18.03.2021

Österreichs nächstes Unicorn steht bereits fest

Wie wir aus vertrauenswürdiger Quelle erfuhren, gibt es schon bald ein weiteres heimisches Unicorn. Wir haben die aussichtsreichsten Kandidaten zusammengestellt.
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Wer wird Österreichs nächstes Unicorn
Wer wird Österreichs nächstes Unicorn | (c) Adobe Stock - pishit

Mit Bitpanda hat Österreich seit dieser Woche offiziell sein erstes Startup-Unicorn im engeren Sinn (auch Tech-Unternehmen wie bwin, Dynatrace und Tricentis haben zuvor eine Milliarden-Bewertung erreicht). Bis 2021 hat es also gedauert, bis ein heimisches Startup einen Unternehmenswert von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht hat. Doch nun soll es ziemlich schnell weitergehen. Von mehreren vertrauenswürdigen Quellen aus der Investoren-Szene erfuhr der brutkasten, dass eine Finanzierungsrunde eines heimischen Startups mit Milliardenbewertung bald spruchreif sein soll. Österreichs nächstes Unicorn steht also bereits fest. Darüber, um welches Unternehmen es sich handelt, halten sich unsere Quellen jedoch bedeckt.

Mehrere Startups könnten Österreichs nächstes Unicorn werden

Welches könnte also Österreichs nächstes Unicorn werden? Wir haben die auf Basis unserer Informationen aussichtsreichsten Kandidaten zusammengetragen. Dabei handelt es sich erstens um einige jener Startups, die in den vergangenen Jahren achtstellige Finanzierungsrunden abgeschlossen haben (Anm. manche sind aufgrund der Entwicklungen seitdem nicht hier gelistet). Zweitens haben wir Jungunternehmen in die Auswahl aufgenommen, die – für uns nachvollziehbar – ein außergewöhnlich starkes organisches Wachstum aufweisen.


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Österreichs nächstes Unicorn: Das sind die sieben aussichtsreichsten Kandidaten

Hier haben wir unsere Tipps in alphabetischer Reihenfolge niedergeschrieben:

Adverity

Adverity
v.l.n.r.: Die Gründer Martin Brunthaler, Alexander Igelsböck | (c) Adverity Gmbh / Carina Brunthaler

Das Wiener Marketing-Analyse-Startup Adverity holte sich nach elf Millionen Euro im Jahr 2019 vergangenes Jahr nochmal 30 Millionen US-Dollar (27,6 Mio Euro). Den Lead hatte mit Sapphire Ventures ein Silicon Valley VC, der auch einen möglichen Aufstieg zum Unicorn finanziell mittragen könnte. Dem Vernehmen nach läuft das Geschäft auch in der Coronakrise gut. Gegen den baldigen Aufstieg zum Unicorn spricht, dass die letzte Kapitalrunde bereits die Serie C war, die bisherige Wertsteigerung also weniger rasant verlief, als bei anderen Unternehmen auf dieser Liste.

Anyline

Anyline - few shot learning Kooperation mit Sepp Hochreiter und JKU Linz
(c) Anyline vlnr.: David Dengg, Entwickler, Daniel Albertini, CTO, Lukas Kinigadner, CEO, und Jakob Hofer, CMO

Das Wiener AI-Bilderekennungs-Startup schloss vergangenes Jahr seine Serie A-Finanzierungsrunde über zwölf Millionen US-Dollar (10,8 Mio. Euro) ab. Mit vielen Großkunden aus Industrie und Institutionen ist das Produkt des Unternehmens, das in den verganegnen Jahren sehr stark wuchs, relativ krisenresistent. Gegen den baldigen Aufstieg zum Unicorn sprechen jedoch die verhältnismäßig geringe Höhe der erwähnten Runde (es dürfte in der Serie B noch nicht soweit sein) und der der B2B-Fokus des Startups, auch wenn es seit vergangenem Jahr ein B2C-Produkt gibt.

GoStudent

GoSTudent, EduTech, Home School, Home Schooling, Ohswald, Müller,
(c) GoStudent – GoStudent-Gründer Felix Ohswald und Gregor Müller drängen nach einem erfolgreichen Jahr 2020 auch heuer in neue Märkte.

2016 gestartet brauchte das Wiener EduTech-Startup GoStudent zwei Jahre, um ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Wies es schon davor gute Wachstumszahlen auf, wurde das Krisenjahr 2020 zum großen Boost für das Unternehmen mit seinem Online-Nachhilfe-Angebot. Entsprechend fiel die Serie A-Runde vergangenes Jahr mit insgesamt 13,3 Millionen Euro schon recht hoch aus. und seitdem scheint die Entwicklung rasant weiterzugehen. Wie auch bei anderen könnte es jedoch auf Basis der Dimension des letzten Investments bei der Serie B-Runde vielleicht noch nicht soweit mit dem Unicorn-Status sein.

PlanRadar

Die Geschäftsführung der PlanRadar GmbH: Clemens Hammerl, Ibrahim Imam, Domagoj Dolinsek, Sander van de Rijdt, Constantin Köck (v.l.n.r.) (c) PlanRadar GmbH

Ähnlich wie Bitpanda finanzierte PlanRadar nach einem frühen Seed-Investment sein Wachstum über Jahre hinweg selbst. Vergangenes Jahr folgte dann mit 30 Millionen Euro die zweitgrößte Serie A-Runde der österreichischen Startup-Geschichte (nach Bitpanda). Damit macht sich das Wiener PropTech-Startup zumindest auf dem Papier zum heißesten Kandidaten für den baldigen Unicorn-Status. Ob eine kürzlich verschickte Aussendung, in der sich das Unternehmen als „Soonicorn“ bezeichnete, eher dafür oder dagegen spricht, sei dahingestellt. Statistisch verringert jedenfalls die B2B-Ausrichtung des Scaleups die Wahrscheinlichkeit.


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Refurbed

refurbed mit Aktion zum Earth Overshoot Day
Gründertrio refurbed (v. l.): Jürgen Riedl, Peter Windischhofer und Kilian Kaminski © refurbed / Alex Gotter

Nachhaltigkeit war bereits vor der Coronakrise ein Mega-Trend. Diesen versteht das Wiener Startup Refurbed mit seinem Angebot geschickt aufzugreifen. Denn die generalüberholten („refurbishten“) Elektronik-Geräte (vor allem Laptops und Smartphones) die über den Marktplatz vertrieben werden, punkten auch mit ihrem Preis bei Kunden. 2020 verdreifachte das Unternehmen seinen Außenumsatz auf rund 100 Millionen Euro. Und auch mit seiner 15,6 Millionen Euro Serie A-Finanzierungsrunde vergangenes Jahr macht sich das Scaleup zum heißen Tipp auf dieser Liste. Auch hier gilt freilich – wie bei anderen, dass es auch bei einer Fortsetzung des aktuellen Wachstumskurses eventuell bei der Serie B-Runde noch nicht dazu reicht, Österreichs nächstes Unicorn zu werden.

Storebox

Storebox: Die Co-Founder v.l.n.r.: Ferdi Dietrich, Christoph Sandraschitz, Johannes Braith
(c) Storebox: Die Co-Founder v.l.n.r.: Ferdi Dietrich, Christoph Sandraschitz, Johannes Braith

Seine letzte Finanzierungsrunde schloss das Wiener Startup Storebox 2018 ab. In der „mittleren siebenstelligen“ Serie A-Runde stieg damals mit der Signa Innovations AG ein Teil des Firmennetzwerks von Immobilien-Milliardär René Benko ein. Seitdem konnte das Unternehmen mit seinem Franchise-System massiv wachsen und erschloss weitere Geschäftsfelder neben Selfstorage für Privatkunden. An der Serie B-Runde arbeite man bereits, verriet Co-Founder Johannes Braith dem brutkasten vergangenes Jahr. Ob diese das Scaleup bereits zu Österreichs nächstem Unicorn macht, wird sich zeigen.

USound

uSound: Die Co-Founder Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferrucio Bottoni
(c) uSound: Die Co-Founder Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferrucio Bottoni

Die Technologie von USound ist in ihrer Sparte revolutionär. Das Grazer Startup brachte den ersten auf Halbleitertechnologie basierenden Mikro-Lautsprecher auf den Markt, der konventionelle Modelle in mehrerlei Hinsicht übertrifft. Damit machte es sich zum potenziellen Zulieferer für sämtliche Smartphone- und Kopfhörer-Produzenten. Inzwischen sind auch Konkurrenten am Markt. USound reagierte mit dem B2C-Produkt Fauna, einer Audio-Brille. Bislang investierte nur eQventure (unter Federführung von Herbert Gartner, der sich stark operativ im Unternehmen einbringt) – dafür bereits mehrmals achtstellig. Für eine Investment-Runde in Unicorn-Dimension wären wohl noch andere VC-Kaliber von Nöten.

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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