08.04.2026
STIMMUNGSLAGE

Venture Sentiment Index: „Vorzeichen könnten kaum schlechter stehen“

Der European Venture Sentiment Index von Venionaire Capital für das erste Quartal fällt angesichts der neuerlichen Krise trotz des zuletzt hohen Investmentvolumens denkbar pessimistisch aus.
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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

Wie jedes Quartal gab Venionaire Capital wieder seinen European Venture Sentiment Index (EVSI) heraus, der die Stimmung europäischer Investor:innen einfangen soll und diese mit aktuellen Statistiken abgleicht. Im vierten Quartal des Vorjahrs waren die Erwartungen zuletzt leicht übertroffen worden, wie brutkasten berichtete. Zum Ende des ersten Quartals stand nun ein signifikant angestiegenes Deal-Volumen einer denkbar schlechten Stimmung gegenüber.

Großes Investment-Volumen mit Haken

Nicht nur in Österreich (brutkasten berichtete) brachte das erste Quartal nämlich eine durchaus ansehnliche Investment-Summe für Startups. Auf europäischer Ebene lag das Gesamtvolumen laut EVSI bei 24,9 Milliarden US-Dollar und damit 23,4 Prozent über dem Vorquartal und ganze 41,3 Prozent über dem ersten Quartal 2025. Dabei gibt es jedoch einen Haken: Die Anzahl an Transaktionen (917) sank sowohl im Vergleich zum Vorquartal (minus 7,7 Prozent) als auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (minus 9,7 Prozent). Das Kapital konzentriert sich also auf weniger, größere Kapitalrunden.

Dealvolumen in Europa | (c) Venionaire

„Investor:innen suchen nach Planbarkeit und Sicherheit. Junge Unternehmen mit unvorhersehbaren Umsatzentwicklungen – so es überhaupt schon welchen gibt – sind in der aktuellen Lage kein attraktives Investment. Stattdessen bevorzugen Kapitalgeber:innen etablierte Unternehmen mit kalkulierbaren Einnahmen und einer stabilen Marktposition. Dafür bezahlen sie auch weiterhin stattliche Bewertungen“, analysiert Venionaire-CEO Berthold Baurek-Karlic. In Frankreich etwa betrug die durchschnittliche Deal-Größe im ersten Quartal stolze 47 Millionen Euro, im Vereinigten Königreich 37,8 Millionen Euro – beides zurückzuführen auf eine Reihe von Mega-Runden im KI-Bereich.

Stimmung negativ und deutlich unter Erwartungen

In Sachen aktueller Stimmungslage wirkt sich vor allem die durch den Iran-Krieg ausgelöste neuerliche Krise aus. Mit 4,4 Punkten fällt der Indexwert erstmals seit Anfang 2024 unter die neutrale Marke von 5 und liegt maßgeblich unter der für jeden EVSI abgefragten Erwartung aus dem Vorquartal (5,6). „Durch die angespannte Situation im Nahen Osten und die ungewisse Strategie der USA in diesem Zusammenhang, kehrte sich diese Zuversicht in Sorge und Nervosität um“, meint Baurek-Karlic.

Entwicklung des EVSI | (c) Venionaire

Treiber dieser Entwicklung seien signifikante Rückgänge bei zentralen Marktindikatoren, heißt es von Venionaire. Startup-Bewertungen gingen demnach im Quartalsvergleich um 27,7 Prozent zurück, während sich das Fundraising-Umfeld um 45,1 Prozent verschlechterte. Parallel dazu sanken die Investor:innen-Aktivität (-10,7 Prozent) sowie der Dealflow (-13,6 Prozent).o

Pessimismus für das zweite Quartal

Und die Lage wird laut EVSI nicht besser. „Für das zweite Quartal könnten die Vorzeichen kaum schlechter stehen“, heißt es von Venoinaire. Der prognostizierte Index-Wert liegt mit 4,3 noch etwas niedriger als im ersten Quartal. Die Prognose zu den Einzel-Parametern: Startup-Bewertungen sollen sich um weitere 18,1 Prozent verschlechtern, während das Fundraising-Umfeld mit minus 25,9 Prozent seine Talfahrt fortsetzt. Auch die Investor:innen-Aktivität (-32,1 Prozent) und weniger Wettbewerb (-11,5 Prozent) tragen ihr Stück zu einer schlechteren prognostizierten Deal-Qualität (-20,9 Prozent) bei.

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(c) Karin Hackl Wirtschaftsagentur Wien

Die Stadt Wien und die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien haben die Einreichphase für ihr gemeinsames Finanzierungsinstrument Wiener Wachstum gestartet. Insgesamt stehen dafür sieben Millionen Euro Startkapital zur Verfügung. Ziel ist es, die Eigenkapitalbasis wachstumsorientierter Unternehmen zu stärken und ihnen die nächsten Entwicklungsschritte zu ermöglichen.

Bereits im April dieses Jahres wurde das Finanzierungsmodell angekündigt. Hinter der Initiative steht eine gemeinsame Gesellschaft der Wirtschaftsagentur Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Beide Partner stellen jeweils 3,5 Millionen Euro zur Verfügung.

„Mit Wiener Wachstum wollen wir KMU in kritischen Wachstumsphasen gezielt begleiten und Investitionen in Innovation, Internationalisierung sowie Technologie ermöglichen“, erklärt Martin Hauer, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Wer kann sich bewerben?

Das Angebot richtet sich an Wiener Startups, Scaleups sowie KMU aus der Gesundheits- und Digitalwirtschaft. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Medizintechnik, Pharma und Diagnostik sowie Software, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Cybersecurity.

Voraussetzung ist unter anderem, dass die Unternehmen als Kapitalgesellschaft eingetragen sind, über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen und seit „mindestens zwei bis drei Jahren“ eine Betriebsstätte in Wien haben. Unterstützt werden sollen insbesondere Vorhaben zur Skalierung, Internationalisierung, technologischen Weiterentwicklung oder Erweiterung von Produktionskapazitäten.

Keine klassische Förderung, sondern eine Beteiligung

Bei Wiener Wachstum handelt es sich nicht um eine klassische Förderung, sondern um eine Finanzierung. Die vereinbarte Summe wird vollständig an die Unternehmen ausbezahlt. Im Gegenzug führen erfolgreiche Unternehmen später einen vertraglich vereinbarten Anteil ihrer Gewinne an Wiener Wachstum zurück. Diese sollen künftig für weitere Unternehmensfinanzierungen eingesetzt werden und damit einen langfristigen Finanzierungskreislauf schaffen.

„Wir beschreiten mit Wiener Wachstum einen ganz neuen Weg abseits unserer bestehenden Fördermöglichkeiten“, erklärt Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak. Die Finanzierung stärke die Eigenkapitalbasis der Unternehmen und werde flexibel an deren Anforderungen angepasst.

Pro Unternehmen sind Finanzierungen zwischen 100.000 und 500.000 Euro möglich. Dabei kommen beispielsweise direkte Unternehmensbeteiligungen oder eigenkapitalähnliche Finanzierungen, etwa in Form qualifizierter Nachrangdarlehen, infrage. Bei direkten Beteiligungen liegt die Beteiligungsquote bei maximal 25 Prozent. Der vorgesehene Beteiligungszeit beträgt sieben bis zehn Jahre mit einer klaren Exitstrategie. Die konkreten Konditionen werden individuell vereinbart.

Einreichungen ab sofort möglich

Interessierte Unternehmen können sich ab sofort über die Website der Wirtschaftsagentur Wien für eine Finanzierung bewerben. Eine fixe Einreichfrist gibt es nicht. Nach einer ersten Prüfung der eingereichten Unterlagen folgen Gespräche über ein mögliches Investment sowie eine vertiefte Unternehmensprüfung. Der gesamte Prozess kann laut Wirtschaftsagentur Wien vier bis sechs Monate dauern.

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