09.01.2026

European Venture Sentiment Index: Leichter Aufwärtstrend im vierten Quartal

Die Stimmung europäischer Investor:innen war laut aktuellem European Venture Sentiment Index von Venionaire Capital zuletzt besser als erwartet.
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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Untertroffene Erwartungen mit Ausblick nach unten“ titelte brutkasten im Oktober vergangenen Jahres zur Veröffentlichung des European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital für das dritte Quartal 2025. Die Erwartungen für das vierte Quartal waren also alles andere als berauschend. Doch es kam nicht ganz so schlimm, wie der nun veröffentlichte aktuelle EVSI zeigt.

Investor:innen-Stimmung besser als im dritten Quartal erwartet

Der Bericht kombiniert eine Befragung europäischer Investor:innen mit ökonomischen Daten. Die Stimmung der befragten Investor:innen ist mit 5,7 Indexpunkten im vierten Quartal am selben Niveau, wie im Vorquartal. Damit liegt sie klar über den damals erwarteten 5,4 Punkten. Für das kommende Quartal wird mit 5,6 Punkten aktuell ein etwas niedrigerer Wert erwartet. Eine besonders große Steigerung, nämlich um 42,5 Prozent, gab es in der Beurteilung des Fundraising-Umfelds.

Die Entwicklung des EVSI seit Q2 2024 | (c) Venionaire

Diskrepanz zwischen sinkender Investor:innen-Aktivität und steigendem Volumen

Dabei sank allerdings die tatsächliche Investor:innen-Aktivität laut EVSI um 18,4 Prozent. Gleichzeitig stieg das Dealvolumen in Europa auf 20,2 Milliarden US-Dollar und erreichte somit den höchsten Stand seit dem zweiten Quartal 2022. Die Analyst:innen von Venionaire sehen in dieser Divergenz eine strukturelle Verhaltensänderung. Der Markt entwickle sich demnach von einer Dominanz der Vorsicht hin zu einer wieder größeren, aber selektiven Bereitschaft zu investieren.

Fokus auf Later-Stage, KI, DeepTech und Defense

Diese Selektivität drückt sich zum einen darin aus, dass zuletzt im Verhältnis mehr Kapital in Later-Stage-Kapitalrunden fließt – konkret 43 Prozent im vierten Quartal. Zum anderen fokussiert sich das Kapital – wenig überraschend – stark auf die Bereiche Künstliche Intelligenz, DeepTech und DefenseTech. Regional bleiben die Hotspots das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland, die gemeinsam 55 Prozent des gesamten europäischen Volumens auf sich vereinen. Deutschland stach dabei zuletzt besonders hervor: Trotz eines Rückgangs der Deal-Anzahl stieg das investierte Kapital um 69,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, was auf wenige, aber sehr große „Mega-Runden“ zurückzuführen ist.

Exit-Umfeld als größte Sorge der Investor:innen

Der Ausblick auf das erste Quartal 2026 ist – wie bereits erwähnt – mit einem Indexwert von 5,6 weiterhin von einer gewissen Vorsicht geprägt. In Tiefeninterviews im Rahmen der Erhebung nannten Investor:innen das schwierige Exit-Umfeld als ihre größte Sorge, gefolgt von geopolitischen Risiken und Liquiditätsengpässen. Für Startups, vor allem im AI-Bereich, liegt die Messlatte laut Studienautor:innen aktuell höher als etwa noch vor zwei Jahren. Ein bloßes Versprechen reiche nicht mehr aus, gefordert würden konkurrenzfähige Produkte und echte Umsätze.

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Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs | (c) Peter Drechsler / SAL

Das österreichische Forschungszentrum Silicon Austria Labs (SAL) hat nach eigenen Angaben das weltweit dünnste bidirektionale 11-Kilowatt-Bordladegerät für Elektroautos entwickelt. Die sogenannte „Tiny Power Box 2.0“ ist nur fünf Zentimeter hoch und soll Autoherstellern neue Möglichkeiten beim Einbau bieten. Entwickelt wurde der Prototyp von Forschungsteams in Villach und Graz gemeinsam mit den Industriepartnern Infineon, AVL, TDK, Fronius und MetaSystem. Das Forschungsprojekt hatte ein Volumen von 7,2 Millionen Euro.

Laden und Strom zurückspeisen

Jedes Elektroauto verfügt über einen sogenannten On-Board-Charger. Dieser wandelt den Wechselstrom aus der Steckdose oder Wallbox in Gleichstrom um, den die Fahrzeugbatterie speichern kann. Die Tiny Power Box 2.0 übernimmt dabei gleich drei Funktionen: Sie lädt die Batterie mit bis zu elf Kilowatt, kann Strom aus dem Fahrzeug zurück ins Haus oder öffentliche Netz speisen und versorgt über einen integrierten Wandler auch das 12-Volt-Bordnetz. Darüber werden unter anderem Beleuchtung, Steuergeräte und Infotainment betrieben. Dafür ist bislang häufig ein separates Bauteil notwendig.

Durch die bidirektionale Funktion könnte ein geparktes Elektroauto künftig auch als Stromspeicher dienen. Beispielsweise ließe sich tagsüber erzeugter Solarstrom in der Fahrzeugbatterie speichern und bei Bedarf wieder im Haushalt nutzen.

Mehr Leistung auf weniger Raum

Die größte Herausforderung bei der Entwicklung sei die Wärme gewesen, die beim Umwandeln des Stroms entsteht, heißt es von SAL. Je kompakter das Ladegerät, desto schwieriger wird es, diese abzuführen.

„Bei 50 Millimetern Bauhöhe liegt die eigentliche Herausforderung in der Wärmeentwicklung, die auf sehr kleinem Raum abgeführt werden muss. Wir haben Kühlung, magnetische Komponenten und Isolation deshalb in kombinierten Designprozessen als ein gemeinsames Gesamtsystem simuliert und entwickelt. Nur so lassen sich 11 Kilowatt bidirektional auf engstem Bauraum umsetzen“, erklärt Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs.

Die Entwicklung baut auf einem Vorgängerprojekt aus dem Jahr 2022 auf. Damals hatte SAL bereits ein kompaktes Ladegerät mit sieben Kilowatt Leistung entwickelt. Die neue Generation erreicht elf Kilowatt und kommt dabei mit einer deutlich geringeren Bauhöhe aus.

Forschungsergebnisse für weitere Anwendungen

Nach dreieinhalb Jahren Forschung liegt die Tiny Power Box 2.0 nun als Prototyp vor. Mit fast allen beteiligten Industriepartnern laufen bereits Folgeprojekte. Dabei sollen die entwickelten Technologien auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen, etwa in der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, in industriellen Gleichstromnetzen oder bei der Stromversorgung von Rechenzentren.

Ob und wann die Tiny Power Box 2.0 selbst in Serienfahrzeugen eingesetzt werden könnte, ist derzeit offen. Interesse gibt es laut SAL aber bereits von europäischen und internationalen Autoherstellern.

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