04.03.2020

Wir müssen über Geld reden

Die Finanzwelt ist spannender als jedes Computerspiel. Aber kaum jemand blickt durch. Das muss sich ändern, schreibt Finanzexperte Niko Jilch zum Auftakt der brutkasten-Serie "Junges Geld".
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(c) Adobe Stock/Alexander Limbach/ Georg Schober

Wir glauben gerne, in einer Welt ohne Tabus zu leben. Wir debattieren über Politik, sprechen offen über Krankheiten, Religion und Liebesleben. Aber selbst die Reichen, die sich mit dem Thema eigentlich auskennen sollten, reden nur ungern über Geld. In einer Umfrage der Finanzberater von deVere geben 56 Prozent der betuchten Kunden an, dass es ihnen schwer fällt, mit Familie, Freunden oder Kollegen über Geld zu reden.

Dass die Angaben nicht übertrieben sind, wissen die meisten aus der eigenen Familie. Wann wird dort schon offen über Finanzen geredet? Viele kennen nicht mal das genaue Einkommen ihres Partners oder ihrer Partnerin. Von den Gesamtfinanzen der Familie ganz zu schweigen – wenn sich um die überhaupt jemand kümmert. Geld ist auch in den Schulen kaum Thema. Fast 80 Prozent der Österreicher sagen, dass die Finanz-Ausbildung unzureichend ist. Und nur acht Prozent fühlen sich in Sachen Wirtschaft wirklich fit.

In der Schule lernen wir vielleicht fürs Leben – aber sicher nicht für die Geldbörse

Das Ergebnis: Immer mehr junge Menschen verschulden sich für sinnlose Konsumausgaben. Autos, Handys und Fernseher werden auf Pump gekauft – und die Schuldnerkarriere geht oft schon vor der beruflichen los. Jede vierte zahlungsunfähige Österreicher ist erst 30 Jahre oder jünger. Viele haben schon vor ihrem 18. Geburtstag Geldprobleme.

Seit einem halben Jahrhundert wird an unseren Schulen „Geografie und Wirtschaftskunde“ unterrichtet. Jetzt wissen zwar alle, wo Island liegt, aber manche werden sich eine Reise dorthin nie leisten können. Hier muss sich etwas ändern. Und zwar schnell. Denn fehlendes Finanzwissen trägt auch zur Ungleichheit in der Gesellschaft bei. Das bietet Sprengstoff.

Diese neue Kolumne soll mit dem Tabuthema „Geld“ brechen und Orientierung bieten in der komplizierten aber aufregenden Welt der Finanzen. Das „Junge Geld“ von heute soll nicht mehr der Ahnungslosigkeit zum Opfer fallen. Die gute Nachricht: Dank Smartphone und Internet hat sich der Zugang zur Finanzwelt in den vergangenen Jahren radikal vereinfacht und verbilligt.

Unsere Eltern haben das Geld aufs Sparbuch gepackt – aber das hat weitgehend ausgedient

Das ist auch wichtig, denn mit Basiswissen ist es noch lange nicht getan. Wer es schafft, die vielen Schuldenfallen zu vermeiden, und unter seinen Verhältnissen zu leben – und sich etwas anspart – ist maximal den halben Weg gegangen. Früher, in der Generation unserer Eltern, hat das meist gereicht. Da wurde das Ersparte in das dafür vorgesehene Gefäß gepackt, das berühmte Sparbuch – und gut war‘s.

Aber spätestens seit der Finanzkrise ist diese Methode weitgehend obsolet. Es ist freilich immer noch besser, sein Geld aufs Sparbuch zu legen, als es in eine „todsichere Chance“ aus einer schwindligen WhatsApp-Gruppe zu stecken. Solche Bauernfängereien gilt es zu vermeiden. Aber auf lange Sicht, also auf 20, 30 oder sogar 40 Jahre, hat das Sparbuch als Geldspeicher ausgedient.

Das liegt an den Zinsen, also dem Preis des Geldes. Früher konnte man seinem Vermögen am Sparbuch beim Wachsen zusehen. Das ist vorbei. Denn Zinsen gibt es nicht mehr. Sie liegen bei exakt null. Weil aber die Welt um uns herum gleichzeitig immer teurer wird, zahlen Sparbuch-Sparer ordentlich drauf. Wegen der Inflation, deren furchtbare Wirkung auf das Ersparte 35 Prozent der Österreicher gar nicht erklären können.

Aktien, Gold und Börse sind ein besserer Zeitvertreib als jedes Computerspiel – wenn das Vorwissen stimmt

Rund 260 Mrd. Euro bunkern die Österreicherinnen und Österreicher auf Sparbüchern. Das meiste Geld gehört nicht den jungen Menschen. Aber die werden es mal erben. Die Frage ist nur: Wie viel ist es dann noch wert? Was kann ich noch drum kaufen? Und was sind die Alternativen zum Sparbuch? Aktien, Fonds, ETFs, Gold, Anleihen, Zertifikaten oder gar Bitcoin?

Zwar soll diese Kolumne niemanden an den Kapitalmarkt drängen. Dort herrscht immer auch Risiko. Und jeder muss für sich beurteilen, wie viel Risiko er bereit ist, zu tragen. Aber man braucht Wissen und Infos, um diese Beurteilung vornehmen zu können.

Die Welt des Geldes ist unheimlich spannend und lehrreich, wenn man sich hineintraut. Ein viel besserer Zeitvertreib als jedes Computerspiel. Aktien und andere Wertpapiere sind heute auch kein Metier der Reichen mehr. Dank neuen Apps, günstigen Brokern und Fonds kann jeder mitmachen. Aber nur, wenn das Vorwissen stimmt. Und hier soll diese Kolumne ein bisschen helfen – lasst uns endlich übers Geld reden!


Über den Autor

Niko Jilch ist Wirtschaftsjournalist, Speaker und Moderator. Nach acht Jahren bei der „Presse“ ging er Ende 2019 zum Thinktank „Agenda Austria“, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Bereiche „Geldanlage und digitale Währungen“ abdeckt, sowie digitale Formate aufbaut, etwa einen neuen Podcast. Twitter: @jilnik

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Reploid-CEO Philip Pauer (r.) und -CBO Jonas Finck läuteten heute die Börsenglocke | (c) Wiener Börse AG / Alexander Felten
Reploid-CEO Philip Pauer (r.) und -CBO Jonas Finck läuteten im Juli 2025 die Börsenglocke | (c) Wiener Börse AG / Alexander Felten

Im Juli 2025 ging das Welser Insektenzucht-Scaleup Reploid in einem durchaus ungewöhnlichen Schritt nur vier Jahre nach der Gründung am Direct Market Plus an die Wiener Börse. Ein Run auf die Aktie blieb damals aus – es gab keinen Trade am ersten Tag, wie brutkasten berichtete.

Große Meilensteine, aber noch immer wenig Handelsvolumen

Seitdem hat sich bei Reploid viel getan: Millionenfinanzierungen, geografische Expansion, neue große Kunden, zahlreiche Personalien und eine Steigerung auf rund neun Millionen Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr (brutkasten berichtete). Einzig: Die Liquidität der Aktie, die aktuell bei 1.700 Euro pro Stück steht, hält sich nach wie vor in Grenzen, wie ein Blick auf Daten der Wiener Börse verrät. Oft gibt es mehrere Tage lang keine Trades, nur an wenigen Handelstagen werden zweistellige Stückzahlen erreicht.

Aktiensplit geht mit Erhöhung des Grundkapitals einher

Doch das soll sich jetzt ändern. Denn wie Reploid per Aussendung bekanntgibt, plant man einen Aktiensplit im Verhältnis 1:15 – der Preis einer Aktie reduziert sich damit also auf ein Fünfzehntel des aktuellen Werts. Damit erhöht sich die Anzahl der Aktien von 110.881 auf 1.663.215, wobei auf jede Stückaktie weiterhin ein anteiliger Betrag am Grundkapital von einem Euro entfällt.

Das bedeutet auch: Das Grundkapital muss dafür von derzeit 110.881 Euro auf 1.663.215 Euro erhöht werden. Das soll ohne die Ausgabe neuer Aktien, sondern „durch Umwandlung eines Teilbetrags der nicht gebundenen Kapitalrücklagen, die sich aus dem im Geschäftsjahr 2025 gesteigerten Eigenkapital speisen“, erfolgen. Der Beschlussvorschlag dafür werde der ordentlichen Hauptversammlung am 14. September 2026 vorgelegt, heißt es von Reploid.

„Wollen die Reploid-Aktie speziell für Retail-Investoren leichter handelbar und attraktiver machen“

„Die Reploid-Aktie notierte zuletzt bei 1.700 Euro. Würden wir heute splitten, läge der Kurs bei etwa 113 Euro. Genau das ist unser Ziel: Wir wollen die Reploid-Aktie speziell für Retail-Investoren leichter handelbar und attraktiver machen“, kommentiert Gründer und CEO Philip Pauer.

Ob die gewünschte Wirkung erzielt wird, bleibt freilich abzuwarten. Die Liquidität im Direct Market Plus der Wiener Börse ist generell niedrig. Wohl aber zeigt ein Blick auf die Daten: Titel mit geringeren Stückkosten kommen tendenziell auf mehr Trades.

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AI Summaries

Wir müssen über Geld reden

  • In einer Umfrage der Finanzberater von deVere geben 56 Prozent der betuchten Kunden an, dass es ihnen schwer fällt, mit Familie, Freunden oder Kollegen über Geld zu reden.
  • Geld ist auch in den Schulen kaum Thema. Fast 80 Prozent der Österreicher sagen, dass die Finanz-Ausbildung unzureichend ist. Und nur acht Prozent fühlen sich in Sachen Wirtschaft wirklich fit.
  • Das Ergebnis: Immer mehr junge Menschen verschulden sich für sinnlose Konsumausgaben.
  • Auch die Anlageform unserer Eltern hat ausgedient: Früher konnte man seinem Vermögen am Sparbuch beim Wachsen zusehen. Das ist vorbei. Denn Zinsen gibt es nicht mehr. Sie liegen bei exakt null.
  • Diese Kolumne soll das entsprechende Finanzwissen vermitteln.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

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  • Auch die Anlageform unserer Eltern hat ausgedient: Früher konnte man seinem Vermögen am Sparbuch beim Wachsen zusehen. Das ist vorbei. Denn Zinsen gibt es nicht mehr. Sie liegen bei exakt null.
  • Diese Kolumne soll das entsprechende Finanzwissen vermitteln.

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Wir müssen über Geld reden

  • In einer Umfrage der Finanzberater von deVere geben 56 Prozent der betuchten Kunden an, dass es ihnen schwer fällt, mit Familie, Freunden oder Kollegen über Geld zu reden.
  • Geld ist auch in den Schulen kaum Thema. Fast 80 Prozent der Österreicher sagen, dass die Finanz-Ausbildung unzureichend ist. Und nur acht Prozent fühlen sich in Sachen Wirtschaft wirklich fit.
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  • In einer Umfrage der Finanzberater von deVere geben 56 Prozent der betuchten Kunden an, dass es ihnen schwer fällt, mit Familie, Freunden oder Kollegen über Geld zu reden.
  • Geld ist auch in den Schulen kaum Thema. Fast 80 Prozent der Österreicher sagen, dass die Finanz-Ausbildung unzureichend ist. Und nur acht Prozent fühlen sich in Sachen Wirtschaft wirklich fit.
  • Das Ergebnis: Immer mehr junge Menschen verschulden sich für sinnlose Konsumausgaben.
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  • In einer Umfrage der Finanzberater von deVere geben 56 Prozent der betuchten Kunden an, dass es ihnen schwer fällt, mit Familie, Freunden oder Kollegen über Geld zu reden.
  • Geld ist auch in den Schulen kaum Thema. Fast 80 Prozent der Österreicher sagen, dass die Finanz-Ausbildung unzureichend ist. Und nur acht Prozent fühlen sich in Sachen Wirtschaft wirklich fit.
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