28.02.2025
REGIERUNG

Wolfgang Hattmannsdorfer: Neuer Wirtschaftsminister ohne Startup-Erfahrung

In der Bundespolitik ist der neue ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer erst seit Kurzem präsent. Doch tatsächlich ist der studierte Ökonom, der seit Jahresbeginn WKÖ-Generalsekretär ist, Berufspolitiker.
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Wolfgang Hattmannsdorfer wird neuer Wirtschaftsminister | (c) Christoph Leeb via Wikimedia Commons
Wolfgang Hattmannsdorfer, Wirtschaftsminister | (c) Christoph Leeb via Wikimedia Commons

Bekanntlich kommt es häufig vor, dass Politiker:innen nach ihrer Polit-Karriere „in die Wirtschaft gehen“. Seltener passiert es zumindest hierzulande, dass sie „aus der Wirtschaft kommen“. Auch der neue ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer kann mit derlei Praxis-Erfahrung kaum aufwarten. Außer ein paar Jahren Arbeit bei einer Marketingagentur und bei einem Meinungsforschungsinstitut vor mehr als 20 Jahren, enthält seine Vita in der Spalte Berufserfahrung nur politische Positionen.

Wirtschaftsstudium mit Dissertation über Wahlkampfmanagement

Wolfgang Hattmannsdorfer studierte an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz Wirtschaftswissenschaften und absolvierte Auslandssemester in Taiwan und Summer-Schools in Indonesien. In seiner Dissertation 2007 beschäftigte er sich bereits mit dem Thema, das ihn zu diesem Zeitpunkt beruflich am meisten beschäftigte: Wahlkampfmanagement. Auch ein darauf folgendes Executive-Studium an der George Washington University in Washington D.C. absolvierte er im Fach Political Marketing.

Hattmannsdorfer von 2021 bis 2024 Sozial-Landesrat in Oberösterreich

Denn bereits seit 2003 war Hattmannsdorfer beruflich nur mehr für die ÖVP tätig – dazu kamen Tätigkeiten in Aufsichtsräten bzw. anderen Funktionen in parteinahen und halböffentlichen Unternehmen. Von 2013 bis 2021 war er Landesgeschäftsführer der ÖVP Oberösterreich, ab da Landesrat für Soziales, Integration und Jugend in Oberösterreich.

Zuletzt WKÖ-Generalsekretär

Seit Kurzem ist der Berufspolitiker nun auch in der Bundespolitik daheim. Seit der letzten Wahl im Oktober 2024 sitzt er im Nationalrat. Mit Anfang 2025 löste er Karlheinz Kopf als Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ab. Nun ist Wolfgang Hattmannsdorfer Wirtschaftsminister der ÖVP-SPÖ-NEOS-Regierung.

Kaum Berührungspunkte mit Startups bei Hattmannsdorfer

Mit Startups ist der neue Wirtschaftsminister – zumindest im Lichte der Öffentlichkeit – noch kaum in Berührung gekommen. Als oberösterreichischer Sozial-Landesrat lag sein Fokus über Jahre hinweg klarerweise auch in einem ganz anderen Feld. Dort zeichnete er unter anderem für einen Pflegetechnologiefonds und einen Digitalschwerpunkt im Jugendressort verantwortlich.

Elisabeth Zehetner soll als Staatssekretärin Abhilfe schaffen

Für die Startup-Community heißt es deswegen aber nicht Verzagen. Denn unter anderem für die Startup-Agenden kommt von der ÖVP auch Elisabeth Zehetner als Staatssekretärin ins Wirtschaftsministerium dazu, die sich mit dem Thema schon intensiver auseinandergesetzt hat.

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Christoph Schmidt (dritter v. l.) wird Präsident des neu gegründeten Bundesverbandes Energiespeicher Österreich. (c) BMWET

Österreich erzeugt zunehmend mehr erneuerbaren Strom, als das System in Echtzeit aufnehmen kann, heißt es von Seiten des neu gegründeten Bundesverbandes Energiespeicher Österreich. Das Problem: Überschussstrom werde zu Niedrigstpreisen exportiert, während man in anderen Phasen auf Importstrom angewiesen ist. Energiespeicher, wie jener in Nickelsdorf im Burgenland, sollen eine Lösung sein, indem sie Energieüberschüsse speichern und das Netz bei Bedarf stabilisieren.

Um die Energiespeicher in ihrer Entwicklung voranzutreiben, wurde mit dem Bundesverband Energiespeicher Österreich eine eigenständige Interessenvertretung geschaffen, die als Partner von Politik und Regulierungsbehörden auftreten soll.

Geschäftsführer von Bloch3 S als Präsident

Die Funktion des Präsidenten nimmt Christoph Schmidt ein. Als Geschäftsführer von Bloch3 S, der Speichersparte der Blochberger Gruppe, bringt er mehr als 15 Jahre Erfahrung in Energie- und Infrastrukturunternehmen mit. Schmidt ist unter anderem auch als ehemaliger Geschäftsführer des Vienna Airport Conference & Innovation Center bekannt.

Der Verband repräsentiert mehr als 35 Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Speicherbetrieb, Projektentwicklung, Energiewirtschaft, Technologie, Infrastruktur, Finanzierung und Vermarktung. Darunter fallen: EVN Naturkraft, BE Energy GmbH, Blackvolt Energy, Bloch3, Püspök, Electrify, Enspired, Contour Global, Enrail, Metaplan, Amarenco, Impeto und Hello Energy.

Ziel: Überwindung von Hemmnissen

Von Seiten des Verbands wird kritisiert, dass Energiespeicher in Österreich aktuell wie „Endverbraucher“, wie beispielsweise Haushalte oder Industriebetriebe, behandelt werden und dadurch doppelte Netzentgelte anfallen. Obwohl sie den Strom nicht selbst verbrauchen, sondern ihn für das Stromnetz zwischenspeichern und bei Bedarf wieder abgeben, blockiert diese finanzielle Doppelbelastung laut Verband aktuell geplante Investitionen von bis zu fünf Milliarden Euro.

Um diesen Investitionsstau aufzulösen, fordert der Bundesverband die rechtliche Anerkennung von Speichern als essenzielle Netzinfrastruktur und will nun darauf drängen, dass auf Basis des neuen Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG) diese regulatorischen Hürden in der Praxis endgültig abgebaut werden.

„Wir fordern keine Förderungen – wir fordern faire Spielregeln. Wenn Österreich die regulatorischen Hürden beseitigt, werden private Unternehmen die nötigen Milliarden investieren. Das Ergebnis: niedrigere Energiekosten, mehr Versorgungssicherheit und ein stärkerer Wirtschaftsstandort“, so Christoph Schmidt.

Österreich als Energiestandort

Als potenzieller Vorreiter für erneuerbare Energien in Mitteleuropa bringe Österreich beste Voraussetzungen mit. Der Bundesverband setzt sich dafür ein, dieses Potenzial durch einen einheitlichen nationalen Plan nutzbar zu machen. So sollen langfristig eine verlässliche Energieversorgung, wirtschaftliche Stärke und nationale Unabhängigkeit im Energiesektor gesichert werden.

Eine aktuelle Ausarbeitung belege laut Verband das Potenzial: Ein konsequenter Speicherausbau könne Österreich jährlich bis zu 4,1 Milliarden Euro an vermeidbaren Systemkosten einsparen. Haushalte würden von einer Entlastung von rund 200 Euro pro Jahr profitieren.

„Jede Kilowattstunde, die wir intelligent speichern, ist eine Kilowattstunde weniger Abhängigkeit von Gaslieferungen und geopolitischen Risiken. Energiespeicher sind keine Technologiefrage – sie sind eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit und eine nationale Chance“, appelliert Schmidt.

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