06.12.2023

Vresh-Founder Klaus Buchroithner und die berühmte Zahl 85 – ein Anti-Gewalt-Projekt

Klaus Buchroithner, Gründer des Modestartups Vresh, möchte mit einer kurzfristigen Pop-Up-Aktion den Fokus auf Gewalt an Frauen legen. Und unterstützt damit Frauenhäuser.
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Buchroithner, Vresh, Pop-Up Store, Frauenhaus, AÖF
(c) brutkasten/Vresh - Klaus Buchroithner von Vresh.

Der Gründer des Linzer Fashion-Startups Vresh Klaus Buchroithner hat sich für seinen Pop-Up-Store am 9. Dezember die Zahl 85 zu Herzen genommen. Es wird, wie er auf Linkedin beschreibt, 85 selbst entworfene und nachhaltig produzierte Modeartikel geben.

„Diese Zahl steht symbolisch, denn 85 Prozent der Beschäftigten in der Textilindustrie sind Frauen. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf dieser T-Shirts und Hoodies wird dem AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser zugutekommen“, so der Founder auf dem sozialen Netzwerk.

Buchroithner: „Für eine feministische und gerechte Zukunft“

Die Kollektion umfasst 15 Hoodies und 70 T-Shirts, jedes gestaltet mit Botschaften, die „für eine feministische und gerechte Zukunft“ stehen.

Buchroithner und Co. engagieren sich in diesem Bereich, da in Österreich die Statistiken über Femizide und Gewalt gegen Frauen alarmierend sind.

Heuer 28 ermordete Frauen

Es gab 62 Tote Frauen in den Jahren 2020 und 2021 und 319 ermordete Frauen innerhalb der letzten elf Jahre. Von 2014 auf 2018 haben sich die Femizide von 19 auf 41 verdoppelt. Laut AÖF wurden heuer bereits 28 Frauen ermordet, davon waren mutmaßlich 26 Femizide, und es gab 41 Mordversuche bzw. Fälle schwerer Gewalt an Frauen.

„Es liegt an uns, Veränderungen herbeizuführen. Mit dem Kauf eines dieser Stücke leistet ihr nicht nur einen Beitrag zu einer guten Sache, sondern tragt auch dazu bei, wichtige Gespräche in eurem Umfeld anzustoßen“, schreibt Buchroithner weiter.

Kleidung als Medium der Veränderung

Die limitierten Stücke werden im „NO WALLS LEFT“ Pop-Up Store in der Oxymoron Galerie, Dürergasse 14-16, 1060 Wien, am 9.12.2023 von 11:00 bis 18:00 Uhr verkauft. Jedes Stück ist für EUR 100,- erhältlich.

Der Name „NO WALLS LEFT“ reflektiere dabei folgende Vision des Gründers: „In einer Welt, wo Werbung die öffentlichen Räume dominiert, wollen wir, dass unsere Kleidung zu einem Medium der positiven Veränderung wird.“

Buchroithner und Männer für Gleichberechtigung

Buchroithner abschließend: „Ich bin stolz, Teil dieses Projekts zu sein, zusammen mit engagierten Männern, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Die Idee entstand, als wir begannen, Kleidungsstücke mit starken Botschaften zu versehen – eine Initiative, die sofort großen Anklang fand.“

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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