21.12.2023

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

Portugal ist in Europa ein Mekka für die Produktion nachhaltiger Mode. Auch der österreichische Gründer Klaus Buchroithner lässt die Kollektionen seiner beiden Fashion-Startups Das Merch und Vresh in dem westeuropäischen Land produzieren und nimmt die Kontrolle der Lieferkette selbst in die Hand.
/artikel/wo-bei-klaus-buchroithner-die-faeden-zusammenlaufen
Die Mode wird nachhaltig und fair in Portugal produziert | (c) Vresh GmbH

Wer sich mit Mode in der österreichischen Startup-Szene beschäftigt, der kommt um ihn nicht herum: Die Rede ist von Klaus Buchroithner. Bereits 2012 gründete er das Fashionlabel Vresh und bietet seit 2017 mit seiner Mitstreiterin Michaela Geiseder über die B2B-Schiene Das Merch nachhaltiges Merchandise für Firmen an. Zu den Kunden zählen zahlreiche bekannte Unternehmen und Startups wie beispielsweise Neoom rund um den oberösterreichischen Gründer Walter Kreisel oder das Greentech-Festival rund um Nico Rosberg. Auch die Wiener Linien setzen auf das Linzer Fashion-Startup und präsentierten Mitte Oktober mit der „WL23 Liquid Collection“ eine eigene Modekollektion, die im Fanshop des Verkehrsbetriebs erhältlich ist.

Während Buchroithner in seiner Anfangszeit mit lokalen Druckereien in Österreich zusammenarbeitete, um standardisierte T-Shirts zu bedrucken, stiegen in den ersten zwei Geschäftsjahren von Vresh schnell die Anforderungen und der Wunsch nach mehr Designmöglichkeiten. „Um wirklich unsere eigenen Kollektionen herstellen zu können, benötigten wir damals einen echten Textilproduzenten, und diesen zu finden war zunächst schwieriger als gedacht“, erzählt Buchroithner über die Anfangsphase seiner Unternehmerlaufbahn.

Mitte 2014 begab sich der Gründer daher auf die Suche nach einem Produzenten. Warum fiel schlussendlich die Wahl auf Portugal als Produktionsstandort? Wie so oft im Unternehmerleben spielten dabei der Zufall und persönliche Kontakte eine entscheidende Rolle. „Der Onkel meiner damaligen Freundin hatte einen Schulfreund, der vor 25 Jahren beruflich nach Portugal gegangen ist, um dort eine Strumpfhosenfabrik aufzubauen. Als ich ihm davon erzählte, dass ich das Thema faire Mode voranbringen möchte, lud er mich kurzerhand nach Portugal ein“, so der Gründer über seinen ersten Kontaktmann vor Ort, den er auch liebevoll als seinen „portugiesischen Onkel“ bezeichnet.

(c) Das Merch

Vom Erasmus für Jungunternehmer

An die erste Reise nach Portugal kann sich Buchroithner noch gut erinnern. „Bei meinem ersten Besuch habe ich keine einzige Fabrik besichtigt. Ich glaube, mein ‚portugiesischer Onkel‘ wollte damals einfach nur abchecken, ob er mir überhaupt helfen will und ob ich auch etwas Gutes im Sinn habe.“ Trotz der verpassten Chance, eine entsprechende Fabrik für sein Modelabel zu finden, sollte die erste Reise ein wichtiger Baustein für Buchroithners künftige Unternehmerkarriere werden: Zwischen dem jungen Gründer und seinem „portugiesischen Onkel” baute sich damals ein Vertrauensverhältnis auf. Nach weiteren Besuchen in Portugal beschloss Buchroithner, im Betrieb seines Bekannten für ein halbes Jahr ein „Erasmus für Jungunternehmer“ zu absolvieren.

(c) Das Merch

Um die eigene Produktion in Gang zu setzen, baute der Gründer Schritt für Schritt ein Netzwerk von Partnern auf. „Wir wollten keine große Fabrik damit beauftragen, sondern setzten auf eine gut selektierte Auswahl an kleinen Teilbetrieben.“ Zu diesen Betrieben zählt unter anderem eine Schneiderei, die sich in der Nähe der Ortschaft Fafe im Norden Portugals befindet. „In diesem Ort ist kaum eine Tür verschlossen. Wenn der Nachbar irgendetwas braucht, dann kommt er einfach und borgt es sich aus“, so Buchroithner. „Auch in unseren Partnerbetrieben geht es sehr familiär zu. Die Arbeiter:innen gehen mittags meist nach Hause und essen mit ihren Familien. Am Nachmittag kommen sie dann wieder in den Betrieb und setzen ihre Arbeit fort.“

(c) Das Merch

Trotz der familiären Stimmung machte der Gründer die Erfahrung, wie hart die wirtschaftlichen Bedingungen insbesondere für die kleineren Produktionsbetriebe vor Ort sind. „Meist kommen Agenturen mit Aufträgen zu den kleinen Betrieben und sagen: ‚Hier habe ch einen Auftrag für dich. Liefere uns 5.000 Teile. Das ist der Preis und hier ist der Liefertermin!‘ Einen wirklichen Hebel für Verhandlungen gibt es für die Schneidereien nicht.“

Faire Mode erfordert faire Bezahlung

Buchroithner wollte jedoch einen anderen Weg einschlagen. „Wenn du nicht den Mindestlohn von aktuell rund 760 Euro zahlst, sondern da und dort 50 bis 100 Euro im Monat mehr gibst, dann macht das am Ende des Jahres schon etwas aus.“ Dahingehend hat er bei seinem eigenen Partnerbetrieb initiiert, dass die Schneiderei ihre Mitarbeiter:innen über dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. „Die Schneiderei kann sich das leisten, weil wir sehr gut für die Aufträge zahlen. Wir liefern auch einen Weihnachts- und Osterbonus, was es sonst nicht geben würde.“ Am Ende des Tages würde es jedoch den Händler:innen obliegen, ob sie dafür auch bereit sind, zu zahlen.

(c) Das Merch

Obwohl sein Startup am Papier nur ein Händer und kein Produzent sei, ist Buchroithner bei den Partnerbetrieben sehr eng in die Produktionsprozesse eingebunden. Dies erfordert jedoch auch physische Präsenz vor Ort. „Im Schnitt verbringe ich zwei Monate im Jahr in Portugal. Heuer waren es aber schon mehr“, so der Gründer. Und er fügt an: „Wir können bei unseren Partnerbetrieben sehr viel steuern und haben auch Mitspracherecht.“

(c) Das Merch

Einer möglichen Beteiligung seines Startups an der Schneiderei steht er jedoch mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Wir könnten uns an der Schneiderei jederzeit beteiligen. Sofern dies der Fall ist, würden wir allerdings zwangsläufig ein Stück von deren Gewinn abschneiden. Es handelt sich daher um ein zweischneidiges Schwert.“ Am Ende des Tages sei es das Ziel, faire Arbeitsbedingungen zu ermögichen. Diesbezüglich verfolgt der Gründer auch ein ambitioniertes Ziel: „Unsere Kern-Mission ist es, 1.000 faire Arbeitsplätze zu schaffen.“

Geht sozialer Anspruch auch mit Nachhaltigkeit einher?

Neben dem Anspruch, faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, achtet Buchroithner in der Produktion seiner Mode zudem auch auf den Nachhaltigkeitsaspekt. Diesbezüglich merkt er allerdings an, dass es sich um einen fortlaufenden Entwicklungsprozess handelt: „Derzeit ist bei uns die soziale Komponente noch immer stärker aus geprägt als die Umweltkomponente.“ Dennoch verfolgt Buchroithner in Sachen Nachhaltigkeit einen hohen Anspruch.

(c) Das Merch

Für die Produktion der eingangs erwähnten „WL23 Liquid Collection“ der Wiener Linien setzte sein Startup beispielsweise auf wassersparenden digitalen Textildruck. Zudem wurden die Stoffe der Kollektion in Portugal nach GOTS-Standards produziert und bestehen zu 100 Prozent aus Biobaumwolle. GOTS steht für Global Organic Textile Standard und ist ein weltweit anerkanntes Textilsiegel, das für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern steht. Für viele kleinere Partner sei eine derartige Zertifizierung allerdings mit großen Herausforderungen verbunden. Buchroithner: „Eine GOTS-Zertifizierung kostet kleinere Betriebe oftmals den Jahreslohn eines ganzen Mitarbeiters.“ Dementsprechend könnten sich insbesondere kleinere Unternehmen in Portugal eine derartige Zertifizierung nicht leisten, obwohl sie eigentlich bereits nach nachhaltigen Kriterien produzieren würden.

„Wir könnten uns an der Schneiderei jederzeit beteiligen. Sofern dies der Fall ist, würden wir allerdings zwangsläufig ein Stück von deren Gewinn abschneiden. Es handelt sich daher um ein zweischneidiges Schwert.“

Klaus Buchroithner

Ein Betrieb mit nur zehn Mitarbeiter:innen hätte demnach im Verhältnis viel höhere Kosten für die Zertifizierung zu tragen als ein Betrieb mit 100 Mitarbeiter:innen. „Für uns wäre es wahrscheinlich einfacher, mit großen Betrieben zusammenzuarbeiten, die sich eine derartige Zertifizierung leisten können. Unsere Philosophie ist es jedoch, kleine Betriebe zu fördern“, so Buchroithner

Die Bereitschaft der Kund:innen und die Krise

Am Ende des Tages müssen die Konsument:innen natürlich auch bereit sein, für faire und nachhaltige Mode zu zahlen. Angesichts der allgemeinen Teuerung steige der wirtschaftliche Druck auf Firmen, die nachhaltig produzieren, zusätzlich. Buchroithner, der auch gut mit anderen Gründer:innen von nachhaltigen Modelabels vernetzt ist, hält diesbezüglich fest: „In der Krise werden nicht nur weniger biologische Lebensmittel konsumiert – natürlich ist auch die Nachfrage nach nachhaltiger Mode rückläufig.“

(c) Das Merch

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen rechnet der Gründer für 2023 mit einem leichten Wachstum, das ohne die derzeit vorherrschenden wirtschaftlichen Herausforderungen allerdings viel stärker ausgefallen wäre. „Natürlich spüren auch wir die Krise, insbesondere auch bei unserer B2B-Schiene ‚Das Merch‘. Budgets für HR und Marketing fallen aktuell geringer aus.“ 2021 erzielte das Startup mit Vresh und Das Merch übrigens seine erste Million Euro an Jahresumsatz.

Lieferkettengesetz und faire Spielregeln

Damit der Wachstumskurs trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen dennoch fortgesetzt werden kann, brauche es für alle Player am Markt klare Spielregeln: Die größte Herausforderung ist laut dem Gründer aktuell der unfaire Wettbewerb, den Billiganbieter wie Primark, Kik und Co betreiben. „Sie vermitteln den Konsumenten ein komplett verzerrtes Bild vom Preis. Derart billige Mode kann nur auf den Kosten von Menschen und Umwelt produziert werden.“ Dahingehend begrüßt der Gründer die EU-weite Einführung des Lieferkettengesetzes, obgleich die konkrete Ausgestaltung noch nicht feststeht. Hier sei die Politik klar gefordert: „Ganz nüchtern betrachtet ist es derzeit für ein kleines Modelabel eher ein wirtschaftlicher Nachteil, nachhaltig zu sein.“ Dennoch sei genau jetzt ein guter Zeitpunkt, eine Nische zu besetzen und eine nachhaltige Marke aufzubauen. Dafür braucht es jedoch ein „Zukunftsinvestment“, das von Gründer:innen eine Menge unternehmerischen Mut abverlangt.

Digitale Tools, direkter Kontakt

Große Unternehmen sowie börsennotierte Unternehmen mit einem Nettoumsatz von mehr als 40 Millionen Euro und mehr als 250 Beschäftigten müssen in der EU ab 2025 verpflichtend einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Obwohl sein Startup nicht darunterfällt, möchte Buchroithner mit einem positiven Beispiel vorangehen und gemeinsam mit seinem Team bereits nächstes Jahr seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Die größte Herausforderung sei dabei, an die entsprechenden Daten zu kommen. „Die Daten manuell zu erheben ist eine Mammutaufgabe und fast unmöglich. Daher entwickeln wir gerade ein digitales Tool, das die entsprechenden Daten erhebt und unsere Lieferkette transparenter gestaltet.“ Den direkten Kontakt vor Ort mit den Produzenten in Portugal, den der Gründer fast familiär pflegt, wird das Tool in Zukunft jedoch auch nicht ersetzen. Erst Anfang November machte sich Buchroithner daher wieder auf den Weg nach Portugal: „Gestern Abend bin ich in Porto gelandet, und natürlich werde ich von meiner Crew abgeholt. Die Managerin der Schneiderei ist für mich mittlerweile zu einer Art Schwester geworden.“


Der Artikel erschien zuerst in unserem neuen Printmagazin in der Ausgabe Dez/2023. Mehr darüber könnt ihr hier erfahren.

Deine ungelesenen Artikel:
04.08.2026

USB-Stick-Erfinder Dov Moran: „Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann“

„Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen“, warnt USB-Stick-Erfinder Dov Moran im brutkasten-Interview. Der israelische Tech-Pionier und heutige Deep-Tech-Investor erklärt, warum beim KI-Boom vor allem Hardware und Energieeffizienz zählen und warum Österreich sich nicht im Defense-Tech versuchen sollte. Brutkasten hat ihn auf der Restart Innovation & Investment Vienna getroffen.
/artikel/erfinder-des-usb-sticks-dov-moran-man-muss-nischen-finden-in-denen-man-wirkliche-wettbewerbsvorteile-aufbauen-kann
04.08.2026

USB-Stick-Erfinder Dov Moran: „Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann“

„Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen“, warnt USB-Stick-Erfinder Dov Moran im brutkasten-Interview. Der israelische Tech-Pionier und heutige Deep-Tech-Investor erklärt, warum beim KI-Boom vor allem Hardware und Energieeffizienz zählen und warum Österreich sich nicht im Defense-Tech versuchen sollte. Brutkasten hat ihn auf der Restart Innovation & Investment Vienna getroffen.
/artikel/erfinder-des-usb-sticks-dov-moran-man-muss-nischen-finden-in-denen-man-wirkliche-wettbewerbsvorteile-aufbauen-kann
USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wo bei Klaus Buchroithner die Fäden zusammenlaufen