05.11.2018

Seeanoli: Ein Tag mit Schafzüchter, Detektiv, Bestatter und Co.

Im Gegensatz zu Facebook, Instagram und co. zielt das Wiener Startup "Seeanoli" mit seiner Plattform auf echte menschliche Begegnungen ab. Mit ihr kann man für einen Tag Gast im Leben von anderen Personen werden, um den eigenen Horizont zu erweitern.
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Seeanoli.
(c) Seeanoli.

Einfach für einen Tag in ein anderes Leben eintauchen, fremde Berufe und Hobbies kennenlernen, den eigenen Horizont erweitern und über den Tellerrand hinausblicken. Das tut man selten, vielleicht sollte man es aber öfter tun. Nur wie, wenn man keine entsprechenden persönlichen Kontakte hat? Mit Seeanoli (Abkürzung für „see another life“) geht das recht einfach: Auf der Online-Plattform kann man sich seinen Wunsch-Gastgeber aussuchen, einen Tag bei ihm buchen und nach individueller Vereinbarung sicher und unkompliziert den Menschen und seine Tätigkeit kennenlernen. Mit der Plattform möchte der Gründer Dirk Schwendt „Neugier für andere Menschen, Berufe und Lebenskonzepte wecken. Normalerweise geht man nicht zum Bäcker und fragt, hey, kann ich morgen einen Arbeitstag mit dir verbringen?“

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Vom Bestatter zur Würstelstand-Besitzerin

„Seeanoli wächst. Wir haben bereits 130 registrierte Gastgeber auf unserer Plattform“, freut sich Schwendt, der mit der „Plattform für echtes Leben“ 2016 startete. „Unser Angebot lebt von der Vielfalt der Gastgeber“, betont Schwendt. „Wir haben in den letzten Monaten mit unseren Life Scouts eine große Bandbreite wunderbarer Menschen gewinnen können, die einladen, ihren Alltag kennenzulernen. Es finden sich bei Seeanoli so unterschiedliche Menschen wie Schafzüchter, Detektiv, Würstelstand-Besitzerin, Politikerin, Geigenbauer, Pokerspieler oder Bestatter“.

„Diese Art von Angebot war am Markt noch nicht etabliert“

„Wir mussten in der Anfangsphase viel Aufklärungsarbeit leisten und Vertrauen schaffen. Seeanoli ist ein neues Produkt, eine neue Idee. Diese Art von Angebot war am Markt noch nicht etabliert“, erzählt der Gründer. Jetzt tritt das Wiener Startup in die nächste Phase ein: „Wir möchten unser inzwischen sehr vielfältiges Angebot verstärkt in Richtung potenzieller Gäste kommunizieren“, betont Schwendt.

Seeanoli: So funktioniert die Online-Plattform

Seeanoli möchte es den beteiligten Parteien so einfach wie möglich machen. Für den Gastgeber entstehen zu keinem Zeitpunkt Kosten oder Gebühren. Er legt ein kurzes Profil an, in dem er seinen Alltag beschreibt und die Rahmenbedingungen für  einen Besuch bei ihm festlegt. Anschließend lädt er einige Bilder hoch und legt den Preis für den Besuch fest. Und dann kann er sein Angebot unmittelbar selbst online schalten. Der Gast wählt auf der Seeanoli-Plattform einen für ihn interessanten Gastgeber aus und kauft einen Gutschein für sein Alltags-Erlebnis. Seeanoli stellt dann Gast und Gastgeber die jeweiligen Kontaktdaten zur Verfügung, damit die beiden einen Termin vereinbaren können. Der Gast hat anschließend die Möglichkeit, eine Bewertung seines Besuchs zu hinterlassen, die beim Gastgeberprofil veröffentlicht wird.

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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Gute Zahlen, verhaltene Stimmung“ titelte brutkasten im Juli zur letzten Ausgabe des quartalsweise erscheinenden European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital. Denn obwohl das Investment-Volumen in Europa im zweiten Quartal einen Rekordwert erreichte, fiel die im Indexwert aggregierte Stimmungslage zwar besser als ein Quartal zuvor erwartet, aber doch knapp negativ aus. Der nun erschienene EVSI für das dritte Quartal zeigt das umgekehrte Bild: Zwar ging das Investmentvolumen wieder zurück, die Stimmungslage übertrifft die Erwartung aus dem Vorquartal (4,4 Punkte; 5 ist neutral) aber deutlich und liegt mit 5,4 Punkten wieder knapp im positiven Bereich.

(c) Venionaire Capital

Die Stimmungsindikatoren im Detail: Getragen wurde die Verbesserung laut Venionaire vor allem von einer deutlich höheren Investor:innenaktivität, die gegenüber dem Vorquartal um 33,9 Prozent zulegte. Auch das Fundraising-Umfeld habe sich um 27,3 Prozent verbessert, die Qualität der Dealflows um 16,7 Prozent. Gleichzeitig gingen die Startup-Bewertungen um 6,4 Prozent und der Wettbewerb um Deals um 6,2 Prozent zurück.

Die aktuelle Prognose für das kommende Quartal ist mit dem neutralen Wert 5 wieder etwas verhaltener. Bei den konkreten Indikatoren erwarten die befragten Investor:innen aber weitreichende Verbesserungen, konkret ein Plus von 34,7 Prozent bei der Investor:innenaktivität, plus 10,6 Prozent bei Startup-Bewertungen, plus 8,2 Prozent beim Fundraising-Umfeld und plus 1,7 Prozent bei der Qualität des Dealflows. Lediglich beim Wettbewerb um Deals wird ein Minus von 8,8 Prozent erwartet.

Dealvolumen gesunken, aber deutlich über Vorjahresniveau

Das tatsächliche europaweite Dealvolumen sank im dritten Quartal zwar, wie erwähnt, im Vergleich zum Vorquartal, lag aber laut begleitender EVSI-Analyse dennoch deutlich über dem Vorjahresniveau. Demnach wurden europaweit 24,7 Milliarden US-Dollar investiert – ein Rückgang von 14,9 Prozent gegenüber Q2, aber ein Plus von 64,9 Prozent gegenüber Q3 2025. Die Zahl der Transaktionen sank gegenüber dem Vorquartal um 10,5 Prozent auf 864 Deals, lag damit aber weiterhin 1,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

(c) Venionaire Capital

13,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 56,2 Prozent des gesamten investierten Kapitals entfielen dabei im dritten Quartal auf Late-Stage-Finanzierungen. Seed- und Angel-Runden stellten mit 521 Deals zwar weiterhin mehr als 60 Prozent aller Transaktionen, machten mit 1,8 Milliarden US-Dollar jedoch lediglich 7,4 Prozent des investierten Kapitals aus. Und ein weiteres spannendes statistisches Detail: Sowohl Deutschland (6,1 Milliarden US-Dollar) als auch Frankreich (5 Milliarden) überholten beim Dealvolumen im dritten Quartal das Vereinigte Königreich (4,9 Milliarden). Herausstechend waren dabei die Investments für Mistral AI mit 3,5 Milliarden US-Dollar, Helsing mit 1,8 Milliarden US-Dollar und Quantum Systems mit 1,2 Milliarden US-Dollar.

Venionaire-Chef Berthold Baurek-Karlic kommentiert: „Der europäische Venture-Markt entwickelt sich zunehmend auf zwei unterschiedlichen Bahnen. An der Spitze zeigt Europa eine größere Bereitschaft, strategische Technologien in großem Maßstab zu finanzieren, insbesondere in den Bereichen KI, Verteidigung und DeepTech. Europa wird immer besser darin, seine stärksten Unternehmen in großem Maßstab zu finanzieren, während die Finanzierung in der Frühphase nach wie vor eine größere Herausforderung darstellt.“ Das vierte Quartal werde „turbulent“. „Wir erwarten, dass zum Jahresabschluss jede Investorin und jeder Investor noch versuchen wird, Deals zu finalisieren.“

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