27.02.2025
CORPORATE VENTURE CAPITAL

Wie Japan Airlines sich zu einem globalen CVC-Fonds mit 70 Mio. US-Dollar Kapital entwickelte

Im Rahmen des Innovations-Breakfasts hat die Investitions- und Innovationsplattform Plug and Play Österreich zum Flughafen Wien eingeladen. Dort gewährte Japan Airlines Ventures Einblicke in seine Entwicklung von einer reinen Fluggesellschaft zu einem global tätigen CVC-Fonds.
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Nik Munaretto, Managing Director bei Plug and Play Österreich und Shiro Matsuzaki von Japan Airlines Ventures © brutkasten

Von außen betrachtet wirkt Japan Airlines (JAL) wie eine gewöhnliche Fluggesellschaft. Doch hinter den Kulissen treibt das Unternehmen seit einigen Jahren einen ambitionierten Plan voran. JAL positioniert sich als eine der größten Fluggesellschaften Japans. Nun will die Fluggesellschaft mit „Japan Airlines Ventures“ ein weiteres Geschäftsfeld erschließen. „Wir möchten unser Geschäftsportfolio diversifizieren, indem wir nicht nur in den klassischen Airline-Bereich investieren, sondern auch in Raumfahrtprojekte und in andere Mobilitätsformen“, erklärt Shiro Matsuzaki, Strategic Investment Director von Japan Airlines Ventures.

Fondsvolumen von 70 Mio. US-Dollar zur Verfügung

Der Einstieg in das Innovations-Ökosystem gelang Japan Airlines durch eine Zusammenarbeit im Jahr 2015 mit Plug And Play im Silicon Valley, einer US-amerikanischen Investitions- und Innovationsplattform. Plug and Play selbst befindet sich seit Herbst 2019 in einer engen Kooperation mit der Vienna Airport City – brutkasten berichtete.

2019 gründete Japan Airlines schließlich seinen eigenen Corporate-Venture-Capital (CVC)-Fonds. Zu dieser Zeit hatten laut Matsuzaki etwa acht oder weniger Fluggesellschaften einen solchen Fonds. Japan Airlines Ventures hat ein Fondsvolumen von 70 Millionen US-Dollar zur Verfügung, das innerhalb von zehn Jahren in diverse Investments fließen soll. Pro Startup investiert der CVC-Fonds laut Matsuzaki zwischen einer und drei Millionen US-Dollar, mit möglichen Folgeinvestitionen bis zu fünf Millionen US-Dollar.

Der Fokus liege dabei auf den Bereichen Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Das Portfolio ist global ausgerichtet und beinhaltet derzeit zwölf aktive Beteiligungen. Bisher erfolgten insgesamt drei Exits, von denen zwei erfolgreich waren, so Matsuzaki.

Bisher getätigte Investments

Als eines der spannendsten Investment zählt Matsuzaki unter anderem das Startup Regent mit Sitz in Rhode Island auf. Es entwickelt einen elektrisch betriebenen „Sea Glider“, der in niedriger Höhe über dem Wasser gleitet, dort landet und mit Geschwindigkeiten von bis zu rund 200 Meilen pro Stunde – umgerechnet in etwa 322 km/h – kurze und mittlere Distanzen zurücklegt. Solche Verbindungen könnten auf Inselgruppen wie in Japan eine attraktive und umweltfreundliche Alternative zu kurzen Fähr- oder Autofahrten werden – ganz ohne die aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen, die für klassische Flugzeuge gelten.

Zudem investierte Japan Airlines Ventures in das Unternehmen Matter Motors. Dieses indische Startup produziert vollelektrische Motorräder, die zukünftig in ein ganzheitliches Mobilitätskonzept eingebunden werden können – vom Haus bis zum Flughafen und weiter in die Luft.

Wissen und Fachkenntnisse in neuen Technologiefeldern

Die Investitionen in Startups tragen dazu bei, wichtige Innovationen im Mobilitätssektor voranzubringen. Allerdings erklärt Matsuzaki, dass Japan Airlines aus dem Fonds auch einige Vorteile zieht. Die Hauptmotivation für die Investments von Japan Airlines Ventures besteht darin, Wissen und Fachkenntnisse in neuen Technologiefeldern zu erwerben. Dadurch erhält man wertvollen Zugang zu Expert:innenwissen in verschiedenen Bereich. Dieses Wissen kann somit intern weitergegeben werden, um strategische Entscheidungen zu treffen und sich als „First Mover“ in neuen Märkten zu positionieren.

Japan Airlines will also durch seine Investments nicht nur finanzielle Rendite erzielen, sondern auch strategische Ziele verfolgen, indem sie Wissen aufbaut, Innovationen fördert und ein diversifiziertes Mobilitäts-Ökosystem schafft.

Zweiter, größerer Fonds in Planung

Japan Airlines hat mit seinem CVC-Fonds ein klares Ziel vor Augen: Neben neuen Einnahmequellen und Kostenoptimierungen stehe vor allem der Wissensvorsprung im Fokus. Eine wichtige Erkenntnis aus den ersten Jahren war für Matsuzaki, dass nicht jedes Projekt erfolgreich sein wird. Gerade im Mobilitätssektor seien Regulierungshürden hoch und technische Risiken nicht zu unterschätzen.

Dennoch plant Japan Airlines die Auflegung eines zweiten, größeren Fonds mit einer stärkeren strategischen Ausrichtung, der auch Fusionen und Übernahmen als Teil der Exit-Strategie umfasst, verrät Matsuzaki.

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Das Tumbleweed-Team © Tumbleweed

Vier Monate nachdem Tumbleweed mit „Oasis Alpha“ Österreichs ersten kommerziellen Satelliten an Bord einer SpaceX-Rakete ins All geschickt hat, vermeldet das Wiener Jungunternehmen frisches Kapital. In einer 6,9 Millionen Euro schweren Seed-Runde investieren Lead-Investor PactVC, Vanagon Ventures, Prototype Capital, EWOR sowie internationale Business Angels.

Rund 300.000 Euro aus eigenen Reihen

Auffällig ist das finanzielle Engagement der eigenen Belegschaft: Mehr als ein Drittel der 25 Mitarbeitenden steuerte insgesamt rund 300.000 Euro aus eigener Tasche bei. Der Impuls dazu kam aus dem Team selbst. „Als Founder ist das natürlich mehr, als ich mir je erträumt hätte“, sagt Co-Gründer und CEO Julian Rothenbuchner gegenüber brutkasten.

Auf Investorenseite ging die Beteiligung von EWOR auf eine persönliche Empfehlung zurück, wie Rothenbuchner erzählt: Ein befreundeter Investor war unmittelbar eingestiegen und vermittelte den Kontakt zu EWOR-CEO Daniel Dippold. „Tumbleweed hat Österreichs ersten kommerziellen Satelliten schneller in den Orbit gebracht, als die Zertifizierung eines einzigen Experiments normalerweise dauert. Julian hat genau das geliefert, was er uns beim ersten Treffen angekündigt hat — nur schneller“, so Dippold. „Jetzt kann jedes Labor und jeder Hersteller den Weltraum nutzen, ohne selbst zu einem Raumfahrtunternehmen zu werden.“

Von Mars-Plänen zur orbitalen Forschungsplattform

Einer der Tumbleweed-„Pods“ © Tumbleweed

Das ursprünglich mit dem Konzept eines windgetriebenen Marsrovers gestartete Unternehmen konzentriert sich heute auf standardisierte Experimente in der Mikrogravitation. Weil Zertifizierungen für die Internationale Raumstation ISS laut Tumbleweed oft Jahre beanspruchen, entwickelte das Startup vorzertifizierte Nutzlastbehälter („Pods“), die ab 15.000 Euro buchbar sind.

F&E-Teams aus Pharma, Biotech und Materialwissenschaften sollen so Strom- und Datenanbindung im Orbit, ohne eine eigene Satelliteninfrastruktur aufbauen zu müssen, erhalten. Dass dieses Setup im Markt greift, zeigte das Team im Sommer: Die Hardware für Oasis Alpha entstand in unter neun Monaten und flog mit vier zahlenden Kund:innen.

Drei Missionen für 2027 und Kapsel-Rückkehr ab 2028

Vorbereitungen für Oasis Alpha © Tumbleweed

Mit dem frischen Kapital will das 25-köpfige Team mit Standorten in Wien und den Niederlanden drei orbitale Missionen im Jahr 2027 für mehr als zehn Kund:innen finanzieren. Für die Raketenstarts verhandelt Tumbleweed weltweit, setzt künftig jedoch verstärkt auf europäische Partner:innen, heißt es von Seiten des Unternehmens.

„Diese Finanzierung erlaubt es uns, das zu skalieren, was wir mit unserer ersten Mission Oasis Alpha bewiesen haben: dass Mikrogravitation eine breit verfügbare industrielle Ressource sein kann. Wir freuen uns sehr darauf, diese Möglichkeit nun noch mehr Kunden zu eröffnen und letztendlich eine Zukunft zu bauen, in der Mikrogravitation genutzt wird für zehnmal bessere Krebstherapien, zehnmal bessere Halbleiter und eine zehnmal schnellere Pharmaentwicklung“, erklärt Rothenbuchner.

Parallel treibt das Startup die Folgeplattform „Oasis Beta“ voran. Die Vorbereitungen laufen, erste Kundengelder liegen laut CEO Rothenbuchner bereits auf dem Konto. Ab 2028 sollen Experimente zudem physisch zur Erde zurückgebracht werden. Dafür entwickelt das Team seit mehreren Monaten eine Kapsel, die sich im Orbit vom Satelliten trennen und mit einem Fallschirm landen soll.

So soll der Oasis Beta Satellit aussehen © Tumbleweed
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