13.02.2026
AUSZEICHNUNG

Von der Forschung in die Wirtschaft: 9 Nominierungen für den Houskapreis 2026

Die mit insgesamt 760.000 Euro dotierten Houskapreise werden am 21. April in drei Kategorien vergeben. Ausgezeichnet werden Forschungsprojekte, die wissenschaftliche Exzellenz und wirtschaftliche Anwendung verbinden. In der KMU-Kategorie entfallen alle drei Nominierungen auf heimische Startups.
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Die Trophäen beim Houskapreis | (c) Christian Wind
Die Trophäen beim Houskapreis | (c) Christian Wind

Es ist eines der ganz großen Themen in der heimischen Innovationslandschaft: Wie können die exzellenten Forschungsergebnisse, die in Österreich erzielt werden, besser in die wirtschaftliche Anwendung überführt werden? Dieser Frage widmete brutkasten mit „From Science to Business“ zuletzt eine Serie, deren Ergebnisse auch in ein Whitepaper (hier zum Download) flossen.

Zentrale Erkenntnisse sind etwa die Notwendigkeit eines Kulturwandels an Universitäten und Hochschulen und von Verbesserungen bei der Finanzierungssituation von Spin-offs. Gleichzeitig zeigte die brutkasten-Serie: Es gibt aktuell ein Momentum, eine Aufbruchstimmung in Österreich. Und positive Beispiele können zur Motivation für weitere Player werden.

Breites Spektrum an Forschungsbereichen beim Houskapreis

Diesen positiven Beispielen widmet sich auch der jährlich vergebene Houskapreis der B&C Privatstiftung. „Die nominierten Einreichungen zum Houskapreis unterstreichen die vielfältige Forschungsbasis Österreichs. Entscheidend ist, dass diese Stärke auch wirtschaftliche Wirkung entfaltet, und genau hier setzt der Houskapreis an“, stellt Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der B&C Privatstiftung, klar.

Die dieses Jahr nominierten Projekte decken ein breites Spektrum an Forschungsbereichen ab – von Medizin- und Biotechnologie über Material-, Sensor- und Energieforschung bis hin zu KI-basierten Anwendungen, digitalen Plattformen sowie Raumfahrttechnologien. Dabei sind 2026 fünf Bundesländer vertreten: Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark, Salzburg und Wien. Ermittelt werden die Sieger-Projekte durch eine international besetzte Fachjury. Die Vergabe erfolgt am 21. April.

Drei Startups in KMU-Kategorie

Eine Neuerung beim diesjährigen Houskapreis: Es gibt nur mehr drei statt bislang fünf Nominierungen pro Kategorie. Sämtliche Projekte in der Endauswahl werden somit ausgezeichnet. Und es geht dabei um nicht weniger als insgesamt 760.000 Euro Preisgeld. Auf die Hauptpreise in den drei Kategorien Hochschulforschung, Außeruniversitäre Forschung und Forschung & Entwicklung in KMU entfallen dabei je 150.000 Euro. Die zweiten und dritten Plätze sind mit je 70.000 bzw. 30.000 Euro dotiert. Hinzu kommt der mit 10.000 Euro dotierte Mariella-Schurz-Preis, über den Schülerinnen und Schüler der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien entscheiden.

Eine Auffälligkeit bei den diesjährigen Kandidaten: In der Kategorie Forschung & Entwicklung in KMU entfallen alle drei Nominierungen auf Startups. AT Space aus Niederösterreich, Ocean Maps aus Salzburg und sendance aus Oberösterreich sind hier im Rennen um die hochdotierten Preise.

Alle Nominierten für den Houskapreis 2026

Kategorie Hochschulforschung

  • Medizinische Universität Wien, Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik: Smart Versatile Auto-Stop Navigation-Bohrplattform (SVAN)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institute of Molecular Biotechnology (IMBA), Wien: Menschliche Herzmodelle revolutionieren die Wirkstoffsuche
  • TU Wien, Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie: The Hotter, the Better – Mikrometer dünne Schichten für maximale Performance

Kategorie Außeruniversitäre Forschung

  • AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Center for Technology Experience, Wien: Green Manikin – KI-gestütztes Mixed-Reality-Erste-Hilfe-Training
  • AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Center for Energy, Wien: Voltera – KI-gestütztes Netzmanagement für sichere, flexible Energie
  • Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, Institut für Sensorik, Photonik und Fertigungstechnologien, Steiermark: PyzoFlex – Sensortechnologie der Zukunft

Kategorie Forschung & Entwicklung in KMU

  • AT Space GmbH, Niederösterreich: AstroLink
  • Ocean Maps GmbH, Salzburg: Ocean Maps – Digitaler Zwilling
  • sendance GmbH, Oberösterreich: sendance Plattform
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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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