13.06.2017

Wie europäische Startups Investoren aus Amerika gewinnen können

Matt McCooe ist ein amerikanischer Investor. Nachdem er durch Europa gereist ist, gibt er nun Tipps, wie europäische Startups den US-Markt erobern können.
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(c) md3d -fotolia.com: Wie können Startups den US-Markt erobern?

Seit über zehn Jahren arbeite ich als Venture Capitalist in Amerika und es gab in unserem Geschäft immer diese alte goldene Regel, dass man nur in Startups investieren sollte, die man innerhalb einer Stunde per Auto erreichen kann. Ursprünglich machte diese Regel auch total Sinn, damit man nahe an den Startups dran ist, deren Team und Kunden versteht und ihnen auch mit Rat und Tat helfen kann .

Aber macht in der heutigen Zeit mit Skype und billigen Flügen diese Regel wirklich noch Sinn? Sollte es nicht die einzige echte Regel eines VC sein, in die besten Startups wo auch immer zu investieren und ihnen beim Wachsen zu helfen? Ich folge dieser neue Regel, denn als US Investor suche und investiere ich in die  besten europäischen Startups und helfe ihnen dann, den riesigen amerikanischen Markt zu erobern, wo sie wachsen können und auch signifikante Exits finden.

Vor ein paar Wochen war ich zu Besuch in ein paar europäischen Städten, um die lokalen Tech-Szenen zu verstehen, wie die dortigen Gründer ticken und herauszufinden, wer sie in der ersten Runde finanziert. Ich war überrascht und bin begeistert von der Kreativität, dem Erfindergeist und der Zielstrebigkeit von Gründern in Berlin, London, München und Barcelona. Hier ist, was ich von ihnen gelernt habe:

Globales Denken, wie deine Kunden

Wie Josef Brunner zu mir in München sagte: „Deine Kunden sind global, also solltest du auch von Anfang an global sein.“ Josef weiß sehr genau, wovon er spricht; sein Münchener Startup Joulex wurde von Cisco um mehr als 100 Millionen Dollar gekauft und er schloss gerade eine 11 Millionen- Series-A Runde mit seinem Berliner Startup Relayr.io ab – mit Kleiner Perkins aus dem Silicon Valley.

Redaktionstipps

Chancen ausgleichen gegenüber US Startups

Christian Bogatu, ein junger Unternehmer in Kalifornien und Berlin, gab uns bei einem Event mit einer Gruppe von Berlinern Startups die Einsicht mit, dass „die Chancen hoch sind, dass es im Moment ein ähnliches Startup wie deines im Silicon Valley gibt, das 10 Millionen mehr eingesammelt hat als du und dich besiegen wird, wenn du nicht global denkst. “

Meilensteine setzen

Ich erkannte bei einem Münchner Event, dass US-Investoren dazu neigen, größere Schecks zu schreiben und Gründer ermutigen, in größeren Sphären zu denken. Eine typische Konversation mit einem deutschen VC geht so, dass er versucht, eine niedrigere Bewertung und niedrigere Investitionen zu verhandeln, während ein US-Investor fragt: „Welche Meilensteine ​​könntest du mit zehn Millionen extra schneller erreichen? Wie wirst du ein Milliarden-Dollar-Unternehmen? “

Zugang zu US-Geld ist nicht einfach

Oft sehen die deutschen Gründer, mit denen ich gesprochen habe, viele Hürden, um amerikanische Investoren für ihre Startups zu finden. Mein Rat für alle anspruchsvollen Unternehmer in Europa ist, nach US-VCs zu suchen, die bereits in Europa investieren. Fonds wie wir, Connecticut Innovations, haben sogar einen fünf Millionen Dollar Wettbewerb, um Startups aus der ganzen Welt zu gewinnen. Bei VentureClash ist es uns egal, welches Format eure juristische Person hat (Inc, GmbH, SA, Ltd) oder ob diese europäischen Startups bereits irgendwelche US-Kunden haben.

DACH ist nicht global

Ein Münchner VC fasste beim Royal Jungle Startup Event die Situation gut zusammen: „Deutsche Startups haben ein Dilemma, da ihr lokaler DACH Markt von 100 Millionen Menschen groß genug ist, um eine lokale Lösung zu rechtfertigen. Aber genau dieser mittel-große Markt hält sie oft davon ab, ein wirklich globales Unternehmen zu werden.“ Wenn man diese lokale Mentalität mit israelischen Startups vergleicht, erkennt man, dass diese vom ersten Tag an schon ein globales Unternehmen bauen, um erfolgreich sein zu müssen.

Ich hoffe daher, es segeln mehr europäische Startups nach Amerika und wenn ihr es tut, dann werden US Investoren wie ich euch freudig erwarten und in euch investieren.

Über den Autor

Matt McCooe ist Chief Executive Officer bei Conneticut Innovations. Er ist seit mehr als zehn Jahren im Venture Capital Business unterwegs. Vor Kurzem absolvierte er eine VC-Tour durch Europa und berichet nun über seine Erfahrungen.

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Wolfgang Reisinger und Michael Hurnaus bildeten die Führungsspitze von Tractive und sind nun auch bei Traxit an Bord | (c) Tractive

Erst im August dieses Jahres wurde die Early-Stage-Investment-Firma „Traxit“ vom ehemaligen Tractive-Führungsteam gegründet (brutkasten berichtete). Nun investiert das 19-köpfige Team rund um Wolfgang Reisinger und Michael Hurnaus in 7hauben, einem oberösterreichischen Kochkurs-Startup. Die Finanzierungsrunde liege im mittleren sechsstelligen Bereich.

„Hochwertige Inhalte und ein skalierbares Abo-Geschäftsmodell“

„7hauben hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sich hochwertige digitale Inhalte und ein skalierbares Abo-Geschäftsmodell erfolgreich verbinden lassen. Das starke Wachstum, die konsequente Weiterentwicklung des Produkts und die klare internationale Perspektive haben uns überzeugt. Wir freuen uns, das Team bei der nächsten Wachstumsphase zu begleiten“, sagt Michael Hurnaus, Mitgründer von Tractive und Investor bei Traxit.

Übernahme von Vegan Masterclass

Parallel zu der Investition übernimmt 7hauben die deutsche Vegan Masterclass, eine digitale Kochschule für pflanzenbasierte Küche, sowie das Weiterbildungsangebot der vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik. Mit der Akquisition wachse das Kursangebot auf mehr als 150 Online-Kochkurse.

„Mit Vegan Masterclass übernehmen wir eine starke Marke mit herausragenden Inhalten und einer Community, die für hochwertige pflanzliche Küche begeistert ist. Wir sehen enormes Potenzial, die Plattform mit unserer Erfahrung in Marketing, Technologie und Kursproduktion weiterzuentwickeln“, sagt Johannes Sailer, Geschäftsführer von 7hauben.

Die Zusammenarbeit mit Vegan-Masterclass-Gründer Sebastian Copien werde fortgesetzt und das deutsche Unternehmen als eigenständige Marke weitergeführt. 7hauben plant, das Angebot durch zusätzliche Kursproduktionen, gezieltes Marketing und technologische Weiterentwicklungen auszubauen. Dabei sollen insbesondere Synergien bei der Videoproduktion, Vermarktung und Plattformtechnologie genutzt werden.

Wachstum um „knapp 40 Prozent“

Der Umsatz von 7hauben liege „um knapp 40 Prozent“ über jenem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Bis Jahresende peile man mehr als drei Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) an. Insgesamt sollen bisher mehr als 100.000 zahlende Kund:innen das Angebot von 7hauben genutzt haben. Besonders stark entwickle sich die Neukundengewinnung mit einem Plus von nahezu 70 Prozent. In Zukunft möchte man zunehmend internationaler werden.

„Unser Ziel ist es, hochwertiges Kochwissen weltweit zugänglich zu machen. Wir wollen sowohl durch strategische Übernahmen als auch durch die internationale Expansion die nächsten Wachstumsschritte setzen“, erklärt Sailer.

 

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