Unternehmen Beratung digital abbildet und welche Rolle KI-Agenten künftig spielen sollen.


brutkasten: Du hast Pluz Care mitgegründet, das später in Liquidation übernommen wurde. Was hat dich zu Redcare gebracht?

Ich bin dem Thema treu geblieben. Pluz Care wollte Medikamente binnen einer Stunde nach Hause bringen, in Österreich aber nur rezeptfreie. Als die Finanzierung scheiterte – zwei Due-Diligence-Runden durch, dann geplatzt – hat mich Shop-Apotheke als Country Managerin geholt. Meine Bedingung war, unternehmerisch frei handeln zu können. Heute kann ich viel mehr an der Sache arbeiten als zur Startup-Zeit, in der ich vor allem am Fundraisen war.

brutkasten: Wie entwickelt sich Redcare in Österreich?

Konkrete Österreich-Zahlen nennen wir als börsennotiertes Unternehmen nicht, wir berichten auf Group Level. Aber laut Handelsverband waren wir zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Wir gewinnen weiter eine fünfstellige Zahl neuer Kund:innen pro Monat. Den größten Mehrwert sehen die ländlichen Regionen, dort wird die Online-Bestellung von Medikamenten am stärksten angenommen.

brutkasten: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist in Österreich verboten. Warum?

Pharmazeutisch gibt es keinen Grund, der gegen den Rx-Versand spricht. In Deutschland gibt es ihn seit 25 Jahren, in der Schweiz ist er erlaubt. In Skandinavien sind Online-Apotheken bereits lange etabliert. Shop-Apotheke ist eine echte Apotheke, die denselben Regularien unterliegt wie jede andere in Europa. Dass es das Verbot in Österreich gibt, ist eine Frage des politischen Willens. Ähnlich wie bei der Notariatskammer geht es um den Schutz bestehender Strukturen.

brutkasten: Führt der Onlineversand zum Apothekensterben?

In Österreich nicht, im Gegenteil, die Zahl der Apotheken steigt. Das deutsche Problem liegt an der schwierigen Nachfolge und an schließenden Arztpraxen. In Startup-Sprache: Der Arzt ist der Lead Generator für die Apotheke, fällt er weg, ist der Sales Funnel done. Die Dimension ist ohnehin überschaubar: In Deutschland liegt der Online-Anteil am Rx-Geschäft bei fast zwei Prozent, in Märkten mit langer Erfahrung wie Schweden bei etwa 20 Prozent.

Martina Egger im Gespräch mit brutkasten | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

brutkasten: Wie versucht ihr, das zu ändern?

Wir sprechen uns seit rund einem Jahr offen für die Rx-Liberalisierung aus, auch im Austausch mit der Apothekerkammer. Eine von uns beauftragte EcoAustria-Studie hat das volkswirtschaftliche Potenzial einer Öffnung berechnet, etwa durch ersparte Wege, herausgekommen ist ein Betrag im dreistelligen Millionenbereich. Auf EU-Ebene erwarte ich viel, gleichzeitig liegt die Entscheidung bei den Mitgliedstaaten. Wichtig ist das hybride Modell: Niemand wird gezwungen, aber wer in Vorarlberg 30 Kilometer zur nächsten Apotheke hat, soll die Option bekommen.

brutkasten: Eine Online-Apotheke verschickt also nicht nur Pakete?

Nein, wir sind eine Apotheke und müssen beraten. Der durchschnittliche Rx-Kunde in Deutschland ist über 60, entsprechend hoch ist die Zahl unserer meist telefonischen Beratungsgespräche. Jede Bestellung durchläuft einen Wechselwirkungscheck, das Vier-Augen-Prinzip bilden wir digital ab. Erkennt das System eine Wechselwirkung, nehmen wir Kontakt auf, notfalls auch zum Arzt.

brutkasten: Wo setzt ihr auf KI?

KI nutzen wir, wo es geht, viel im Hintergrund, etwa im Pricing. Eine eigene AI-Unit beschäftigt sich mit Conversational Commerce. Wir tracken auch schon den Traffic über ChatGPT, der ist noch nicht relevant, steigt aber leicht.

brutkasten: Wo wollt ihr wachsen, und ist Amazon Pharmacy eine Gefahr?

Wachsen wollen wir in allen Bestandsmärkten, neue Markteintritte sind derzeit kein Thema, wir schauen uns aber immer potenzielle Märkte an. Der Fokus liegt klar auf dem Kerngeschäft. Amazon Pharmacy sehe ich nicht als unmittelbare Bedrohung, der US-Markt funktioniert so anders, dass sich die Modelle kaum vergleichen lassen.

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